Das Wort des Lebens
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Die Satzungen im Gegensatz zu Christus

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Überall, wo Menschen glauben und Gott dienen wollen, entstehen mit der Zeit feste Formen, Regeln und Traditionen. Vieles daran wirkt zunächst hilfreich und ordnend, bis wir merken, wie sehr unterschiedliche Gewohnheiten, Frömmigkeitsstile und kirchliche Vorschriften uns voneinander entfernen können. Der Epheserbrief zeigt eine tiefere Perspektive: Am Kreuz hat Christus nicht nur persönliche Schuld getragen, sondern auch das aufgehoben, was Menschen in Lager, Konfessionen und Frömmigkeitsschulen spaltet, um aus Juden und Heiden einen neuen Menschen in sich selbst zu schaffen.

Christus hat die trennenden Satzungen am Kreuz beseitigt

Wenn Paulus in Epheser 2.von dem „Gesetz der Gebote in Verordnungen“ spricht, rückt er einen Bereich in das Licht des Kreuzes, der uns leicht entgeht. Es geht nicht nur um grobe Sünde oder um offenkundige Rebellion, sondern um festgelegte Ordnungen, um kulturell und religiös geprägte Lebensformen, um alles, was das Miteinander zwischen Menschen und das Nahen zu Gott regelt. Nach dem Sündenfall hat der Mensch nicht nur Gott verloren, sondern sich auch von den anderen Menschen entfremdet. Spätestens seit Babel wurde die Menschheit in Sprachen, Völker und Traditionen zersplittert; jede Gruppe bildete ihre eigenen Ordnungen, durch die man wusste, wer „drinnen“ und wer „draußen“ ist. Solche Satzungen können gepflegte Formen annehmen – religiöse Gewohnheiten, fromme Bräuche, konfessionelle Besonderheiten –, aber in der gefallenen Menschheit werden sie zu Mauern der Abgrenzung und zu Nährböden für geistliche Überheblichkeit.

Epheser 2 ist ein wichtiges Kapitel, weil es zeigt, dass Christus am Kreuz gestorben ist, um in Sich Selbst einen neuen Menschen zu schaffen. Damit dieser neue Mensch entstehen konnte, musste das Gesetz der Gebote in Satzungen abgeschafft werden. Christen erkennen, dass Christus am Kreuz mit der Sünde, dem alten Menschen, dem Fleisch, der Welt und dem Teufel, Satan, abgerechnet hat. Aber nur sehr wenige Christen haben gesehen, dass Christus am Kreuz auch mit den Satzungen abgerechnet hat. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft siebenundachtzig, S. 735)

Darum heißt es in Epheser 2:15, Christus habe „in Seinem Fleisch das Gesetz der Gebote in Verordnungen außer Kraft gesetzt, damit Er in Sich Selbst die zwei zu einem neuen Menschen schaffe und so Frieden stifte“. Am Kreuz richtet Christus nicht nur die Sünde, das Fleisch, die Welt und Satan, sondern Er entmachtet auch diese trennenden Ordnungen als Grundlage unseres Selbstverständnisses. Er nimmt Juden und Heiden, religiös Geprägte und „Fernstehende“, Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen in Sein eigenes Sterben und Auferstehen hinein, um sie nicht zu einer besseren Version ihrer alten Lager zu machen, sondern „in Sich Selbst“ zu einem neuen Menschen zu formen. Wo sein Blut in den Vordergrund rückt, verlieren menschliche Zugehörigkeiten, religiöse Profile und kulturelle Prägungen ihre trennende Wucht. Epheser 2:13 fasst es schlicht zusammen: „Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden.“ In dieser Nähe zu Gott und zueinander liegt eine stille, aber kraftvolle Ermutigung: Unser Wert und unsere Identität hängen nicht länger an den Ordnungen, die uns voneinander unterscheiden, sondern an Christus, der unser Friede ist. Je mehr dieser Friede unser Herz durchdringt, desto freier können wir sein, Menschen nicht nach ihren Satzungen zu sehen, sondern nach dem, was Gott in Christus aus ihnen machen möchte – Teil eines neuen, gemeinsamen Menschen.

Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden. (Eph. 2:13)

indem Er in Seinem Fleisch das Gesetz der Gebote in Verordnungen außer Kraft setzte, damit Er in Sich Selbst die zwei zu einem neuen Menschen schaffe und so Frieden stifte (Eph. 2:15)

Wer entdeckt, wie tief Satzungen die Beziehungen zwischen Gläubigen prägen, kann sich vom Kreuz her neu ausrichten lassen: Christus hat nicht nur das, was offensichtlich böse ist, beseitigt, sondern auch das, was fromm aussieht und doch Mauern errichtet. In seiner Gegenwart wächst die Freiheit, geistliche Identität nicht aus Abgrenzungen zu gewinnen, sondern aus der Zugehörigkeit zu Ihm. So wird es möglich, andere nicht zuerst durch die Brille ihrer Tradition, ihres Stils oder ihrer Frömmigkeitsform zu betrachten, sondern in ihnen Brüder und Schwestern zu erkennen, mit denen man in Christus bereits eins ist – und diese Einheit Schritt für Schritt in der Praxis nachzuvollziehen.

Christus allein als Grundlage statt frommer Sonderwege

Das Bild des Hauses Gottes in Epheser 2.rückt eine entscheidende Frage ins Zentrum: Worauf ruht dieses Haus? Paulus antwortet überraschend nüchtern. Wer an Christus glaubt, wird „Mitbürger der Heiligen und Glieder des Haushaltes Gottes“ (Epheser 2:19). An dieser Zugehörigkeit hängt nichts von bestimmten Frömmigkeitsstilen, keine liturgische Form und keine konfessionelle Besonderheit. Das Haus Gottes entsteht dort, wo Menschen durch Christus Zugang zum Vater haben und auf Ihn hin zusammengefügt werden. Die Grundlage dieses Hauses benennt Paulus klar: „aufgebaut auf dem Fundament der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus Selbst der Eckstein ist“ (Epheser 2:20). Die Apostel und Propheten haben kein System von Vorschriften hinterlassen, sondern Christus bezeugt, der in Seiner Person, in Seinem Werk und in Seinem Wort das tragende Fundament ist.

Jetzt sind wir in Christus. Er sollte das einzigartige Fundament sein, auf das wir gebaut werden. In 2:20 spricht Paulus von dem Fundament der Apostel und Propheten. Damit ist der Christus gemeint, an den die Apostel glaubten und den sie anderen darreichten. Das Fundament in Epheser 2 hat mit keinerlei Satzungen zu tun; es ist Christus Selbst. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft siebenundachtzig, S. 738)

Im Lauf der Geschichte haben Gläubige oft begonnen, neben diesem Fundament zusätzliche Träger einzuziehen: bestimmte Taufverständnisse, festgelegte Gottesdienstordnungen, Lehrschwerpunkte, Kleidungsregeln oder Organisationsformen wurden zu Merkzeichen der Zugehörigkeit. So entstanden fromme Sonderwege, auf denen man sich sicher und identitätsstark fühlte – aber oft auf Kosten der gemeinsamen Grundlage. Paulus erinnert die Gemeinde in Korinth: „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“ (1. Korinther 3:11). Wo Besonderheiten zur Bedingung der Gemeinschaft werden, verschiebt sich unmerklich das Gewicht: Man baut nicht mehr schlicht auf Christus, sondern auf eine bestimmte Ausprägung des Christseins. Der Trost des Evangeliums besteht darin, dass Gott Sein Haus nicht auf unsere Treue zu Formen gründet, sondern auf die Unerschütterlichkeit Seines Sohnes. Je mehr Vertrauen, Sicherheit und Identität aus Christus als lebendigem Herrn kommen, desto weniger Macht besitzen gesetzliche Zusätze, die uns voneinander trennen. Darin steckt eine leise Befreiung: Die Gemeinde muss nicht durch immer neue Regeln geschützt werden; sie wird getragen von dem, der als Eckstein die Last des ganzen Baus bereits aufgenommen hat.

application_de”: “Wer Christus als einzige Grundlage des Hauses Gottes ernst nimmt, gewinnt innerlich Raum für Geschwister, die anders geprägt sind, und verliert zugleich die Angst, dass ohne bestimmte Formen alles zerfällt. Statt auf fromme Sonderwege angewiesen zu sein, darf der Glaube nach und nach lernen, sich auf die Tragfähigkeit des Herrn selbst zu stützen. In dieser Haltung wächst eine stille Freude: Wo Christus der gemeinsame Boden ist, können Unterschiede bestehen, ohne die Einheit zu zerstören, und Gottes Haus wird erkennbar als das, was es ist – kein System von Regeln, sondern ein lebendiger Bau auf einem lebendigen Herrn.”

Relevante Schriftstellen: Eph. 2:19-20, 1.Kor 3:11, Röm. 14:1, Gal. 2:20-21.

Diese Wahrheit ermutigt dazu, vor dem Herrn still zu werden und neu zu sehen, wie Sein Leben Denken, Fühlen und Handeln von innen her prägt.

Der eine neue Mensch und Gottes Wohnstätte im Geist

Epheser 2.beschreibt Christus nicht nur als Grundlage, sondern auch als den Eckstein, der ungewohnte Mauern miteinander verbindet. Der Eckstein liegt dort, wo zwei Mauern aufeinandertreffen; er bindet Verschiedenes zusammen und gibt dem Ganzen Halt. Auf Christus bezogen heißt das: Er verbindet Juden und Heiden, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Frömmigkeitstraditionen, alte Gegner und neue Geschwister. Über Ihn heißt es in Apostelgeschichte 4:11: „Dieser ist der Stein, der von euch Bauleuten für nichts gehalten wurde, der ist zum Haupt der Ecke geworden.“ Was religiöse Bauleute als unpassend beiseiteschoben, hat Gott an den entscheidenden Platz gesetzt. In Ihm wächst „der ganze Bau, zusammengefügt, zu einem heiligen Tempel im Herrn“ (Epheser 2:21) – ein Bild für die universale Gemeinde, die über Zeiten und Orte hinweg ein einziger geistlicher Tempel ist.

Jetzt sind wir in Christus Jesus; wir, die wir einst fern von Gott und voneinander waren, sind durch das Blut Christi nahe geworden. Wie Vers 14 sagt, hat gerade der Christus, der unser Friede ist, uns eins gemacht und die Zwischenwand der Umzäunung abgebrochen. Er hat uns in einem Leib mit Gott versöhnt, und Er ist gekommen, um uns das Evangelium des Friedens zu verkündigen (V. 16–17). Das Ergebnis ist, dass wir nicht länger Fremdlinge und Beisassen sind, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes (V. 19). (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft siebenundachtzig, S. 737)

Gleichzeitig lenkt Paulus den Blick auf die konkrete Gemeinschaft vor Ort: „in dem auch ihr miteinander aufgebaut werdet zu einer Wohnstätte Gottes im Geist“ (Epheser 2:22). Lokale Gemeinden sind keine voneinander losgelösten Projekte, die ihre Identität aus Eigenarten beziehen, sondern Ausdruck ein und desselben Leibes Christi. Was der Herr an einem Ort wirkt, steht in Verbindung mit dem Ganzen; jede Gruppe, die sich zu Christus als Eckstein stellt, wird in einen Bau hineingefügt, der größer ist als ihre eigene Geschichte. Wo Christus als Friede, Mitte und Maßstab geehrt wird, bekommt der Geist Raum, Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zu verbinden, alte Grenzen zu relativieren und geistliche Erfahrungen miteinander zu teilen. Epheser 2:18 fasst die innere Bewegung zusammen: „denn durch Ihn haben wir beide in einem Geist den Zugang zum Vater.“ Die Gemeinde lebt nicht aus Satzungen, sondern aus diesem gemeinsamen Zugang: Man kommt zu demselben Vater, in demselben Geist, durch denselben Herrn. Daraus entsteht kein starres System, sondern ein lebendiger Bau, in dem Gottes Gegenwart zu einer erfahrbaren Realität wird – ein Haus, in dem Fremde zu Hausgenossen werden und der eine neue Mensch Gestalt gewinnt.

application_de”: “Wer die Gemeinde als Wohnstätte Gottes im Geist versteht, kann das eigene Verständnis von Gemeindeleben neu gewichten: Nicht die Perfektion der Formen macht den Bau heilig, sondern die Gegenwart des Herrn, der Menschen zusammenfügt, die sich von Natur aus nicht gesucht hätten. In der Anerkennung Christi als Eckstein liegt eine tiefe Ermutigung: Auch das, was im eigenen Leben oder in der Geschichte einer Gemeinde wie ein verworfener Stein erscheint, kann in Seiner Hand Baustein eines größeren Ganzen werden. So wird die Aussicht geweckt, dass der eine neue Mensch nicht nur eine theologische Idee bleibt, sondern nach und nach in konkreten Beziehungen, in versöhnter Vielfalt und in gemeinsam getragenem Zeugnis sichtbar werden darf.”

Dieser ist der Stein, der von euch Bauleuten für nichts gehalten wurde, der ist zum Haupt der Ecke geworden. (Apg. 4:11)

Diese Wahrheit ermutigt dazu, vor dem Herrn still zu werden und neu zu sehen, wie Sein Leben Denken, Fühlen und Handeln von innen her prägt.


Herr Jesus Christus, wir danken Dir, dass Du am Kreuz nicht nur unsere Sünden getragen, sondern auch die Mauern aus Satzungen und menschlichen Unterschieden niedergerissen hast. Du bist unser Friede, unsere Grundlage und der Eckstein, der uns mit allen Deinen Kindern zu einem neuen Menschen und zu einem Haus Gottes im Geist verbindet. Wo wir unser Herz an Formen, Traditionen oder eigene Vorstellungen gebunden haben, bitte reinige Du unsere Motive und richte unseren Blick neu auf Dich allein. Lass in uns die Freude wachsen, dass Du selbst genügst und dass Deine Gegenwart wertvoller ist als jede Gewohnheit oder Regel. Stärke die Gemeinden, dass sie in Dir verwurzelt bleiben, in Liebe zusammengefügt werden und Deine Herrlichkeit sichtbar machen in dieser Welt. Bewahre uns in der Einheit Deines Leibes und erfülle uns mit Deinem Frieden, der höher ist als alle Fragen und Unterschiede. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Ephesians, Chapter 87

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