In Christus bleiben, indem wir auf den Geist sinnen
Viele Christen kennen die Verheißung, dass Jesus der Weinstock und wir die Reben sind, und doch bleibt die Frage: Wie sieht es im Alltag konkret aus, „in Christus zu bleiben“? Zwischen innerem Durcheinander, Versuchungen und eigener Schwachheit erleben wir oft eher Spannung als Ruhe. Römer 8 verbindet die große biblische Linie von 1. Mose bis Offenbarung mit unserer persönlichen Erfahrung und zeigt, wie der dreieine Gott selbst in unserem Geist Wohnung nimmt, um uns in ein Leben von innerem Leben und Frieden hineinzuführen.
Christus in uns – der dreieine Gott als lebengebender Geist
Wenn der Herr in Johannes 15 spricht: „Bleibt in mir“, stellt sich unweigerlich die Frage: Wo ist dieser Christus, in dem wir bleiben sollen, und wer ist dieses „Ich“, in dem wir wohnen? Die Schrift führt uns schrittweise in ein großes Geheimnis hinein. Niemand hat Gott je gesehen; so heißt es in Johannes 1:18: „Niemand hat Gott je gesehen; der einziggeborene Sohn, der in der Brust des Vaters ist, Er hat Ihn kundgetan.“ Der unsichtbare Vater wird im Sohn sichtbar, greifbar, hörbar. Und der Sohn sagt in Johannes 14:9–10: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen … Glaubst du nicht, dass Ich im Vater bin und der Vater in Mir ist? … der Vater aber, der in Mir bleibt, tut Seine Werke.“ Der Dreieine Gott ist kein fernes Dogma, sondern eine lebendige Bewegung: der Vater im Sohn, der Sohn im Vater, ein göttliches Leben, das sich mitteilt. Doch damit ist der Weg nicht zu Ende. Der gleiche Abschnitt in Johannes 14 spricht davon, dass der Vater einen anderen Beistand geben wird, den Geist der Wirklichkeit, durch den Christus selbst zu uns kommt und in uns Wohnung macht. Der Christus, den die Jünger sahen, ist derselbe, der heute im Geist erfahrbar ist.
448 Außerdem endet die Bibel mit zwei Vollendungen: dem Feuersee, der der zweite Tod ist, und dem Neuen Jerusalem, der Stadt des Lebens. So endet die Bibel, wie sie beginnt – mit Tod und Leben. Römer 8 liegt auf dem Weg zwischen dem Anfang in 1. Mose und der Vollendung in der Offenbarung. (Witness Lee, Life-Study of Romans, Botschaft neununddreißig, S. 448)
Paulus zieht in Römer 8 die Linien zusammen, die in den Evangelien gelegt wurden. Er spricht vom „Geist des Lebens in Christus Jesus“ (Röm. 8:2) und kann zugleich sagen: „Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen“ (Röm. 8:10). In 1. Korinther 15:45 heißt es, dass der letzte Adam „ein lebengebender Geist“ wurde. Das heißt nicht, dass Christus aufhört, der Sohn zu sein, oder dass die Personen der Göttlichen Dreieinigkeit vermischt würden, sondern dass alles, was der Sohn in seiner Menschwerdung, am Kreuz, in der Auferstehung und in der Himmelfahrt durchlaufen hat, heute im Geist bei uns ankommt. „Der Herr aber ist der Geist“, schreibt Paulus in 2. Korinther 3:17. Wenn der Herr in Johannes 15:5 sagt: „Ich bin der Weinstock; ihr seid die Reben. Wer in Mir bleibt und Ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne Mich könnt ihr nichts tun“, dann spricht er nicht von einer bloßen Idee, an die wir uns erinnern sollen, sondern von sich selbst als dem allumfassenden, lebengebenden Geist, der in unserem Geist Wohnung genommen hat. In ihm zu bleiben bedeutet darum, im innersten Zentrum unseres Seins zu verweilen, dort, wo der Dreieine Gott sich mit unserem Geist verbindet. Das gibt unserem Glauben Tiefe und Wärme: Wir haben es nicht mit einer abstrakten Wahrheit zu tun, sondern mit einer Person, die in uns lebt und uns Schritt für Schritt lernen lässt, aus dieser inneren Gemeinschaft zu leben.
Niemand hat Gott je gesehen; der einziggeborene Sohn, der in der Brust des Vaters ist, Er hat Ihn kundgetan. (Joh. 1:18)
Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Und wie sagst du: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, dass Ich im Vater bin und der Vater in Mir ist? Die Worte, die Ich zu euch sage, spreche Ich nicht von Mir Selbst aus, der Vater aber, der in Mir bleibt, tut Seine Werke. (Joh. 14:9-10)
Wer erkennt, dass das „Bleibt in mir“ sich auf den Christus als lebengebenden Geist in unserem Geist bezieht, darf gelassener und zugleich entschiedener leben. Gelassener, weil Christus nicht erst von außen herbeigerufen werden muss, sondern schon da ist; entschiedener, weil dieser Christus erwartet, dass wir Ihm in unserem Inneren Raum geben. Das tägliche Leben wird so zu einem Weg, auf dem wir immer wieder aus den Ablenkungen in diese einfache Gewissheit zurückkehren: Der Dreieine Gott wohnt in mir, um meine Kraft, mein Licht, meine Gerechtigkeit und mein Frieden zu sein. Diese Gewissheit trägt gerade in den Spannungen des Alltags und erinnert uns daran, dass jede Situation eine Gelegenheit ist, in diesem Christus zu bleiben und Ihn in uns wirken zu lassen.
Zwei Linien von Anfang bis Ende – Leben oder Tod
Die Schrift erzählt nicht nur Einzelepisoden, sie zieht eine durchgehende Linie vom ersten bis zum letzten Buch. In 1. Mose 2 werden zwei Bäume in die Mitte des Gartens gestellt: der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Der eine steht für Gottes eigene Lebensquelle, der andere für einen Weg der Unabhängigkeit – einen Weg, auf dem der Mensch sich von Gott löst, um selbst zu entscheiden, was gut und böse ist. Gott hatte klar gewarnt: „Aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben“ (1. Mose 2:17). Am Ende der Bibel begegnen uns wieder zwei Kontraste: der Feuersee als „zweiter Tod“ und die Neue Jerusalem als Stadt des Lebens, in deren Mitte erneut der Baum des Lebens steht (vgl. Offenbarung 20:14–15; Offenbarung 22:1–2). Dazwischen, auf diesem Weg von Anfang bis Vollendung, liegt Römer 8 – gewissermaßen im Zentrum der biblischen Offenbarung über Leben und Tod. Hier wird deutlich, dass die Frage nach den zwei Bäumen und den zwei Vollendungen nicht nur eine große Geschichte der Menschheit beschreibt, sondern im Innersten jedes Einzelnen weitergeht.
454 zeigt, dass wir umso mehr von dem vermischten Geist abgelenkt werden und umso weniger in Christus bleiben, je mehr wir über solche Dinge beten. Wir sollten einfach den Herrn dafür preisen, dass Er unsere Liebe, unsere Geduld und unser Alles ist. Wenn wir Ihn auf diese Weise preisen und ausrufen, wie gut der Herr ist, werden spontan Liebe und Geduld aus uns hervorfließen, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. (Witness Lee, Life-Study of Romans, Botschaft neununddreißig, S. 454)
Paulus zeigt in Römer 7 und 8, dass die beiden Linien von Leben und Tod heute in uns selbst verlaufen. In unserem Fleisch wohnt die Sünde; er spricht sogar von einem „anderen Gesetz in meinen Gliedern, das wider das Gesetz meines Sinnes streitet“ (Röm. 7:23). Gleichzeitig bezeugt er: „Das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ (Röm. 8:2). Wer an Christus glaubt, trägt gleichsam einen kleinen Garten Eden in sich: In unserem Geist ist Christus als lebengebender Geist – die Wirklichkeit des Baumes des Lebens. In unserem gefallenen Fleisch wirkt die Sünde, die uns an die alte Entscheidung am Baum der Erkenntnis erinnert. So wird unser inneres Ringen verständlich: „Denn ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen; ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern“ (Röm. 7:22–23). Es ist, als stünde in jeder Situation unmerklich eine Wahl im Raum: Lasse ich mich vom Fleisch bestimmen, das mich in Tod, Kälte, Inneres Zerbrechen führt, oder wende ich mich dem Geist zu, in dem Leben und Frieden bereitstehen? Römer 8:6 fasst das schlicht zusammen: „Denn die Gesinnung des Fleisches ist Tod, die Gesinnung des Geistes aber Leben und Frieden.“ Das gibt unserem Kampf eine neue Deutung. Wir sind nicht Menschen, die ihr Fleisch mit immer neuen Methoden verbessern müssten, sondern Menschen, die lernen dürfen, im Inneren die Linie des Lebens zu wählen. Daraus erwächst Trost: Der Herr kennt unseren Kampf, und mitten im Spannungsfeld von Fleisch und Geist bietet Er uns fortwährend Seinen eigenen Weg des Lebens an.
Dabei bleibt der Gegensatz bis zum Ende der Geschichte ernst. Offenbarung 21:2–3 beschreibt die Neue Jerusalem als Braut, geschmückt für ihren Bräutigam, und es heißt, dass Gott bei den Menschen wohnen wird. Wer in dieser Linie des Lebens bleibt, findet sein Ziel in einer ewigen Gemeinschaft, in der Gott alles in allen sein wird. Der Feuersee am Ende ist kein Detail, sondern die letzte Konsequenz eines Weges, der ohne Gott gegangen wird. Diese große Perspektive legt sich auf unser alltägliches Ringen: Wenn der Geist uns innerlich zum Leben zieht und das Fleisch uns lockt, geht es nicht nur um eine kleine Stimmungsschwankung, sondern um die Frage, in welcher Linie wir gestärkt werden – in der Linie, die zum Leben führt, oder in der, die in sich selbst versinkt. Gerade in der Erfahrung der Schwachheit ist es tröstlich zu wissen: Christus in uns ist nicht schwach. Er ist der lebengebende Geist, der uns immer wieder aus der Verstrickung mit uns selbst herausruft, um uns hineinzuheben in Leben und Frieden. So wird der innere Kampf nicht zu einem hoffnungslosen Gegeneinander, sondern zu einem Weg, auf dem Gottes Lebenslinie sich in uns durchsetzt und uns Schritt für Schritt dem Ziel näher bringt, das Er am Anfang vor Augen hatte.
Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du essen; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben. (1. Mose 2:16-17)
Denn ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen; ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das wider das Gesetz meines Sinnes streitet und mich gefangennimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. (Röm. 7:22-23)
Wer die zwei Linien von Anfang bis Ende der Schrift erkennt, sieht den eigenen inneren Kampf in einem neuen Licht. Es ist nicht mehr nur das Gefühl, sich selbst im Weg zu stehen, sondern die Einsicht, dass in jeder Lage eine Lebensquelle in uns bereitsteht. Dieses Bewusstsein nimmt dem Versagen seinen absoluten Charakter: Ich bin nicht auf das Fleisch festgelegt; in meinem Geist wohnt der, der Leben und Frieden ist. So wächst inmitten des Ringens eine stille Zuversicht: Gott hat mich in Christus in die Linie des Lebens gestellt, und wenn ich falle, ist der Weg zurück nicht weit – er führt dorthin, wo Christus in mir ist. Diese Gewissheit ermutigt, nicht zu resignieren, sondern immer wieder innerlich zum Geist hinüberzutreten und aus der Quelle zu leben, die Gott selbst in uns gelegt hat.
Auf den Geist sinnen – der praktische Weg, in Christus zu bleiben
Römer 8 macht den Weg, in Christus zu bleiben, erstaunlich schlicht und zugleich tief. Es heißt: „Denn die Gesinnung des Fleisches ist Tod, die Gesinnung des Geistes aber Leben und Frieden“ (Röm. 8:6). Der Geist Gottes ist nicht fern, sondern mit unserem Geist verbunden; Paulus spricht davon, dass der Geist selbst mit unserem Geist zusammen Zeugnis gibt, dass wir Kinder Gottes sind (Röm. 8:16). Man kann von einem „vermischten“ Geist sprechen: der Geist des Dreieinen Gottes und unser menschlicher Geist sind untrennbar miteinander verbunden, ohne dass der eine im anderen aufgeht. Auf den Geist zu sinnen heißt daher, mit dem inneren Blick dort zu verweilen, wo Christus in uns ist. Es ist weniger eine angestrengte Konzentration als ein inneres Sich-Zuwenden: weg von den sich drehenden Gedanken um uns selbst, hin zu dem, der in uns wohnt. Das drückt sich besonders im Gebet aus – nicht in erster Linie als lange Liste von Bitten, sondern als häufiges, einfaches Aufblicken, Danken, Preisen, Öffnen. Paulus verbindet in Epheser 6:17–18 das Wort Gottes mit „Beten zu jeder Zeit in dem Geist“, und in Römer 10:12–13 wird die Rettung an das Anrufen des Namens des Herrn geknüpft. Wer so innerlich zum Geist hin ausgerichtet bleibt, erfährt, wie sich die Atmosphäre im Inneren verändert: Wo vorher Druck, Unruhe und Selbstanklage waren, breiten sich Leben und Frieden aus.
449 Die zweite Frage lautet: Was ist das „Ich“, von dem in den Versen 4 und 5 in Johannes 15 die Rede ist? Um dies zu beantworten, müssen wir nicht nur wissen, wer Christus ist, sondern auch, was Christus ist. Wenn wir in Christus als dem Weinstock bleiben wollen, müssen wir diese Frage beantworten können. (Witness Lee, Life-Study of Romans, Botschaft neununddreißig, S. 449)
Dieser Weg ist zutiefst praktisch. Unser Leib bleibt sterblich, unsere Gefühle bleiben wechselhaft, und doch sagt Paulus: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus Jesus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt“ (Röm. 8:11). Wo der Geist Raum gewinnt, bleibt es nicht beim Innerlichen stehen; die Lebenswirklichkeit Christi beginnt, unseren Leib, unsere Reaktionen, unsere Beziehungen zu prägen. Heiligung wird so weniger zu einem Programm, das wir abarbeiten, sondern zu einem fortschreitenden Durchtränkt-Werden: Christus wohnt durch den Glauben in unseren Herzen (Eph. 3:16–17), Er stärkt den inneren Menschen, und von innen nach außen verändert sich unsere Lebensweise. In Christus zu bleiben heißt dann, im Alltag immer wieder zu diesem inneren Ort zurückzukehren, an dem Er gegenwärtig ist – in der Küche, im Büro, auf der Straße. Aus dieser Gemeinschaft heraus ist der Kampf zwischen Fleisch und Geist nicht mehr aussichtslos, sondern wird zu einem Feld, auf dem der Herr Seine Überlegenheit zeigt. Jeder Schritt, bei dem unser Sinn sich vom Fleisch abwendet und auf den Geist ausrichtet, ist ein kleiner Sieg des Lebens. So wächst inmitten aller Spannung eine leise, aber tragende Freude: Wir sind nicht allein, wir tragen den lebengebenden Geist in uns, und in Ihm finden wir Tag für Tag neues Leben und neuen Frieden.
Wenn der Herr in Johannes 15 den Weinstock vor Augen malt, spricht Er von einer bleibenden, organischen Verbindung: „Wer in Mir bleibt und Ich in ihm, der bringt viel Frucht“ (Johannes 15:5). Der praktische Weg, auf den Geist zu sinnen, ist nichts anderes als das Leben aus dieser Verbindung. Unsere Aufgabe ist nicht, Früchte hervorzubringen, sondern im Weinstock zu bleiben. Der Geist sorgt für den Saft, der fließt; unsere Gesinnung entscheidet, ob dieser Saft ungehindert strömen kann oder durch die Gesinnung des Fleisches unterbrochen wird. Gerade das macht Mut: Selbst wenn wir unsere Schwachheit und die Hartnäckigkeit unseres Fleisches erleben, bleibt die Wirklichkeit bestehen, dass der Weinstock stark ist und der Geist treu wirkt. Auf den Geist zu sinnen ist dann kein enges religiöses Programm, sondern der schlichte, immer wieder neu mögliche Weg zurück in die Gegenwart dessen, der in uns wohnt und uns mit Leben und Frieden erfüllt.
So gewinnt der Aufruf, in Christus zu bleiben, eine warme und tröstliche Farbe. Er ist kein Druck, sich ständig auf einem hohen geistlichen Niveau halten zu müssen, sondern die Einladung, immer wieder heimzukommen – zu dem, der als lebengebender Geist in unserem Geist wohnt. Wer lernt, den inneren Blick auf Ihn zu richten, entdeckt: Selbst mitten im inneren Kampf können Leben und Frieden erfahren werden. Der Maßstab ist dann nicht mehr, wie selten wir fallen, sondern wie oft wir aufstehen und neu auf den Geist sinnen. In diesem Lernen ist der Herr geduldig und liebevoll. Er führt uns von einem äußeren Christentum, das sich in Anstrengung erschöpft, hinein in ein inneres Leben, das aus Gemeinschaft, Vertrauen und Ruhe besteht. Darin liegt eine leise, aber tiefe Freude: In Christus zu bleiben bedeutet, in dem zu bleiben, der uns nie verlässt und der Tag für Tag bereit ist, unser Leben, unser Licht und unser Frieden zu sein.
Denn die Gesinnung des Fleisches ist Tod, die Gesinnung des Geistes aber Leben und Frieden. (Röm. 8:6)
Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus Jesus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt. (Röm. 8:11)
Wer den praktischen Weg des Sinnens auf den Geist entdeckt, wird im Alltag weniger von der eigenen Leistung und mehr von der Gegenwart Christi bestimmt. Das nimmt der Nachfolge die Härte des permanenten Drucks und schenkt eine Haltung des vertrauenden Heimkehrens: Immer wieder kehrt das Herz zurück zu dem, der im Geist nahe ist. So entsteht ein Leben, das nicht von außen zusammengehalten werden muss, sondern von innen genährt wird. Gerade in Herausforderungen öffnet sich dann ein Raum, in dem Christus sich als der lebengebende Geist erweist – nicht nur in außergewöhnlichen Momenten, sondern mitten im Gewöhnlichen. Dieser Weg ist nicht spektakulär, aber er ist zuverlässig, und er führt dazu, dass Leben und Frieden tiefer in uns Wurzeln schlagen.
Herr Jesus Christus, Du lebengebender Geist, danke, dass Du nicht nur fern im Himmel bist, sondern in meinem Geist wohnst und mir Dein eigenes Leben schenkst. Wo ich den inneren Kampf spüre und mein eigenes Bemühen mich müde macht, lass mich mehr erkennen, wie groß Deine Gnade ist und wie real Deine Gegenwart in mir ist. Richte mein Denken immer wieder auf Dich aus, damit Dein Leben stärker ist als jede Macht der Sünde und Dein Frieden mein Herz und sogar meinen Leib durchdringt. Fülle mein Inneres neu mit Deiner Liebe, Deinem Licht und Deiner Kraft, und lass aus dieser Verbundenheit mit Dir ein Leben hervorkommen, das Dich widerspiegelt. Bewahre mich in der Linie des Lebens bis zu dem Tag, an dem Deine Herrlichkeit alles durchdrungen haben wird. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Romans, Chapter 39