Das Wort des Lebens
lebensstudium

Verwandelt werden in das Bild des Herrn von Herrlichkeit zu Herrlichkeit wie vom Herrn, dem Geist, indem wir mit unverhülltem Angesicht Seine Herrlichkeit anschauen und widerspiegeln (2)

11 Min. Lesezeit

Viele Christen sehnen sich danach, Jesus ähnlicher zu werden, erleben ihren Alltag aber oft eher als ein Hin-und-her zwischen guten Vorsätzen und Enttäuschungen. Paulus zeichnet im 2.Korintherbrief ein anderes Bild: nicht religiöse Anstrengung, sondern ein Leben wie ein offener Spiegel vor dem Herrn, in dem Seine Herrlichkeit sichtbar wird. Die Frage ist, was uns konkret daran hindert – und wie der Herr selbst diese Hindernisse wegnimmt, um uns von Herrlichkeit zu Herrlichkeit in Sein Bild zu verwandeln.

Mit unverhülltem Angesicht den Herrn anschauen

Paulus beschreibt unser Christenleben mit einem stillen, aber kraftvollen Bild: Wir stehen vor dem Herrn wie ein Spiegel vor einem Gesicht. Ein Spiegel produziert kein eigenes Licht; er empfängt und gibt weiter, was vor ihm steht. So heißt es in 2.Korinther 3:18: „Wir alle aber, die wir wie ein Spiegel mit unverschleiertem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen und widerspiegeln, werden in dasselbe Bild umgewandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, so wie von dem Herrn Geist.“ Im Zentrum steht nicht unser Bemühen, Christus nachzuahmen, sondern unser innerer Blick auf Ihn. Der verherrlichte Christus ist heute der Geist, der in unserem Geist wohnt; dort begegnet Er uns, dort erreicht uns Seine Herrlichkeit. Wenn unser Inneres Ihm geöffnet ist wie eine blanke Spiegelfläche, beginnt Sein Wesen sich in uns einzuzeichnen.

Wie der Titel dieser Botschaft zeigt, werden wir durch das Anschauen und Widerstrahlen der Herrlichkeit des Herrn umgewandelt. Wir werden nicht nur dadurch umgewandelt, dass wir den Herrn sehen, sondern auch dadurch, dass wir Ihn widerspiegeln. Ein Spiegel hat die Fähigkeit, ein Objekt sowohl zu betrachten als auch widerzuspiegeln. Die englischen Worte „beholding and reflecting as a mirror“ geben im Griechischen ein einziges Wort wieder. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft vierundzwanzig, S. 217)

Dieses Anschauen geschieht nicht abstrakt, sondern trägt konkrete Formen: wenn das Wort Gottes nicht nur gelesen, sondern betend in uns bewegt wird, wenn Gebet mehr ist als Reden, sondern ein inneres Hinsehen auf eine lebendige Person. Der Herr selbst verbindet Sein Wort mit Seinem Geist, wenn Er sagt: „Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben“ (Johannes 6:63). Wo wir so auf Christus ausgerichtet bleiben und uns nicht ständig um uns selbst drehen, wird Sein Bild in unserem Inneren klarer, und ohne dass wir es erzwingen, beginnt diese Herrlichkeit durch unsere Worte, Haltungen und Entscheidungen hindurch zu leuchten. Darin liegt eine leise, aber tiefe Ermutigung: wahres geistliches Wachstum ist nicht die Last permanenter Selbstoptimierung, sondern die Frucht eines beständigen, vertrauenden Blickkontakts mit dem Herrn, der uns anschaut und in Seinem Licht verwandelt.

Wir alle aber, die wir wie ein Spiegel mit unverschleiertem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen und widerspiegeln, werden in dasselbe Bild umgewandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, so wie von dem Herrn Geist. (2.Kor 3:18)

Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben. (Joh. 6:63)

Im Alltag mit seiner Zersplitterung und den vielen Stimmen bleibt diese Wahrheit wie ein stiller Ruf im Hintergrund: Es kommt nicht zuerst darauf an, was du für Christus tust, sondern darauf, worauf dein innerer Blick gerichtet ist. Wo dein Herz sich dem Herrn hinwendet, wird Sein Angesicht wieder groß – und gerade darin liegt die Kraft, die dich Schritt für Schritt in Sein Bild hineinzieht.

Die vielfältigen Schleier erkennen und ablegen

Ein Spiegel kann noch so gut geschliffen sein – wenn ein Tuch darüber liegt, bleibt er blind. Genauso kann ein Herz aufrichtig sein und doch die Herrlichkeit Christi kaum wahrnehmen, weil Schleier die Sicht verstellen. Paulus denkt dabei zuerst an religiöse Schleier: feste Vorstellungen, wie Gott zu handeln hat, was „richtige“ Frömmigkeit ist, welche Formen von Gemeindeleben Gott angeblich bevorzugt. Über Israel sagt er: „Aber ihr Sinn wurde verstockt; denn bis auf den heutigen Tag bleibt derselbe Schleier bei der Verlesung des alten Bundes unaufgedeckt, weil er in Christus weggetan wird. Aber bis heute liegt, so oft Mose gelesen wird, ein Schleier auf ihrem Herzen“ (2.Korinther 3:14–15). Ein ähnlicher Schleier kann sich über unser Herz legen, wenn Tradition, Erfahrung oder Kultur stillschweigend zur eigentlichen Norm werden – wichtiger als die lebendige Person Christi.

Stellen wir uns vor, ein Spiegel ist in jeder Hinsicht in Ordnung. Er befindet sich in der richtigen Position zu dem Gegenstand, den er betrachten und widerspiegeln soll. Aber der Spiegel ist mit einem Schleier bedeckt. Solange ein Spiegel mit einem Tuch bedeckt, verschleiert ist, verliert er seine Funktion. Der Schleier hindert den Spiegel sowohl am Betrachten als auch am Widerspiegeln. Ebenso können wir, wenn wir verschleiert sind, die Herrlichkeit des Herrn weder betrachten noch widerspiegeln. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft vierundzwanzig, S. 218)

Neben religiösen Mustern können auch natürliche Konzepte unser inneres „Objektiv“ verdecken: ein starkes Temperament, das alles durch seine Brille bewertet; ästhetische Vorlieben, die entscheiden, was wir für „geistlich“ halten; nationale und kulturelle Prägungen, die uns einreden, wie Christsein in unserem Umfeld aussehen muss. Manchmal sind es sogar geistlich klingende Ideale von Gemeinde, die uns unflexibel machen und die reale Gegenwart des Herrn in einer unscheinbaren Situation übersehen lassen. Paulus weist den Weg aus dieser inneren Verhüllung: „doch wenn immer ihr Herz sich zum Herrn hinwendet, wird der Schleier weggenommen“ (2.Korinther 3:16). Der Schleier fällt nicht durch Analyse allein, sondern indem das Herz neu auf den Herrn zugeht, eigene Maßstäbe vor Ihm relativiert und Ihn wirken lässt, wo Er es für gut hält. Wo der Geist des Herrn in einem Menschen wieder Freiheit erhält, beginnt sich das Gesicht Christi hinter den Schleiern zu zeigen – und mit Ihm kommt eine Freiheit, die nicht laut sein muss, aber die Sicht klärt und das Herz weit macht.

In dieser Perspektive verliert der Schleier seinen endgültigen Charakter. Was uns gestern noch dominierte – eine bestimmte Meinung, eine tief eingeübte Tradition, ein hartnäckiges inneres Bild – muss nicht das letzte Wort behalten. Der Herr ist größer als unsere Prägungen, und Sein Geist ist nicht an unsere bisherigen Formen gebunden. Wer das erkennt, kann seine eigene Geschichte mit neuen Augen sehen: nicht als Reihe von Fehlwegen oder festen Schienen, sondern als Weg, auf dem der Herr Schritt für Schritt Schleier lüftet. So wird aus der Erfahrung geistlicher Blindheit kein Grund zur Resignation, sondern ein leiser Anstoß zur Hoffnung: Jeder Schleier, den der Herr zeigt, ist zugleich eine Einladung, Seinem Licht ein Stück näher zu kommen.

Aber ihr Sinn wurde verstockt; denn bis auf den heutigen Tag bleibt derselbe Schleier bei der Verlesung des alten Bundes unaufgedeckt, weil er in Christus weggetan wird. Aber bis heute liegt, so oft Mose gelesen wird, ein Schleier auf ihrem Herzen; doch wenn immer ihr Herz sich zum Herrn hinwendet, wird der Schleier weggenommen. (2.Kor 3:14-16)

Und der Herr ist der Geist; und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. (2.Kor 3:17)

Es kann entlastend sein zu erkennen, dass eingeschränkte Sicht auf Christus kein statischer Zustand ist. Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, darf vor dem Herrn in Frage gestellt werden. Wo das Herz den Mut findet, eigene Sicherheiten nicht mehr als letzte Instanz zu behandeln, öffnet sich ein Raum, in dem der Geist des Herrn neu atmen kann und Christus als lebendige, gegenwärtige Person wieder deutlicher vor Augen tritt.

Umwandlung als innerer, geistgewirkter Prozess

Die Umwandlung, von der Paulus spricht, ist keine moralische Selbstreparatur, sondern ein innerer Vorgang, den man mit einem geistlichen Stoffwechsel vergleichen kann. In 2.Korinther 3:18 heißt es, dass wir „in dasselbe Bild umgewandelt“ werden, und er fügt hinzu, dass dies „von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ geschieht. Der Herr selbst ist diese Herrlichkeit, und Er begegnet uns als der Geist, der in unserem Geist wohnt. Paulus sagt an anderer Stelle: „Wenn aber Christus in euch ist, so ist zwar der Leib Tote wegen der Sünde, der Geist aber Leben wegen der Gerechtigkeit. Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus Jesus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes“ (Römer 8:10–11). Wo wir den Herrn anschauen, gewinnt dieser innewohnende Geist Raum, Sein eigenes Element in unser Inneres einzubringen: Seine Demut verdrängt unseren Stolz, Seine Sanftmut löst unsere Härte, Seine Treue durchdringt unsere Unbeständigkeit.

Die Umwandlung in 3:18, eine metabolische Veränderung, geht von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, das heißt, vom Herrn Geist zum Herrn Geist. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft vierundzwanzig, S. 217)

Dieses Geschehen ist meist unspektakulär und doch tiefgreifend. „Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ meint Stufen, Erfahrungen, Wegstrecken: heute ein kleines Licht in einer konkreten Situation, morgen ein gewachsener innerer Raum für den Herrn in einem anderen Bereich. Wie das gute Land Kanaan in 5.Mose als Bild für den allumfassenden Christus beschrieben wird, der alle Lebensbereiche durchströmt, so heißt es über Israel: „Denn der HERR, dein Gott, bringt dich in ein gutes Land, ein Land mit Wasserbächen, Quellen und Grundwassern, die in den Tälern und auf den Bergen hervorbrechen“ (5.Mose 8:7). So möchte der Herr, der Geist, nach und nach jede „Höhe“ und jedes „Tal“ unseres Lebens mit Seiner Gegenwart füllen. Was zunächst nur in der verborgenen Gemeinschaft mit Ihm geschieht, wird mit der Zeit im Charakter, in Beziehungen, im Gemeindeleben sichtbar. Die Gemeinde wird dadurch nicht zum Schauplatz menschlicher Perfektion, sondern zum Ort, an dem die Spur dieser leisen, aber realen Umwandlung erkennbar wird: Menschen, die von innen her von Christus her geprägt sind, und gerade darin Sein Bild im Alltag widerspiegeln.

In dieser Sicht verliert der Weg geistlicher Reifung seine Schwere. Er bleibt ernst, weil es um echte Veränderung geht, aber er steht unter dem Vorzeichen einer Zusage: Der, der als Geist in uns wohnt, ist zugleich der, der uns in Sein Bild verwandelt. Die Last liegt nicht auf unserer Fähigkeit, uns zu verbessern, sondern auf Seiner Treue, in uns zu wirken. Wer das annimmt, kann auch in langsamen oder widersprüchlichen Phasen hoffen: Jeder kleine Schritt „von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ ist Teil eines größeren Werkes, das der Herr selbst begonnen hat und zu Seinem Ziel führen wird.

Und der Herr ist der Geist; und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Wir alle aber, die wir wie ein Spiegel mit unverschleiertem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen und widerspiegeln, werden in dasselbe Bild umgewandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, so wie von dem Herrn Geist. (2.Kor 3:17-18)

Wenn aber Christus in euch ist, so ist zwar der Leib Tote wegen der Sünde, der Geist aber Leben wegen der Gerechtigkeit. Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus Jesus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes. (Röm. 8:10-11)

So betrachtet wird das Christenleben zu einem Weg zunehmender Durchdringung mit Christus: nicht als Sprint zum Ideal, sondern als geschichtlicher Prozess, in dem der Herr, der Geist, tiefer in unsere reale Existenz hineinragt. Diese Perspektive erlaubt es, sich über kleine, unscheinbare Veränderungen zu freuen, weil sie Ausdruck desselben Werkes sind, durch das Gott eines Tages alles in allen sein wird.


Herr Jesus, wir danken Dir, dass Du als der Geist in uns wohnst und uns in Dein eigenes Bild verwandeln willst. Du kennst jeden Schleier, der unseren inneren Blick auf Dich trübt, seien es religiöse Prägungen, natürliche Vorstellungen oder kulturelle Muster. Wir bringen Dir unser Herz und bitten Dich, dass Du alles wegnimmst, was zwischen Dir und uns steht, und uns ein unverhülltes Angesicht schenkst. Lass Deine Herrlichkeit in unserem Inneren aufleuchten, damit Dein Wesen Schritt für Schritt unser altes Leben ersetzt und Dein Bild sich in unserem Alltag widerspiegelt. Stärke uns, in Deinem Wort zu verweilen, unseren Geist im Gebet zu üben und auf Dich ausgerichtet zu bleiben, damit Dein leiser, beständiger Umwandlungsprozess in uns weitergeht. Fülle unsere Häuser und unsere Gemeinden mit der Freiheit und dem Licht Deines Geistes, sodass andere durch uns etwas von der Schönheit Deiner Herrlichkeit sehen. Bewahre uns in der Hoffnung, dass Du Dein begonnenes Werk vollenden wirst, bis wir Dich eines Tages von Angesicht zu Angesicht sehen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of 2 Corinthians, Chapter 24

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