Der Reichtum Christi, der die Gemeinde hervorbringt
Viele Christen spüren, dass ihr persönlicher Glaube reich ist, finden aber nur schwer den Zusammenhang zwischen der Fülle, die in Christus verheißen wird, und dem ganz praktischen Leben in der Gemeinde. Epheser 3.öffnet einen Blick hinter die Kulissen: Gott hat Christus mit unermesslichen Reichtümern erfüllt – und diese Reichtümer sind dafür bestimmt, in Menschen hineinzufließen, sie innerlich zu verwandeln und gemeinsam zu einem lebendigen Ausdruck Christi zusammenzufügen. Wenn wir verstehen, was Christus alles ist und wie Er sich selbst in uns austeilt, sehen wir die Gemeinde nicht mehr als religiöse Organisation, sondern als das sichtbare Ergebnis seiner überfließenden Fülle.
Die unergründlichen Reichtümer Christi in der ganzen Bibel
Wenn man die Bibel von 1. Mose bis zur Offenbarung liest, begegnet einem nicht zuerst ein System von Lehren, sondern eine sich verdichtende Gestalt. Unter den Geschichten, Ordnungen und Liedern steht eine Person auf, deren Reichtum sich nicht auf einen Titel oder ein Bild festlegen lässt. Schon die ersten Verse von 1. Mose sind weit mehr als ein Bericht über kosmische Anfänge. Das Licht, das in die Finsternis hineinscheint, die Erde, die aus den Wassern hervortritt, die Samen tragenden Kräuter und fruchttragenden Bäume – all das zeichnet eine Sprache des Lebens, des Hervorbringens und der Versorgung. Johannes nimmt diesen Faden auf, wenn er von Christus sagt: „Alle Dinge sind durch Ihn entstanden, und ohne Ihn ist nicht eines entstanden von dem, was entstanden ist“ (Johannes 1:3). Der Christus, durch den alles geschaffen ist, liegt bereits in den frühesten Schöpfungsbildern verborgen, als Quelle allen Lebens und als Ziel jeder Entfaltung.
Je mehr ich die Bibel studiere, desto mehr wird mir bewusst, wie wenig ich sie kenne. Man könnte hundert Botschaften über 1. Mose 1 geben, vor allem über die Vorbilder Christi in diesem Kapitel. Die Bibel ist tief und voller Inhalt. Erst wenn wir in ihre Tiefen eindringen, sehen wir den Reichtum, den sie birgt. Unter der Oberfläche der Bibel liegen die Reichtümer Christi. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft dreißig, S. 264)
Mit 1. Mose 3.erhält diese verborgene Gegenwart eine erste konkrete Kontur. Inmitten von Fall, Schuld und Fluch spricht Gott von dem „Same der Frau“ (1. Mose 3:15), der der Schlange den Kopf zermalmen wird. In einem unscheinbaren Satz wird Christus als der angekündigt, der im Rahmen der menschlichen Geschichte, im Fleisch, in die zerstörte Schöpfung eintritt, um sie von innen her zu retten. Von da an durchzieht die Bibel ein Netz von Personen, Opfern und Wegen, die jeweils eine Seite seines Wesens spiegeln: Adam als Haupt einer Menschheit und Vorbild des kommenden Christus, Abel als Hinweis auf das angenommene Opfer, Isaak als geliebter Sohn, der auf dem Altar liegt, Josef als leidender und erhöhter Retter für viele, Mose als Mittler, der zwischen Gott und Volk steht, Aaron als Priester, der trägt und vertritt. Die Reichtümer Christi breiten sich in diesen Spiegelungen aus, ohne dass eine von ihnen Ihn einholen könnte.
Mit dem Gesetz und der Geschichte Israels wird dieses Bild nicht einfacher, sondern dichter. Die Feste, Opfer und Sabbate sind keine dekorativen religiösen Zusätze, sondern Schatten einer kommenden Wirklichkeit. In Kolosser 2.heißt es über Speise, Fest, Neumond und Sabbat, dass sie „Schatten der künftigen Dinge“ sind, „der Körper aber ist des Christus“ (vgl. Kol. 2:16–17). Das Passahlamm, dessen Blut vor Gericht schützt und dessen Fleisch das Volk stärkt, weist auf Christus als das wahre Passahlamm hin; der Opferdienst in 3. Mose entfaltet in vielen Facetten, was Er als Speisopfer, Friedensopfer, Sündopfer und Übertretungsopfer für Gott und für uns ist. Gleichzeitig erzählt die Geschichte der Kinder Israels von ihrer Untreue, ihrem Murren, ihrem Durst – und darüber, wie Gott mitten in dieser Geschichte durch Fels, Manna, Wasser und Stiftshütte seine Treue und sein Wohnen im Volk vorschatten lässt. Unter der Oberfläche dieser Erzählungen liegt verborgen, wie reich Christus für ein widerspenstiges Volk ist.
In den Propheten verdichten sich diese Linien zu klareren Profilen. Jesaja spricht von einem Kind, das geboren wird, und einem Sohn, der gegeben wird, und dann heißt es über Ihn: „Man nennt Seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, mächtiger Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens“ (Jesaja 9:6). In einem einzigen Vers werden Kindlichkeit und Ewigkeit, Nähe und unerreichbare Hoheit, Fürsorge eines Vaters und Herrschaft eines Königs zusammengebunden. An solchen Stellen bricht etwas von der Unermesslichkeit der Person Christi auf: Er ist nicht entweder Mensch oder Gott, sondern beides in einer Einheit, die sich unserer Logik entzieht. Andere Weissagungen malen Ihn als leidenden Knecht, als gerechten König, als Hirten, als Stein, den die Bauleute verwerfen und den Gott zum Eckstein macht. Die Vielfalt dieser Bilder ist kein Übermaß, sondern notwendig, weil keine einzelne Perspektive die Fülle des Christus tragen kann.
Alle Dinge sind durch Ihn entstanden, und ohne Ihn ist nicht eines entstanden von dem, was entstanden ist. (Johannes 1:3)
Und Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; Er wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst Ihm die Ferse zermalmen. (1. Mose 3:15)
Die weite Bewegung der Schrift – von den Schöpfungstagen, dem verheißene Samen der Frau, über die Geschichte Israels bis hin zum Lamm Gottes – erlaubt, das eigene Leben nicht losgelöst, sondern in dieser großen Linie zu sehen. Wer Christus so als Summe aller positiven Wirklichkeiten und als Erfüllung aller Verheißungen wahrnimmt, findet Halt, wenn Einzelbilder und einzelne Erfahrungen dunkel bleiben. Es entsteht ein stilles Vertrauen: Der, der als Licht in die Ur-Finsternis hineingesprochen hat, kennt auch die Finsternisse der Gegenwart; der, der als Same der Frau in die verwundete Geschichte eintritt, schreckt nicht vor gebrochenen Biografien zurück. Diese Sicht bewahrt davor, Christus klein zu denken und die Gemeinde auf eine Organisation zu reduzieren. Sie öffnet dafür, in der Vielfalt der biblischen Zeugnisse immer neu denselben Herrn zu entdecken und in seinem Reichtum Ruhe zu finden – auch dann, wenn vieles unergründlich bleibt und doch gerade darin kostbar ist.
Christus teilt seine Reichtümer aus – so entsteht Gemeinde
Wenn Paulus in Epheser 3.von den „unergründlichen Reichtümern des Christus“ spricht, denkt er nicht zuerst an ein Thema, über das man Vorträge halten könnte, sondern an eine Wirklichkeit, die ausgeteilt wird. Christus ist nicht nur Gegenstand der Verkündigung, sondern Inhalt einer göttlichen Haushalterschaft. Paulus versteht seinen Dienst als ein Verwalten, Austeilen, Weiterreichen dessen, was Christus in seiner Person ist. Licht, Leben, Gerechtigkeit, Heiligkeit – das sind nicht abstrakte Eigenschaften, sondern konkrete Weisen, wie Christus für Menschen da ist. Das Evangelium bringt diese Reichtümer nicht bloß zur Sprache; es bringt den Christus selbst durch den Geist in das Innere der Glaubenden. Dadurch nimmt Gott sich Menschen an, nicht indem Er ihnen ein neues Regelwerk gibt, sondern indem Er ihnen eine neue Mitte schenkt.
Die Reichtümer Christi sind das, was Christus für uns ist – zum Beispiel Licht, Leben, Gerechtigkeit und Heiligkeit. Diese Reichtümer sind unausforschlich; sie gehen über unsere Fähigkeit hinaus, ihnen nachzuspüren. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft dreißig, S. 262)
In Epheser 3.betet Paulus darum, dass Christus „durch den Glauben in euren Herzen wohne“ und wir „in Liebe gewurzelt und gegründet“ seien (Epheser 3:17). Wohnsitz, Wurzel, Fundament – diese Bilder zeigen, wie innig und durchdringend diese Austeilung gemeint ist. Christus bleibt nicht außen vor, als gelegentlicher Besucher, sondern wird zum inneren Maßstab, zur verborgenen Quelle, zum tragenden Grund. Ein Christ ist deshalb nicht einfach ein Mensch mit einer neuen Überzeugung, sondern ein Mensch, in dessen Innerem eine neue Lebensquelle sprudelt. Johannes drückt dies an anderer Stelle so: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen“ (Johannes 7:38). Das, was wir aus uns selbst nicht hervorbringen können – Liebe, Geduld, Demut, Treue –, wird durch die Gegenwart Christi in uns zu etwas, das uns geschenkt und dann durch uns weitergereicht wird.
An diesem Punkt beginnt Gemeinde zu entstehen. Sie ist nicht zuerst ein Zusammenschluss von Menschen mit denselben Ansichten, sondern die Zusammenfügung von Menschen, in denen derselbe Christus wohnt. So wie ein Leib nicht durch äußere Verschraubung, sondern durch inneres Wachstum entsteht, so wächst die Gemeinde aus dem Leben, das Christus in jedem Glied wirkt. Darum ist das Bild des Essens und Assimilierens so treffend: Ein Körper wächst, indem er Nahrung nicht nur betrachtet oder benennt, sondern aufnimmt, verdaut, in sich aufnimmt. In ähnlicher Weise wird der Leib Christi aufgebaut, wenn Christus „gegessen“ wird – das heißt, wenn Menschen Ihn im Wort, im stillen Gebet, im Ringen des Glaubens innerlich aufnehmen und sich von Ihm prägen lassen. Jesus selbst spricht in Johannes 6 in dieser Sprache und macht deutlich, dass es um eine tiefere Teilnahme geht als um reine Zustimmung.
Der Aufbau des Leibes Christi geschieht daher dort am tiefsten, wo das Leben Christi konkret ausgetauscht wird. Manchmal geschieht das im verborgenen Gebet füreinander, manchmal im Trösten, manchmal in einer liebevollen Ermahnung, manchmal einfach durch geteilte Freude. In all dem fließt etwas von dem Leben, das Christus in einem Glied gewirkt hat, hinüber zu einem anderen Glied. Paulus beschreibt dieses Geschehen, wenn er von einem Leib spricht, „zusammengefügt und verbunden durch jedes Gelenk der Darreichung, nach dem Maß jedes einzelnen Teiles“ (Epheser 4:16). Er rechnet damit, dass jede und jeder etwas von Christus empfangen und darum auch etwas zu geben hat. Gerade diese gegenseitige Darreichung macht die Gemeinde zu mehr als einer Versammlung: Sie wird zu einem lebendigen Organismus, in dem Christus zentriert, genährt und ausgedrückt wird.
Mir, dem Allerkleinsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, den Nationen den unergründlichen Reichtum des Christus als Evangelium zu verkündigen. (Epheser 3:8)
dass der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne, indem ihr in Liebe gewurzelt und gegründet seid. (Epheser 3:17)
Die Einsicht, dass Christus seine Reichtümer nicht nur proklamiert, sondern tatsächlich in Menschen hineinlegt, verändert den Blick auf das eigene Glaubensleben und auf Gemeinde. Es darf nüchtern und zugleich hoffnungsvoll gerechnet werden: Überall dort, wo Sein Wort gehört, wo im Verborgenen zu Ihm gerufen und im Alltag auf Ihn vertraut wird, lässt Er etwas von seinem Leben Wurzeln schlagen. Das nimmt den Druck, Gemeinde aus eigener Kraft hervorbringen zu müssen, und öffnet für eine Haltung, in der die inneren Vollzüge des Glaubens – das stille „Ja“ zu Christus, die kleine Umkehr, die unscheinbare Tat der Liebe – als Teil seines Bauens erkannt werden. So wird es möglich, auch im Kleinen dankbar zu werden: für das Leben, das schon da ist, und für den Reichtum, den Christus noch aus seiner Fülle schenken will, um seinen Leib weiter aufzubauen.
Die Gemeinde als Ausdruck von Gottes vielfältiger Weisheit
Wo Christus seine Reichtümer austeilt und Menschen innerlich formt, bleibt das Ergebnis nicht im Unsichtbaren. Es nimmt Gestalt in einer Gemeinschaft, die mehr ist als die Summe ihrer Mitglieder. Die Gemeinde wird in Epheser 1.beschrieben als „seine Fülle, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt“ (Epheser 1:23). Damit ist nicht gemeint, dass Christus ohne die Gemeinde unvollständig wäre, sondern dass Er sich entschieden hat, seine Fülle in einem Leib sichtbar zu machen. Was Er ist – seine Liebe, seine Heiligkeit, seine Geduld, seine Wahrheit – wird in einer konkreten Gemeinschaft von Menschen anschaubar. In ihrem Miteinander, in ihren Beziehungen, in ihrem Umgang mit Schuld und Versagen, mit Freude und Leid, lässt sich erahnen, wie Christus ist.
In der Wiedererlangung des Herrn müssen wir den Gedanken an Rang völlig fallen lassen. Es gibt keinen Rang unter uns. Höchstens haben wir einige Führende, die die Führung übernehmen, um Christus für das Gemeindeleben zu leben. Es gibt keine höhere Klasse, keine Sonderklasse in der Gemeinde. Wir haben keinen Leiter. Nach dem Wort des Herrn in Matthäus 23:8–10 ist Er unser einzigartiger Leiter, und wir alle sind Brüder. (Witness Lee, Life-Study of Ephesians, Botschaft dreißig, S. 263)
Epheser 3.geht noch einen Schritt weiter und öffnet eine kosmische Perspektive: „Damit jetzt den Gewalten und Mächten in den himmlischen Örtern durch die Gemeinde die mannigfaltige Weisheit Gottes zu erkennen gegeben werde nach dem ewigen Vorsatz, den Er gefasst hat in Christus Jesus, unserem Herrn“ (Epheser 3:10–11). Die Gemeinde ist nicht nur ein Zeichen für diese Welt, sondern auch für die unsichtbaren Mächte. Gottes Weisheit zeigt sich darin, dass Er nicht die Starken, Mächtigen und Hochstehenden beruft, sondern die Schwachen, das Törichte, das Verachtete, und gerade durch sie seine Herrlichkeit sichtbar macht. In einer Gemeinschaft, in der es keinen geistlichen Rang, keine Sonderklasse, keinen menschlich erhöhten Leiter gibt, sondern in der Christus als der einzigartige Leiter anerkannt wird, wird Gottes andersartige Weisheit greifbar.
Jesu Worte in Matthäus 23 unterstreichen dies deutlich: „Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder. […] Auch sollt ihr euch nicht Leiter nennen lassen; denn einer ist euer Leiter: der Christus“ (Matthäus 23:8.10). Wenn die Gemeinde so lebt, verliert menschliche Überhöhung ihren Reiz, und Geschwisterlichkeit wird zur Grundhaltung. Natürlich gibt es in der Gemeinde Aufgaben und Verantwortungen, aber sie begründen keine Rangordnung. Wer dient, tut es als Bruder oder Schwester unter Brüdern und Schwestern. Gerade darin wird sichtbar, dass Christus selber der Haupt und der Mittelpunkt ist. Wo Er so geehrt wird, entfaltet sich eine Freiheit, in der Gaben aufblühen, ohne in Konkurrenz zu geraten, und Verantwortung getragen wird, ohne sich über andere zu erheben.
Die vielfältige Weisheit Gottes zeigt sich darüber hinaus darin, wie Er Trennendes überwindet. In Christus ist die Feindschaft zwischen Juden und Nationen abgebrochen, ein neuer Mensch geschaffen, der aus beiden besteht (vgl. Epheser 2:14–16). Analog dazu lässt Gott in der Gemeinde viele Gegensätze nicht verschwinden, sondern in neuer Weise zusammenkommen: unterschiedliche Temperamente, Hintergründe, Lebensgeschichten, Gaben. Wo seine Liebe Raum gewinnt, werden diese Unterschiede nicht Anlass zur Spaltung, sondern Ausdruck seiner Buntheit. Versöhnung, die rein menschlich unmöglich wäre, wird erlebbar; Vergebung, die bloß natürliche Kräfte sprengt, wird praktiziert. So wird Schritt für Schritt erfahrbar, dass Christus stärker ist als Sünde, Verletzung und Misstrauen.
Und Er hat alles Seinen Füßen unterworfen und Ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt. (Epheser 1:22-23)
damit jetzt den Gewalten und Mächten in den himmlischen Örtern durch die Gemeinde die mannigfaltige Weisheit Gottes zu erkennen gegeben werde nach dem ewigen Vorsatz, den Er gefasst hat in Christus Jesus, unserem Herrn. (Epheser 3:10-11)
Die Einsicht, dass die Gemeinde der Ort ist, an dem Gott seine vielfältige Weisheit sichtbar machen will, stellt das gewohnte Bild von Kirche in ein neues Licht. Sie bewahrt davor, Gemeinde nur an ihrer äußeren Gestalt zu messen, und hilft, inmitten von Spannungen und Begrenzungen nach den Spuren dieser Weisheit Ausschau zu halten: in gewachsenen Beziehungen, in durchgetragenen Konflikten, in geteiltem Leid und geteilter Freude. Wer die eigene Gemeinschaft so wahrnimmt, kann realistischer mit ihrer Bruchstückhaftigkeit umgehen und doch Hoffnung schöpfen: Nicht unsere Perfektion, sondern der lebendige Christus ist das Zentrum. In dieser Zuversicht wird es möglich, den eigenen Platz im Leib Christi dankbar anzunehmen und zugleich bereit zu bleiben, sich von Christus immer neu in seine Weise des Miteinanders hineinnehmen zu lassen – im Wissen darum, dass Er selbst seine Gemeinde als Ausdruck seiner Fülle und seines ewigen Vorsatzes formt.
Herr Jesus Christus, danke, dass Deine Reichtümer größer sind, als wir sie je begreifen können, und dass Du Dich selbst dennoch in unsere Begrenztheit hinein schenkst. Stärke unseren inneren Menschen, damit Du durch den Glauben immer mehr in unseren Herzen wohnst, Deine Liebe uns erfüllt und wir von Dir geprägt werden. Lass Dein Leben in uns wachsen, damit unser persönlicher Alltag und unser gemeinsames Miteinander zu einem lebendigen Ausdruck Deiner Gnade und Deiner Weisheit werden. Vollende Deinen ewigen Vorsatz, indem Du aus armen Menschen eine Gemeinde formst, die Deine Fülle widerspiegelt und Deine Herrlichkeit sichtbar macht. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Ephesians, Chapter 30