Das Wort des Lebens
lebensstudium

Das Leben der Gläubigen in der Beziehung zwischen Kindern und Vätern und zwischen Sklaven und Herren

9 Min. Lesezeit

Wer mit Christus lebt, merkt schnell, dass der Glaube nicht im Gottesdienst endet, sondern mitten im Familienalltag und im Berufsleben weitergeht. Gerade dort, wo Generationen aufeinandertreffen und Autorität ausgeübt wird, zeigt sich, ob das Evangelium nur eine Lehre bleibt oder unser Miteinander wirklich prägt. Die Briefe des Neuen Testaments verbinden deshalb immer wieder die hohe Sicht der Gemeinde mit sehr konkreten Anweisungen für Kinder, Eltern, Untergebene und Vorgesetzte.

Kinder und Väter im Licht der Verheißung

Wenn Paulus von den Kindern der Gläubigen spricht, deutet er an, dass ihre Lebenssituation in ein besonderes Licht gestellt ist. Sie wachsen nicht im luftleeren Raum auf, sondern innerhalb einer Beziehung, die „im Herrn“ gedacht ist. Gehorsam gegenüber Vater und Mutter ist dann mehr als Anpassung oder Angst vor Strafe; er ist Ausdruck einer Herzensbewegung, die Christus mit einbezieht. In den Zehn Geboten wird dieses Gebot mit einer Verheißung verbunden: „EHRE deinen Vater und deine Mutter, damit deine Tage lange währen in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt.“ (2.Mose 20:12). Gott knüpft Segen an eine innere Haltung, die die von Ihm gesetzte Ordnung würdigt. Es geht nicht darum, Eltern zu idealisieren, sondern den Platz anzuerkennen, den Gott ihnen gegeben hat, und Ihm darin zu vertrauen, dass Er zwischen Eltern und Kindern wirkt, auch durch Brüche hindurch.

In diesem Vers spricht Paulus nicht einfach von Kindern, sondern von den Kindern. Indem er den bestimmten Artikel vor „Kinder“ gebraucht, macht er deutlich, dass die Kinder von Gläubigen nicht gewöhnliche Kinder sind. Sie unterscheiden sich von den Kindern der Menschen in der Welt. Deshalb werden gerade diese bestimmten Kinder, die in den Familien der Gläubigen, ermahnt, ihren Eltern im Herrn zu gehorchen. Der Ausdruck „im Herrn“ bedeutet, den Eltern zu gehorchen, indem man eins mit dem Herrn ist. Er macht auch deutlich, dass dies nicht durch eigene Anstrengung, sondern durch den Herrn geschehen soll und nicht gemäß der natürlichen Auffassung, sondern gemäß dem Wort des Herrn. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft zweiundsechzig, S. 523)

Eltern stehen in dieser Ordnung nicht als kleine Souveräne, sondern als Menschen, die selbst unter dem Wort Gottes stehen. Die Väter – und mit ihnen die Mütter – werden gerufen, ihre Kinder nicht zu reizbarer Bitterkeit zu treiben, sondern sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn großzuziehen. Das meint eine Atmosphäre, in der das Wort Gottes selbstverständlich in den Alltag hineinreicht: „Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen, und du sollst davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst.“ (5.Mose 6:7). Erziehung nach Gottes Herzen verbindet Klarheit mit Wärme, Weisung mit Zuhören, Grenzen mit einer Annahme, die nicht an Leistung geknüpft ist. Eltern leben ihren Kindern vor, wie ein Mensch mit Gott unterwegs ist – mit seinem Gelingen und mit seinem Versagen. Sie dürfen Fehler bekennen, sie dürfen loslassen, wo Kontrolle an ihre Grenzen kommt, und damit selbst zu Zeichen werden, dass Gott treu bleibt, wo menschliche Kraft aufhört. So kann die Familie zu einem Raum werden, in dem Spannungen nicht verleugnet, sondern im Licht des Herrn durchgetragen werden und in dem Kinder und Eltern lernen, gemeinsam auf Gottes Barmherzigkeit zu bauen.

Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit deine Tage lange währen in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt. (2.Mose 20:12)

Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen, und du sollst davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst. (5.Mose 6:7)

Wo Kinder ihren Eltern nicht aus blinder Pflicht, sondern in der inneren Verbindung mit Christus begegnen, und wo Eltern ihre Verantwortung im Bewusstsein eigener Begrenztheit wahrnehmen, öffnet sich ein Raum des Segens. Die alltäglichen Auseinandersetzungen verlieren nicht ihre Schärfe, aber sie werden hineingenommen in eine größere Geschichte: Gott selbst begleitet diesen Weg, sieht die verborgene Haltung des Herzens und ist bereit, Bruchstellen in Quellen des Lebens zu verwandeln. Die Verheißung, dass es gut gehen und die Tage lang werden, wird so zu einer stillen Ermutigung, inmitten aller Unvollkommenheit an Seiner Treue festzuhalten.

Sklaven und Herren: Dienst „als dem Herrn“

Die Weisungen an Sklaven und Herren berühren eine Wirklichkeit, die in moderner Gestalt in Arbeitsverhältnissen, Abhängigkeiten und Hierarchien weiterlebt. Menschen, die sich in einer untergeordneten Position wiederfinden, werden eingeladen, ihre Arbeit nicht auf das Auge des Vorgesetzten auszurichten, sondern auf den Herrn, der unsichtbar gegenwärtig ist. Arbeit „als dem Herrn“ bedeutet, dass Treue, Zuverlässigkeit und Aufrichtigkeit nicht von Anerkennung oder Kontrolle abhängen. Gott nimmt ernst, was im Verborgenen geschieht, und er verbindet mit jedem Werk, das in dieser Gesinnung geschieht, eine Zusage: Er selbst ist der, der sieht und vergelten wird, unabhängig vom sozialen Status. So wird ein äußerlich unfreier Dienst innerlich zu einem Ort der Freiheit, weil er in die Beziehung zu Christus hineingezogen ist.

Die Sklaven sollen ihren Herren gehorchen wie Christus. Das bedeutet, dass die Sklaven ihre Herren so ansehen sollen, als wären sie der Herr. Die Beziehung zwischen Sklaven und Herren ist ein Vorbild auf unsere Beziehung zu Christus, unserem Herrn. Wir sollten Ihm wie ein Sklave gehorchen, in Einfalt des Herzens. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft zweiundsechzig, S. 527)

Den Herren, also denen mit Verantwortung und Macht, wird die gleiche geistliche Perspektive zugemutet. Sie sollen ihre Autorität nicht durch Drohungen absichern, sondern sich bewusst bleiben, dass über ihnen derselbe Herr steht wie über ihren Untergebenen. Vor Gott gibt es kein Ansehen der Person, und im Licht des neuen Menschen verliert menschliche Hierarchie ihren absoluten Charakter, auch wenn sie im äußeren Gefüge weiterbesteht. Wer führt, darf lernen, Gerechtigkeit und Güte miteinander zu verbinden, Entscheidungen im Gebet abzuwägen und die Menschen, die ihm anvertraut sind, nicht als Mittel zum Zweck zu behandeln. So entstehen Inseln eines anderen Miteinanders inmitten harter Strukturen: Orte, an denen die Sanftheit und die Ernsthaftigkeit Christi spürbar werden und an denen sich andeutet, dass der wahre Herr nicht aus dieser Welt ist und doch in ihr gegenwärtig handelt.

Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und unser Zeugnis nehmt ihr nicht an. (Joh. 3:11)

Wo Menschen im Dienst „als dem Herrn“ arbeiten und wo Leitung im Bewusstsein eigener Verantwortlichkeit vor Gott geschieht, verändert sich die Atmosphäre, selbst wenn die äußeren Machtverhältnisse gleich bleiben. Misstrauen und Berechnung müssen nicht das letzte Wort behalten; an ihre Stelle kann ein stilles Vertrauen treten, dass Christus die verborgenen Wege des Alltags sieht und krönt. So werden selbst ungleiche Beziehungen zu einem Feld, auf dem sich Gottes Gerechtigkeit und Güte leise, aber nachhaltig Bahn brechen.

Gottgemäßes Miteinander und das Zeugnis der Gemeinde

Der Epheserbrief spannt den Bogen weit: Die Gemeinde erscheint als neuer Mensch, als Braut Christi und als Krieger in der geistlichen Auseinandersetzung. Auffällig ist, dass zwischen der Erhebung der Gemeinde und der Beschreibung der geistlichen Waffenrüstung sehr konkrete Hinweise zu Beziehungen im Haus und im Arbeitsleben stehen. Das macht deutlich, dass sich geistliche Würde nicht im Außergewöhnlichen, sondern im Alltäglichen bewährt. Die Gemeinde ist nicht zuerst dort sichtbar, wo sie als Versammlung auftritt, sondern auf den Wegen, die sie im Verborgenen geht: im Gespräch zwischen Eltern und Kindern, in der Art, wie Macht ausgeübt oder erlitten wird, in dem, was unausgesprochen bleibt und dennoch Atmosphäre schafft. Wo Christus diese Beziehungen durchdringt, wird ein menschliches Leben sichtbar, das aus einer anderen Quelle lebt.

Die Gemeinde, die der neue Mensch zur Erfüllung von Gottes Vorsatz und die Braut zur Befriedigung der Sehnsucht im Herzen Christi ist, ist auch der Krieger zur Niederlage von Gottes Feind. Durch die geistliche Kriegsführung der Gemeinde als des Kriegers wird Gottes Problem mit dem Feind gelöst. Soll die Gemeinde der Krieger sein, der den Feind besiegt, muss sie sowohl Macht als auch die ganze Waffenrüstung Gottes haben. Daher ist die Gemeinde der neue Mensch zur Erfüllung von Gottes Vorsatz, die Braut zu Christi Befriedigung und der Krieger zur Niederlage von Gottes Feind. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft zweiundsechzig, S. 522)

Christus heiligt, reinigt, nährt und pflegt Seine Gemeinde, indem Er sie in das Wesen Gottes hineinzieht und ihr alltägliches Miteinander von innen her verwandelt. So wird die Gemeinde zu einem Ausdruck Gottes mitten in einer verdorbenen Welt: nicht durch äußere Absonderung, sondern durch ein anderes Herz. Die Geschichte Noahs macht das auf ihre Weise deutlich: „Und Noah zeugte drei Söhne: Sem, Ham und Japheth. Und die Erde war verdorben vor Gott, und die Erde wurde voll von Gewalttat.“ (1.Mose 6:10–11). In einer Umgebung voller Gewalt ruft Gott eine Familie in einen Weg des Gehorsams, der zur Rettung vieler wird. Ähnlich wird die Gemeinde heute, da wo sie sich von Christus formen lässt, zur Braut, die Seine Sehnsucht spiegelt, zum neuen Menschen, der Gottes Vorsatz lebt, und zum Krieger, der dem Feind widersteht – gerade indem sie in den unscheinbaren Dingen des Zusammenlebens Seine Art aufleuchten lässt.

Darum liegt eine besondere Würde auf all den scheinbar kleinen Entscheidungen, die das Miteinander im Haus, in der Gemeinde und am Arbeitsplatz prägen. Jede Bewegung hin zu Wahrhaftigkeit, zu Rücksicht, zu geduldiger Korrektur und zu einem Blick, der den anderen als von Gott gesehenen Menschen achtet, ist ein leiser Schritt in der Spur dieses neuen Menschen. Nichts davon ist spektakulär, vieles bleibt unbemerkt. Und doch entsteht aus diesen unsichtbaren Fäden ein Gewebe, in dem die Gemeinde als Braut geschmückt, als neuer Mensch erkennbar und als Krieger gestärkt wird. In dieser Perspektive dürfen auch brüchige Beziehungen und mühsame Situationen neu betrachtet werden: nicht als Hindernis geistlichen Lebens, sondern als Feld, auf dem Christus selbst Seine Treue und Seine Kraft zur Versöhnung erweist.

Und Noah zeugte drei Söhne: Sem, Ham und Japheth. (1.Mose 6:10)

Und die Erde war verdorben vor Gott, und die Erde wurde voll von Gewalttat. (1.Mose 6:11)

Wenn die hohen Bilder der Gemeinde – Braut, neuer Mensch, Krieger – in die konkreten Beziehungen unseres Alltags hineinreichen, verliert das geistliche Leben seine Abstraktheit und gewinnt Gestalt. Gerade da, wo wir uns schwach, angefochten oder schuldig erleben, kann der Herr neu ansetzen und uns in ein Miteinander führen, das von Seinem Wesen geprägt ist. So wird die Gemeinde nicht durch äußere Brillanz, sondern durch ein still gereiftes, gottgemäßes menschliches Leben zu einem verlässlichen Zeugnis in dieser Welt.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Ephesians, Chapter 62

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