Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der Dienst des Menschen-Erretters in Seinen menschlichen Tugenden mit Seinen göttlichen Eigenschaften in Galiläa (3)

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Wer die Geschichten in Lukas 5–6 liest, stößt schnell auf scheinbar lose aneinandergereihte Wunderberichte und Konflikte mit den Pharisäern. Erst beim genaueren Hinsehen wird sichtbar, dass hier wie in einem Sammelbild die innere Lage jedes gefallenen Menschen beschrieben wird: beschäftigt, innerlich verunreinigt, gelähmt, verachtet und unter religiösen Fesseln. In all dem begegnet uns Jesus nicht zuerst als strenger Richter, sondern als der Menschen-Erretter, der in echter menschlicher Zuwendung und mit göttlicher Vollmacht rettet.

Der Menschen-Erretter sieht die wahre geistliche Lage des Menschen

Wenn Lukas in den Kapiteln 5 und 6 fünf Begebenheiten hintereinanderstellt, entsteht vor unseren Augen ein zusammengesetztes Bild. Es sind nicht fünf voneinander abgelöste Einzelschicksale, sondern fünf Spiegel, die gemeinsam die wahre geistliche Lage eines gefallenen Menschen zeigen. Zuerst begegnen wir den Fischern am See, müde von einer langen, erfolglosen Nacht. Äußerlich sind sie beschäftigt, ihr Leben ist gefüllt mit Arbeit, mit dem Notwendigen, mit dem, was getan werden muss. Innerlich jedoch herrscht Leere und Blindheit für Gott, bis der Menschen-Erretter in ihr alltägliches Tun eintritt. Als Jesus das Wunder des Fischfangs wirkt und Simon Petrus plötzlich mit einer Fülle konfrontiert wird, die er sich nicht erarbeitet hat, bricht die Fassade. Mit einem Mal sieht er sich selbst im Licht dieses Herrn: „Als aber Simon Petrus es sah, fiel er zu den Knien Jesu nieder und sprach: Geh von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr“ (Lukas 5:8). Hinter der umtriebigen Beschäftigung kommt ein Herz zum Vorschein, das sich schuldig und unrein weiß.

In 5:1-6,11 haben wir einen Bericht von fünf Fällen: dem Anziehen der Beschäftigten (5,1-11), der Reinigung der Verunreinigten (5,12-16), der Heilung des Gelähmten (5,17-26), der Berufung der Verachteten (5,27-39) und dem Brechen der deformierten sabbatlichen Vorschrift zur Befriedigung und Befreiung der Menschen (6,1-11). Wir sollten diese Fälle nicht lediglich als Berichte darüber ansehen, was verschiedenen Personen widerfahren ist. Tatsächlich stellen all diese Fälle eine einzige Person dar. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft dreizehn, S. 107)

Das Gesicht dieses inneren Zustands wird noch schärfer, wenn Lukas den aussätzigen Mann schildert. Aussatz ist mehr als eine Krankheit; er steht für eine Verunreinigung, die tief ins Innere reicht, für eine Geschichte von Rebellion und Fehlwegen, die den Menschen von Gemeinschaft ausschließt. In den Bestimmungen über den Aussatz heißt es, der Aussätzige solle „abgesondert wohnen; außerhalb des Lagers soll seine Wohnung sein“ (3. Mose 13:46). So zeigt uns dieser Mann die Isolation der Seele, die sich durch Sünde von Gott und Menschen entfernt fühlt. Neben ihm liegt der Gelähmte wie ein weiteres Bild: Er weiß vielleicht, was gut ist, aber er kann es nicht tun; er kann nicht „gehen“, nicht in das hineingehen, was Gott meint. Der Wille ist gelähmt, die Seele gebunden.

Mit Levi, dem Zöllner, tritt eine andere Seite hervor: die tiefe Scham und das Empfinden, nichts wert zu sein. Als Kollaborateur der römischen Besatzungsmacht verachtet, lebt er am Rand der religiösen Gesellschaft. Er ist nicht nur schuldig, sondern gebrandmarkt – sein Beruf ist gleichsam sein Stigma. Diese innere Stimme „Du bist nicht willkommen, du gehörst nicht dazu“ findet in seinem Leben eine sichtbare Form. Schließlich führen die Sabbatkontroversen vor Augen, wie sich der gefallene Mensch sogar in religiösen Formen verstricken kann. Gebote, die zur Ruhe und zum Segen gegeben waren, werden deformiert und zu einem Geflecht von Regeln, das belastet statt befreit. Dort, wo Gottes Tag der Freude sein sollte, herrschen Kontrolle, Angst vor Übertretung und das Bedürfnis, sich vor anderen zu rechtfertigen.

Nimmt man all diese Szenen zusammen, entsteht ein einheitliches Bild: Der Mensch ist beschäftigt und doch innerlich leer, befleckt und isoliert, gelähmt im Guten, beschämt und entwertet, gefangen unter religiösen und kulturellen Mustern, die ihn nicht heilen. Der Menschen-Erretter sieht diese Lage nicht oberflächlich, sondern bis in die verborgenen Tiefen. Er übersieht weder die vergebliche Mühe der Nacht noch die verborgene Rebellion hinter dem Aussatz, weder die stille Lähmung noch die schmerzhafte Scham, weder die Last erstarrter Frömmigkeit noch das Bedürfnis nach echter Ruhe. Dass Lukas alle diese Gesichter der Not nebeneinander stellt, ist eine stille Einladung, die eigene Geschichte in diesen Spiegeln wiederzuerkennen, ohne zu verzweifeln. Denn dort, wo unser Zustand am deutlichsten ans Licht kommt, steht der Menschen-Erretter bereits im Bild. Seine Gegenwart in all diesen Szenen ist die leise Zusage: Kein Aspekt der menschlichen Verlorenheit ist ihm fremd, keiner zu tief, keiner zu verstrickt. Wer sich in einem dieser Spiegel wiederfindet, darf in denselben Geschichten auch sehen, wie nahe der Herr gerade dort kommt, wo die Not am größten ist.

Als aber Simon Petrus es sah, fiel er zu den Knien Jesu nieder und sprach: Geh von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr. (Lk. 5:8)

Alle die Tage, die der Aussatz an ihm ist, soll er unrein sein. Unrein ist er; er soll abgesondert wohnen; außerhalb des Lagers soll seine Wohnung sein. (3. Mose 13:46)

Die fünf Bilder in Lukas 5–6 laden ein, die eigene Geschichte nicht zu beschönigen, sondern im Licht des Menschen-Erretters ehrlich anzuschauen. In der Erkenntnis der eigenen Besetzung, Verunreinigung, Lähmung, Scham und religiösen Verstrickung liegt bereits der erste Trost: Jesus schaut uns längst so an. Er ist nicht überrascht von der Tiefe unserer Not, sondern ist gerade deshalb gekommen. Es ist ermutigend zu sehen, dass jeder dieser Menschen in seiner konkreten Situation von Christus gefunden wird – am Arbeitsplatz, am Rand der Stadt, auf einer Trage, am Zollhaus, inmitten religiöser Auseinandersetzungen. So verschieden die Wege sind, die uns geprägt haben, so einig ist sein Blick: Er sieht den ganzen Menschen und bleibt nicht auf Distanz. Wer sich in diesen Geschichten wiederfindet, darf erwarten, dass derselbe Menschen-Erretter auch heute in die verborgenen Schichten unseres Lebens eintritt, uns anspricht, aufdeckt – und gerade darin vorbereitet, uns zu heilen, zu reinigen, aufzurichten und zu befreien.

Menschliche Zuwendung und göttliche Macht in einer Person

Inmitten dieses vielschichtigen Elends tritt der Menschen-Erretter nicht als entrückter Wundertäter auf, sondern als einer, der sich in echter menschlicher Nähe zuwendet. Die Szene mit dem aussätzigen Mann macht dies besonders sichtbar. Ein Mann, der „voll Aussatz“ ist, wagt sich vor Jesus, fällt auf sein Angesicht und stammelt seine Bitte: „Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen“ (Lukas 5:12). Er zweifelt nicht an der Macht Jesu, sondern an seinem Willen, an seiner Zuwendung zu einem wie ihm. Die Antwort ist keine bloße Formel, sondern eine Geste, die damals alles sprengte: „Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will. Sei gereinigt! Und sogleich wich der Aussatz von ihm“ (Lukas 5:13). Jesus hätte aus der Distanz ein Wort sprechen können, doch er berührt den Unberührbaren. In dieser ausgestreckten Hand leuchtet das Mitgefühl eines Menschen, der die Einsamkeit des anderen nicht ignorieren kann; in der sofortigen Reinigung wirkt die Macht Gottes, der Sünde und Unreinheit nicht nur lindert, sondern entfernt.

Seine göttlichen Eigenschaften wurden in der Reinigung des Aussätzigen ausgedrückt. Es ist für irgendeinen Menschen unmöglich, einen Aussätzigen zu reinigen. Daher muss derjenige, der diesen Aussätzigen reinigte, Gott sein. In des Herrn Mitgefühl sehen wir Seine menschliche Tugend, und in der Reinigung des Aussätzigen sehen wir Seine göttliche Eigenschaft. Er war der wirkliche Gott-Mensch. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft dreizehn, S. 109)

Ähnlich durchdringend ist die Begegnung mit dem Gelähmten. Die Freunde lassen ihn durch das Dach direkt vor Jesus herab. Alle erwarten im ersten Moment wohl ein Heilungswort, doch Jesus setzt an einer tieferen Stelle an: „Mensch, deine Sünden sind dir vergeben“ (Lukas 5:20). Seine Zuwendung durchbricht das sichtbare Problem und trifft das Herz des unsichtbaren. Die Anwesenden reagieren empört, denn nach ihrer Überzeugung „kann Sünden vergeben außer Gott allein“ (Lukas 5:21). Gerade hier wird die Einheit seiner menschlichen Tugenden mit seinen göttlichen Eigenschaften sichtbar. Der, der voller Mitleid spricht, tut etwas, das nur Gott tun kann: Er vergibt Sünden. Um zu zeigen, dass diese unsichtbare Tat kein leeres Wort ist, sagt Jesus weiter: „Damit ihr aber wißt, daß der Sohn des Menschen Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben …“ (Lukas 5:24) und befiehlt dem Gelähmten aufzustehen. Die Vergebung, die nur Gott schenken kann, und die helfende Nähe, in der ein Mensch einem anderen aufhilft, fallen in dieser Person zusammen.

Dasselbe Ineinander von Nähe und göttlicher Autorität sehen wir, wenn Jesus Levi am Zollhaus begegnet. Er bleibt stehen, sieht ihn an und spricht: „Folge mir nach!“ (Lukas 5:27). In diesem Blick liegt Wertschätzung, im Ruf liegt Autorität, die Leben verändert. Kurz darauf sitzt Jesus mit Levi und vielen anderen Zöllnern und Sündern an einem Tisch. Auf den Vorwurf der Frommen antwortet er schlicht: „Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken; ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße“ (Lukas 5:31–32). Er sitzt nicht wie ein Richter auf einer erhöhten Bank, sondern wie ein Arzt mitten unter den Kranken. Seine Tischgemeinschaft zeigt eine menschliche Wärme, die niemanden ausgrenzt; seine Worte offenbaren die göttliche Initiative, Menschen zur Umkehr zu rufen und sie in eine neue Wirklichkeit zu versetzen.

Selbst im Streit um den Sabbat bleibt diese Einheit lebendig. Jesus stillt den Hunger seiner Jünger, erlaubt ihnen, Ähren zu pflücken, und heilt am Sabbat eine verdorrte Hand (Lukas 6:1–11). Darin zeigt sich eine Zuwendung, der der konkrete Mangel des Menschen wichtiger ist als das starre Einhalten deformierter Regeln. Zugleich tritt er mit göttlicher Autorität auf und macht deutlich, dass „der Sohn des Menschen Herr auch über den Sabbat ist“ (vgl. Lukas 6:5). Die menschliche Tugend der Barmherzigkeit verbindet sich mit der göttlichen Freiheit, das Gesetz in seinem ursprünglichen Sinn zu erfüllen. In seinem Dienst gibt es kein Auseinanderfallen zwischen fühlender, zarter Menschlichkeit und durchgreifender, heiliger Macht. Was an uns oft getrennt ist – Mitgefühl ohne Kraft oder Macht ohne Wärme – ist in ihm ungetrennt eins. Daraus wächst eine stille Zuversicht: Wo der Menschen-Erretter in unsere Geschichte eintritt, kommt uns nicht entweder ein mitfühlender Helfer oder ein mächtiger Gott entgegen, sondern derselbe Herr, dessen Herz uns berührt und dessen Vollmacht uns erneuert.

Und es geschah, als er in einer der Städte war, siehe, da war ein Mann voll Aussatz; und als er Jesus sah, fiel er auf sein Angesicht und bat ihn und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen. Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will. Sei gereinigt! Und sogleich wich der Aussatz von ihm. (Lk. 5:12-13)

Und als er ihren Glauben sah, sprach er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben. (Lk. 5:20)

Die Gestalt des Menschen-Erretters, wie sie Lukas zeichnet, nimmt der Seele die Angst vor Gott. Wer nur einen fernen, strengen Richter vor Augen hat, verschließt sich; wer nur einen gutmütigen Helfer kennt, verzweifelt an der Macht seiner eigenen Geschichte. In Jesus begegnen wir dem, der uns menschlich nah und göttlich mächtig ist. Seine ausgestreckte Hand zum Aussätzigen, sein Vergebungswort zum Gelähmten, sein Ruf an Levi und seine Freiheit gegenüber starren religiösen Formen sind unterschiedliche Ausdrucksweisen derselben Liebe. Das kann den inneren Ton ändern, in dem wir an Gott denken: weg von der Frage, ob er sich wohl abwenden wird, hin zu der Gewissheit, dass er gerade in unserer tiefsten Not schon unterwegs ist. In diesem Licht wird Buße nicht zur Drohung, sondern zur Einladung in eine Beziehung, in der unser ganzes Leben – mit Schuld, Verletzung und Verstrickung – in die Hände dessen fällt, der uns kennt, versteht und mit göttlicher Kraft erneuert.

Vom besetzten, verunreinigten Sünder zum bedeckten und erfüllten Jünger

Die Abfolge der Erzählungen in Lukas 5–6 hat eine innere Richtung. Wer dem Menschen-Erretter begegnet, bleibt nicht in dem Zustand, in dem er ihn trifft. Am Anfang stehen die Fischer, ganz von ihrer Arbeit in Beschlag genommen, ermüdet und ohne Ertrag. In diesem Alltag spricht Jesus ein Wort, das alles verschiebt: „Fahre hinaus auf die Tiefe, und laßt eure Netze zu einem Fang hinab!“ (Lukas 5:4). Der überreiche Fang wird zum Zeichen dafür, dass Leben und Berufung nicht mehr aus eigener Anstrengung, sondern aus seinem Wort hervorgehen. Petrus erkennt seine Sündhaftigkeit, doch Jesus antwortet auf sein Schuldbekenntnis nicht mit Distanz, sondern mit einem neuen Auftrag: „Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen“ (Lukas 5:10). Aus einem Mann, der sich eben noch als „sündiger Mensch“ erlebt, formt der Herr einen Jünger, dessen Leben von seiner Gemeinschaft mit Jesus bestimmt wird.

Nachdem wir von unserer Beschäftigung befreit, von unserem Aussatz gereinigt und von unserer Lähmung geheilt worden sind, werden wir im Herrn zu einer Person von Wert, denn jetzt haben wir Ihn als das neue Kleid, das uns äußerlich bedeckt, und als den neuen Wein, der uns innerlich erfüllt (Lk 5:36-39). Danach werden wir von den bindenden Vorschriften freigesetzt. Infolgedessen werden wir zu Personen, die vom Menschen-Erretter völlig errettet sind. (Witness Lee, Life-Study of Luke, Botschaft dreizehn, S. 108)

Auf diese Befreiung aus bloßer Beschäftigung folgt die Erfahrung der Reinigung. Der aussätzige Mann bleibt nicht in seinem Zustand, sondern wird augenblicklich gereinigt. Der Gelähmte bleibt nicht auf der Trage liegen, sondern „stand … vor ihnen auf, nahm auf, worauf er gelegen hatte, und ging hin in sein Haus und verherrlichte Gott“ (Lukas 5:25). Vergebung und Heilung münden in ein neues Gehen. Levi, der Zöllner, sitzt nicht mehr an seinem Zollhaus, sondern „verließ alles, stand auf und folgte ihm nach“ (Lukas 5:28). In seinem Haus entsteht eine neue Gemeinschaft: Aus einem Ort des misstrauisch beäugten Geldverkehrs wird ein Raum der Begegnung mit Christus, in dem viele andere Zöllner und Sünder mit am Tisch liegen (Lukas 5:29). Der verachtete Mann wird zum Gastgeber, der verachtete Ort wird zur Stätte der Gnade. So zeigt sich, dass der Dienst des Menschen-Erretters Menschen nicht nur aus ihrer Schuld herauslöst, sondern ihnen eine neue Würde und Aufgabe schenkt.

In den Gleichnissen vom neuen Gewand und vom neuen Wein verdichtet Jesus, was er schenkt. Er sagt: „Niemand reißt einen Flicken von einem neuen Gewand ab und setzt ihn auf ein altes Gewand … Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche … sondern neuen Wein füllt man in neue Schläuche“ (Lukas 5:36–38). Er ist nicht gekommen, etwas Altes kosmetisch zu flicken, sondern einen neuen Anfang zu schenken. Als neues Gewand bedeckt er unsere Blöße, unsere Scham, unsere Vergangenheit; als neuer Wein erfüllt er unser Inneres mit einem Leben, das aus einer anderen Quelle stammt. Wer so bedeckt und erfüllt ist, muss seine Geschichte nicht mehr ständig verteidigen oder korrigieren, sondern lebt aus dem, was Christus ihm zuspricht. In dieser Bewegung wird sichtbar, wie der gefallene Mensch in den Händen des Menschen-Erretters zu einem Menschen von Wert wird – nicht aufgrund eigener Leistung, sondern weil Christus selbst seine Würde und seinen Inhalt bildet.

Schließlich führen die Sabbatgeschichten vor Augen, dass dieser Weg nicht an neuen Formen der Knechtschaft endet. Der Menschen-Erretter befreit seine Jünger aus den deformierten Sabbatregeln, die Hunger nicht stillen und Krankheit nicht heilen. Er lässt sie Ähren pflücken und stellt die verdorrte Hand wieder her (Lukas 6:1–11). Die Hand, die vorher nutzlos war, kann nun wieder greifen, dienen, segnen. So entsteht das Bild eines Menschen, der aus Besetzung, Verunreinigung, Lähmung, Verachtung und religiöser Knechtschaft in einen Raum von Reinigung, Heilung, Wertschätzung, Erfüllung und Freiheit geführt wird. Jesu Dienst zielt nicht auf eine punktuelle Besserung, sondern auf eine Errettung, die den Menschen bis in seine Beziehungen, seine Berufung, seine Ruhe und seinen Dienst hinein erneuert. Dass er uns zugleich äußerlich bedeckt und innerlich erfüllt, lässt ahnen, wie umfassend seine Absicht mit uns ist.

Als er aber aufhörte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus auf die Tiefe, und laßt eure Netze zu einem Fang hinab! (Lk. 5:4)

Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. (Lk. 5:10)

Diese Wahrheit ermutigt dazu, vor dem Herrn still zu werden und neu zu sehen, wie Sein Leben Denken, Fühlen und Handeln von innen her prägt.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Luke, Chapter 13