Das Wort des Lebens
lebensstudium

Tüchtig gemacht durch Christus als das Alphabet, um lebendige Briefe mit dem Leben gebenden Geist des lebendigen Gottes zu schreiben (2)

11 Min. Lesezeit

Manche Christen kennen viele biblische Lehren und können ausführlich über Gott reden – und doch bleibt bei den Menschen um sie herum wenig zurück. Andere dagegen hinterlassen eine Spur von Christus, ohne viele Worte zu machen; Begegnungen mit ihnen prägen unser Inneres. Woran liegt dieser Unterschied? Die Schrift zeichnet ein lebendiges Bild: Christen sollen wie Briefe Christi sein, nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes geschrieben (2.Kor 3:3). In diesem Bild steckt eine erstaunliche Wahrheit über Christus als unser „Alphabet“, den Dreieinen Gott und den Auftrag, den er uns anvertraut.

Christus als unser Alphabet – nur Er füllt den Brief mit Inhalt

Ein Brief ohne Alphabet bleibt stumm. Man kann Papier haben, einen Absender, einen Empfänger, sogar eine wichtige Botschaft im Herzen – doch ohne Buchstaben findet nichts davon seinen Ausdruck. So legt Paulus die Wirklichkeit der Gemeinde in Korinth aus, wenn er sagt, sie seien „ein Brief Christi … hineingeschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes“ (2. Korinther 3:3). Er selbst war nur ein Diener, ein Schreiber, nicht der Inhalt und nicht die Sprache. Alle „Buchstaben“, aus denen dieser Brief besteht, sind Christus selbst. Gott will nicht, dass unsere eigene Religiosität lesbar wird, sondern dass Christus als Gerechtigkeit, als Sanftmut, als Wahrheit und Barmherzigkeit in einem menschlichen Leben Gestalt annimmt. Darum macht er uns nicht zunächst redegewandt, organisiert oder beeindruckend, sondern setzt uns in Christus hinein, damit wir in ihm gefunden werden, wie Paulus bekennt, er wolle „in Christus gefunden werden, nicht mit meiner Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern mit der, die durch den Glauben an Christus kommt“ (Philipper 3:9).

Wenn wir Christus in andere einschreiben wollen, müssen wir Christus zuerst in unserer eigenen Erfahrung haben. Wenn wir Christus nicht auf erfahrungsmäßige Weise besitzen, womit sollen wir dann einen Brief Christi schreiben? Dann haben wir natürlich nichts, womit wir schreiben könnten. Wenn wir dennoch versuchen zu schreiben, ist es, als wollten wir mit einer Schreibmaschine schreiben, deren Farbband ausgetrocknet ist. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft zwanzig, S. 182)

Diese Sicht korrigiert still und entschieden unsere Maßstäbe. Häufig messen wir „Tüchtigkeit“ daran, wie viel wir wissen, wie sehr wir uns anstrengen, wie klar wir argumentieren können. Die Schrift aber sagt nüchtern: „Nicht daß wir von uns aus tüchtig wären, etwas zu erdenken als aus uns selbst, sondern unsere Tüchtigkeit ist von Gott“ (2. Korinther 3:5). Tüchtig zu sein, lebendige Briefe zu schreiben, bedeutet daher, innerlich durchdrungen zu werden: Christus prägt unser Denken, er formt unsere Reaktionen, er färbt unsere Entscheidungen. Dann wird unser Leben zu Worten, die Gott selbst wählen und zusammensetzen kann. Manchmal geschieht das im Verborgenen – in einem Akt der Vergebung, der niemand groß auffällt, in einem stillen Gebet für jemanden, von dem niemand weiß. Doch im Licht Gottes werden diese unscheinbaren „Zeilen“ Teil eines Briefes, in dem Christus lesbar wird. Das ermutigt, den Blick weg von der eigenen Leistungsbilanz zu wenden und sich neu der Frage zu stellen: Wo gibt Christus meinem Inneren seine Buchstaben? Dort beginnt echte Tüchtigkeit, und dort wächst die stille Freude, dass Gott unsere Geschichte gebraucht, um seine Sprache der Gnade in dieser Welt hörbar und sichtbar zu machen.

da ihr offenbar werdet, dass ihr ein Brief Christi seid, der durch unseren Dienst ausgefertigt ist, hineingeschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht in steinerne Tafeln, sondern in Tafeln fleischerner Herzen. (2.Kor 3:3)

nicht daß wir von uns aus tüchtig wären, etwas zu erdenken als aus uns selbst, sondern unsere Tüchtigkeit ist von Gott, (2.Kor 3:5)

Wer Christus als sein Alphabet entdeckt, muss sich nicht mehr anstrengen, selbst eine bedeutende Botschaft zu produzieren. Die innere Freiheit wächst, das eigene Leben als eine von Gott geschriebene Geschichte zu verstehen, in der Christus den Inhalt gibt und Gott selbst für Verständlichkeit sorgt. Das nimmt Druck aus der Nachfolge und schenkt zugleich einen tiefen Ernst: Jeder Tag, jede Reaktion, jede verborgene Entscheidung wird zu einem Satz, in dem Christus lesbar oder unleserlich werden kann. Aus dieser Sicht verwandelt sich das gewöhnliche Leben in heiligen Raum; gerade dort, wo nichts Spektakuläres geschieht, schreibt Gott mit den Buchstaben Christi an unseren Herzen weiter.

Der lebengebende Geist als himmlische Tinte

Selbst das vollkommenste Alphabet bleibt nutzlos, wenn keine Tinte da ist. Buchstaben sind da, aber sie erreichen das Papier nicht. Geistlich gesprochen ist der lebengebende Geist die „Tinte“, mit der der dreieine Gott Christus in Menschenherzen schreibt. Paulus spricht ausdrücklich vom „Geist des lebendigen Gottes“, mit dem der Brief Christi geschrieben wird (2. Korinther 3:3), und bezeugt zugleich, dass der auferstandene Christus „ein Leben gebender Geist“ geworden ist (1. Korinther 15:45b). Damit wird klar: Diese Tinte ist nicht etwas von Christus Getrenntes, sondern Christus selbst in der Wirksamkeit des Geistes. Wo dieser Geist tätig ist, wird nicht ein kalter Kodex übertragen, sondern lebendiges, göttliches Leben; nicht nur Forderung, sondern innere Umgestaltung.

Lebendige Briefe Christi werden mit dem lebengebender Geist des lebendigen Gottes geschrieben. Der lebengebender Geist ist die himmlische Tinte. Wenn wir diese Art von Tinte haben wollen, müssen wir Christus erfahren und mit Christus erfüllt sein. Das bedeutet, dass wir gründlich mit dem lebengebender Geist durchtränkt sein müssen. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft zwanzig, S. 183)

Die Schrift unterscheidet scharf zwischen dem Buchstaben, der tötet, und dem Geist, der Leben gibt: „… Diener eines neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes; denn der Buchstabe tötet, der Geist aber gibt Leben“ (2. Korinther 3:6). Buchstabe ohne Geist trifft das Gewissen, aber lässt das Herz trocken zurück; Geist mit Christus als Inhalt trifft das Herz und öffnet den Willen. So wird Dienst am Leib Christi nicht zuerst zur Frage der Methode, sondern der inneren Durchtränkung. Der lebengebende Geist will nicht gelegentlich über uns kommen, sondern uns durchdringen, bis unsere Worte, unsere Gesten und unser Schweigen von seiner Gegenwart gefärbt sind. Dann kann ein einfaches Wort des Trostes, ein ehrliches Schuldeingeständnis, ein gemeinsamer Blick zu Gott mehr „schreiben“ als hundert wohlklingende Sätze. In dieser Perspektive wird jeder Kontakt zu einem stillen Wunder: Während wir vielleicht nur zuhören oder mit wenigen Worten antworten, schreibt der Geist des lebendigen Gottes weiter – unsichtbar, aber wirksam – Christus in das Herz des anderen ein. Diese Gewissheit befreit von der Angst, zu wenig sagen oder zu wenig können zu müssen, und weckt die Sehnsucht, tiefer von diesem Geist durchtränkt zu werden.

da ihr offenbar werdet, dass ihr ein Brief Christi seid, der durch unseren Dienst ausgefertigt ist, hineingeschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht in steinerne Tafeln, sondern in Tafeln fleischerner Herzen. (2.Kor 3:3)

der uns auch tauglich gemacht hat zu Dienern eines neuen Bundes, nicht zu Dienern des Buchstabens, sondern des Geistes; denn der Buchstabe tötet, der Geist aber gibt Leben. (2.Kor 3:6)

Wer den lebengebenden Geist als himmlische Tinte erkennt, verlässt sich nicht mehr auf die Schärfe seiner Argumente oder die Kraft seiner Persönlichkeit, sondern lernt innerlich, auf die stille, aber kraftvolle Wirksamkeit Gottes zu vertrauen. Das schenkt eine neue Gelassenheit im Umgang mit Menschen und Situationen: Erfolg misst sich nicht mehr an sichtbaren Ergebnissen, sondern daran, ob Raum für den Geist geschaffen wurde. Zugleich wächst ein leiser Hunger, nicht an der Oberfläche geistlicher Wahrheiten stehen zu bleiben, sondern sich vom Geist des lebendigen Gottes immer tiefer durchdringen zu lassen, damit Christus nicht nur Thema unserer Worte, sondern Substanz unseres Lebens wird.

Den Dreieinen Gott erfahren: der Vater, der Sohn und der Geist im Schreiben lebendiger Briefe

Im Bild der lebendigen Briefe tritt der Dreieine Gott nicht als abstraktes Dogma, sondern als erfahrbare Wirklichkeit hervor. Paulus verbindet in wenigen Sätzen den Sohn, den Geist und den Vater: Wir sind „ein Brief Christi“ – hier erscheint der Sohn als der Inhalt und das Alphabet; geschrieben wird „mit dem Geist des lebendigen Gottes“ – der Geist ist die Tinte; und dieser Brief ist „von dem lebendigen Gott“ – der Vater als Ursprung und Absender (2. Korinther 3:3). In einem einfachen Gemeindebrief entfaltet sich so die ganze Bewegung der Göttlichen Dreieinigkeit: vom Vater ausgehend, in Christus Gestalt annehmend, durch den Geist wirksam werdend. Die Bibel spricht von dieser Einheit ohne Trennung, wenn Jesus sagt: „Glaubst du nicht, dass Ich im Vater bin und der Vater in Mir ist? Die Worte, die Ich zu euch sage, spreche ich nicht von Mir Selbst aus, der Vater aber, der in Mir bleibt, tut Seine Werke“ (Johannes 14:10). Der Sohn ist nicht vom Vater losgelöst, der Geist nicht vom Sohn getrennt – sie wirken verschieden, aber ungetrennt in einem einzigen göttlichen Leben.

Zuerst sind wir tüchtig aus Christus, dem Sohn. Weil wir aus Christus tüchtig sind, können wir lebendige Briefe mit dem lebengebender Geist schreiben. So haben wir den Sohn und den Geist. Diese lebendigen Briefe sind von dem lebendigen Gott, das heißt, vom Vater. Daher haben wir im Schreiben lebendiger Briefe die Erfahrung der Dreieinigkeit in wirklicher Weise. (Witness Lee, Life-Study of 2 Corinthians, Botschaft zwanzig, S. 184)

Die Offenbarung zeichnet dieses Wirken bildhaft, wenn sie von den „sieben Geistern Gottes“ spricht, die vor dem Thron sind (Offenbarung 1:4; 4:5; 5:6). Es ist nicht ein anderer Geist neben dem einen Geist Gottes, sondern derselbe Geist in seiner Fülle und in seinen vielfältigen Wirkungen in der ganzen Schöpfung. Ebenso fasst Paulus das Handeln Gottes zusammen, wenn er schreibt: „ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist“ (Epheser 4:6). Über allen – als Quelle und Ursprung; durch alle – in Christus als Weg und Ausdruck; in allen – im Geist als innewohnende Gegenwart. Wer den Dreieinen Gott so betrachtet, versucht ihn nicht in schematische Schubladen zu pressen, sondern begegnet ihm im Vollzug seines Handelns: der Vater sendet, der Sohn offenbart, der Geist wendet an. In diesem Licht wird jede scheinbar kleine Situation, in der wir als lebendige Briefe leben – ein Alltagsgespräch, ein Konflikt, ein gemeinsames Gebet – zu einem Ort, an dem der Dreieine Gott selbst gegenwärtig ist und mitschreibt. Statt die Dreieinigkeit nur zu erklären, dürfen wir sie erfahren: als den Vater, der unser Herz trägt, als den Sohn, der unser Inhalt ist, und als den Geist, der aus unserer Schwachheit eine lesbare Zeile im großen Brief Gottes macht.

da ihr offenbar werdet, dass ihr ein Brief Christi seid, der durch unseren Dienst ausgefertigt ist, hineingeschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht in steinerne Tafeln, sondern in Tafeln fleischerner Herzen. (2.Kor 3:3)

Glaubst du nicht, dass Ich im Vater bin und der Vater in Mir ist? Die Worte, die Ich zu euch sage, spreche Ich nicht von Mir Selbst aus, der Vater aber, der in Mir bleibt, tut Seine Werke. (Joh. 14:10)

Wer den Dreieinen Gott im Schreiben lebendiger Briefe erkennt, gewinnt einen weiten, zugleich sehr persönlichen Blick auf sein eigenes Leben. Es ist nicht mehr nur die Geschichte eines einzelnen Christen, sondern Teil der großen Bewegung des Vaters, der in Christus durch den Geist Menschen für sich gewinnt. Diese Sicht nimmt die Einsamkeit aus der Nachfolge: In jedem Schritt, in jeder Aufgabe, in jedem Ringen um Treue ist der Dreieine Gott beteiligt – der Vater als Quelle, Christus als Inhalt, der Geist als Kraft. Daraus wächst eine stille Zuversicht: Der, der den Brief begonnen hat, wird auch weiter schreiben und ihn zum Ziel bringen, und unser Anteil – so begrenzt er sein mag – steht unter der Treue des lebendigen Gottes.


Herr Jesus Christus, danke, dass Du selbst das Alphabet Gottes bist und dass der Geist des lebendigen Gottes wie eine himmlische Tinte in uns wohnt. Vater, Du kennst unsere Trockenheit und unsere Grenzen; fülle uns neu mit dem Leben gebenden Geist, damit unsere Herzen von Dir durchdrungen werden und Dein Sohn der eigentliche Inhalt unseres Lebens ist. Dreieiner Gott, lass uns Dich nicht nur in Gedanken begreifen wollen, sondern Dich als den, der über uns, durch uns und in uns wirkt, in der Tiefe erfahren. Möge jeder Tag dazu dienen, dass Du uns weiter umgestaltest, damit Dein Leben still und kraftvoll in andere hineingeschrieben wird und Deine Herrlichkeit in vielen lebendigen Briefen sichtbar wird. Stärkte die Mutlosen, tröste die Müden und lass Deine Gnade wie ein sanfter, bleibender Schriftzug auf unseren Herzen stehen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of 2 Corinthians, Chapter 20

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