Das Wort des Lebens
lebensstudium

Das Opfer eures Glaubens

11 Min. Lesezeit

Manche biblischen Formulierungen lassen uns staunen, weil sie vertraute Begriffe plötzlich in einem ungewohnten Licht erscheinen lassen. Wenn Paulus vom „Opfer eures Glaubens“ und davon spricht, wie sein eigenes Leben wie ein Trankopfer darauf ausgegossen wird, spüren wir: Hier geht es um mehr als nur darum, irgendwie zu glauben. Es geht um einen Glauben, der von Gottes Wort durchdrungen, vom Geist belebt und so reich an Christus ist, dass er selbst zu einem Gott dargebrachten Opfer wird. Die Frage ist: Wie entsteht ein solcher Glaube – und wie sieht das im Alltag eines Christen aus?

Wenn Wort und Geist Glauben entzünden

Glaube beginnt dort, wo Gott selbst das Schweigen bricht. Er entsteht nicht zuerst aus unserem Entschluss, sondern aus dem Kommen des Wortes zu uns. In Epheser 1:13 heißt es: „in dem auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium von eurer Errettung, gehört habt, auch an Ihn geglaubt habt, mit dem Heiligen Geist der Verheißung versiegelt worden seid“. Hören, glauben, versiegelt werden – diese Bewegung ist keine fromme Technik, sondern die Spur des Dreieinen Gottes in einem Menschenherzen. Das Wort kommt als Offenbarung, der Geist kommt im Wort, und im Inneren des Hörers entzündet sich etwas, das vorher nicht da war: Vertrauen, Gewissheit, Zuspruch, der nicht aus ihm selbst stammt. So ist der Glaube, den Gott sucht, immer schon von Gott berührt, bevor er aus unserem Mund bekannt wird.

444 Dass das Wort in unserer Erfahrung zum Geist wird, kann durch das Anzünden eines Streichholzes veranschaulicht werden. Der Kopf eines Streichholzes ist eine Kugel aus Phosphor. Wenn wir ein Streichholz auf richtige Weise entzünden, geht der Phosphor in Flammen auf. (Witness Lee, Life-Study of Philippians, Botschaft fünfzig, S. 444)

Wo das Wort den Geist mit sich bringt, wird es nicht bloß Information, sondern Ereignis. Es trifft das Herz, wie ein Streichholz über eine raue Fläche gezogen wird, bis der unscheinbare Kopf in Flammen aufgeht. So wird das gehörte Wort in unserer Erfahrung zum Geist: Es wird lebendig, warm, dringlich, tröstend, manchmal erschütternd. Diese innere „Explosion“ ist der Glaube – nicht bloß ein Einverständnis mit Sätzen, sondern ein inneres Erfassen, dass Christus real, gegenwärtig und vertrauenswürdig ist. Wenn Paulus vom „Opfer und dem Dienst eures Glaubens“ spricht, bewegt er sich genau in diesem Raum (Phil. 2:17-18): Glaube ist für ihn nicht ein dünner Gedanke, sondern etwas Gewachsenes, Durchtränktes, das aus der Berührung von Wort und Geist hervorgegangen ist. In einem solchen Glauben ist Gott selbst der eigentliche Ursprung, und gerade darum kann er vor Gott zu einem Opfer werden, das Gewicht hat und Wohlgeruch trägt. Das ermutigt, unseren Glauben nicht klein zu denken: Jeder Strahl innerer Gewissheit, den das Wort im Geist entzündet, ist bereits Teil eines Opferfeuers, das Gott wahrnimmt und schätzt.

in dem auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium von eurer Errettung, gehört habt, auch an Ihn geglaubt habt, mit dem Heiligen Geist der Verheißung versiegelt worden seid, (Eph. 1:13)

Aber wenn ich auch als Trankopfer über dem Opfer und dem Dienst eures Glaubens ausgegossen werde, so freue ich mich, und ich freue mich zusammen mit euch allen. (Phil. 2:17-18)

Aus dieser Sicht verliert der Glaube seine Last als zu erbringende Leistung und wird zum Raum der Begegnung mit dem Reden Gottes. Wo Wort und Geist unser Inneres entzünden, wird unser Vertrauen auf Christus selbst zur Gabe, die wir vor Gott tragen dürfen. Gerade in Zeiten, in denen Gefühle schwach sind und Fragen laut, bleibt diese Gewissheit: Der Glaube, den der Geist durch das Wort in uns wirkt, ist Gott kostbar – nicht weil er groß erscheint, sondern weil er von ihm selbst entzündet ist.

Der Glaube, der Christus genießt

Es gibt einen Glauben, der an Tatsachen festhält, und einen Glauben, der an einer Person hängt. Beide kennen Daten der Heilsgeschichte, aber nur der zweite kennt die Freude an Christus. Paulus spricht von der „Freude des Glaubens“ (Phil. 1:25) und meint damit mehr als ein zufälliges Hochgefühl: Er sieht, dass Glaube die Tür zu einem wirklichen Genießen Christi ist. In Epheser 2:8 heißt es: „Denn durch Gnade seid ihr gerettet worden, durch den Glauben, und dies nicht aus euch; Gottes Gabe ist es;“. Wo diese Gnade im Glauben ergriffen wird, bleibt der Mensch nicht Zuschauer eines Heilsplans, sondern wird begnadigter Teilhaber an einem lebendigen Retter. Glaube ist dann nicht nur Zustimmung, dass Christus rettet, sondern geschmeckte Wirklichkeit, dass er mich rettet, heute, in diesem konkreten Leben.

442 auf freudige Weise durch die Apostel. Paulus war ein neutestamentlicher Priester. Er sagt in Römer 15:16: „Dass ich ein Diener Christi Jesu für die Nationen sein sollte, der als Priester das Evangelium Gottes darbringt, damit das Opfer der Nationen angenehm werde, geheiligt im Heiligen Geist.“ Als Evangeliumspriester brachte Paulus seine Bekehrten Gott als Opfer dar. (Witness Lee, Life-Study of Philippians, Botschaft fünfzig, S. 442)

Wenn die Schrift Christus in vielen Facetten vor Augen malt, möchte der Glaube jede einzelne davon innerlich kosten. Christus als der, der in unseren Herzen Wohnung macht (Epheser 3:17), als der, der in uns lebt (Galater 2:20), als der, in dem wir mit Gott wirksam gemacht und aus dem Tod herausgehoben werden (Kolosser 2:12) – das sind keine abstrakten Titel, sondern Einladungen zur Erfahrung. Wo der Geist aus dem Wort diese Wirklichkeit ins Herz schreibt, entsteht Wertschätzung: Christus wird kostbar, begehrenswert, vertrauenswürdig. Dieser geschmackvolle Glaube verändert den Umgang mit Gemeinde und Alltag gleichermaßen. Er sieht in der Gemeinde nicht nur eine Institution, sondern den Raum, in dem der allumfassende Christus aus Galater, Epheser, Philipper und Kolosser miteinander erlebt wird. Und er entdeckt gerade in unscheinbaren Wegen – in Arbeit, Schwachheit, Beziehungen – Anlässe, Christus konkret zu genießen. So wird der Glaube weit, warm und tragfähig; er trägt nicht nur Sätze, sondern trägt eine Person im Herzen.

Wo Glaube Christus genießt, bekommt er eine stille Leuchtkraft. Er drängt nicht zuerst zu Leistung, sondern zu Vertrauen; er misst sich nicht an religiösen Erfolgen, sondern an der Tiefe der Wertschätzung für den Herrn. Das schenkt Freiheit: Niemand muss einen glänzenden Glaubensstand vorweisen, um Gott zu gefallen. Vielmehr wächst, oft leise und verborgen, ein innerer Schatz: die Erfahrung, dass der Sohn Gottes mich geliebt und sich für mich hingegeben hat (Gal. 2:20). Aus dieser Quelle entspringt eine Freude, die auch in Mühen und Kämpfen nicht verstummt – die Freude des Glaubens, die Paulus bei den Philippern suchte und die auch heute noch Herzen trägt, die sich Christus anvertrauen.

Und hiervon überzeugt, weiß ich, dass ich bleiben und bei euch allen bleiben werde zu eurem Fortschritt und zu eurer Freude des Glaubens, (Phil. 1:25)

Denn durch Gnade seid ihr gerettet worden, durch den Glauben, und dies nicht aus euch; Gottes Gabe ist es; (Eph. 2:8)

Wer so glaubt, steht nicht länger vor einem fernen Christus, sondern lebt mit einem gegenwärtigen Herrn, der sich genießen lässt: in der Gnade der Errettung, in der inneren Wohnung seines Friedens, in der Kraft seines in uns lebenden Lebens. Der Unterschied zwischen einem sachlich richtigen und einem genießenden Glauben zeigt sich daran, ob Christus als kostbar empfunden wird. Wo sein Wort unsere Wertschätzung weckt, wächst eine Freude, die uns durch das gegenwärtige Zeitalter trägt und schon einen Vorgeschmack des kommenden Zeitalters und der ewigen Gemeinschaft mit ihm gibt.

Wenn der Glaube selbst zum Opfer wird

Wenn Paulus im Blick auf die Philipper sagen kann: „Aber wenn ich auch als Trankopfer über dem Opfer und dem Dienst eures Glaubens ausgegossen werde, so freue ich mich“ (Phil. 2:17), zeichnet er ein priesterliches Bild von erstaunlicher Tiefe. Der Glaube der Gemeinde ist für ihn ein Opfer, das Gott dargebracht wird; sein eigenes Leben ist wie ein Trankopfer, das auf dieses Opfer gegossen wird. Damit wird deutlich: Glaube ist nicht nur der Weg zur Errettung, sondern wird selbst zu einer Gabe vor Gott. Doch dieses Opfer ist nichts Äußerliches. Es besteht aus der Summe der Erfahrungen, des Genusses und des Gewinnens von Christus, die im Inneren der Gläubigen herangereift sind. Wo Christus durch Wort und Geist Herz und Denken durchdringt, wird der Glaube von ihm geprägt und trägt seinen Duft vor Gott.

441 Bibelverse: Philipper 2:17–18; 1:25; 3:9; Epheser 1:13; 2:8; 3:17; Galater 2:20; 5:6; Kolosser 1:3–4; 2:12 In 2:17 sagt Paulus: „Aber wenn ich auch als Trankopfer über dem Opfer und dem Dienst eures Glaubens ausgegossen werde, so freue ich mich, und ich freue mich zusammen mit euch allen.“ In diesem Vers spricht Paulus von „dem Opfer und dem Dienst eures Glaubens“, ein Ausdruck, der für Bibelstudenten schwer zu verstehen ist. Hier werden zwei Dinge mit dem Glauben der Gläubigen in Verbindung gebracht: das Opfer und der priesterliche Dienst. Paulus betrachtet den Glauben der Gläubigen als ein Gott dargebrachtes Opfer. (Witness Lee, Life-Study of Philippians, Botschaft fünfzig, S. 441)

Paulus verknüpft dieses innere Opfer mit einem sichtbaren Ausdruck. Wenn er davon spricht, dass die Gläubigen „das Wort des Lebens darreichen“ (Phil. 2:16), zeigt sich, dass der geprägte Glaube nicht im Inneren verschlossen bleibt. Er findet seinen Weg in Worte, Haltungen, Beziehungen. Dennoch liegt das Geheimnis nicht in der äußeren Form, sondern in der verborgenen Wirklichkeit: In Kolosser 2:12 heißt es, dass wir „zusammen mit Ihm auferweckt wurden durch den Glauben an die Wirkkraft Gottes, der Ihn von den Toten auferweckt hat“. In diesem Glauben ist das Handeln Gottes, seine Auferstehungskraft, gegenwärtig. So wird unser Glaube zu einem Opfer, das in Gottes Augen nicht aus brüchiger menschlicher Treue besteht, sondern aus dem Abdruck von Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, in unserem Leben. Wenn Diener wie Paulus ihr Leben als Trankopfer darauf ausgießen, ist das kein tragischer Verlust, sondern eine Ergänzung eines bereits kostbaren Opfers.

Am Ende ist das Opfer unseres Glaubens nichts anderes als Christus selbst, wie er in uns erlebt, genossen und Gott dargebracht wird. Darin liegt Trost und Ermutigung: Selbst ein schwacher, durch Kämpfe hindurchgegangener Glaube kann vor Gott ein ehrliches Opfer sein, weil Christus seine eigentliche Substanz ist. Wo unser Vertrauen an Grenzen stößt, bleibt die Wirklichkeit bestehen, dass der Sohn Gottes, der sich für uns hingegeben hat, in diesem Glauben Gestalt angenommen hat. Gott schaut nicht zuerst auf die Brillanz unseres Glaubens, sondern auf den Christus, der durch ihn zum Vorschein kommt. Das gibt dem Weg durch das gegenwärtige Zeitalter Richtung: Unser Wachsen im Glauben ist nicht nur persönlicher Gewinn, sondern Teil einer priesterlichen Geschichte, in der der Dreieine Gott sich ein Volk heranbildet, dessen Glaube ihm als wohlgefälliges Opfer entgegensteigt.

Aber wenn ich auch als Trankopfer über dem Opfer und dem Dienst eures Glaubens ausgegossen werde, so freue ich mich, und ich freue mich zusammen mit euch allen. (Phil. 2:17)

da ihr zusammen mit Ihm begraben wurdet in der Taufe, in der ihr auch zusammen mit Ihm auferweckt wurdet durch den Glauben an die Wirkkraft Gottes, der Ihn von den Toten auferweckt hat. (Kol. 2:12)

So verstanden, verliert der Ausdruck „Opfer eures Glaubens“ seine Härte und gewinnt einen milden Glanz. Glaube muss nicht heroisch wirken, um vor Gott Wert zu haben; er darf tastend, angefochten, lernend sein und bleibt doch Opfer, weil Christus seine Mitte ist. Jeder Schritt des Vertrauens, jede stille Zustimmung zu Gottes Weg, jeder neu gefasste Blick auf den auferstandenen Herrn fügt diesem Opfer etwas hinzu. In all dem begleitet uns der, der als Trankopfer schon alles gegeben hat – damit unser Glaube, so bruchstückhaft er sich anfühlt, vor Gott als etwas Kostbares gilt.


Herr Jesus Christus, danke, dass du dich uns im Wort offenbarst und durch deinen Geist in unseren Herzen Glauben wirkst. Lass dein Wort in uns wie ein Feuer brennen, damit unser Glaube nicht arm und trocken bleibt, sondern von deiner Person durchdrungen ist. Stärke unseren inneren Menschen, dass du mehr und mehr Wohnung in unseren Herzen machen kannst und unser ganzes Leben von deiner Gegenwart erfüllt wird. Und wenn unsere Wege durch Leiden oder Hingabe gekennzeichnet sind, lass sie wie ein Trankopfer auf diesem Opfer des Glaubens sein, das dich ehrt und anderen Hoffnung bringt. Bewahre uns in der Gewissheit, dass du in uns lebst und uns bis zur Vollendung tragen wirst. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Philippians, Chapter 50

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