Das Wort des Lebens
lebensstudium

Leben in der Beziehung zwischen Frau und Mann

12 Min. Lesezeit

Kaum ein Bereich unseres Lebens ist so schön – und zugleich so verletzlich – wie die Ehe. Nähe, Alltag, Enttäuschungen und Erwartungen treffen hier unmittelbar aufeinander. Paulus zeigt in Epheser 5, dass hinter allen praktischen Fragen von Stärke und Schwäche, von Verstehen und Verletztwerden eine tiefere geistliche Wirklichkeit steht: Die Beziehung von Frau und Mann ist von Gott als lebendiges Bild für Christus und die Gemeinde gedacht und kann nur aus der Fülle des Geistes wirklich gelingen.

Eheliches Miteinander als Ausdruck eines geisterfüllten Lebens

Wenn Paulus in Epheser 4 davon spricht, den alten Menschen abzulegen und den neuen Menschen anzuziehen, dann denkt er nicht zuerst an große geistliche Momente, sondern an den gewöhnlichen Alltag: an Worte, mit denen wir einander treffen oder aufrichten, an verborgene Bitterkeit oder geübte Vergebung, an Wahrheit und Lüge, an Zorn, der bleibt, oder Frieden, der gesucht wird. In dieser Bewegung vom alten zum neuen Menschen steht die Ehe mitten im Bild. Sie ist kein Sonderbereich neben unserem Glaubensleben, sondern der Ort, an dem sich am deutlichsten zeigt, ob wir noch aus den Mustern des alten Menschen reagieren oder aus der Fülle des Geistes leben. Darum folgt auf den Ruf, im Geist erfüllt zu sein (Epheser 5:18), unmittelbar die Rede von der Beziehung zwischen Frau und Mann. Ein geisterfülltes Leben bleibt nicht im Gottesdienst oder im stillen Kämmerlein, es drängt in die Küche, ins Schlafzimmer, an den Esstisch und in all die Situationen, in denen zwei Menschen aneinander geraten und einander brauchen.

Von 4:25 bis 6:9 entfaltet Paulus, wie ein richtiges Leben im Einzelnen aussieht. Wenn wir all diese detaillierten Anforderungen erfüllen wollen, müssen wir gemäß der Wahrheit und aus Gnade leben. Außerdem müssen wir in Liebe und im Licht leben und in unserem Geist erfüllt sein. Wie wir bereits betont haben, ist das Erfülltsein im Geist ein Aspekt des Lebens, das der Berufung Gottes würdig ist. Die Beziehung zwischen Frauen und Männern steht in engem Zusammenhang mit dem Erfülltsein im Geist. Sie ist ein Aspekt des täglichen Lebens derer, die im Geist erfüllt sind zu der ganzen Fülle Gottes. Deshalb dürfen wir, wenn wir über die Beziehung zwischen Frauen und Männern sprechen, das Erfülltsein nicht außer Acht lassen. Nur wenn wir in unserem Geist erfüllt sind, können wir ein richtiges Eheleben führen. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft zweiundfünfzig, S. 441)

Ohne diese innere Erfüllung durch den Heiligen Geist rutscht eine Ehe leicht in vertraute Gleise: Rückzug, wenn es schwierig wird; verletzende Vergleiche mit anderen; subtile Formen von Macht und Recht-haben; eine Härte im Ton, die aus innerer Leere geboren ist. Dann bleibt nur, zu versuchen, ein Ideal zu erfüllen, das wir sehen, aber nicht erreichen. Erfüllt im Geist sein heißt dagegen, dass ein anderer in uns wirksam ist: Christus mit seiner Demut, seiner Geduld, seiner Bereitschaft, Unrecht zu tragen und zu vergeben. Wo er Raum gewinnt, wird das gemeinsame Leben weicher, durchlässiger für Gottes Gegenwart, und selbst alte Wunden verlieren ihre Macht. So kann das Wort aus 1. Korinther 6:17 konkret werden: „Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist.“ Wer in diesem Einssein mit dem Herrn lebt, bringt in die Ehe nicht nur seine eigene Kraft ein, sondern die Gegenwart dessen, der die Gemeinde liebt und trägt. Das macht Mut: Eine Ehe muss nicht aus der engen Quelle zweier begrenzter Menschen schöpfen; sie kann zu einem Ort werden, an dem Gottes Berufung sichtbar wird, weil zwei lernen, aus der Fülle des Geistes zu reagieren statt aus der Enge ihres alten Menschen.

Und berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist, sondern werdet voller Geist. (Eph. 5:18)

Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist. (1.Kor 6:17)

Wo Ehe als Teil eines geisterfüllten Lebens verstanden wird, verliert sie den Druck, alles aus sich selbst leisten zu müssen, und gewinnt die Freiheit, ein Ort des Werdens zu sein, an dem Gottes Geist Schritt für Schritt alte Muster löst und Neues wachsen lässt.

Die Frau: Unterordnung im Licht von Christus und der Gemeinde

Wenn Paulus sagt: „Ihr Frauen, ordnet euch euren eigenen Männern unter als dem Herrn“ (Epheser 5:22), öffnet er keinen Raum für menschliche Willkür, sondern zeichnet eine geistliche Linie: Die Ehe ist hineingenommen in das große Geheimnis von Christus und der Gemeinde. Unterordnung ist hier keine Herabsetzung, sondern die Form, in der Vertrauen Gestalt gewinnt. Die Frau stellt sich nicht unter einen idealen Mann, sondern unter „ihren eigenen“ – mit seinen Stärken und Schwächen. Gerade dieser Zusatz entlarvt die Versuchung, den eigenen Mann mit anderen zu vergleichen und innerlich auf Distanz zu gehen. Wo der Blick bei anderen Ehemännern und anderen Ehen verweilt, verliert das eigene Bündnis an innerer Würde; die Frau steht dann nicht mehr vor Gott mit ihrem Mann, sondern vor einem inneren Maßstab, der die Beziehung heimlich aushöhlt.

In Vers 22 ermahnt Paulus die Frauen, sich ihren eigenen Männern unterzuordnen. Die meisten Frauen schätzen und respektieren die Männer anderer. Daher ermahnt der Apostel die Frauen, sich ihren eigenen Männern unterzuordnen, ganz gleich, was für Männer sie sind. Dass Paulus sagt, die Frauen sollten sich ihren eigenen Männern unterordnen, zeigt, dass Frauen dazu neigen, ihre Männer mit den Männern anderer zu vergleichen. Die Männer mögen dasselbe in Bezug auf ihre Frauen tun. Wenn es uns an Gnade mangelt und wir nicht im Licht Gottes leben, neigen wir dazu, solche Vergleiche anzustellen. Das ist die List Satans, um das Eheleben zu zerstören. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft zweiundfünfzig, S. 443)

Unterordnung geschieht „als dem Herrn“ und steht eingewoben in den Satz: „Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi“ (Epheser 5:21). Die Frau beugt sich also nicht vor einer absoluten menschlichen Autorität, sondern vor Christus, dessen Willen sie höher achtet als jede menschliche Erwartung. Darum bleibt in Situationen, in denen der Mann etwas fordert, was Gottes Willen widerspricht, der Weg des Gehorsams gegenüber Gott offen; die innere Haltung des Respekts muss dadurch nicht zerstört werden. Unterordnung verliert ihre Schärfe, wenn sie als Antwort auf die Liebe Christi verstanden wird: So wie die Gemeinde sich Christus anvertraut, weil sie seine hingebende Liebe kennt, kann eine Frau in der Furcht Christi lernen, sich einzufügen und die Leitung ihres Mannes nicht als Bedrohung, sondern als von Gott gesetzten Rahmen zu sehen. Am Ende steht kein Verlust an Würde, sondern eine Gestalt von innerer Stärke: eine Frau, die weiß, bei wem sie geborgen ist, und die im Respekt gegenüber ihrem Mann zugleich in der Freiheit vor Gott lebt.

Dieses Zusammenspiel von innerer Freiheit und ehrerbietiger Haltung kommt in dem Schlusswort des Abschnitts zur Sprache: „Doch auch ihr – jeder von euch liebe seine Frau so wie sich selbst; die Frau aber ehre den Mann“ (Epheser 5:33). Ehre ist mehr als formale Höflichkeit. Sie zeigt sich in der Weise, wie gesprochen, gedacht und entschieden wird. Sie kann unter widrigen Umständen leise, aber beharrlich bleiben und gerade dadurch ein starkes Zeugnis dafür sein, dass die Gemeinde Christus als Haupt anerkennt. Eine Frau, die ihren Mann im Licht dieses Wortes sieht, muss nicht alles gutheißen, was er tut, aber sie verliert nicht den inneren Blick der Achtung. Das schenkt ihrer Seele Ruhe: Sie lebt nicht vom Idealbild einer perfekten Ehe, sondern von der Treue dessen, der ihre Unterordnung sieht und sie in seinem Licht bewahrt.

So wird Unterordnung nicht zu einer Last, die die Persönlichkeit erdrückt, sondern zu einer Form gelebter Beziehung zu Christus. In der Spannung zwischen dem, was ist, und dem, was sein sollte, darf eine Frau wissen, dass der Herr ihren Weg kennt. Wo sie sich in der Furcht Christi ausrichtet, verliert sie nicht sich selbst, sondern findet eine tiefere Gestalt ihres Frauseins: fest verankert in Gott, respektvoll gegenüber ihrem Mann, frei von destruktiven Vergleichen. In einer Welt, die entweder zur Kampfansage oder zur Anpassung ohne innere Würde neigt, lässt eine solche Haltung etwas von der Schönheit der Gemeinde aufleuchten, die Christus vertraut und sich von ihm halten lässt.

Ihr Frauen, ordnet euch euren eigenen Männern unter als dem Herrn. (Eph. 5:22)

Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi. (Eph. 5:21)

Unterordnung im Licht von Christus bewahrt die Frau davor, sich in Vergleichen, Bitterkeit oder innerem Rückzug zu verlieren, und lässt sie zu einer stillen, aber kraftvollen Zeugin dafür werden, dass wahre Würde in der Ausrichtung auf den Herrn und im respektvollen Miteinander liegt.

Der Mann: Liebende Hingabe nach dem Vorbild Christi

Das erste, was Paulus den Männern sagt, ist nicht: „Seid das Haupt“, sondern: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat“ (Epheser 5:25). Das Hauptsein des Mannes erhält damit sein inneres Gesicht: Es ist nicht Herrschaft von oben herab, sondern eine Liebe, die den Weg nach unten geht, die sich hingibt, um die andere zu gewinnen und aufzubauen. Christus hat seine Gemeinde nicht aus Distanz geführt, sondern ist in ihre Tiefe hinabgestiegen, hat ihre Schuld getragen, ihre Beschämung auf sich genommen, um sie zu reinigen und schön zu machen. Wenn ein Mann in seiner Ehe Haupt ist, ohne sich von dieser Liebe bestimmen zu lassen, verliert die von Gott gesetzte Ordnung ihren Charakter und wird leicht hart oder leer.

Paulus ermahnt die Männer, ihre Frauen zu lieben. Das Gegenteil von Unterordnung ist Herrschen. Der Apostel ermahnt die Männer jedoch nicht, über die Frauen zu herrschen, sondern sie zu lieben. Im Eheleben ist die Verpflichtung der Frau die Unterordnung, und die des Mannes ist die Liebe. Die Unterordnung der Frau und die Liebe des Mannes zusammen machen ein richtiges Eheleben aus und versinnbildlichen das normale Gemeindeleben, in dem die Gemeinde Christus untergeordnet ist und Christus die Gemeinde liebt. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft zweiundfünfzig, S. 445)

Paulus beschreibt deshalb die Liebe des Mannes mit zwei starken Bildern: „So sind auch die Männer schuldig, ihre eigenen Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, wie auch Christus die Gemeinde“ (Epheser 5:28–29). Nähren meint mehr als für äußeren Unterhalt zu sorgen. Es geht darum, aus der Gemeinschaft mit Christus geistliche Nahrung zu empfangen, die der Frau zugutekommt: Worte, die stärken statt zerschneiden; Entscheidungen, die Rücksicht auf ihre Belastbarkeit nehmen; ein Herz, das ihre Sorgen nicht abtut, sondern internalisiert und vor Gott bringt. Pflegen – wörtlich „wärmen“ – beschreibt eine Zärtlichkeit, die nicht von der Stimmung abhängt, sondern aus der Liebe Christi gespeist ist: Wenn das Herz der Frau kalt geworden ist durch Enttäuschung oder Müdigkeit, antwortet eine solche Liebe nicht mit Vorwürfen, sondern mit Wärme, Geduld und Nähe. In diesem Sinn erfüllt der Mann das Wort aus 1. Petrus 3:7: „Ihr Männer, wohnt bei ihnen mit Einsicht als bei einem schwächeren Gefäß, dem weiblichen, und gebt ihnen Ehre.“

Zu dieser Liebe gehört auch eine klare innere Ablösung: „Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein“ (Epheser 5:31). Der Mann, der liebt wie Christus, hält seine Frau nicht in einem Geflecht aus alten Bindungen gefangen, sondern stellt sich schützend vor sie, auch gegenüber Erwartungen der Herkunftsfamilie oder anderer Beziehungen. Er nimmt ernst, dass seine Frau nicht Beiwerk, sondern Teil seines eigenen Leibes ist. Wo ein Mann so liebt, gewinnt sein Hauptsein einen völlig anderen Klang: Es wird nicht als Druck erlebt, sondern als Halt; nicht als Bedrohung, sondern als Raum, in dem die Frau aufblühen kann. Diese Ehe trägt dann ein Stück des Geheimnisses in sich, von dem Paulus sagt: „Dies Geheimnis ist groß; ich spreche aber in Bezug auf Christus und auf die Gemeinde“ (Epheser 5:32).

In einer Zeit, in der männliche Stärke oft entweder in Dominanz oder in Rückzug verkehrt, öffnet diese Sicht einen anderen Weg. Der Mann wird eingeladen, seine Rolle nicht aus kulturellen Mustern, sondern aus dem Blick auf den liebenden Christus zu verstehen. Das nimmt den Druck, perfekt sein zu müssen, aber es lässt die Verantwortung stehen, sich von Christus prägen zu lassen. Wo ein Mann anfängt, seine Frau in diesem Sinn als Teil seines eigenen Lebens zu sehen und sie zu nähren und zu wärmen, kommt etwas in Bewegung, das beide betrifft: Die Ehe wird zum Resonanzraum für die Liebe, mit der Christus seine Gemeinde sucht, trägt und verändert.

Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat. (Eph. 5:25)

So sind auch die Männer schuldig, ihre eigenen Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, wie auch Christus die Gemeinde. (Eph. 5:28-29)

Liebende Hingabe macht das Hauptsein des Mannes glaubwürdig: Je mehr seine Liebe vom Kreuz Christi geprägt ist, desto mehr wird die Ehe zu einem Ort, an dem sich Führung und Fürsorge, Stärke und Zärtlichkeit zu einem Bild der Beziehung zwischen Christus und seiner Gemeinde verbinden.


Herr Jesus Christus, danke, dass Du Dich für Deine Gemeinde hingegeben hast und unsere Ehen in dieses große Geheimnis hineinnimmst. Du kennst jede Spannung, jede Schwachheit und jede Sehnsucht in der Beziehung zwischen Frau und Mann, und nichts ist Dir verborgen oder zu schwer. Fülle uns neu mit Deinem Geist, damit Unterordnung von Vertrauen geprägt ist und Leitung von zarter, opferbereiter Liebe. Heile, wo Vergleiche, Härte und Kälte eingezogen sind, und lass aus Deiner Gnade heraus neues Vertrauen, neue Zärtlichkeit und einen neuen Anfang wachsen. Mach unsere Ehen zu Orten, an denen Deine Liebe sichtbar wird und Deine Herrschaft geehrt wird, damit Dein Name in unserem Miteinander verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Ephesians, Chapter 52

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