Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der Dienst des Menschen-Erretters in Seinen menschlichen Tugenden mit Seinen göttlichen Eigenschaften von Galiläa nach Jerusalem (9)

16 Min. Lesezeit

Wenn Leid, Katastrophen oder religiöse Härte unser Leben erschüttern, stellt sich unweigerlich die Frage: Wie sieht Gott das alles, und wo stehe ich in seinem Plan? Lukas 13 nimmt uns mit auf den Weg nach Jerusalem und zeichnet ein ernstes, aber hoffnungsvolles Bild: Gott ruft zur Umkehr, deckt die zerstörerische Macht Satans und toter Religion auf, warnt vor einem verfälschten Christentum und öffnet zugleich den Zugang in die wirkliche Freiheit und Freude seines Reiches – das wahre biblische Jubeljahr.

Der ernste Ruf zur Umkehr – Frucht statt frommer Sicherheit

Am Anfang von Lukas 13 wird das Gespräch von zwei schweren Unglücken bestimmt: abgeschlachtete Galiläer, deren Blut Pilatus mit ihren Schlachtopfern vermischt hatte, und ein Turm in Siloah, der achtzehn Menschen unter sich begrub. Die Zuhörer bringen Jesus diese Nachrichten – vielleicht mit der unausgesprochenen Erwartung, er werde die Opfer als besondere Sünder einordnen und damit einen sicheren Abstand zwischen ihnen und sich selbst bestätigen. Jesus aber legt das Messer an eine tief sitzende religiöse Denkweise. Er fragt: „Meint ihr, daß diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder waren, weil sie dies erlitten haben? Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen“ (Lukas 13:2–3). Leid ist nicht der sichtbare Index für den Grad der Sünde; Tragödien sind nicht dazu da, uns über andere zu erheben, sondern uns selbst zu wecken. Der Menschen-Erretter zerbricht die bequeme Einteilung in „Betroffene“ und „Verschonte“ und stellt alle unter dasselbe Wort: Umkehr oder Verderben.

Auf den Fall der Galiläer bezogen, deren Blut Pilatus mit ihren Schlachtopfern vermischt hatte, sagte er zu den Anwesenden: „Meint ihr, diese Galiläer seien größere Sünder gewesen als alle anderen Galiläer, weil sie dies erlitten haben? Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen.“ (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft einunddreißig, S. 261)

Damit verschiebt er den Blick von der Frage nach der Schuld der anderen zur Frage nach der eigenen Antwort auf Gottes Geduld. Das Gleichnis vom Feigenbaum in Gottes Weinberg führt dies weiter aus: „Es hatte jemand einen Feigenbaum, der in seinem Weinberg gepflanzt war; und er kam und suchte Frucht an ihm und fand keine“ (Lukas 13:6). Der Feigenbaum steht im Licht des Alten Testaments für Israel, das auserwählte Volk im verheißenen Land, von Gott gepflanzt, behütet, mit allem versorgt (vgl. Jeremia 24:2, 5, 8; Matthäus 21:33). Drei Jahre kommt der Besitzer und sucht Frucht – eine Anspielung auf den öffentlichen Dienst Jesu –, und er findet nichts als Blätter. Nach Recht und Gerechtigkeit könnte er sagen: „Hau ihn ab! Wozu macht er auch das Land unbrauchbar?“ (Lukas 13:7). Doch im Gleichnis tritt ein Weingärtner dazwischen, bittet um Aufschub, verspricht, zu graben und zu düngen. In dieser Gestalt leuchtet der Sohn selbst auf: Er verwendet sich vor dem Vater, er bearbeitet den harten Boden durch sein Wort und sein Werk am Kreuz, er bringt Gnade und Geist wie belebenden Dünger an die Wurzeln des Volkes.

Gottes Geduld ist darum keine sanfte Gleichgültigkeit. Sie ist eine kostbare, begrenzte Frist, in der seine Gnade alles daransetzt, dass aus Berufung und Bekenntnis wirkliche Frucht wird. Israel erlebte diese Ernsthaftigkeit, als es den Gesandten Gottes, dann den Sohn und schließlich den Zeugnisdienst der Apostel verwarf – der Feigenbaum wurde im Gericht über Jerusalem tatsächlich gefällt. Doch das Gleichnis ist nicht nur Geschichte Israels; es spiegelt jede Form religiöser Selbstsicherheit, in der Blätter – Bekenntnis, Formen, Frömmigkeit – den Mangel an Frucht zu verdecken versuchen. Unter dem Blick des Menschen-Erretters wird diese Fassade durchsichtig. Sein Ruf zur Buße ist daher keine kalte Forderung, sondern das liebevolle Drängen dessen, der selbst alles investiert, damit unser Leben nicht leer bleibt.

In dieser Spannung von Geduld und Ernst öffnet sich ein ermutigender Horizont. Wo der Herr gräbt, auflockert, Dinge ans Licht bringt, die uns selbst unbequem sind, verfolgt er kein zerstörerisches Ziel. Er will, dass in uns jene Frucht hervorgebracht wird, die nur seine Gnade wirken kann: ein Herz, das ihm vertraut, ein Leben, das seiner Güte entspricht. Gerade wer die Tragödien der Welt nicht als Anlass zum Urteil über andere nutzt, sondern sie als Ruf Gottes an das eigene Herz hört, erfährt etwas von dieser zarten, aber entschlossenen Liebe. So lädt Lukas 13 ein, die Zeit der Langmut nicht zu verschlafen, sondern im Licht des Weingärtners zu leben – in der stillen Zuversicht, dass dort, wo er arbeitet, echte Frucht möglich wird, selbst auf lange ausgedörrtem Boden.

Und er antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, daß diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder waren, weil sie dies erlitten haben? Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen. (Lk. 13:2-3)

Er sagte aber dieses Gleichnis: Es hatte jemand einen Feigenbaum, der in seinem Weinberg gepflanzt war; und er kam und suchte Frucht an ihm und fand keine. Er sprach aber zu dem Weingärtner: Siehe, drei Jahre komme ich und suche Frucht an diesem Feigenbaum und finde keine. Hau ihn ab! Wozu macht er auch das Land unbrauchbar? (Lk. 13:6-7)

Die Nachrichten, die uns erschüttern – sei es persönlich oder weltweit –, verlieren in diesem Licht den Charakter bloßer Schreckensmeldungen. Sie werden zu Winkeln, unter denen Gott unsere Lebensbäume betrachtet. Wer sich von Jesu Wort treffen lässt, findet einen neuen Umgang mit Gottes Geduld: nicht als träge Sicherheit, sondern als geschenkte Zeit, in der der Weingärtner schon an den Wurzeln zugange ist. Gerade die Erfahrung von Enttäuschung, Verlust oder Aufdeckung kann so zur leisen Hoffnung werden, dass der Herr nicht aufgegeben hat. Die Geschichte des Feigenbaums endet im Gleichnis offen – ob er am Ende Frucht trägt, wird nicht gesagt. In dieser Offenheit steckt eine Einladung zur Zuversicht: Solange der Menschen-Erretter noch gräbt und düngt, ist es nicht zu spät für ein Leben, das mehr ist als religiöse Blätter – ein Leben, das ihm Ehre macht.

Befreiung aus satanischer und religiöser Bindung – das wahre Jubeljahr

Mitten im Fluss seiner Lehre am Sabbat bleibt der Menschen-Erretter an einer Frau hängen, die die anderen längst übersehen haben. Achtzehn Jahre lang war sie von einem „Geist der Schwäche“ gezeichnet, zusammengekrümmt, unfähig, sich aufzurichten (Lukas 13:10–11). Ihr Blick ist nach unten gezogen, ihr Körper spiegelt eine innere Gefangenschaft. Lukas lässt durchscheinen, dass hinter dieser körperlichen Deformation eine unsichtbare Macht steht: „Diese aber, die eine Tochter Abrahams ist, die der Satan gebunden hat, siehe, achtzehn Jahre lang, sollte sie nicht von dieser Fessel gelöst werden am Tag des Sabbats?“ (Lukas 13:16). Hier wird deutlich, was Paulus später beschreibt: Menschen leben unter einem unsichtbaren Druck „nach dem Zeitalter dieser Welt, nach dem Fürsten der Macht der Luft, des Geistes, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirkt“ (Epheser 2:2). Der gekrümmte Rücken der Frau ist ein Bild eines Lebens, das nicht mehr frei auf Gott hinsehen kann, festgehalten von etwas, das stärker ist als der eigene Wille.

Dieser „Geist“ war ein Dämon, einer der Geister der lebenden Geschöpfe, die im präädamischen Zeitalter lebten und von Gott gerichtet wurden, als sie sich Satans Rebellion anschlossen. Die gefallenen Engel arbeiten mit Satan in der Luft (Eph 2:2; 6,11-12), und diese Dämonen, unreine Geister, bewegen sich mit ihm auf der Erde. Beide wirken böse auf den Menschen ein für das Reich Satans. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft einunddreißig, S. 263)

Doch in der Synagoge an diesem Sabbat bestimmt nicht die Macht der Fessel, sondern der Blick des Erretters das Geschehen. „Als aber Jesus sie sah, rief er ihr zu und sprach zu ihr: Frau, du bist gelöst von deiner Schwäche! Und er legte ihr die Hände auf, und sofort wurde sie gerade und verherrlichte Gott“ (Lukas 13:12–13). Die Initiative geht von ihm aus: er sieht, er ruft, er spricht, er berührt. Seine menschliche Zuwendung – das Sehen, das Rufen, das Auflegen der Hände – ist durchdrungen von göttlicher Autorität. In einem Augenblick wird aus dem gedrückten Dasein ein aufgerichtetes Leben, und die erste Regung dieser neu gewonnenen Freiheit ist Anbetung. In dieser Szene flackert jene Freisetzung auf, die Jesus in Nazareth als Erfüllung des Jubeljahres verkündigt hat: die Freilassung der Gefangenen, das Gnadenjahr des Herrn. Die Frau erlebt im Kleinen, was das Königreich Gottes im Großen bedeutet: nicht eine abstrakte Lehre, sondern die reale Aufhebung der Macht, die sie niederdrückt.

Die Reaktion des Synagogenvorstehers legt einen zweiten Strang der Gefangenschaft offen. Er empört sich nicht über die achtzehn Jahre satanischer Bindung, sondern darüber, dass die Heilung am Sabbat geschieht. Sein Protest beruft sich auf das Gesetz: „Sechs Tage sind es, an denen man arbeiten soll; an diesen nun kommt und laßt euch heilen und nicht am Tag des Sabbats“ (Lukas 13:14). Das Gesetz, das einst dem Leben dienen sollte, ist zu einem Instrument geworden, das die Not zementiert. Jesus entlarvt diese Haltung als Heuchelei: Jeder löst am Sabbat seinen Ochsen von der Krippe, um ihn zu tränken; wie viel mehr darf eine Tochter Abrahams aus ihrer Fessel gelöst werden. Der Sabbat wurde in 1. Mose 2:3. von Gott geheiligt und gesegnet als Tag der Ruhe und des Aufatmens. In der Hand toter Religion ist er zu einer Schranke geworden, die Menschen von der göttlichen Wohltat trennt. So stehen in der Synagoge zwei Ordnungen gegeneinander: eine religiöse Ordnung, die den Sabbat schützt und die Gefesselte stehenlässt, und die Ordnung des Königs, der gerade im Sabbat seine schöpferische und befreiende Macht erweist.

Wer diese Gegenüberstellung betrachtet, erkennt, wie der Menschen-Erretter beides zerbricht: die unsichtbare Gewalt Satans und die sichtbaren Fesseln religiöser Systeme. Er „treibt Dämonen aus und vollbringt Heilungen“ (Lukas 13:32), und darin wird das wahre Jubeljahr greifbar. Wo er wirkt, werden Menschen aus einer doppelten Enge herausgeführt – aus dem inneren Druck des Bösen und aus der Kälte eines Gottesdienstes ohne Herz. Gerade darin liegt eine tiefe Ermutigung: Auch heute kennt er diejenigen, die lange gebückt gehen, innerlich oder äußerlich. Er sieht die Lasten, die sich mit Jahren und Gewohnheiten verfestigt haben, und er ist nicht gekommen, neue Regeln auf diese Schultern zu legen, sondern sie in seine Ruhe hineinzuheben. Wenn Lukas berichtet, dass die Menge sich über „all die herrlichen Dinge, die durch ihn geschahen“ freute (Lukas 13:17), dann schwingt darin die Einladung mit, den Sabbat nicht als verbotenen Raum, sondern als geöffnetes Fenster zu verstehen: ein Vorgeschmack des Reiches, in dem der Mensch frei aufrecht steht und Gott aus einem befreiten Herzen verherrlicht.

Und siehe, da war eine Frau, die achtzehn Jahre einen Geist der Schwäche hatte; und sie war zusammengekrümmt und gänzlich unfähig, sich aufzurichten. Als aber Jesus sie sah, rief er ihr zu und sprach zu ihr: Frau, du bist gelöst von deiner Schwäche! Und er legte ihr die Hände auf, und sofort wurde sie gerade und verherrlichte Gott. (Lk. 13:11-13)

Diese aber, die eine Tochter Abrahams ist, die der Satan gebunden hat, siehe, achtzehn Jahre lang, sollte sie nicht von dieser Fessel gelöst werden am Tag des Sabbats? (Lk. 13:16)

Die gekrümmte Frau spiegelt viele Lebensgeschichten wider, in denen sich unsichtbarer Druck, lange Gewöhnung und religiöse Formen miteinander verknüpfen. Wer sich in ihr wiederfindet, muss sich weder selbst befreien noch zuerst einen makellosen Glauben hervorbringen; im Evangelium von Lukas ist es der Herr, der sieht, ruft und aufrichtet. Zugleich warnt die Szene vor einer Frömmigkeit, die Regeln höher bewertet als Menschen und die Freude über Gottes Eingreifen verdrängt. In der Person Jesu verbindet sich beides: unendliche Achtung vor Gottes heiligem Willen und unendliches Mitleid mit den Gebundenen. Wo er den Raum bekommt, löst sich starre Religion in jubelnde Dankbarkeit, und der Sabbat – das Bild der göttlichen Ruhe – wird zum Ort erfahrener Befreiung. Es lohnt sich, im Licht dieser Geschichte das eigene Bild von Freiheit, Gesetz und Gottesdienst zu prüfen und neu zu entdecken, wie weit das Jubeljahr seiner Gnade tatsächlich reicht.

Das Königreich Gottes, das Jubeljahr und der schmale Eingang

Nachdem Jesus die Frau aus ihrer Fessel gelöst und die Heuchelei des religiösen Systems bloßgestellt hat, lenkt er den Blick seiner Zuhörer auf das Königreich Gottes. Doch die Bilder, die er wählt, überraschen. „Es gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Garten warf; und es wuchs und wurde zu einem großen Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen“ (Lukas 13:19). Ein Senfkorn bringt normalerweise eine große Staude hervor, kein Baum. Nach dem Schöpfungsprinzip in 1. Mose 1.soll alles „nach seiner Art“ wachsen. Dass das Senfkorn zu einem Baum wird, markiert eine abnorme Entwicklung: Aus der ursprünglichen, schlichten Gestalt des Reiches – einer verfolgten, aber himmlisch orientierten Gemeinde – ist eine gewaltige, imponierende Struktur geworden. In diesem Schatten ist Platz für die „Vögel des Himmels“, die Jesus im Gleichnis vom Sämann mit dem Teufel und seiner Wegnahme des Samens in Verbindung bringt. Damit ist eine prophetische Linie angedeutet: In der sichtbaren Christenheit nisten sich Mächte und Elemente ein, die dem Wesen des Königreiches fremd sind – politische Macht, Weltlichkeit, falsche Lehre.

Die Tatsache, dass dieses Senfkorn zu einem Baum wurde, zeigt an, dass es nicht zu etwas nach seiner eigenen Art heranwuchs. Nach 1. Mose 1 sind die von Gott geschaffenen Dinge nach ihrer eigenen Art. Ein Apfelbaum zum Beispiel sollte nach der Art des Apfelbaums sein. Aber hier wächst das Senfkorn nicht nach seiner Art, sondern wächst zu einer anderen Art heran. Dies ist ein Bruch des Prinzips, das Gott in Seiner Schöpfung verordnet hat. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft einunddreißig, S. 265)

Das zweite Gleichnis vertieft diese Diagnose. „Es gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war“ (Lukas 13:21). In der Schrift steht Mehl – wie im Speisopfer – für die reine, feine Menschlichkeit Christi, die zur Speise für Gott und Menschen wird, während Sauerteig durchgängig ein Bild für Sünde, Verderbnis und falsche Lehre ist. Paulus erinnert die Korinther: „Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig“ (1. Korinther 5:6), und Jesus warnt vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer, der ihre Lehre bezeichnet. Wenn eine Frau Sauerteig in drei Maß Mehl verbirgt, deutet dies auf eine religiöse Macht hin, die fremde Elemente in die reine Speise Christi einmischt, bis das Ganze von innen her verändert ist. So beschreibt der Herr die Entwicklung zur Christenheit, in der sich das Jubeljahr seiner Gnade – Freisetzung und Wiedergewinnung Gottes als Erbteil – hinter Traditionen, Machtstrukturen und vermischten Lehren verbirgt. Das Reich Gottes in seiner äußeren Erscheinung ist nicht identisch mit dem, was ihm im inneren Wesen entspricht.

Vor diesem Hintergrund gewinnt Jesu Wort vom engen Eingang eine neue Schärfe. Während er weiter nach Jerusalem unterwegs ist, wo er sein Leben hingeben wird, fragt jemand: „Herr, sind es wenige, die errettet werden?“ (Lukas 13:23). Die Antwort weicht der Neugier nach Zahlen aus und richtet das Gespräch auf die eigene Beziehung zum König: „Ringt danach, durch die enge Pforte einzugehen; denn viele, sage ich euch, werden einzugehen suchen und werden es nicht vermögen“ (Lukas 13:24). Es genügt nicht, in den Strukturen der Christenheit zu Hause zu sein oder in der Nähe geistlicher Dinge zu leben. Die Menschen, die draußen vor der verschlossenen Tür stehen, erinnern den Herrn: „Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf unseren Straßen hast du gelehrt“ (Lukas 13:26). Sie haben Kontakt zur Person Jesu gehabt, sie gehörten zum Umfeld seiner Wirksamkeit – und doch sagt er: „Ich kenne euch nicht… Weicht von mir, alle ihr Übeltäter!“ (Lukas 13:27). Das Kriterium ist nicht äußerliche Zugehörigkeit, sondern ein Leben, das im Licht seines Königtums steht.

Gleichzeitig öffnet der Herr den Horizont eines weitgespannten, festlichen Reiches. Er spricht von einem Mahl, bei dem Menschen „von Osten und Westen und von Norden und Süden“ kommen und zu Tisch liegen im Königreich Gottes (Lukas 13:29). Abraham, Isaak, Jakob und alle Propheten werden dort sein, während manche, die sich als Erste sahen, draußen bleiben, und viele Letzte zu Ersten werden (Lukas 13:28–30). Die enge Tür führt in einen weiten Raum. Wer sie jetzt findet, tritt ein in die wahre Jubiläumsfreude: Gemeinschaft mit dem König, Teilnahme an seiner Herrschaft, Sättigung durch seine Gegenwart. Dass Jesus kurz danach über Jerusalem klagt und zugleich ankündigt, dass es ihn einst mit den Worten empfangen wird: „Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ (Lukas 13:35), zeigt, dass selbst über dem Gericht die Hoffnung auf endgültige Wiederherstellung steht. Gott lässt sein Volk nicht fallen; er führt durch Ernst und Reinigung zur vollendeten Freude.

Es gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Garten warf; und es wuchs und wurde zu einem großen Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen. (Lk. 13:19)

Es gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war. (Lk. 13:21)

Die Bilder vom Senfkorn, vom Sauerteig und von der engen Tür fördern eine heilsame Unruhe im Blick auf das, was wir „Christentum“ nennen. Sie ermutigen, sich nicht von Größe, Geschichte oder Einfluss beeindrucken zu lassen, sondern das leise, aber klare Profil des Reiches zu suchen, wie es im Menschen-Erretter sichtbar wird. Die enge Tür ist kein Symbol für Gottes Hartherzigkeit, sondern für die Konzentration auf eine Person: Christus selbst. Wer durch ihn eingeht, betritt einen Raum, in dem die Last religiöser Erwartungen abfällt und die Freude an seiner Herrschaft beginnt. Anstatt sich von der Vermischung der Christenheit entmutigen zu lassen, darf aus Lukas 13 eine stille Entschlossenheit wachsen, inmitten aller Entwicklung das eigentliche Jubeljahr festzuhalten: das Leben unter dem König, das jetzt schon seine Freiheit und seinen Frieden schmecken lässt und in der kommenden Herrlichkeit voll zur Entfaltung kommt.


Herr Jesus Christus, Menschen-Erretter, vor deinem ernsten Ruf zur Umkehr und deiner großen Geduld beugen wir uns und erkennen, wie leicht wir uns in Sicherheit wiegen, während du nach wirklicher Frucht in unserem Leben suchst. Du siehst jede gebückte Seele, die von sichtbarer Not, unsichtbarer Finsternis oder harter Religion niedergebeugt wird, und du rufst sie barmherzig in die Freiheit deines Jubeljahres. Reinige unser Verständnis von dir und deinem Reich von allem Sauerteig menschlicher Tradition, falscher Sicherheiten und verführerischer Macht, damit wir dich in deiner Demut, Heiligkeit und Gnade klarer erkennen. Stärke uns durch deinen Geist, dass wir die enge Tür nicht scheuen, sondern dir vertrauen, auch wenn dein Weg durch Ablehnung, Verlust oder Unverständnis führt. Lass uns schon jetzt etwas von der Freude deines kommenden Reiches schmecken: die Ruhe deiner Gegenwart, die Gemeinschaft mit dir und die Gewissheit, dass du dein Werk in deiner Gemeinde vollendest, trotz aller Verfälschungen und Brüche in der Christenheit. Segne dein Volk Israel und bereite die Herzen, dass viele dich als den Gesegneten erkennen, der im Namen des Herrn kommt, um das Jubeljahr in Herrlichkeit zu vollenden. Fülle unsere Herzen mit lebendiger Hoffnung, dass keine Macht der Finsternis und keine menschliche Intrige deinen Weg nach Jerusalem, dein Kreuz, deine Auferstehung und deine Wiederkunft aufhalten kann. In dieser Gewissheit legen wir unser Leben neu in deine souveräne Hand und erwarten die Fülle deines Königreiches. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 31