Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Gemeinschaft des Apostels über den Dienst an den bedürftigen Heiligen (3)

12 Min. Lesezeit

Wenn es um Geld und Besitz geht, empfinden viele Christen eine gewisse Spannung: Einerseits erleben sie Gottes Versorgung im Alltag, andererseits spüren sie die Not von Geschwistern, die materiell kaum über die Runden kommen. Zwischen Sparen, Vorsorge und Großzügigkeit stellt sich die Frage, wie Gott eigentlich die Versorgung unter seinem Volk ordnet. Paulus greift in 2.Korinther 8–9 alte Bilder aus 1. Mose und aus der Wüstenzeit Israels auf, um zu zeigen, wie eng Gottes Fürsorge, unser Umgang mit Besitz und der Dienst an den bedürftigen Heiligen miteinander verwoben sind.

Geben als Sammeln – Gottes Wunderhand gleicht aus

Wenn Paulus in seinem Brief an die Korinther über das Geben spricht, greift er auf eine Szene aus der Wüste zurück. Er zitiert das Wort über das Manna: „Wer viel (sammelte), hatte keinen Überfluß, und wer wenig (sammelte), hatte keinen Mangel“ (2.Kor 8:15; vgl. 2.Mose 16:18). In 2. Mose lesen wir: „Als sie aber mit dem Gomer maßen, da hatte der, der viel gesammelt hatte, keinen Überschuß, und wer wenig gesammelt hatte, der hatte keinen Mangel. Jeder hatte gesammelt nach dem Maß seines Essens“ (2.Mose 16:18). Hinter dem sichtbaren Sammeln stand eine unsichtbare Hand: Gott selbst maß nach. Die Israeliten bückten sich, sammelten, trugen heim – äußerlich schien alles von ihrer Mühe abzuhängen. Doch am Ende hatte keiner zu viel und keiner zu wenig, und was gehortet wurde, verdarb. So enthüllt Paulus den Korinthern, dass auch ihr mühsames „Sammeln“ im Alltag – Arbeit, Einkommen, Rücklagen – vor Gott nicht als geschlossenes Privatkonto existiert, sondern in eine himmlische Ordnung eingebettet ist.

Der göttliche Weg ist, dass die, die wenig gesammelt hatten, keinen Mangel hatten und die, die viel gesammelt hatten, nichts übrig hatten. Das ist Gottes himmlische Weise, die Versorgung unter Seinem Volk auszugleichen. Gott übte Seine wunderbare Fähigkeit aus, die Versorgung mit Manna unter dem Volk auszugleichen. Durch Seine souveräne und wunderwirkende Hand gleicht Gott die tägliche Versorgung unter Seinen Kindern aus. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft achtundvierzig, S. 433)

In dieser Ordnung ist materielles Geben nicht bloß eine freiwillige Zusatzleistung, sondern Teil eines göttlichen Ausgleichs, den Gott unter seinen Kindern wirkt. Das, was wir zu besitzen glauben, bleibt nie nur bei uns stehen. „Wer viel gesammelt hatte, hatte keinen Überschuß“ – das heißt: Überfluss ist in Gottes Augen eine anvertraute Reserve für andere, kein Polster, auf dem wir uns selbstgenügsam ausruhen. Ebenso tröstlich ist die andere Seite: „wer wenig gesammelt hatte, hatte keinen Mangel“. Mangel wird in Gottes Gegenwart nicht absolut. Er bindet die Sorge um das tägliche Brot an sein eigenes Eingreifen, und oft geschieht dieses Eingreifen gerade durch Geschwister, die teilen. Wo wir zwanghaft festhalten, merken wir früher oder später, wie Besitz „Flügel bekommt“ und uns entgleitet; wo wir in dieser stillen, unsichtbaren Ökonomie mit Gott übereinstimmen und loslassen, stellen wir überrascht fest, dass wir dennoch „alles Genüge“ haben.

Paulus zeichnet auf diese Weise ein anderes Bild von Sicherheit. Sie liegt nicht im maximalen Anhäufen, sondern im Eingebundensein in Gottes Weg, die Versorgung auszubalancieren. Er lädt die Korinther – und mit ihnen auch uns – ein, unser Sammeln als Teil dieses Weges zu sehen. Nicht jede Erfahrung lässt sich auf eine einfache Formel bringen, doch die Linie ist erkennbar: Gott bleibt der Maßstab. Er achtet auf die, die wenig haben, und er spricht zu denen, die viel haben, durch Gelegenheiten zum Geben. Wenn Überfluss sich öffnet, wird er zum Manna für andere; wenn Mangel erhört wird, wächst stille Dankbarkeit. So entsteht ein verborgenes Netz der Versorgung, getragen von Gottes Wunderhand, in das jeder, der gibt und empfängt, hineingenommen ist.

In dieser Perspektive verliert Geben seinen Charakter als Verlust. Wer teilt, steht nicht am Rand der eigenen Verarmung, sondern mitten in der Bewegung eines Gottes, der „die tägliche Versorgung unter seinen Kindern ausgleicht“. Die Erfahrung mancher ist: Gerade dort, wo sie freigebig wurden, hat Gott Türen geöffnet, Möglichkeiten geschenkt, Menschen an ihre Seite gestellt. Andere können bezeugen, dass sie in Zeiten schmaler Mittel dennoch nicht untergingen, weil irgendwo jemand bewegt wurde, ein Stück seines „gesammelten Mannas“ weiterzureichen. Der Glaube an Gottes Ausgleich ersetzt nicht die Verantwortung, sorgfältig zu wirtschaften; aber er befreit aus der Angst, die alles krampfhaft festhält. So wird unser Alltagssammeln – unsere Arbeit, unser Einkommen, unsere Planungen – hineingestellt in einen größeren Strom, in dem Gott selbst das Maß in der Hand behält und aus Überfluss und Mangel eine gemeinsame Geschichte seiner Treue formt.

wie geschrieben steht: «Wer viel (sammelte), hatte keinen Überfluß, und wer wenig (sammelte), hatte keinen Mangel.» (2.Kor 8:15)

Als sie aber mit dem Gomer maßen, da hatte der, der viel gesammelt hatte, keinen Überschuß, und wer wenig gesammelt hatte, der hatte keinen Mangel. Jeder hatte gesammelt nach dem Maß seines Essens. (2.Mose 16:18)

Wer sein tägliches Sammeln als Teil von Gottes himmlischer Ökonomie sieht, findet einen Weg zwischen Sorglosigkeit und Sorge: Wachsam im Umgang mit dem Materiellen, aber frei, wenn Gott zum Teilen ruft, weil die eigentliche Sicherheit nicht im angehäuften Manna liegt, sondern in seiner beständigen, ausgleichenden Hand.

Geben als Säen – Gottes Segensgesetz des Erntens

Neben dem Bild des Sammelns nimmt Paulus noch ein zweites in die Hand: das des Säens. „Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten, und wer segensreich sät, wird auch segensreich ernten“ (2.Kor 9:6). Das ist keine moralische Parole, sondern ein geistliches Naturgesetz, das an die Schöpfungsordnung erinnert: Samen, der in die Erde fällt, trägt seinem Wesen nach Ernte in sich. Auffällig ist, wie Paulus die Richtung des Säens verschiebt. Ein Bauer sät für seine eigene Zukunft, für die Ernte, die er selbst einbringen wird. Paulus hingegen spricht vom Säen „mit Segnungen“ – unser Geben wird zu Saatgut, das in das Leben anderer fällt. Das, was wir an das Materielle weitergeben, ist in seinen Augen kein endgültiger Abfluss, sondern eine Aussaat auf einem Feld, das Gott sieht.

Die zweite Sache, die mit Paulus’ tiefgründigem Gedanken in den Kapiteln acht und neun zusammenhängt, betrifft sein Wort in 9:6 über das Säen: „Dies aber [sage ich]: Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten; und wer mit Segnungen sät, wird auch mit Segnungen ernten.“ Hier vergleicht Paulus das Dienen mit das Materielle an die bedürftigen Heiligen mit dem Säen von Samen. Das Säen von Samen ist, wie das Sammeln des Mannas, für die tägliche Versorgung. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft achtundvierzig, S. 432)

Dieses Bild wird durch die weitere Verheißung vertieft: „Gott aber vermag auf euch überströmen zu lassen jede Gnade, damit ihr in allem allezeit alles Genüge habt und überströmt zu jedem guten Werk“ (2.Kor 9:8). Gott antwortet auf segensreiches Säen nicht unbedingt mit sichtbarem Reichtum, wohl aber mit genügender Versorgung und innerer Weite, damit es zu „jedem guten Werk“ reicht. Er „darrreicht dem Sämann Samen und Brot zur Speise“ und „wird eure Saat darreichen und mehren und die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen“ (2.Kor 9:10). Saat und Brot gehören zusammen: Gott schenkt nicht nur das, was wir weitergeben können, sondern auch das, wovon wir leben. Unser Geben beraubt uns nicht des Brotes; Gott achtet darauf, dass die Hand, die sät, nicht leer bleibt.

In dieser Logik entsteht ein Kreislauf. Das, was wir als Samen ausstreuen – Zeit, Aufmerksamkeit, finanzielle Hilfe, praktische Unterstützung –, geht nicht verloren, sondern wird von Gott in seine Geschichte mit anderen Menschen eingebaut. Manchmal sehen wir schon in diesem Leben, wie aus einer Gabe eine Kette von Segnungen entsteht: Eine Last wird leichter, ein Herz wird ermutigt, Vertrauen in Gott wird erneuert. Anderes bleibt verborgen und wird erst vor Gott einmal sichtbar werden. So oder so wird die Ernte größer sein als das einzelne Samenkorn. Paulus bewahrt dabei vor einer mechanischen Erwartung: es gibt keinen Anspruch auf bestimmte Gegenleistungen. Die Zusage lautet nicht: „Du gibst eins, und Gott gibt dir zehn“, sondern: Gott sorgt dafür, dass du genug hast, um weiter gut tun zu können.

Wer in diesem Sinn sät, lernt, die Materie mit anderen Augen zu sehen. Geld und Besitz verlieren den Charakter absoluter Sicherheiten und werden zu Werkzeugen, die einen Weg in Gottes Hände finden. Es entsteht eine stille Freude daran, wenn aus den eigenen Gaben „Früchte der Gerechtigkeit“ wachsen, die weit über das eigene Leben hinausreichen. So wird Geben zu einem Teilhabeakt an Gottes Werk: Er lässt Samen wachsen, den ein anderer ausstreut, und macht aus kleinen Samenkörnern eine Ernte, die selbst wieder zur Saat werden kann. In diesem Kreislauf zu stehen, heißt, sich von einem engen Horizont des „Was habe ich davon?“ lösen zu lassen und das eigene Leben als Feld zu sehen, auf dem Gott seine Großzügigkeit sichtbar machen will.

DIES aber (sage ich): Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten, und wer segensreich sät, wird auch segensreich ernten. (2.Kor 9:6)

Gott aber vermag auf euch überströmen zu lassen jede Gnade, damit ihr in allem allezeit alles Genüge habt und überströmt zu jedem guten Werk; (2.Kor 9:8)

Wer sein Geben als Säen versteht, wird nicht mehr hauptsächlich den Verlust im Blick haben, sondern die Frucht, die Gott hervorbringen kann: Die Hände öffnen sich leichter, wenn klar wird, dass Gott sowohl das Saatgut als auch das tägliche Brot in seiner Hand hält und niemanden vergisst, der auf diesem Feld mit ihm zusammen arbeitet.

Geben als Gemeinschaft – Danksagung und sichtbare Gnade

Für Paulus ist der Dienst an den bedürftigen Heiligen keine anonyme Hilfsaktion, sondern ein Geschehen der Gemeinschaft. Er spricht davon, dass die Besorgung dieses Dienstes „nicht nur den Mangel der Heiligen ausfüllt, sondern auch überströmend ist durch viele Danksagungen zu Gott“ (2.Kor 9:12). Das Sichtbare ist schlicht: eine Geldsammlung, eine Gabe, ein Paket. Das Unsichtbare ist tiefer: Menschen, die einander als Glieder desselben Leibes wahrnehmen, weil sie aneinander Anteil nehmen. In den Gaben der Heiligen aus der Heidenwelt an die Armen in Jerusalem wurde für Paulus sichtbar, dass das Evangelium tatsächlich eine neue Gemeinschaft geschaffen hatte. Juden und Heiden, Reiche und Arme standen nicht mehr getrennt nebeneinander, sondern begannen, die Lasten und Bedürfnisse voneinander zu tragen.

Das Ergebnis ist ein Überströmen von Danksagungen zu Gott. Ich hoffe, dass in der kommenden Zeit viele der Heiligen zu einem Faktor der Danksagung zu Gott werden. Das bedeutet, dass euer Geben in viel Danksagung zu Gott überströmen wird. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft achtundvierzig, S. 441)

So beschreibt er die Wirkung dieses Dienstes: „Denn infolge der Bewährung dieses Dienstes verherrlichen sie Gott wegen des Gehorsams eures Bekenntnisses zum Evangelium Christi und wegen der Lauterkeit der Teilnahme gegen sie und gegen alle“ (2.Kor 9:13). Hinter dem Geben steht ein „Bekenntnis zum Evangelium Christi“ – die Gabe ist ein Ausdruck dieses Bekenntnisses in konkreter Form. Die Empfänger sehen mehr als eine menschliche Freundlichkeit; sie erkennen darin „die überschwengliche Gnade Gottes an euch“ (2.Kor 9:14). Dadurch wird Gott geehrt. Aus einer materiellen Überweisung wird ein Lobpreis, aus einem Paket wird ein Gebet, aus einer unscheinbaren Überbrückung von Mangel eine sichtbare Spur der Gnade. Die Gemeinschaft, die hier entsteht, ist nicht sentimental, sondern geerdet in der gegenseitigen Teilnahme an Leid und Freude.

Der Höhepunkt dieser Betrachtung liegt in dem Ausruf: „Gott sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!“ (2.Kor 9:15). Am Ende aller Überlegungen über Sammeln und Säen, über Ausgleich und Danksagung steht nicht der Mensch, sondern Gottes eigene Gabe – Christus selbst, die Gnade in Person. Von diesem Grundton her erhält jede Gabe, die wir einander zukommen lassen, ihren Klang. Wie Gott sich in Christus nicht schonte, sondern sich hingab, so spiegeln kleinere und größere Akte des Teilens etwas von diesem Herzschlag wider. Wo eine Gemeinde lernt, in dieser Weise freigebig zu sein, wird sie zu einem Ort, an dem Gottes Gnade sichtbar und tastbar wird: in getragenen Rechnungen, in geteilten Mahlzeiten, in offenen Türen, in stillen Unterstützungen, von denen kaum jemand weiß.

Aus solcher gemeinsamen Erfahrung wächst eine Atmosphäre, in der Danksagung fast selbstverständlich wird. Wer empfängt, dankt nicht nur den Gebern, sondern beginnt, Gott zu preisen. Wer geben durfte, staunt darüber, wie Gott seine Mittel gebraucht und erweitert den eigenen Blick über das eigene Leben hinaus. So werden Menschen – ohne es vielleicht zu merken – zu „Faktoren der Danksagung“, durch die viel Dank zu Gott aufsteigt. In diesem Licht gewinnt praktisches Geben eine Würde, die über alle Zahlen hinausgeht. Es ist Teil einer Gemeinschaft, in der Gottes unaussprechliche Gabe geehrt wird, indem man einander Anteil gibt – und mitten in dieser Bewegung wird die Gnade, von der Paulus spricht, erfahrbar und stärkt leise den Mut, weiter zu glauben, weiter zu hoffen und weiter zu teilen.

Denn die Besorgung dieses Dienstes füllt nicht nur den Mangel der Heiligen aus, sondern ist auch überströmend durch viele Danksagungen zu Gott; (2.Kor 9:12)

denn infolge der Bewährung dieses Dienstes verherrlichen sie Gott wegen des Gehorsams eures Bekenntnisses zum Evangelium Christi und wegen der Lauterkeit der Teilnahme gegen sie und gegen alle; (2.Kor 9:13)

Wer das eigene Geben als Ausdruck der Gemeinschaft im Leib Christi versteht, entdeckt, dass hinter jeder geteilten Ressource eine geistliche Geschichte steht: Gott wird geehrt, Herzen werden verbunden, und mitten im Alltag entsteht ein Raum, in dem seine „unaussprechliche Gabe“ neu kostbar wird und zu ehrlicher Danksagung bewegt.


Herr Jesus Christus, danke, dass Du selbst reich warst und um unsertwillen arm wurdest, damit wir durch Deine Armut reich würden. Du kennst unseren Umgang mit Geld, unseren Mangel und unseren Überfluss, unsere Sorgen und unser Festhalten. Öffne unsere Augen für Deine treue Hand, die unsere tägliche Versorgung ausgleicht, und lehre uns, so zu geben, dass unser Sammeln zu einem Segen für andere wird. Lass unser Geben zu einem Säen mit Segnungen werden, durch das viele Geschwister gestärkt und erfrischt und viele Danksagungen zu Dir aufsteigen. Erfülle uns mit der Freude eines fröhlichen Gebers und präge uns Dein freigebiges Herz ein, damit in unserer Mitte Deine Gnade sichtbar wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of 2 Corinthians, Chapter 48

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