Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Ausbreitung in Jerusalem, Judäa und Samaria durch den Dienst der Gruppe um Petrus (16)

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Manchmal scheint es, als würden alle Türen zufallen: treue Zeugen werden missverstanden, Gemeinden erleben Druck von außen und Innen, und scheinbar bricht alles zusammen. Genau in eine solche Situation hinein leuchtet die Geschichte von Stephanus und der Verfolgung der ersten Gemeinde in Jerusalem. Mitten in Hass und Steinen steht ein Mann, der den geöffneten Himmel sieht, den Gott der Herrlichkeit bezeugt und für seine Feinde betet. Während die Gemeinde auseinandergetrieben wird, beginnt Gottes Plan, sich weit über Jerusalem hinaus auszubreiten. Wer genauer hinschaut, entdeckt darin eine Linie: Gott ruft heraus, wohnt bei seinem Volk und nutzt selbst Leid, um seine Rettung bekannt zu machen.

Der Gott der Herrlichkeit ruft heraus und zieht an

Stephanus setzt mit wenigen Worten einen weiten Horizont: „Der Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham, während er in Mesopotamien war, bevor er in Haran wohnte, und sprach zu ihm: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft, und komm in das Land, das ich dir zeigen werde.“ (Apostelgeschichte 7:2-3). Noch bevor 1. Mose den Namen Gottes entfaltet, leuchtet hier sein Wesen auf: Er ist der Gott, dessen Herrlichkeit den Menschen nicht in seiner gewohnten Welt lässt. Abraham wurde nicht von einem abstrakten Gebot herausgelöst, sondern von einer Begegnung ergriffen. Die Herrlichkeit Gottes ist Gottes Selbst, das sich zeigt – damals möglicherweise sichtbar in einer Erscheinung, später in Wolke und Feuer bei Israel, heute in der inneren Offenbarung Jesu Christi. Sie ist nicht nur ein Glanz, sondern eine Anziehung, die stärker ist als Verwurzelung, Tradition und Sicherheit.

Als Stephanus vor dem Sanhedrin Zeugnis ablegte, sagte er: „Männer, Brüder und Väter, hört zu! Der Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham, als er in Mesopotamien war, bevor er in Haran wohnte, und sagte zu ihm: Geh fort aus deinem Land und von deinen Verwandten und komm in das Land, das ich dir zeigen werde“ (V. 2–3). Die Herrlichkeit, von der in Vers 2 gesprochen wird, könnte eine sichtbare Herrlichkeit gewesen sein (siehe V. 55), so wie damals, als die Wolke und das Feuer Israel erschienen (2.Mose 16:10; 24:16–17; 3.Mose 9:23; 4.Mose 14:10; 16:19; 20:6; 5.Mose 5:24) und die Stiftshütte und den Tempel erfüllten (2.Mose 40:35; 1.Könige 8:11). Der Gott einer solchen Herrlichkeit erschien Abraham und rief ihn. Seine Herrlichkeit war eine große Anziehung für Abraham. Sie sonderte ihn von der Welt zu Gott hin ab, sie heiligte ihn (2.Mose 29:43), und sie war eine große Ermutigung und Kraft, die ihn befähigte, Gott zu folgen (1.Mose 12:1, 4). (Witness Lee, Life-Study of Acts, Botschaft einundzwanzig, S. 170)

In der Geschichte Abrahams verbindet sich dieser Ruf mit einem merkwürdigen Spannungsbogen. Gott verheißt ihm ein Land, „und er gab ihm kein Erbteil darin, auch nicht einen Fußbreit, und er verhieß, es ihm zum Besitztum zu geben und seinen Nachkommen nach ihm, obwohl er kein Kind hatte.“ (Apostelgeschichte 7:5). Der Gott der Herrlichkeit ruft also nicht in eine sofort sichtbare Erfüllung, sondern in einen Weg des Glaubens hinein. Abraham verlässt das Vertraute, ohne das Versprochene in den Händen zu haben. Was ihn trägt, ist nicht ein klarer Reiseplan, sondern die innere Gewissheit: Der Rufende ist vertrauenswürdig. Glauben im Sinn der Schrift ist deshalb weniger eine intellektuelle Zustimmung als ein Sich-überlassen – ein inneres Loslassen an den, der ruft, auch wenn die äußere Rechnung nicht aufgeht.

Mit Stephanus wird deutlich, dass dieser Ruf nicht auf Abraham beschränkt bleibt. Die Herrlichkeit, die ihm erschien, verdichtet sich im Neuen Bund in der Person Christi. Petrus beschreibt, wie Gott uns „durch Seine eigene Herrlichkeit und Tugend berufen hat“ (2. Petrus 1:3). Gott ruft, indem er Christus vor Augen stellt – nicht als religiöse Option unter vielen, sondern als den unvergleichlichen, kostbaren Herrn. Wo ein Mensch innerlich erkennt: Christus ist mehr als meine Sicherheiten, mehr als Tradition, Erfolg oder fromme Gewohnheit, dort hat Gottes Herrlichkeit sein Herz berührt. Dieser Ruf wirkt zweifach: Er löst aus Bindungen heraus und führt zugleich in eine tiefere Bindung an Gott hinein. Wer von Gottes Herrlichkeit angezogen wird, erlebt, dass die alten Sicherheiten ihre Faszination verlieren und ein neues Zentrum entsteht.

Für den heutigen Weg als neutestamentliche Gläubige bleibt diese Linie entscheidend. Wir sind nicht berufen, einem Ideal hinterherzulaufen, sondern einer Person nachzufolgen, die uns mit ihrer Herrlichkeit anzieht. Der Dreieine Gott ruft noch immer heraus – aus inneren und äußeren Abhängigkeiten, aus engen Selbstbildern und aus religiösen Systemen, in denen Gott funktional geworden ist. Wo er sich als der Gott der Herrlichkeit zeigt, entsteht in uns ein leises, aber beharrliches „Es gibt mehr“. In den Stationen unseres Lebens, in denen wir vor Unbekanntem stehen, wird genau hier der Glaube geformt: Wir sehen nicht alles, aber wir kennen den Rufenden. Das bewahrt vor Bitterkeit und Resignation und öffnet für eine Bewegung auf Gott zu, die nicht von Pflicht, sondern von Anziehung getragen ist. So wird der Weg des Glaubens – bei aller Unsicherheit – zu einem Weg der wachsenden Vertrautheit mit dem Gott, der ruft und begleitet.

Und er sagte: Ihr Männer, ihr Brüder und Väter, hört zu: Der Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham, während er in Mesopotamien war, bevor er in Haran wohnte, und sprach zu ihm: «Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft, und komm in das Land, das ich dir zeigen werde.» (Apg. 7:2-3)

weil Seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und zur göttlichen Lebensweise gehört, durch die völlige Erkenntnis dessen, der uns durch Seine eigene Herrlichkeit und Tugend berufen hat, (2.Pet. 1:3)

Wer den Gott der Herrlichkeit so sieht, entdeckt Glauben als Antwort auf eine Anziehung, nicht als Leistung. In den Übergängen, Brüchen und offenen Fragen unseres Lebens kann uns bewusst werden: Hier ruft derselbe Gott, der Abraham rief – nicht in blinden Aktivismus, sondern in ein tieferes Vertrauen. Wo sein Licht in Christus unsere Maßstäbe verschiebt, wird das Unbekannte nicht kleiner, aber der Rufende größer. Das gibt Mut, Schritte zu gehen, deren Ausgang wir nicht kontrollieren, und zugleich Gelassenheit, weil unsere Sicherheit nicht mehr im Gelingen der Schritte, sondern in der Treue dessen liegt, der uns durch seine Herrlichkeit und Tugend berufen hat.

Gottes wahre Wohnung: vom Tempel zur Gemeinde im Geist

Wenn Stephanus den Bogen der Geschichte Israels nachzeichnet, steuert er auf eine empfindliche Stelle zu: die Frage, wo Gott wohnt. Er erinnert an die „Hütte des Zeugnisses“, die Stiftshütte, die „in der Wüste bei unseren Vätern“ war und die sie „nachdem sie sie der Reihe nach empfangen hatten, mit Josua hineinbrachten bei der Besitzergreifung der Nationen … bis zu den Tagen Davids“ (Apostelgeschichte 7:44-45). Diese bewegliche Wohnung war nach einem himmlischen Vorbild gemacht, ein sichtbares Zeichen der Gegenwart Gottes mitten im wandernden Volk. Später wurde daraus im Reich Davids und unter Salomo der Tempel – ein festes Haus, ein Zentrum des Kultes, eine nationale und religiöse Identitätsmarke. Generationen hingen mit tiefen Gefühlen an diesem Ort, und die Herrlichkeit Gottes hatte ihn tatsächlich erfüllt.

In Vers 44 kommt Stephanus auf die Frage von Gottes Wohnung zu sprechen, auf die Stiftshütte des Zeugnisses. Dazu sagt Stephanus: „Die Hütte des Zeugnisses war in der Wüste bei unseren Vätern, so wie der, welcher zu Mose sprach, ihm befahl, sie nach dem Vorbild zu machen, das er gesehen hatte; die auch unsere Väter, nachdem sie sie der Reihe nach empfangen hatten, mit Josua hineinbrachten bei der Besitzergreifung der Nationen, die Gott vor dem Angesicht unserer Väter vertrieb, bis zu den Tagen Davids; der Gnade vor Gott fand und bat, eine Wohnung zu finden für den Gott Jakobs“ (V. 44–46). Diese Verse zeigen, dass eine Generation nach der anderen die Stiftshütte beibehielt. Gott jedoch war nicht zufrieden, und David, ein Mann nach dem Herzen Gottes, wusste das. (Witness Lee, Life-Study of Acts, Botschaft einundzwanzig, S. 174)

Gerade deshalb ist es so provozierend, wenn Stephanus mit den Propheten sagt, „daß der Höchste nicht in Wohnungen wohnt, die von Händen gemacht sind“ (vgl. Apostelgeschichte 7:48). Er rüttelt an der Vorstellung, Gott sei an ein Gebäude, eine Institution, eine bestimmte Form der Frömmigkeit gebunden. Schon im Alten Bund deuteten die Texte an: Himmel und Erde sind Gottes Thron und Fußschemel, kein Tempel kann ihn fassen. Mit dem Kommen Christi und dem Ausgießen des Geistes bricht Gottes Wohnfrage endgültig aus den alten Formen heraus. Jesus sagt der Samariterin: „Gott ist Geist, und die Ihn anbeten, müssen im Geist und in Wahrhaftigkeit anbeten.“ (Johannes 4:24). Nicht mehr der geographische Ort – Jerusalem oder Garizim – entscheidet, sondern der geistliche Zustand: Herz und Geist, die Gott im Licht seiner Wahrheit suchen.

In diesem Licht wird deutlich, was Gemeinde im tiefsten ist. Gott sucht eine Wohnung nicht in Steinen, sondern in Menschen. Durch den Heiligen Geist nimmt der Dreieine Gott Wohnung in den Herzen derer, die an Christus glauben, und fügt sie zu einem geistlichen Haus zusammen. In der Sprache des Neuen Testaments ist die Gemeinde der Tempel Gottes, ein lebendiger Bau, in dem Christus der Eckstein ist. Überall, wo Menschen in Einmütigkeit auf ihn ausgerichtet sind, sein Wort ernst nehmen und dem Geist Raum geben, wird etwas von dieser Wohnung sichtbar. Äußere Formen – Gebäude, Strukturen, Traditionen – können diesem inneren Geschehen dienen, aber sie sind nicht sein Kern. Gottes Zufriedenheit liegt nicht zuerst in prachtvollen Räumen, sondern in Menschen, die ihm Raum geben.

Dieser Blick verändert, wie wir Gemeinde wahrnehmen. Sie ist nicht zuerst ein Ort, den man besucht, sondern ein Organismus, in den man hineingenommen wird; nicht nur eine Organisation, sondern der Leib Christi, in dem Gott wohnt und wirkt. Wo dieses Verständnis wächst, verliert der Kultcharakter – die Fixierung auf äußere Formen – an Gewicht, und der innere Gehalt tritt hervor: der gemeinsame Lebensteil mit Gott. Das macht dankbar für jede einfache, unscheinbare Versammlung von Gläubigen, in der der Geist Gottes spürbar Raum hat. Und es lädt ein, das eigene Leben als Teil dieser Wohnung zu begreifen: als einen Ort, an dem Gott sich niederlässt, um in dieser Welt durch gewöhnliche Menschen Gegenwart, Trost, Korrektur und Licht zu schenken.

Die Hütte des Zeugnisses war in der Wüste bei unseren Vätern, so wie der, welcher zu Mose sprach, ihm befahl, sie nach dem Vorbild zu machen, das er gesehen hatte; die auch unsere Väter, nachdem sie sie der Reihe nach empfangen hatten, mit Josua hineinbrachten bei der Besitzergreifung der Nationen, die Gott vor dem Angesicht unserer Väter vertrieb, bis zu den Tagen Davids; der Gnade vor Gott fand und bat, eine Wohnung zu finden für den Gott Jakobs. (Apg. 7:44-46)

Gott ist Geist, und die Ihn anbeten, müssen im Geist und in Wahrhaftigkeit anbeten. (Joh. 4:24)

Wer erkennt, dass Gottes wahre Wohnung die Gemeinde im Geist ist, beginnt anders zu denken und zu fühlen. Die Frage verschiebt sich von „Wie sieht unser Haus aus?“ zu „Wie wohnt Gott unter uns?“ – von der Sorge um äußere Attraktivität zur Sehnsucht nach innerer Gegenwart. Das entlastet von dem Druck, religiöse Leistungen vorzuweisen, und schenkt Freiheit, sich von Gott im Verborgenen bauen zu lassen: im Herzen, in Beziehungen, in der gemeinsamen Ausrichtung auf Christus. Gerade in unscheinbaren lokalen Zusammenkünften kann so eine tiefe Freude wachsen: Der Allerhöchste, der nicht in Werken von Menschenhänden wohnt, hat es gefallen, bei uns Wohnung zu machen.

Verfolgung, geöffneter Himmel und die Ausbreitung des Evangeliums

Als Stephanus am Ende seiner langen Rede steht, spitzt sich die Auseinandersetzung dramatisch zu. Er nennt seine Zuhörer „Halsstarrige und an Herzen und Ohren Unbeschnittene“ und wirft ihnen vor, dass sie „allezeit dem Heiligen Geist widerstreben; wie eure Väter, so auch ihr!“ (Apostelgeschichte 7:51). Die Geschichte Israels, die er erzählt hat, ist nicht nur Vergangenheit, sondern Spiegel für die Gegenwart: Gottes redender Geist stößt immer wieder auf Widerstand, gerade dort, wo religiöse Gewissheiten sich verhärtet haben. Was dann geschieht, ist äußerlich ein Justizmord und innerlich ein geistlicher Höhepunkt. Während die Menge „mit großen Stimmen aufschrie“ und Stephanus zur Stadt hinaus schleift, heißt es: „Er aber, voll Heiligen Geistes, blickte unverwandt zum Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen.“ (Apostelgeschichte 7:55). Der Himmel öffnet sich über einem zum Tode Verurteilten, und Christus wird nicht sitzend, sondern stehend gesehen – als würde er seinen Zeugen aktiv empfangen.

In Vers 51 richtete Stephanus ein sehr scharfes Wort an die Widersacher: „Ihr Halsstarrigen und an Herzen und Ohren Unbeschnittenen, ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist; wie eure Väter, so auch ihr!“ Da Stephanus voller Geist war (V. 55) und eins war mit dem Herrn, dem Geist (1.Korinther 6:17), bedeutete es, ihm zu widerstehen, dem Heiligen Geist zu widerstehen. Daher machte der Herr Saul, einem seiner Verfolger (Apg. 7:58; 8:1), deutlich, dass er Ihn verfolgte (9:4). (Witness Lee, Life-Study of Acts, Botschaft einundzwanzig, S. 175)

In dieser geöffneten Verbindung zwischen Himmel und Erde geschieht eine tiefe Angleichung an Christus. Stephanus ruft: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!“ und wenige Augenblicke später: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (vgl. Apostelgeschichte 7:59-60). Seine letzten Worte erinnern an Jesus am Kreuz. Der Geist Christi in ihm bringt eine Haltung hervor, die menschlich nicht erklärbar ist: Hingabe statt Verzweiflung, Fürbitte statt Verbitterung. Stephanus geht nicht unter in der Gewalt, die ihn trifft, sondern wird inmitten der Härte zum Zeugen einer anderen Wirklichkeit. Die Herrlichkeit, die er sieht, bleibt nicht Beobachtung, sie prägt seine Reaktion. So verbindet Gott Leiden und Verklärung auf geheimnisvolle Weise: Das, was äußerlich nach Niederlage aussieht, wird zur Bühne, auf der Christus seinen Charakter in einem Menschen auslebt.

Unmittelbar im Anschluss weitet Lukas den Blick. Er berichtet: „Es entstand aber an jenem Tag eine große Verfolgung gegen die Gemeinde in Jerusalem; und alle wurden in die Gegenden von Judäa und Samaria zerstreut, ausgenommen die Apostel.“ (Apostelgeschichte 8:1). Und wenig später: „Saulus aber verwüstete die Gemeinde, indem er der Reihe nach in die Häuser ging; und er schleppte sowohl Männer als Frauen fort und überlieferte sie ins Gefängnis.“ (Apostelgeschichte 8:3). Was nach Ende und Zerbruch aussieht, wird in der Hand Gottes zum Anfang einer neuen Phase: Die zerstreuten Gläubigen tragen das Evangelium über die Grenzen Jerusalems hinaus, nach Judäa und Samaria. Der Druck, der sie aus der gewohnten Umgebung herausreißt, wird zum Mittel, durch das Gottes Plan weitergeht. Selbst der junge Saulus, der diese Verfolgung vorantreibt und die Steinigung Stephanus gutheißt, wird später vom Herrn als auserwähltes Werkzeug gewonnen.

In alledem zeigt sich eine Doppelbewegung, die auch für heute tröstlich und herausfordernd ist. Gott nimmt das Leiden seiner Zeugen ernst und schenkt ihnen mitten darin eine geöffnete Sicht auf Christus. Gleichzeitig bleibt er der Herr der Geschichte, der selbst Widerstand, Zerstreuung und menschliche Bosheit nicht nur begrenzt, sondern in seine Heilswege einwebt. Kein Angriff auf die Gemeinde ist das letzte Wort; die Wege des dreieinen Gottes reichen tiefer als jede Verfolgung. Für die, die an Christus glauben, bedeutet das: Die Dunkelheiten ihres Weges sind nicht leer. Der Himmel mag nicht sichtbar aufreißen wie bei Stephanus, aber derselbe Herr steht für seine Zeugen ein. Und oft gerade dort, wo wir nur Verlust wahrnehmen, bereitet er neue Räume vor, in denen seine Botschaft Wurzel fasst und Frucht bringt.

Ihr Halsstarrigen und an Herzen und Ohren Unbeschnittenen, ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist; wie eure Väter, so auch ihr! (Apg. 7:51)

Er aber, voll Heiligen Geistes, blickte unverwandt zum Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen. (Apg. 7:55)

Wo Verfolgung, Widerstand oder persönliches Leid uns den Boden unter den Füßen zu entziehen scheinen, erinnert die Geschichte Stephanus daran, dass Gott in solchen Stunden keine Zuschauerrolle einnimmt. Er schenkt seinen Zeugen nicht unbedingt einen anderen Weg, aber eine andere Sicht – die Sicht auf den stehenden Christus, der sich mit ihnen einsmacht. Und er bleibt der, der selbst aus Zerstreuung Ausbreitung macht. Das löst nicht alle Fragen, bewahrt aber davor, Leid als sinnlose Unterbrechung der Geschichte Gottes zu deuten. Es darf zur leisen Gewissheit reifen: Auch hier, im Härtesten, schreibt der Herr seine Geschichte weiter – mit uns, durch uns und manchmal trotz uns.


Herr Jesus Christus, du Gott der Herrlichkeit, wir danken dir, dass dein Ruf stärker ist als alle Bindungen dieser Welt und dass deine unsichtbare Herrlichkeit unsere Herzen gewinnen kann. Stärke in uns den Glauben, der sich von dir ziehen lässt, auch wenn dein Weg uns aus vertrauten Sicherheiten herausführt. Vater, wir loben dich, dass du dir inmitten zerbrechlicher Menschen eine Wohnung im Geist gebaut hast und dass nichts, kein Widerstand und keine Verfolgung, deinen Ratschluss aufhalten kann. Wo wir Druck, Ablehnung oder Verlust erleben, richte unseren Blick auf den geöffneten Himmel und auf Jesus, der für uns eintritt und uns empfängt. Erneuere unsere Hoffnung, dass du selbst die dunkelsten Situationen gebrauchen kannst, damit dein Evangelium weitergeht und deine Herrlichkeit sichtbar wird. Fülle uns mit deinem Heiligen Geist, damit wir deinen Namen mutig bekennen und in deiner Liebe selbst denen begegnen, die uns entgegenstehen. Bewahre uns in deiner Nähe, bis wir dich von Angesicht zu Angesicht sehen, und erfülle uns mit der Freude, dass deine Geschichte mit uns nicht im Scheitern endet, sondern in deiner ewigen Herrlichkeit. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Acts, Chapter 21