Gottes Auswahl, unsere Bestimmung (2)
Viele Menschen versuchen, Gott durch eigene Anstrengungen zu gefallen – mit guten Vorsätzen, selbstgemachten Regeln und einem ständigen Gefühl, nie ganz zu genügen. Gleichzeitig zeigt das Neue Testament ein ganz anderes Bild: Gott hat in Christus bereits alles vollendet, was für seine Gerechtigkeit und unsere Rettung nötig ist. Die Spannung zwischen eigenem Leistungsdenken und der Einladung, Christus selbst als Gerechtigkeit und Leben zu empfangen, zieht sich wie ein roter Faden durch den Römerbrief. Gerade hier wird deutlich, wie eng Gottes Auswahl, unsere Bestimmung und das praktische Erleben von Christus zusammgehören.
Christus – das Ende des Gesetzes und unsere Gerechtigkeit
Wenn Paulus sagt, Christus sei „des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit“ (Röm. 10:4), berührt er einen Nerv religiösen Lebens. Das Gesetz mit seinen Geboten und Forderungen ist nicht einfach verschwunden, aber es hat sein Ziel erreicht. In der Person Jesu ist die ganze Autorität, der ganze Ernst und die ganze Schönheit des Gesetzes zur Vollendung gekommen. Er nahm unser Menschsein an, stellte sich unter Gottes Forderungen, ließ sich an allen Maßstäben messen – und blieb doch ohne Sünde. So konnte er bekennen: „Meint nicht, daß ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen“ (Matthäus 5:17). In seinen Worten, in seinen Entscheidungen, in seinem Leiden und Sterben antwortete er restlos auf das, was Gottes Gerechtigkeit, Heiligkeit und Herrlichkeit verlangen. Darum ist das Gesetz in ihm an ein Ende gelangt: Es hat nichts mehr zu fordern, was nicht in Christus bereits erfüllt wäre.
Römer 10:4 sagt: „Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.“ Christus ist das Ende des Gesetzes. Das bedeutet, dass Er das Gesetz vollendet und damit abgeschlossen hat. Er ist gekommen, um das Gesetz zu erfüllen (Mt. 5:17). Durch das Erfüllen des Gesetzes hat Er das Gesetz beendet und außer Kraft gesetzt. Das Ergebnis dieses Beendens des Gesetzes durch Christus ist, dass Gottes Gerechtigkeit jedem gegeben wird, der an Christus glaubt. (Witness Lee, Life-Study of Romans, Botschaft dreiundzwanzig, S. 267)
Gerade darin liegt die Befreiung von unserer eigenen Gesetzlichkeit – nicht, weil Gottes Maßstab herabgesetzt wäre, sondern weil er in Christus schon erfüllt vor uns steht. Jede Form von Selbstrettung, auch in christlichem Gewand, verfehlt dieses Zentrum. Man kann sehr ernsthaft an Jesus glauben und dennoch im Innern an eigenen „Gesetzen“ hängen: ungeschriebenen Regeln, durch die man sich unablässig überprüft, sich vergleicht, sich rechtfertigt oder verdammt. Solche Strukturen schenken vielleicht kurzfristig das Gefühl von Kontrolle, aber sie lassen das Herz nie zur Ruhe kommen. Demgegenüber stellt Gott uns eine andere Gerechtigkeit vor Augen: nicht eine Leistung, sondern eine lebendige Person, die sich uns schenkt. Wer Christus als seine Gerechtigkeit ergreift, hört auf, sich vor Gott zu beweisen; er lernt, in einer geschenkten Annahme zu atmen. Aus dieser Annahme heraus verändert sich das Leben nicht weniger ernsthaft, aber von innen her: Gehorsam wird Antwort auf Liebe, nicht Versuch, Schuldgefühle zu besänftigen. So entsteht ein stiller Mut, in dem man auch mit Scheitern und Schwachheit ehrlich sein kann, weil die eigene Geschichte nicht mehr an der eigenen Gerechtigkeit hängt, sondern an Christus, der für uns zur Gerechtigkeit geworden ist. In diesem Licht wird selbst die Selbstkritik verwandelt: sie verliert die Schärfe des Verdammens und gewinnt die Sanftheit eines Herzens, das neu lernt, auf den zu sehen, der uns in seiner Vollkommenheit umgibt und trägt.
Wer sich in dieses Verständnis hineinfinden lässt, entdeckt nach und nach, wie befreiend es ist, die eigene Gerechtigkeit loszulassen. Der Druck, immer noch ein wenig mehr leisten zu müssen, um sich vor Gott sicher zu fühlen, verliert seine Macht. Stattdessen wächst Vertrauen: dass der, der das Gesetz vollkommen erfüllt hat, auch mein zerrissenes Herz kennt und nicht zurückweist. Aus dieser Gewissheit heraus wird die Nachfolge nicht flacher, sondern tiefer. Man beginnt, das Gute nicht mehr zu tun, um angenommen zu werden, sondern weil man angenommen ist. Und wo die eigenen Maßstäbe mit denen Gottes kollidieren, wird es möglich, die inneren Listen und heimlichen Punktesysteme zu entlarven und loszulassen. Die Gerechtigkeit Christi bleibt dann nicht ein abstrakter Lehrsatz, sondern wird zur Atmosphäre, in der das tägliche Leben stattfindet: ein Raum, in dem man fallen und wieder aufstehen darf, ohne aus der Hand Gottes zu gleiten. So entsteht ein Weg, auf dem die Freiheit von der Selbstgerechtigkeit nicht zur Gleichgültigkeit wird, sondern zur Einladung, immer wieder neu aus Christus zu leben.
Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit. (Röm. 10:4)
MEINT nicht, daß ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. (Mt. 5:17)
Wenn Christus das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit ist, bedeutet das konkret: Vor Gott zählt nicht, was du beweisen kannst, sondern wen du hast. Die innere Anspannung, die aus heimlichen Regeln und ständiger Selbstbeobachtung wächst, darf an diesem Christus zerbrechen. Seine erfüllte Gerechtigkeit ist größer als dein Scheitern, seine Annahme tiefer als deine Unsicherheit. Im Alltag kann das heißen, dass du lernst, innere Anklagen nicht mehr automatisch zu glauben, sondern sie in das Licht dessen zu stellen, der das Gesetz für dich erfüllt hat. Dort, wo du dich anstrengst, um endlich „gut genug“ zu sein, darfst du dich daran erinnern, dass Gott seine Gerechtigkeit bereits über deinem Leben aufgerichtet hat – in der Person Christi. Aus dieser Gewissheit erwächst eine leise, aber tragfähige Freiheit: nicht mehr getrieben zu sein, sondern geführt; nicht mehr um Anerkennung zu kämpfen, sondern aus geschenkter Gnade zu leben.
Christus – inkarniert, auferstanden und als lebengebender Geist verfügbar
Wenn Paulus in Römer 10 die Frage aufnimmt: „Wer wird in den Himmel hinaufsteigen?“ oder „Wer wird in den Abgrund hinabsteigen?“, macht er deutlich, dass der Weg zu Christus nicht durch spektakuläre spirituelle Höhenflüge oder abgründige Tiefenerfahrungen führt. Er erinnert daran, dass Christus selbst diesen ganzen Weg bereits gegangen ist: aus der Herrlichkeit des Vaters in die Niedrigkeit der Menschwerdung, aus dem Leben der Hingabe in die Tiefe des Kreuzes, von dort hinab in die Sphäre des Todes und wieder hinauf in die Auferstehung und Erhöhung. „Dieses ‚Er ist hinaufgestiegen‘ nun, was bedeutet es anderes, als dass Er auch in die unteren Teile der Erde hinabgestiegen ist?“ heißt es in Epheser 4:9. Christus hat den Weg zwischen Himmel und Abgrund nicht nur symbolisch, sondern real durchmessen. Darin liegt der Trost: Der Abstand zwischen Gott und dem Menschen ist nicht mehr eine Strecke, die wir überwinden müssten, sondern ein Weg, den er selbst für uns gegangen ist.
Christus ist derjenige, der durch Menschwerdung und Auferstehung hindurchgegangen ist. Daher können wir sagen, dass Er der „verarbeitete“ Christus ist, der inkarnierte und auferstandene Christus. Christus ist durch einen langen Prozess von der Menschwerdung bis zur Auferstehung gegangen. In diesem Prozess hat Er alles vollbracht, was von Gottes Gerechtigkeit, Heiligkeit und Herrlichkeit gefordert wird, und alles, was nötig ist, damit wir an Ihm teilhaben können. (Witness Lee, Life-Study of Romans, Botschaft dreiundzwanzig, S. 269)
In der Auferstehung wird dieser Christus zum lebengebenden Geist. 1. Korinther 15:45 fasst das zusammen: „Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele; der letzte Adam wurde zu einem Leben gebenden Geist.“ Alles, was er in Menschwerdung, Kreuz und Auferstehung vollbracht hat, bleibt nicht in der Vergangenheit oder in einer fernen himmlischen Sphäre eingeschlossen, sondern wird durch den Geist gegenwärtig und teilbar. Paulus kann deshalb sagen, das Wort sei „dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen“ (Röm. 10:8). Christus ist als der verkörperte Sinn dieses Wortes nicht mehr fern, sondern nah: hörbar in der Botschaft des Evangeliums, erfahrbar im Wirken des Geistes im Inneren.
So entsteht ein zartes, aber kraftvolles Bild: Der erhöhte Herr zur Rechten Gottes ist derselbe, der als lebengebender Geist in der Tiefe des menschlichen Herzens wirkt. Er bleibt der transzendente Herr, vor dem jede Knie sich beugen; zugleich ist er nah wie ein Atemzug, wie ein Wort auf unseren Lippen. Wo sein Wort uns trifft und unser Herz erreicht, berührt uns nicht bloß eine Lehre, sondern eine Person, die ihren Weg durch Tod und Abgrund hindurch bereits vollendet hat. In dieser Nähe liegt große Ermutigung: Kein innerer Abgrund ist ihm unbekannt, keine Dunkelheit zu tief, als dass seine Auferstehungskraft sie nicht erreichen könnte. Und kein Alltag ist zu unscheinbar, als dass derselbe Christus, der sterbend die Mächte überwunden hat, nicht als lebengebender Geist darin gegenwärtig sein wollte. Wer das erkennt, beginnt zu begreifen, dass der Zugang zu Christus nicht über außergewöhnliche Erfahrungen führt, sondern über das einfache, gläubige Empfangen dessen, der bereits vor unserer Tür steht.
Darum darf das Vertrauen wachsen, dass Christus gerade dann nahe ist, wenn wir uns selbst von Gott weit entfernt meinen. Der, der hinabgestiegen ist in die tiefsten Regionen, kennt die engen Räume der Angst und die Sprachlosigkeit des Leidens. Und der, der hinaufgestiegen ist über alle Himmel, trägt unser Leben in eine Dimension, die größer ist als unsere momentanen Grenzen. Diese doppelte Bewegung – hinab und hinauf – hat er ein für alle Mal vollzogen; jetzt wird sie in uns gegenwärtig, wenn sein Wort uns im Glauben trifft. So wird der Glaube nicht zu einem Sprung ins Ungewisse, sondern zum Antwortgeben auf einen, der längst den ersten Schritt getan hat. In der Stille eines einfachen Gebets, in der Aufmerksamkeit für ein Wort der Schrift, in der Erinnerung an seine Treue kann es hell werden: Christus ist nicht fern. Er ist der, der durch alles hindurchgegangen ist, um dir als lebengebender Geist ganz nah zu sein.
(Dieses „Er ist hinaufgestiegen“ nun, was bedeutet es anderes, als dass Er auch in die unteren Teile der Erde hinabgestiegen ist? (Eph. 4:9)
So steht auch geschrieben: „Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele“; der letzte Adam wurde zu einem Leben gebenden Geist. (1.Kor 15:45)
Die Menschwerdung und Auferstehung Christi bleiben nicht entferntes Heilsgeschichte, sondern erklären, warum er heute so nah an deinem Leben ist. Der, der in die tiefsten Tiefen hinabgestiegen und über alle Himmel erhöht ist, begegnet dir als lebengebender Geist in deinem Inneren. Das nimmt dem Glauben den Druck, besondere Erfahrungen erreichen zu müssen. Das Entscheidende geschah bereits, als Christus den Weg zwischen Himmel und Abgrund ein für alle Mal ging. Jetzt liegt die Kraft in seiner Nähe: in dem Wort, das dein Herz erreicht, in der stillen Gewissheit, dass er deine Tiefe kennt und seine Auferstehungskraft gerade dort wirksam machen kann. Aus dieser Sicherheit heraus darfst du dein eigenes Leben nicht mehr als Strecke sehen, die du zu Gott hin überwinden müsstest, sondern als Weg, auf dem der schon Gegenwärtige Schritt für Schritt mit dir geht.
Glauben und Anrufen – wie die erwählten Gefäße gefüllt werden
Römer 9 beschreibt uns als „Gefäße der Barmherzigkeit“, die Gott zur Herrlichkeit bereitet hat. Dieses Bild ist schlicht und tief: Ein Gefäß lebt nicht aus sich selbst; seine Würde liegt darin, was es enthält. Römer 10 zeigt, wie solche Gefäße gefüllt werden: „Mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, mit dem Mund wird bekannt zum Heil“ (Röm. 10:10). Herz und Mund werden miteinander verbunden. Das Herz ist der Ort des Vertrauens, wo das Evangelium mehr wird als eine Information, nämlich Zuspruch, auf den man sich verlässt. Der Mund ist wie die Öffnung des Gefäßes: durch ihn wird ausgesprochen, was im Innern geschah, und gerade dadurch strömen die Reichtümer Christi hinein. Es ist bemerkenswert, dass Paulus nicht nur vom inneren Glauben, sondern ausdrücklich vom Bekenntnis spricht – vom Wort, das ausgesprochen wird, vom Anrufen des Namens Jesus.
Unser Mund ist zum Anrufen da, und unser Herz ist zum Glauben da. So können wir Ihn mit unserem Mund anrufen und in unserem Herzen an Ihn glauben. Wenn wir Ihn anrufen, werden wir gerettet; wenn wir an Ihn glauben, werden wir gerechtfertigt. (Witness Lee, Life-Study of Romans, Botschaft dreiundzwanzig, S. 270)
Diese Linie zieht sich durch die Schrift. Schon in 1. Mose 4:26 heißt es: „Damals fing man an, den Namen Jehovahs anzurufen.“ Dieses Anrufen ist mehr als eine fromme Formel; es ist das laut gewordene Vertrauen, das Rufen eines Menschen, der weiß, dass Gott hört. Später baut Abraham einen Altar und „rief den Namen Jehovahs an“ (1. Mose 12:8), David bezeugt: „Gelobt! rufe ich zum HERRN, so werde ich vor meinen Feinden gerettet“ (2. Samuel 22:4). Überall begegnet uns dieselbe Bewegung: Der Glaubende sucht Gott nicht nur mit stillem Denken, sondern mit Stimme und Atem. Wenn Jesaja davon spricht, dass man „mit Freuden Wasser schöpfen“ wird aus den Quellen des Heils, dann verbindet er dieses Schöpfen mit Danken, Loben und Rufen. Im Neuen Testament wird dies noch zugespitzt, wenn Paulus sagt: „Wer den Namen des Herrn anrufen wird, wird gerettet werden“ (Röm. 10:13).
Wer „Herr Jesus“ anruft, vollzieht etwas zutiefst Einfaches und zugleich Tiefes: Er wendet sich mit Herz und Mund an den lebengebenden Geist, der in Christus gegenwärtig ist. Der Glaube im Inneren und das Rufen nach außen gehören zusammen wie Atmen und Trinken. Im Glauben öffnen wir unser Inneres für Christus als unsere Gerechtigkeit; im Anrufen geben wir ihm Raum, unsere Situation, unsere Gefühle, unsere Gedanken zu durchdringen. So werden die Gefäße der Barmherzigkeit nicht einmalig, sondern Tag für Tag mit den Reichtümern Christi gefüllt: mit Trost in der Bedrängnis, mit Licht in der Verwirrung, mit Kraft in der Müdigkeit. Es ist kein komplizierter Weg – gerade das macht ihn so anstößig für unsere stolze Selbstständigkeit. Aber in dieser Einfachheit liegt die Schönheit des Evangeliums: Der, der den Himmel durchschritten hat, lässt sich im schlichten Ruf „Herr Jesus“ erreichen.
Aus dieser Sicht wird deutlich, wie kostbar Herz und Mund in Gottes Augen sind. Es geht nicht darum, mit künstlicher Lautstärke etwas zu erzwingen; entscheidend ist die Echtheit. Ein leises, aber ehrliches „Herr, ich brauche dich“ hat mehr Gewicht als viele leere Worte. Und doch bleibt ein besonderer Segen darauf, wenn der Glaube hörbar wird, wenn das Innere sich nicht verschließt, sondern Christus mit Namen anredet. Dann erfahren wir, was viele Zeugen vor uns erlebt haben: dass die Distanz zu Gott sich verkürzt, dass Schwere leichter wird und dass ein stiller Frieden einzieht, den man sich nicht selbst zusprechen kann. In diesem Sinn sind wir wirklich Gefäße: nicht stark durch das, was wir halten, sondern reich durch den, der uns füllt. Und je mehr unser Alltag von dieser einfachen Bewegung des Glaubens und Anrufens durchzogen ist, desto tiefer wird die Erfahrung, dass Gottes Erwählung keine trockene Lehre bleibt, sondern in jeder Situation neu mit Leben gefüllt wird.
Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Mund wird bekannt zum Heil. (Röm. 10:10)
Denn „jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“. (Röm. 10:13)
Als Gefäß der Barmherzigkeit bist du nicht dazu bestimmt, aus dir selbst zu leben, sondern aus dem, was Christus in dich hineingibt. Dein Herz ist geschaffen, zu glauben, und dein Mund ist geschaffen, zu bekennen und den Namen des Herrn anzurufen. In dieser Verbindung liegt ein stiller Reichtum: Du musst Christus nicht „heraufholen“, als wäre er weit weg; er ist dir nahe, wenn du ihm vertraust und ihn beim Namen rufst. Gerade im Gewöhnlichen – auf dem Weg zur Arbeit, in Momenten der Überforderung, in stillen Augenblicken – kann ein einfaches „Herr Jesus“ zu einer Tür werden, durch die seine Gegenwart neu in deinen Tag hineintritt. So wird dein Leben nicht dadurch geehrt, dass du alles im Griff hast, sondern dadurch, dass du dich immer wieder dem anvertraust, der dich als Gefäß seiner Barmherzigkeit erwählt hat und nicht müde wird, dich mit seinen Reichtümern zu füllen.
Herr Jesus Christus, danke, dass du das Ende des Gesetzes bist und dass in dir alles vollendet ist, was Gottes Gerechtigkeit verlangt. Du bist inkarniert, in den tiefsten Abgrund des Todes hinabgestiegen und in der Auferstehung zum lebengebenden Geist geworden, damit du uns ganz nahe sein kannst. Öffne unser Herz, damit wir dich neu als unsere Gerechtigkeit, unsere Rettung und unsere Freude vertrauen, ohne uns auf eigene Leistung zu stützen. Vertiefe in uns das Bewusstsein, dass wir Gefäße deiner Barmherzigkeit sind, die du mit deinen Reichtümern füllen willst. Lass dein lebendiges Wort in unserem Inneren wohnen und Wo wir uns leer, bedrückt oder schuldig fühlen, begegne uns als der nahe Herr, der unser Rufen hört, unsere Lasten wegträgt und uns mit deiner Gegenwart tröstet. Stärke in uns den stillen Mut, deinen Namen im Glauben anzurufen und darin Ruhe, Kraft und Freude zu finden. Fülle dein Volk neu mit dem Bewusstsein deiner Nähe, damit deine Auswahl und unsere Bestimmung zu deiner Ehre sichtbar werden. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Romans, Chapter 23