Das Wort des Lebens
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Gott verherrlicht in der Gemeinde und in Christus

10 Min. Lesezeit

Christen sprechen oft über Gottes Ehre, doch die Frage bleibt: Wo und wie wird diese Herrlichkeit heute sichtbar? Epheser 3.zeigt, dass Gottes höchstes Lob nicht nur an Einzelne, sondern an die Gemeinde als Ganzes gebunden ist. Paulus schließt sein Gebet mit einer gewaltigen Doxologie und macht deutlich: Gottes Herrlichkeit kehrt dorthin zurück, wo sie zuvor hineingelegt wurde – in eine Gemeinde, die seine Fülle trägt.

Die Gemeinde als Fülle Gottes und Erfüllung seines Wortes

Wenn Paulus die Gemeinde als „Fülle Gottes“ beschreibt, greift er zu einem radikal dichten Ausdruck. Fülle bedeutet nicht lediglich Überfluss an Gaben oder Aktivitäten, sondern die Gegenwart Gottes selbst in ihrer Ausweitung und Sichtbarkeit. Gott bleibt nicht als ferne Größe außerhalb der Geschichte, sondern er füllt ein konkretes Volk, eine reale Gemeinschaft von Menschen, mit sich selbst. Damit steht die Gemeinde mitten im Strom dessen, was Gott seit Anbeginn spricht und wirkt. In 1. Mose 1.ruft Gott durch sein Wort die Schöpfung ins Dasein; Licht, Himmel und Erde antworten auf seinen Zuruf. Darauf nimmt Jesaja Bezug, wenn es heißt: „so wird mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht. Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird bewirken, was mir gefällt, und ausführen, wozu ich es gesandt habe.“ (Jes. 55:11). Das gleiche göttliche Sprechen, das die Schöpfung hervorbrachte, steht nun hinter der Verheißung über die Gemeinde. Was Gott über sie sagt, ist keine fromme Überhöhung ihrer schwachen Wirklichkeit, sondern das Ziel, auf das sein wirksames Wort zusteuert.

Wie wir in der vorangehenden Botschaft gesehen haben, wird in Vers 19 die Gemeinde als die Fülle Gottes dargestellt. Diese Fülle Gottes ist das Ergebnis, das Hervorgehen aus unserer Erfahrung des Reichtums Christi. Nachdem eine solche Gemeinde entstanden ist, lässt der Apostel Paulus in den Versen 20 und 21 die Doxologie ertönen und schreibt Gott Herrlichkeit in der Gemeinde und in Christus Jesus zu. Erst wenn die Gemeinde als die Fülle Gottes hervorgekommen ist, kann die Herrlichkeit Gottes offenbar werden. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft fünfunddreißig, S. 302)

Deshalb ist die Gemeinde nie nur die Summe ihrer Gläubigen, ihrer Strukturen oder Traditionen. Sie ist das Ergebnis eines göttlichen Vorsatzes, in dem Gott sich selbst mitteilt und ausdrückt. Oft sehen wir die Gemeinde eher in ihrer Fragmentierung, in ihrem Mangel, in ihren Widersprüchen. Gott aber sieht sie in der Linie seines eigenen Wortes, als Fülle, als Ort seiner Herrlichkeit. Zwischen dieser Sicht Gottes und unserer Wahrnehmung spannt sich der Raum des Glaubens. Glauben heißt hier: Gottes Wort über die Gemeinde höher achten als die augenblickliche Erfahrung, sich innerlich auf seine Zusage ausrichten und dem Geist Gottes Raum geben, das Gesagte in uns und unter uns zu formen. So wird die Gemeinde zur Bühne, auf der sich Gottes Treue zeigt, und jeder kleine Schritt des Vertrauens trägt dazu bei, dass seine Herrlichkeit nicht nur ein zukünftiges Versprechen bleibt, sondern schon jetzt inmitten einer brüchigen Welt aufscheint.

application_de: Wenn Gottes Wort über die Gemeinde nicht leer zurückkehrt, dann ist auch unsere gegenwärtige Begrenzung nicht das letzte Wort. Aus dieser Sicht erwächst eine stille, aber robuste Hoffnung: Gott lässt nicht ab, seine eigenen Verheißungen in sein Volk hineinzuschreiben und durchzusetzen. Wer sich innerlich an dieses Wort bindet, lernt die Gemeinde nicht zuerst an ihren Schwächen, sondern an Gottes Ziel zu messen – und findet gerade darin neue Liebe, Geduld und Erwartung gegenüber dem, was Gott noch hervorbringen will.

so wird mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht. Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird bewirken, was mir gefällt, und ausführen, wozu ich es gesandt habe. (Jes. 55:11)

Wenn Gottes Wort über die Gemeinde nicht leer zurückkehrt, dann ist auch unsere gegenwärtige Begrenzung nicht das letzte Wort. Aus dieser Sicht erwächst eine stille, aber robuste Hoffnung: Gott lässt nicht ab, seine eigenen Verheißungen in sein Volk hineinzuschreiben und durchzusetzen. Wer sich innerlich an dieses Wort bindet, lernt die Gemeinde nicht zuerst an ihren Schwächen, sondern an Gottes Ziel zu messen – und findet gerade darin neue Liebe, Geduld und Erwartung gegenüber dem, was Gott noch hervorbringen will.

Gottes Herrlichkeit in uns gewirkt – der Weg zur Verherrlichung Gottes

Gottes Herrlichkeit begegnet uns nicht zuerst als blendender Glanz von außen, sondern als stille, formende Kraft im Inneren. Paulus betet, „dass er euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit mit Kraft gestärkt werde am inneren Menschen“ (Eph. 3:16). Herrlichkeit ist hier kein fernes Strahlen, sondern ein Reichtum, der hineinwirkt, der in den inneren Menschen einzieht und ihn trägt. So wie die Gesundheit eines Körpers sich in jeder Faser bemerkbar macht, so beginnt die Herrlichkeit Gottes, unsere Denkweisen, unsere Maßstäbe, unseren Trost und unsere Freude umzubilden. Sie bleibt nicht an der Oberfläche unserer religiösen Gewohnheiten, sondern sucht das Herz, die verborgenen Motive, die verborgenen Wunden. Darin liegt eine große Zartheit Gottes: Er drängt nicht auf äußere Effekte, sondern verstärkt das innere Leben, bis es seine eigene Gegenwart widerspiegelt.

In seinem Gebet bat Paulus, dass der Vater die Heiligen nach dem Reichtum Seiner Herrlichkeit stärke. Das bedeutet, dass die Herrlichkeit Gottes in die Heiligen hineingewirkt wird. In der Doxologie sagte Paulus: „Ihm sei die Herrlichkeit“ (V. 21). Das bedeutet, dass die Herrlichkeit Gottes, nachdem sie in die Heiligen hineingewirkt worden ist, zu Gott zurückkehrt. Zuerst wird die Herrlichkeit Gottes in uns hineingewirkt; dann kehrt sie zu Gott zurück zu Seiner Verherrlichung. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft fünfunddreißig, S. 303)

Ein altes Bild aus 1. Mose 24 hilft, diesen Weg Gottes zu sehen. Rebekka, die zukünftige Frau Isaaks, empfängt durch den Knecht Schmuck und kostbare Gaben. „Und der Knecht holte Silberschmuck und Goldschmuck und Kleider hervor und gab sie Rebekka. Und auch ihrem Bruder und ihrer Mutter gab er kostbare Geschenke.“ (1. Mose 24:53). Die Gaben gehören Isaak, aber sie schmücken Rebekka. Wenn sie ihm schließlich begegnet, kommt sie nicht leer, sondern in der Fülle seiner Geschenke – und gerade so wird Isaaks Größe sichtbar. Ähnlich wirkt Gott seine Herrlichkeit in die Gemeinde hinein: Er teilt das aus, was eigentlich seiner eigenen Würde entspricht, aber er legt es auf seine Geliebte. Wenn Paulus dann ausruft: „Ihm sei die Herrlichkeit in der Gemeinde und in Christus Jesus“ (Eph. 3:21), ist dies die Rückbewegung: Was Gott in sein Volk hineingelegt hat, kehrt als Anbetung, als Ausdruck, als gelebte Christus-Wirklichkeit zu ihm zurück. Es entsteht ein heiliger Kreislauf der Herrlichkeit, in dem Geben und Antworten, Beschenktwerden und Verherrlichen sich durchdringen.

application_de: Wer so auf Gottes Handeln schaut, entdeckt im eigenen inneren Weg – oft unscheinbar, oft durch Schwachheit hindurch – Spuren dieser Herrlichkeit. Die Geschichte mit Gott ist dann nicht mehr vor allem eine Abfolge von Leistungen, sondern ein Wachsen in dem, was er selbst in uns hineingelegt hat. Diese Sicht nimmt den Druck, aus eigener Kraft glänzen zu müssen, und weckt zugleich eine leise Entschlossenheit, das empfangene Geschenk nicht zu verbergen, sondern im Alltag zur Ehre des Gebers durchscheinen zu lassen.

Und der Knecht holte Silberschmuck und Goldschmuck und Kleider hervor und gab sie Rebekka. Und auch ihrem Bruder und ihrer Mutter gab er kostbare Geschenke. (1.Mose 24:53)

Wer so auf Gottes Handeln schaut, entdeckt im eigenen inneren Weg – oft unscheinbar, oft durch Schwachheit hindurch – Spuren dieser Herrlichkeit. Die Geschichte mit Gott ist dann nicht mehr vor allem eine Abfolge von Leistungen, sondern ein Wachsen in dem, was er selbst in uns hineingelegt hat. Diese Sicht nimmt den Druck, aus eigener Kraft glänzen zu müssen, und weckt zugleich eine leise Entschlossenheit, das empfangene Geschenk nicht zu verbergen, sondern im Alltag zur Ehre des Gebers durchscheinen zu lassen.

Über Bitten und Denken: Gottes Werk in der Gemeinde und in Christus

Wenn Paulus sagt, Gott sei fähig, „über alles hinaus, über die Maßen mehr zu tun, als wir erbitten oder erdenken“ (Eph. 3:20), denkt er die Gemeinde im Horizont des Unfassbaren. Doch sein Blick richtet sich dabei nicht zuerst auf äußere Erfolge oder spektakuläre Veränderungen, sondern auf das stille, ausdauernde Wirken Gottes im Inneren seines Volkes. „Gemäß der Kraft, die in uns wirkt“ – das ist dieselbe Auferstehungskraft, von der Paulus zuvor spricht, die Christus aus den Toten erweckt hat und ihn zur Rechten Gottes setzte. Diese Kraft arbeitet nicht in der Distanz, sondern in den Herzen der Glaubenden. Sie nimmt unsere Lebenswege, unsere Begrenzungen, sogar unsere Umwege auf und macht sie zum Material für das Wachsen der Gemeinde in die Fülle Christi hinein. Darauf weist auch das Wort aus Römer 8 hin: „Und wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten zusammenwirken, denen, die nach Seinem Vorsatz berufen sind.“ (Röm. 8:28). Alle Dinge – nicht nur die angenehmen – werden in Gottes Hand zu Dienern einer größeren, verborgenen Geschichte.

Genau genommen bezieht sich „bitten oder denken“ hier auf die geistlichen Dinge in Bezug auf die Gemeinde, nicht auf das Materielle. Für diese geistlichen Dinge sollen wir nicht nur bitten, sondern auch darüber nachdenken. Wir denken vielleicht mehr, als wir bitten. Gott erfüllt nicht nur das, worum wir für die Gemeinde bitten, sondern auch das, was wir in Bezug auf die Gemeinde denken, und Gott vermag über alles hinaus überaus reichlich zu tun, mehr als wir für die Gemeinde bitten oder denken, gemäß der Kraft, die in uns wirkt. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft fünfunddreißig, S. 305)

So beginnt Gott, unser Bitten und Denken zu übersteigen, gerade indem er es läutert. Wir bitten oft um Lösungen, er schenkt uns Vertiefung; wir denken in kurzen Spannweiten, er arbeitet „auf alle Geschlechter hin von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Eph. 3:21). Die Gemeinde ist der Raum, in dem dieses überragende Handeln Gottes sichtbar wird: Menschen, in deren Herzen Christus Wohnung macht; Beziehungen, in denen Versöhnung möglich wird, die wir uns nicht zu hoffen wagten; ein gemeinsames Leben, in dem Gottes Weisheit wie durch Risse hindurch leuchtet. Christus, das Haupt aller Geschlechter in Himmel und Erde, trägt diese Geschichte und bindet sie an sich. So wächst eine stille Gewissheit: Unsere begrenzten Bitten und unsere tastenden Gedanken stehen nicht im Wettbewerb mit Gottes Größe, sondern werden von seiner überreichen Kraft aufgenommen und überboten. Gerade dieser Abstand zwischen dem, was wir uns ausmalen können, und dem, was Gott tatsächlich wirkt, ist ein Raum der Anbetung – ein Raum, in dem seine Herrlichkeit in der Gemeinde und in Christus immer klarer hervortreten darf.

application_de: In dieser Perspektive verliert kein ehrliches Gebet und kein aufrichtiges Ringen um die Gemeinde an Wert, auch wenn vieles unerfüllt bleibt oder anders kommt als erhofft. Gottes Antwort ist größer als unsere Formulierungen, seine Wege tragen weiter als unsere Planungen. Wer sich daran erinnert, findet Trost mitten in Unklarheiten und Mut, weiterhin für die Gemeinde zu glauben und zu bitten – im Vertrauen darauf, dass Gottes Wirken über Bitten und Denken hinaus gerade dort an Tiefe gewinnt, wo unsere Möglichkeiten an ihr Ende kommen.

Und wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten zusammenwirken, denen, die nach Seinem Vorsatz berufen sind. (Röm. 8:28)

In dieser Perspektive verliert kein ehrliches Gebet und kein aufrichtiges Ringen um die Gemeinde an Wert, auch wenn vieles unerfüllt bleibt oder anders kommt als erhofft. Gottes Antwort ist größer als unsere Formulierungen, seine Wege tragen weiter als unsere Planungen. Wer sich daran erinnert, findet Trost mitten in Unklarheiten und Mut, weiterhin für die Gemeinde zu glauben und zu bitten – im Vertrauen darauf, dass Gottes Wirken über Bitten und Denken hinaus gerade dort an Tiefe gewinnt, wo unsere Möglichkeiten an ihr Ende kommen.


Vater, wir danken Dir, dass Du Deine Herrlichkeit nicht von uns fernhältst, sondern sie in unsere Herzen und in Deine Gemeinde hineinlegst. Stärke uns am inneren Menschen nach dem Reichtum Deiner Herrlichkeit, damit Christus immer tiefer Wohnung in uns macht und Deine Fülle in der Gemeinde sichtbar wird. Lass unser Leben, mit allem, was wir verstehen und nicht verstehen, zu einem Raum werden, in dem Deine Auferstehungskraft wirkt und Deine Ehre Gestalt gewinnt. Sei verherrlicht in der Gemeinde und in Christus Jesus – heute, in den kommenden Zeitaltern und in alle Ewigkeit. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Ephesians, Chapter 35

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