Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der Dienst des Menschen-Erretters in Seinen menschlichen Tugenden mit Seinen göttlichen Eigenschaften von Galiläa nach Jerusalem (7)

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Wer Jesus nachfolgt, merkt schnell, wie stark Religion, Besitz und Sorgen das Herz binden können. Lukas 12 gewährt einen tiefen Einblick in das Herz des Herrn auf dem Weg nach Jerusalem: Er geht bewusst in den Tod für alles Religiöse und das Materielle, während seine Jünger noch an irdische Größe und ein sichtbares Königreich denken. In dieser Spannung entfaltet Er eine ernste, aber befreiende Lehre, die uns herausfordert, Ihn als den wahren Menschen-Erretter kennenzulernen, der in Seinen menschlichen Tugenden und göttlichen Eigenschaften eine völlig andere Lebensweise offenbart.

Der Menschen-Erretter entlarvt religiöse Heuchelei

Wenn der Herr Jesus auf dem Weg nach Jerusalem von dem „Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei“ spricht, berührt Er etwas sehr Verborgenes, aber Zerstörerisches. Sauerteig wirkt leise, unspektakulär, doch er durchsäuert den ganzen Teig. Ebenso ist religiöse Heuchelei kein harmloser Schönheitsfehler, sondern ein inneres Verderben, das unser ganzes geistliches Leben prägen kann. Man beginnt, Rollen zu spielen: nach außen hingegebener Jünger, nach innen aber unberührte Selbstbezogenheit. Formen, Worte und Frömmigkeit bleiben, während der innere Mensch trocken wird. Darum stellt der Menschen-Erretter die Jünger gleich am Anfang von Lukas 12 ins Licht: „Es ist aber nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt, und verborgen, was nicht erkannt werden wird“ (Lukas 12:2). Vor Ihm hat die Fassade keine Zukunft; alles, was im Verborgenen gewoben wird, ist auf dem Weg zur Enthüllung.

Indem wir uns in Gott hineinbeten, um die Reichtümer Seiner Versorgung zu genießen, erfahren wir die Göttlichkeit und die Menschlichkeit Christi. Wir genießen Seine göttlichen Eigenschaften und menschlichen Tugenden. Dann leben wir ein Leben, das den höchsten Standard der Moral hat, und dieser Standard der Moral befähigt uns, das Jubeljahr des Neuen Testaments zu genießen. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft neunundzwanzig, S. 243)

Bemerkenswert ist, wie Er diesem Gift begegnet: nicht zuerst mit Drohung, sondern mit der Wirklichkeit Gottes. Er ruft Seine Jünger nicht in ein perfektes Verhalten, sondern in eine reale Beziehung. Wer sich im Gebet in Gott hineinbetet, wer den allumfassenden Leben gebenden Geist als überreiche Versorgung erfährt, wird von innen her durchdrungen. Die göttlichen Eigenschaften Christi füllen die menschlichen Tugenden, und aus dieser inneren Wirklichkeit wächst ein Verhalten, das nicht gespielt werden muss. In einem solchen Licht wird Heuchelei beschämend und verliert ihre Anziehungskraft. Gleichzeitig zeigt der Herr, dass religiöse Heuchelei nicht nur persönlich schadet, sondern auch andere verwundet: Dort, wo die Fassade wichtiger ist als die Wahrheit, werden aufrichtige Menschen leicht zu Störfaktoren und geraten unter Druck. Dennoch stärkt Er die Seinen: „So fürchtet euch nun nicht; ihr seid mehr als viele Sperlinge“ (Lukas 12:7). Wer so vor Gott lebt, braucht nicht Menschen zu beeindrucken, sondern darf Schritt für Schritt in eine stille, aber tief befreiende Aufrichtigkeit hineinwachsen – eine Aufrichtigkeit, in der das Jubeljahr der Gnade nicht ein Thema, sondern ein erfahrener Raum der Freiheit ist.

Religiöse Heuchelei ist deshalb so gefährlich, weil sie das Licht aus dem Zentrum unseres Glaubens verdrängt und durch ein Bühnenlicht ersetzt: Man sieht vieles, aber nichts ist wirklich. Der Herr Jesus führt uns zurück zu einem Leben, das von innen her durch Ihn gestaltet ist. In Seiner Gegenwart wird unser inneres Gespräch mit Gott wichtiger als jede äußere Wirkung, und die Furcht vor dem Urteil anderer Menschen verliert an Gewicht. Aus dieser Freiheit wächst eine neue Ehrlichkeit – vor Gott, vor uns selbst und vor den Menschen –, die zugleich zerbrechlich und stark ist. Wer in dieser inneren Wahrhaftigkeit bleibt, wird vielleicht nicht immer verstanden, aber er geht mit einem leichten Herzen. Und gerade dort, wo wir lernen, vor Gott transparent zu leben, beginnt das Jubeljahr: Schulden vergangener Rollen werden losgelassen, innerer Besitzstand wird freigegeben, und wir entdecken neu, dass der Menschen-Erretter selbst unser wahres Ansehen, unsere wahre Sicherheit und unsere wahre Freude ist.

Als sich unterdessen viele Tausende der Volksmenge versammelt hatten, so daß sie einander traten, fing er an, zuerst zu seinen Jüngern zu sagen: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei. (Lk. 12:1)

Es ist aber nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt, und verborgen, was nicht erkannt werden wird; (Lk. 12:2)

Ein Leben im Licht des Menschen-Erretters schützt vor der doppelten Zerstörung der Heuchelei: vor der inneren Aushöhlung und vor der harten Haltung gegenüber anderen. Wer sich von Ihm gesehen weiß, muss nichts mehr darstellen; er lernt, seine Bedürftigkeit nicht zu verstecken und seine Stärke nicht zu inszenieren. So wächst eine stille Freiheit, in der das, was wir sagen und tun, immer weniger Bühne und immer mehr Ausdruck eines Herzens wird, das vor Gott ungeteilt geworden ist.

Freiheit von Habgier und Angst durch das Jubeljahr der Gnade

In der Begegnung mit dem Mann, der Ihn bittet, das Erbe zu teilen, entlarvt der Herr Jesus eine zweite tiefe Bindung des menschlichen Herzens: die stille Herrschaft des Besitzes. Er tritt nicht als Schiedsrichter familiärer Streitigkeiten auf, sondern legt die Wurzel frei: „Er sprach aber zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habsucht, denn auch wenn jemand Überfluß hat, besteht sein Leben nicht durch seine Habe“ (Lukas 12:15). Habsucht ist nicht nur Gier nach mehr, sie ist der Versuch, das eigene Leben über das Materielle abzusichern. Im Gleichnis vom reichen Kornbauern zeigt der Herr, wie dieser Versuch endet. Der Mann plant klug, rechnet sorgfältig, baut größer – und verliert doch genau in der Nacht seine Seele. Gott nennt ihn „Du Tor!“ (Lukas 12:20), weil er alles bedacht hatte, außer der einen Frage: Wo ist mein Leben wirklich verankert?

Dann fuhr Er fort, zu Seinen Jüngern zu sagen: „Seht zu und hütet euch vor aller Habsucht; denn niemandes Leben besteht in der Fülle seiner Habe“ (V. 15). (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft neunundzwanzig, S. 247)

Dagegen zeichnet der Menschen-Erretter eine andere Wirklichkeit: das Jubeljahr der Gnade, in dem die Besitzfrage grundlegend verschoben wird. Unser wahres Erbteil ist nicht das, was wir verwalten, sondern der Dreieine Gott selbst, den wir im Geist erfahren. Wo Er zum Schatz wird, verliert das Materielle seinen Anspruch, uns zu definieren oder zu beherrschen. Deshalb führt der Herr die Jünger von der Sorge um Vorräte in die Beobachtung der Schöpfung: „Betrachtet die Raben, die nicht säen noch ernten, die weder Vorratskammer noch Scheune haben, und Gott ernährt sie“ (Lukas 12:24). Raben und Lilien werden zu Predigern eines anderen Vertrauens. Sie leben, ohne sich zu versichern; sie blühen, ohne sich zu beweisen. In dieser Perspektive sagt der Herr: „Trachtet jedoch nach seinem Reich, und dies wird euch hinzugefügt werden“ (Lukas 12:31). Das Reich Gottes, das konkrete Erleben Seiner Herrschaft in unserem Alltag, ist das Feld des Jubeljahres; wer darin lebt, erfährt, dass der Vater weiß, was er braucht, und dass Er sich nicht nur kümmert, sondern „Wohlgefallen“ daran hat, uns das Reich zu geben (Lukas 12:32).

So befreit uns der Herr Jesus von der Macht der materiellen Dinge nicht durch romantische Geringschätzung, sondern indem Er unser Herz auf einen größeren Reichtum ausrichtet. Angst vor Verlust verliert dort an Kraft, wo unser Leben nicht mehr an Konten, Häusern oder Erfolgen befestigt ist, sondern an einem Vater, der uns kennt und trägt. Das bedeutet nicht, dass Verantwortung für das äußere Leben unwichtig wäre; aber sie rückt an ihren Platz. Besitz wird Werkzeug, nicht Identität. Sorge wird Anlass zum Vertrauen, nicht zum Kreisen um uns selbst. In dieser inneren Umordnung beginnt die Freiheit des Jubeljahres schon jetzt: Wir sind nicht mehr Gefangene dessen, was wir haben oder nicht haben, sondern Menschen, deren Herz langsam lernt, bei dem Schatz zu ruhen, der nicht veraltet und nicht verloren gehen kann.

Wer entdeckt, dass der Vater sich freut, das Reich zu geben, sieht auch das eigene Leben anders. Und gerade in Zeiten, in denen äußere Sicherheiten schwanken, kann dieses Wort leise, aber kräftig im Inneren nachklingen: Für Ihn bin ich nicht Zahl in einer Statistik, sondern Kind, dem Er Sein Reich anvertraut. Diese Gewissheit macht nicht laut, sie macht still und mutig. Sie öffnet die Hände, großzügig zu teilen, wo früher Festhalten selbstverständlich war. Und sie schenkt eine neue Freude an einfachen Dingen, weil sie nicht mehr tragen müssen, was nur Gott tragen kann: die Frage, ob mein Leben wertvoll, sicher und aufgehoben ist.

Er sprach aber zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habsucht, denn auch wenn jemand Überfluß hat, besteht sein Leben nicht durch seine Habe. (Lk. 12:15)

Gott aber sprach zu ihm: Du Tor! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Was du aber bereitet hast, für wen wird es sein? (Lk. 12:20)

Die Freiheit von Habgier und Angst wächst dort, wo die innere Frage nach Sicherheit von den Dingen weg und hin zum Vater wandert. Je mehr unser Herz lernt, Sein Reich als eigentlichen Schatz anzusehen, desto leichter werden unsere Hände – sowohl im Umgang mit Besitz als auch im Umgang mit Sorgen. In dieser Bewegung hinein wird das Jubeljahr der Gnade erfahrbar: als stille Freude daran, dass unser Leben nicht von der Menge unseres Haben, sondern von der Nähe unseres Herrn bestimmt ist.

Wachsame Treue und die drei Phasen des neutestamentlichen Jubeljahres

Nachdem der Herr Jesus vor Heuchelei, Habgier und Sorge gewarnt hat, weitet Er in Lukas 12 den Horizont noch einmal. Er stellt das Leben der Jünger in den Zusammenhang Seiner Wiederkunft und damit in die Geschichte des neutestamentlichen Jubeljahres, das über das gegenwärtige Zeitalter hinausreicht. Was wir heute im Geist als Vergebung, Befreiung und Anteil am göttlichen Erbteil erfahren, ist Vorgeschmack auf eine tiefere Teilnahme im kommenden Zeitalter und auf die volle Fülle in der ewigen Herrlichkeit. Gerade diese Perspektive macht die Frage der Wachsamkeit und Treue so ernst. Der Herr beschreibt die Seinen als Menschen, deren „Lenden umgürtet und die Lampen brennend“ sind (Lukas 12:35). Sie sitzen nicht unruhig auf gepackten Koffern, aber sie leben in einer inneren Haltung der Erwartung: Ihr Alltag ist durchzogen von der stillen Gewissheit, dass der Sohn des Menschen kommen wird, „in der Stunde, da ihr es nicht meint“ (Lukas 12:40).

Wenn wir ein Leben nach dem höchsten moralischen Maßstab führen wollen, um am neutestamentlichen Jubeljahr teilzuhaben und Gott bis zum Äußersten zu genießen, müssen wir vor Heuchelei, Habsucht und Sorge gewarnt werden. Außerdem brauchen wir noch eine weitere Warnung – die Warnung vor mangelnder Wachsamkeit und Treue. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft neunundzwanzig, S. 249)

In den Bildern vom wachsamen Diener und vom treuen Hausverwalter macht der Herr deutlich, dass unsere heutige Lebensführung nicht folgenlos bleibt. Er spricht von Sklaven, die wach bleiben, auf das Anklopfen des Herrn achten und Ihm sofort öffnen. Über sie heißt es: „Gesegnet sind jene Sklaven, die der Gebieter bei seinem Kommen wachend vorfinden wird. Wahrlich, Ich sage euch, dass er sich gürten und sie sich zu Tisch legen lassen wird, und er wird zu ihnen kommen und ihnen dienen“ (Lukas 12:37). Der Herr selbst wird zum dienenden Gastgeber; die, die Ihn während Seiner Abwesenheit ernst genommen haben, erfahren eine besonders innige Gemeinschaft, eine belohnende Teilnahme am Jubeljahr des Reiches. Umgekehrt spricht Er von einem Knecht, der das Ausbleiben des Herrn als Freibrief für Gleichgültigkeit und Missbrauch deutet. Dort wird das empfangene Licht missachtet; das führt nicht zum Verlust des ewigen Heils, aber zu erzieherischer Züchtigung im kommenden Reich. So wird die Zeit zwischen Himmelfahrt und Wiederkunft zur Vertrauenszeit: Die Art, wie wir mit dem anvertrauten „Haushalt“ umgehen, ist Antwort auf das Vertrauen, das der Herr uns entgegenbringt.

Wachsame Treue ist in diesem Licht kein nervöser Aktivismus, sondern ein gespanntes, aber ruhiges Herz. Es geht nicht darum, sich durch Leistung einen besseren Platz im Reich zu sichern, sondern darum, heute so zu leben, dass unser Leben mit dem kommenden Herrn zusammenpasst. Wo Er uns Menschen anvertraut, wird Fürsorge wichtiger als Selbstbehauptung; wo Er uns Gaben gibt, wird Dienst wichtiger als Profilierung. Und wo Er uns in unscheinbare Situationen stellt, wird gerade dort die Treue kostbar, die niemand sieht – außer Ihm. Ein solches Leben ist nicht spektakulär, aber es trägt Zukunft in sich. Es verankert das gegenwärtige Erleben des Jubeljahres in einer Hoffnung, die weiter reicht als Erfolg oder Misserfolg dieser Zeit.

In dieser Perspektive bekommt jeder Tag ein stilles Gewicht. Selbst kleine Entscheidungen – wie wir mit Worten umgehen, wie wir unsere Zeit verwenden, wie wir auf das Drängen des Geistes reagieren – sind nicht isolierte Episoden, sondern Teil einer Geschichte, die auf die Begegnung mit dem Herrn zuläuft. Das kann erschrecken, aber es will vor allem ermutigen: Unser Mühen ist nicht vergeblich, unsere scheinbar verborgene Treue wird nicht übersehen. Der Menschen-Erretter, der uns in Seinen menschlichen Tugenden und göttlichen Eigenschaften heute trägt, ist derselbe, der kommen und dienen wird. Wer auf Ihn hin wach bleibt, erfährt schon jetzt etwas von der Freude des kommenden Reiches – eine Freude, die auch durch mühsame Tage hindurch trägt und uns immer wieder neu ausrichtet: auf Ihn, der unser Anfang, unser Weg und unser kommendes Jubeljahr ist.

ES seien eure Lenden umgürtet und die Lampen brennend; (Lk. 12:35)

Gesegnet sind jene Sklaven, die der Gebieter bei seinem Kommen wachend vorfinden wird. Wahrlich, Ich sage euch, dass er sich gürten und sie sich zu Tisch legen lassen wird, und er wird zu ihnen kommen und ihnen dienen. (Lk. 12:37)

Wachsame Treue bedeutet, das Heute im Licht des Kommenden zu leben: nicht gehetzt, aber auch nicht gleichgültig. Wer seine Beziehung zum Herrn, seinen Dienst an Menschen und seinen Umgang mit den anvertrauten Dingen in dieser Perspektive sieht, entdeckt, dass kein leiser Schritt mit Ihm verloren ist. So wird das gegenwärtige Jubeljahr nicht nur als momentane Erfahrung, sondern als Beginn einer Geschichte verstanden, die in der Freude Seiner Wiederkunft ihre Vollendung findet.


Herr Jesus, Menschen-Erretter, danke, dass Du auf dem Weg nach Jerusalem nicht nach äußerem Ruhm gesucht hast, sondern bereit warst, für Religion, Kultur und die Macht des Mammon zu sterben, um uns in die wahre Freiheit Deines Jubeljahres hineinzubringen. Du kennst die Neigung unseres Herzens zu Fassade, Besitz und Angst, und doch rufst Du uns liebevoll in Dein Licht, in Deine Wahrheit und in das Vertrauen auf den Vater. Bitte erfülle uns neu mit der überreichen Versorgung Deines Geistes, reinige uns von der Heuchelei, die sich in unserem Leben eingeschlichen hat, und löse unsere Herzen von der Bindung an das Materielle. Lehre uns, zuerst Dein Reich zu suchen und im Alltag als wachsame und treue Diener zu leben, die Deine Wiederkunft erwarten. Stärke unseren Glauben dort, wo wir schwach sind, und lass uns erfahren, dass Deine Treue größer ist als unsere Unsicherheit. So bewahre uns, dass wir das Jubeljahr Deiner Gnade heute genießen und auch in dem kommenden Zeitalter in die Freude Deines Reiches eingehen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 29