Das Wort des Lebens
lebensstudium

Paulus’ Verteidigung Seiner apostolischen Autorität (2)

14 Min. Lesezeit

Manchmal begegnen uns Christen, die sehr stark von sich und ihrem Dienst überzeugt sind – und andere dabei verletzen oder übergehen. In Korinth traten Lehrer auf, die sich selbst empfahlen und Paulus’ Dienst infrage stellten. In diesem Spannungsfeld macht Paulus deutlich, dass geistliche Autorität nicht mit menschlicher Durchsetzungskraft oder Lautstärke zu verwechseln ist, sondern zutiefst mit Gottes souveräner Leitung und heilsamer Begrenzung verbunden bleibt.

Wahre Autorität ist „von Christus“ und dient zum Aufbau

Wenn Paulus die Korinther auffordert: „Seht (doch) auf das, was vor Augen ist!“ (2.Kor 10:7), dreht er die Blickrichtung der Gemeinde um. Sie hatten auf Rhetorik, Auftreten und Wirkung geschaut und waren zu dem Urteil gekommen: kraftvolle Briefe, aber schwache Person, wenig beeindruckende Rede. In diesem Spiegel menschlicher Maßstäbe erscheint apostolische Autorität als etwas, das sich durch Stärke, Präsenz und äußere Wirkung beweisen muss. Paulus aber führt sie an einen anderen Prüfstein: Wer gehört wirklich dem Christus, und wozu setzt der Herr seine Vollmacht ein? Nicht der äußere Eindruck ist das Kriterium, sondern die Herkunft und die Frucht. „Denn wenn ich mich auch etwas mehr über unsere Vollmacht rühme, die uns der Herr zu eurer Erbauung und nicht zu eurer Zerstörung gegeben hat, so werde ich nicht zuschanden werden“ (2.Kor 10:8). Er deutet damit an, dass man geistliche Autorität daran erkennt, dass sie von Christus her kommt und in die Gemeinde hinein baut, nicht in sie hineinbricht.

In den Versen 8 und 9 sagt Paulus: „Denn wenn ich mich auch etwas mehr rühmen sollte unserer Vollmacht, die der Herr uns gegeben hat zum Aufbau und nicht zu eurem Niederreißen, so werde ich nicht zuschanden werden; damit ich nicht den Anschein erwecke, als wolle ich euch durch die Briefe erschrecken.“ … Apostolische Vollmacht ist nicht dazu da, über die Gläubigen zu herrschen, wie man es natürlich verstehen würde, sondern zu ihrem Aufbau. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft einundfünfzig, S. 460)

Wer so denkt, löst sich aus der Faszination starker Persönlichkeiten. Paulus lebt nicht vor den kritischen Augen der Korinther, sondern vor dem Angesicht seines Herrn. Darum kann er scharfe, klärende Worte schreiben, ohne innerlich hart zu werden; darum kann er persönlich sanft und rücksichtsvoll sein, ohne seine Verantwortung zu verleugnen. Wahre Autorität sucht nicht das Gefühl der Unterlegenheit bei den anderen, sondern die Freiheit der anderen im Glauben. Sie richtet, wo nötig, doch nicht im Sinn eines Vernichtens, sondern als heilsames Gericht, das wieder aufbaut. Petrus greift dieses Muster auf, wenn er die Ältesten daran erinnert, „die Herde Gottes zu weiden, die bei euch ist, indem ihr Aufsicht übt nicht aus Zwang, sondern freiwillig … nicht als die, die über ihre Anteile an der Herde herrschen, sondern indem ihr Vorbilder der Herde werdet“ (1.Petrus 5:2–3). Im Hintergrund dieser Haltung steht der Christus als der gute Hirte, von dem es heißt: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe“ (Johannes 10:11). Wer seine Autorität von einem solchen Herrn empfängt, wird sie nicht zur Selbstbehauptung gebrauchen, sondern zum Schutz und Aufbau derer, die ihm anvertraut sind. In dieser Spur zu gehen, schenkt zugleich Trost und Korrektur: Trost, weil Christus seine Gemeinde nicht sich selbst überlässt, und Korrektur, weil dort, wo sein Name auf Autorität geschrieben wird, aber Verletzung, Angst und Niederreißen die Folge sind, ein anderer Geist am Werk ist als der Geist des guten Hirten.

Einen solchen Maßstab vor Augen zu haben, bewahrt vor Resignation und vor Zynismus. Man muss nicht verzweifeln, wenn der eigene Dienst unscheinbar wirkt, solange er von Christus herkommt und aufbaut. Man muss sich auch nicht blenden lassen von Stimmen, die laut und eindrucksvoll auftreten, deren Wirkung aber in innerer Zerstörung besteht. Nach und nach wächst eine stille Freiheit: weder zu gering von dem zu denken, was der Herr anvertraut, noch höher von sich zu halten, als der Bau der anderen es hergibt. Die Frage wird dann weniger: Wie wirke ich?, sondern mehr: Wird Christus durch das, was ich sage und tue, Menschen gewinnen, stärken, schützen? In dieser Verschiebung liegt ein tiefer Trost: Die Last, sich selbst beweisen zu müssen, fällt ab, und an ihre Stelle tritt eine gelassene Treue, die weiß, dass der Herr der wahre Bauherr seiner Gemeinde ist und dass jede echte Vollmacht am Ende an seinem Urteil gemessen werden wird, nicht an den wechselnden Meinungen der Menschen. So wird Autorität nicht zur Bedrohung, sondern zu einem Zeichen der Fürsorge Christi mitten im Gemeindeleben.

Seht (doch) auf das, was vor Augen ist! Wenn jemand sich zutraut, daß er Christus angehört, so denke er andererseits dies bei sich selbst, daß, wie er Christus angehört, so auch wir. (2.Kor 10:7)

Denn wenn ich mich auch etwas mehr über unsere Vollmacht rühme, die uns der Herr zu eurer Erbauung und nicht zu eurer Zerstörung gegeben hat, so werde ich nicht zuschanden werden, (2.Kor 10:8)

Wo Christus als der gute Hirte unser Herz prägt, verändert sich unser Verständnis von geistlicher Autorität: Sie verliert den Beigeschmack von Druck und Kontrolle und gewinnt den Charakter von Dienst, Schutz und Aufbau. Das macht frei, eigene Verantwortung mutig wahrzunehmen und gleichzeitig jede Form von Übergriff zu meiden. Und es schenkt Hoffnung für verwundete Bereiche des Gemeindelebens, weil der Herr selbst derjenige bleibt, der seine Vollmacht in den Dienst der Heilung und der Erbauung stellt.

Gottes Maßstab: dienen innerhalb des von Gott gesetzten Maßes

Wenn Paulus von dem „Maß der Richtschnur“ spricht, „die der Gott des Maßes uns zugeteilt hat, um auch bis zu euch zu reichen“ (2.Kor 10:13), öffnet er einen verborgenen Blick in seine innere Haltung als Diener Christi. Er sieht sein Apostelamt nicht als grenzenlosen Aktionsraum, in dem er seine Gaben nach Belieben entfalten könnte, sondern als ein von Gott abgestecktes Feld. Der „Gott des Maßes“ ist derselbe, der im Alten Bund seinem Volk konkrete Grenzen und Erbteile gab, damit jeder Stamm seinen Platz im Land habe und nicht auf Kosten der anderen lebte. Die Beschreibung der Landeseinteilung in 4. Mose und im Buch Josua mag lang und nüchtern erscheinen, doch darin spiegelt sich eine geistliche Wirklichkeit: Berufung ist nicht formlos, sondern konkret; sie hat Kontur, Reichweite und Begrenzung. Paulus weiß sich in eine solche Richtschnur hineingestellt und kann darum sagen: „Denn (es ist) nicht (so), als ob wir nicht zu euch gekommen wären und uns (nun) zu weit ausstreckten; denn wir sind mit dem Evangelium Christi auch bis zu euch gekommen“ (2.Kor 10:14). Er steht also an der Grenze, die Gott selbst gezogen hat, nicht an einer Grenze, die er sich aus Vorsicht oder Bequemlichkeit gesetzt hätte.

Vers 13 sagt: „Wir aber wollen uns nicht ins Maßlose rühmen, sondern nach dem Maß des Wirkungskreises, den uns Gott als Maß zugeteilt hat, um auch bis zu euch zu gelangen.“ … Das Wort Maß in Vers 13 macht deutlich, dass man von Gott regiert wird. Gott hat uns nur ein bestimmtes Maß für unser Werk und unsere Erfahrung zugeteilt. Außerdem hat Er uns nur ein bestimmtes Maß zum Genießen gegeben. Daher müssen wir, wenn wir ein Zeugnis über unser Werk, unsere Erfahrung oder unseren Genuss des Herrn geben, innerhalb dieses Maßes, das heißt innerhalb einer bestimmten Begrenzung, zeugen. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft einundfünfzig, S. 462)

In dieser Perspektive erhalten Vergleich und Konkurrenz ihren wahren Platz: Sie werden überflüssig. „Wir wagen nicht, uns gewissen Leuten von denen, die sich selbst empfehlen, beizuzählen oder gleichzustellen; aber da sie sich an sich selbst messen und sich mit sich selbst vergleichen, sind sie unverständig“ (2.Kor 10:12). Wer sich an der eigenen Wirkung misst oder am Erfolg anderer, verliert die Sicht auf das eigene Maß. Wer hingegen weiß, welche Aufgabe Gott ihm anvertraut hat, wird frei, in diesem Feld treu zu dienen, ohne in fremden Wirkungskreisen zu wildern. Paulus drückt das so aus: Er will sich nicht „ins Maßlose mit fremden Arbeitsleistungen“ rühmen, sondern hofft, dass mit dem Wachstum des Glaubens der Korinther sein Dienst „unter euch noch ungleich größer“ werde und er dann „das Evangelium weiter über euch hinaus verkündige“ (vgl. 2.Kor 10:15–16). Hier zeigt sich, wie Gottes Maß nicht Enge bedeutet, sondern Ordnung: Zuerst ein treues Bauen im anvertrauten Bereich, dann eine von Gott geführte Ausweitung, die nicht auf fremdem Fundament ruht. Diese Haltung trägt eine leise, aber tiefe Freiheit in sich: Man muss nichts erzwingen und nichts verteidigen, sondern darf dem Gott des Maßes zutrauen, dass er Türen öffnet und Grenzen verschiebt, wenn es seiner Ausbreitung des Evangeliums dient.

Dass Gott so mit Maß arbeitet, entwertet weder kleine Bereiche noch begrenzte Möglichkeiten. Im Gegenteil: Gerade weil er der Gott des Maßes ist, kommt seine Gegenwart in einem unscheinbaren Dienst ebenso zum Tragen wie in einem weithin sichtbaren. Der Apostel, der „den Heiden den unerforschlichen Reichtum Christi als das Evangelium“ verkündigen sollte (Epheser 3:8), wusste zugleich um seine Begrenzung und flehte nicht um grenzenlose Ausbreitung, sondern um treuen Vollzug dessen, was ihm gegeben war. Wer sich in dieser Weise in Gottes Richtschnur birgt, wird auch die Berufung anderer achten und sich freuen, wenn der Herr an anderer Stelle größer wirkt. Am Ende bleibt als Ziel nicht das eigene Maß, sondern der Herr selbst: „Wer sich aber rühmt, rühme sich des Herrn“ (2.Kor 10:17). In dieser Ausrichtung verlieren Übertritte, Vergleiche und verdeckte Rivalität ihren Reiz. Das Herz wird ruhig und dankbar über dem Platz, den Gott gewährt hat, und zugleich offen für das Mehr, das er in seiner Zeit schenken mag.

Gerade in einer Zeit, in der vieles nach grenzenloser Ausdehnung drängt, wirkt der Gedanke an Gottes Maß wie eine heilsame Unterbrechung. Er nimmt den Druck, ständig wachsen und sich übertreffen zu müssen, und legt den Akzent auf Treue, nicht auf Größe. Es ist ein tiefes Geschenk, das eigene Feld – ob groß oder klein – als Zuteilung aus Gottes Hand anzunehmen. So wird Dienst nicht zu einem Rennen um Reichweite, sondern zu einem Weg, auf dem der Gott des Maßes selbst der Herr der Ernte bleibt. Die innere Spannung, zu wenig zu tun oder zu kurz zu kommen, beginnt sich zu lösen, wenn das Herz lernt: Es genügt, innerhalb der Richtschnur zu leben, die er gezogen hat. Alles Weitere, jede Ausweitung und jede neue Aufgabe, liegt in seiner souveränen Hand.

Denn wir wagen nicht, uns gewissen Leuten von denen, die sich selbst empfehlen, beizuzählen oder gleichzustellen; aber da sie sich an sich selbst messen und sich mit sich selbst vergleichen, sind sie unverständig. (2.Kor 10:12)

Wir wollen uns aber nicht über unser Maß hinaus rühmen, sondern nach dem Maß der Richtschnur, die der Gott des Maßes uns zugeteilt hat, um auch bis zu euch zu reichen. (2.Kor 10:13)

Wer Gottes Maß als Ausdruck seiner Weisheit und Fürsorge versteht, kann seinen Platz im Dienst mit größerer Gelassenheit einnehmen. Die Versuchung, sich mit anderen zu vergleichen oder fremde Wirkungskreise zu betreten, verliert an Kraft, wenn der Blick auf den Gott des Maßes und auf den Herrn gerichtet ist, dessen Ruhm am Ende zählt. So wird der eigene Wirkungskreis, wie unscheinbar er auch sein mag, zu einem Raum, in dem Gottes Treue erfahrbar und Christi Evangelium sichtbar wird.

Gottes heilsame Begrenzungen und das Auf und Ab auf dem Weg des Dienstes

Die Spannweite von Paulus’ Berufung und die Begrenztheit seines Weges stehen in einem auffälligen Kontrast nebeneinander. Auf der einen Seite steht der große Horizont seines Auftrags: „den Heiden den unerforschlichen Reichtum Christi als das Evangelium zu verkünden“ (Epheser 3:8). Auf der anderen Seite lesen wir von seinen konkreten Plänen und ihrem Scheitern: Er hatte die Hoffnung, auf dem Weg nach Spanien auch die Geschwister in Rom zu sehen – „falls ich nach Spanien reise“ (Römer 15:24). Spanien aber hat er nach allem, was wir wissen, nicht mehr erreicht. Stattdessen gelangte er als Gefangener nach Rom, gebunden und scheinbar eingeschränkt. Aus menschlicher Sicht wirkt das wie ein Abbruch, als sei ein groß angelegtes Werk von äußeren Umständen gestoppt worden. Paulus selbst aber deutet seine Fesseln als Ausdruck des göttlichen Maßes: Er nennt sich „Gefangener Christi Jesu“ (Epheser 3:1), nicht Gefangener Roms. Damit bekennt er, dass hinter den sichtbaren Begrenzungen die Hand des Herrn steht, die seinen Weg lenkt.

Aus den Versen 13, 14 und 15 erkennen wir, dass wir, obwohl wir erwarten, dass das Werk des Herrn sich ausbreitet, lernen müssen, unter Gottes Einschränkung zu stehen. Erwarte keine Ausbreitung ohne Maß. Eine solche Ausbreitung wäre sicherlich nicht innerhalb der Begrenzung eines Wandels gemäß dem Geist. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft einundfünfzig, S. 463)

Diese Haltung ist nicht naiv, sondern tief verwurzelt in der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Schon Abraham erfährt, dass der Gott, der ruft, auch der Gott ist, der Wege unterbricht, verlangsamt und durch Krisen hindurchführt. Der Aufbruch aus Haran, die Verzögerungen unterwegs, die Jahre der Kinderlosigkeit, die Prüfung auf dem Berg Morija (vgl. 1. Mose 12; 1. Mose 22) – all das ist kein geradliniger Erfolgspfad, sondern ein Weg mit Auf und Ab. Dahinter steht kein launischer Gott, sondern ein Gott, der Herzen formt. Wenn Paulus vor dem auferstandenen Christus hören muss: „Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen“ (Apostelgeschichte 26:14), wird ihm vor Augen geführt, wie schmerzhaft es ist, sich gegen dieses heilsame Maß aufzulehnen. Gottes Begrenzungen entlarven den Wunsch nach grenzenloser Entfaltung, nach ungehinderter Ausbreitung und nach Erfolg um jeden Preis. Sie legen bloß, wie leicht selbst geistlicher Dienst zur Bühne des eigenen Ichs werden kann. Zugleich sind sie ein Mittel der Gnade: Sie bewahren vor einem Wachstum, das nicht mehr vom Geist, sondern von der eigenen Energie getrieben wäre.

In den Versen, in denen Paulus vom „Maß der Richtschnur“ und von der Ausbreitung seines Dienstes spricht (2.Kor 10:13–16), klingt dieser Gedanke an. Er erwartet, dass das Werk des Herrn sich ausbreitet, hält aber fest, dass es eine Ausbreitung „ohne Maß“ nicht geben wird. Eine solche Ausbreitung wäre nicht mehr „innerhalb der Begrenzung eines Wandels gemäß dem Geist“. Zwischen dem göttlichen Auftrag zur Verkündigung und der göttlichen Beschränkung des Weges besteht kein Widerspruch, sondern eine Spannung, in der Leben wächst. In den äußeren Aufs und Abs lernt der Diener, innerlich auf einer anderen Linie zu gehen: verwurzelt in Christus, genährt von seiner Gnade, korrigiert und zugleich getragen durch seine Hand. Erfolg und Rückschlag verlieren ihren absoluten Charakter. Sie werden zu Stationen eines Weges, auf dem Gott immer wieder neu seine Treue erweist – in offener Tür ebenso wie in geschlossener.

Wer sich auf diese Weise von Gottes Maß führen lässt, erfährt in Begrenzungen nicht nur Verlust, sondern auch Verwandlung. Unvollendete Pläne, nicht eingelöste Erwartungen und unerreichte Ziele bleiben schmerzhaft, aber sie müssen nicht bitter machen. Sie können zu Orten werden, an denen die Liebe zu Christus vertieft und der eigene Stolz gebrochen wird. Der Dienst lebt dann weniger aus der Kraft großer Visionen und mehr aus der leisen Treue im Gegebenen. Gerade so aber gewinnt er an Gewicht, weil er nicht mehr vom Drang nach Erfolg beherrscht ist, sondern von der Bereitschaft, in Ketten ebenso Christus zu bezeugen wie in Freiheit. Der Gott, der Abraham führte und Paulus begrenzte, ist derselbe, der auch heute Wege unterbricht, Pläne verändert und Türen schließt – nicht, um uns zu entmutigen, sondern um uns tiefer mit sich zu verbinden. In diesem Licht können die Aufs und Abs auf dem Weg des Dienstes zu einer Ermutigung werden: Nicht unsere Ungebrochenheit, sondern Gottes Treue trägt die Geschichte mit seinem Evangelium.

falls ich nach Spanien reise (Röm. 15:24)

Deswegen bin ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch, die Heiden – (Epheser 3:1)

Wo Gottes Begrenzungen nicht mehr nur als Hindernisse, sondern als Orte seiner Führung gesehen werden, verliert das Auf und Ab des Dienstweges etwas von seinem Schrecken. Es entsteht eine ruhige Zuversicht: Der Herr, der ruft, weiß auch, wann er beschleunigt, wann er verlangsamt und wann er uns anhalten lässt. In dieser Zuversicht kann man unvollendete Pläne loslassen, ohne die Berufung zu verlieren, und die Gegenwart als den Ort annehmen, an dem seine Gnade gerade jetzt wirksam ist.


Herr Jesus Christus, danke, dass du deine Gemeinde durch Diener leitest, die du selbst berufen und in ein gutes Maß gestellt hast. Du siehst unser Herz, das sich manchmal nach grenzenlosem Wirken sehnt und doch an deine heilsamen Grenzen stößt. Stärke in uns das Vertrauen, dass dein Maß besser ist als unsere Pläne, und dass du auch durch Begrenzungen deinen Willen zum Ziel bringst. Lehre uns, wie Paulus innerhalb des Feldes zu leben, das du uns anvertraut hast, ohne Vergleich, ohne Übergriff, aber erfüllt von deiner Liebe und Kraft. Lass dein Volk durch solche, die sich deiner souveränen Führung beugen, aufgebaut, geschützt und ermutigt werden. Und schenke uns die innere Ruhe, dass du uns genau dort gebrauchen wirst, wo du deine Herrlichkeit am deutlichsten sichtbar machen willst. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of 2 Corinthians, Chapter 51

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