Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Bewegung des Evangeliumsdienstes des Sklaven‑Erlösers (11)

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Wer im Dienst für Gott steht, erlebt oft die Spannung zwischen hoher Offenbarung und schwacher Praxis: Wir kennen Wahrheiten, aber im Alltag scheitern wir an denselben Punkten. Im Markusevangelium wird sichtbar, wie die Jünger trotz der großen Offenbarung von Jesu Tod und Auferstehung noch lernen müssen, aus seiner statt aus eigener Kraft zu leben – mitten in Versagen, Konkurrenzdenken und Enge gegenüber anderen Gläubigen. Gerade hier offenbart sich die Bewegung des Evangeliumsdienstes des Sklaven-Erlösers: Er bleibt bei seinen Jüngern, deckt ihre inneren Motive auf und führt sie in eine Lebensweise des „nicht ich, sondern Christus“ hinein.

Gebet als gelebtes „nicht ich, sondern Christus“

Wenn der Herr vom Berg der Umgestaltung herabsteigt, tritt er direkt in eine Szene der Ohnmacht hinein. Unten im Tal diskutieren Schriftgelehrte mit seinen Jüngern, ein Vater ist verzweifelt, ein Kind wird von einem stummen und tauben Geist gequält – und die Jünger, die schon Dämonen ausgetrieben hatten, können hier nichts ausrichten. Es heißt: „Und ich sagte deinen Jüngern, daß sie ihn austreiben möchten, und sie konnten es nicht“ (Markus 9:18). Nicht der Dämon ist plötzlich stärker geworden, sondern etwas in den Jüngern ist schwach: Sie handeln mit der richtigen Form, aber ohne innere Verbindung. Der Herr fasst das in einem Satz zusammen: „Diese Art kann durch nichts ausfahren als nur durch Gebet“ (Markus 9:29). Damit öffnet er einen Blick hinter die sichtbare Handlung. Für ihn ist Gebet nicht ein religiöser Zusatz vor dem Dienst, sondern die verborgene Wurzel, aus der heraus geistliche Autorität wächst.

Beten bedeutet, dass wir erkennen, dass wir nichts sind und nichts tun können. Das heißt, dass das Gebet die eigentliche Verleugnung des Selbst ist. Zu beten heißt also, uns selbst zu verleugnen, im Bewusstsein, dass wir nichts sind und zu nichts imstande sind. Darüber hinaus ist Beten in Wirklichkeit ein Bekenntnis: „Nicht ich, sondern Christus.“ (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft siebenundzwanzig, S. 241)

In diesem Licht bekommt Gebet eine sehr einfache, aber radikale Bedeutung. Gebet ist das stille Eingeständnis: Ich bin nicht die Quelle, ich habe keine eigene Kraft, ich kann aus mir selbst nichts bewirken. Paulus bringt dieselbe Linie auf den Punkt, wenn er schreibt: „Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ (Galater 2:20). Das Gebet, von dem Markus 9 spricht, ist die praktische Weise, wie dieses „nicht ich, sondern Christus“ in einer konkreten Situation Wirklichkeit wird. Solange wir meinen, wir könnten aus Erfahrung, aus erlernten Mustern oder aus starkem Willen handeln, ist unser Inneres noch auf das Selbst eingestellt. Wir können richtige Worte gebrauchen, und doch in unserem eigenen Namen agieren. Der Herr zeigt an diesem Kind, wie tief manche Bindungen reichen: stumm, taub, immer wieder ins Feuer und ins Wasser gestoßen (Markus 9:21-22). Solche „Arten“ von Verstrickungen – festgewachsene Muster, eingefleischte Reaktionen, innere Lähmungen – weichen nicht, wenn nur die Technik verbessert wird, sondern dort, wo ein Mensch innerlich umschaltet: weg vom Selbstvertrauen, hin zum Vertrauen auf die Person Christi.

Dieses Umschalten kann leise und unspektakulär sein. Manchmal ist es nicht mehr als ein aufrichtiges Rufen: „Herr Jesus“, gesprochen aus einem Herzen, das weiß: Meine Weisheit reicht hier nicht, meine Geduld ist zu Ende, meine Kraft ist aufgebraucht. In diesem Rufen liegt bereits ein inneres Sterben des alten Menschen; wir treten beiseite und lassen den Raum frei für den, der durch Tod und Auferstehung gegangen ist. Der Herr hatte seine Jünger kurz zuvor belehrt: „Der Sohn des Menschen wird überliefert in der Menschen Hände, und sie werden ihn töten; und nachdem er getötet worden ist, wird er nach drei Tagen auferstehen“ (Markus 9:31). Solange diese Worte nur Lehre bleiben, verändern sie wenig. Doch wenn wir im Gebet praktizieren, was sie bedeuten – dass sein Tod unser Ende und seine Auferstehung unser Anfang ist –, beginnt sein Leben tatsächlich, an unserer Stelle zu handeln.

So wird Gebet zu einem stillen Ort des Tausches: Unserer Erschöpfung begegnet seine Ausdauer, unserer Ratlosigkeit seine Weisheit, unserer inneren Unruhe sein Friede. Wenn der Vater des Kindes schließlich ruft: „Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9:24), dann liegt auch darin dieses Loslassen der eigenen Fähigkeit. Das ist kein makelloser Glaube, sondern ein gebrochenes Herz, das den Herrn an seine Stelle einlädt. Gerade in solcher Ehrlichkeit ehrt ein Mensch Gott. Und der Sklaven‑Erlöser antwortet nicht mit Vorwurf, sondern mit befreiender Macht. Wo Gebet diesen Charakter annimmt – weg von der eigenen Bedeutung, hin zu Christus als Mitte und Quelle –, wird aus einer hoffnungslosen Lage ein Ort, an dem seine Herrschaft sichtbar wird.

und wo er ihn auch ergreift, zerrt er ihn zu Boden, und er schäumt und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich sagte deinen Jüngern, daß sie ihn austreiben möchten, und sie konnten es nicht. (Mk. 9:18)

Sogleich schrie der Vater des Kindes und sagte: Ich glaube. Hilf meinem Unglauben! (Mk. 9:24)

Gebet als Verleugnung des Selbst bedeutet, im Alltag immer wieder diesen inneren Schritt zu vollziehen: die eigenen Möglichkeiten nicht absolut zu setzen, sondern in der Gegenwart des Herrn auszusprechen, wie begrenzt sie sind. Gerade dort, wo wir uns mit hartnäckigen Themen konfrontiert sehen – in Beziehungen, in Charakterfragen, im Dienst –, wird die Erinnerung an Markus 9:29 zur Hilfe. Sie lädt dazu ein, nicht in verbissiger Selbstoptimierung stecken zu bleiben, sondern Christus als den eigentlichen Handelnden gelten zu lassen. So entsteht ein Leben, das sich nicht an der eigenen Stärke festhält, sondern in vielen kleinen, schlichten Gebeten den Platz räumt für seine wirksame Gnade.

Demut: Größe im Licht des Sklaven-Erlösers

Auf dem Weg durch Galiläa spricht der Herr zum ersten Mal in aller Klarheit über seinen bevorstehenden Tod und seine Auferstehung: „Der Sohn des Menschen wird überliefert in der Menschen Hände, und sie werden ihn töten; und nachdem er getötet worden ist, wird er nach drei Tagen auferstehen“ (Markus 9:31). Die Jünger hören diese Worte, aber sie dringen noch nicht in ihr Inneres ein; es heißt, sie verstanden die Rede nicht und fürchteten sich, nachzufragen (Markus 9:32). Während Jesus die Last des Kreuzes auf sich nimmt, sind ihre Gedanken mit etwas anderem beschäftigt. Als sie in Kapernaum ankommen und im Haus sind, stellt der Herr eine scheinbar einfache Frage: „Was habt ihr unterwegs besprochen?“ (Markus 9:33). Schweigen ist die Antwort, denn sie hatten „untereinander besprochen, wer der Größte sei“ (Markus 9:34). Hier prallen zwei Sichtweisen von Größe frontal aufeinander: die Demut des Sklaven‑Erlösers, der sich in die Hände der Menschen überliefern lässt, und das subtile Streben der Jünger nach Rang und Ansehen.

Weißt du, was Demut ist? Wie beim Gebet bedeutet Demut, dass wir nichts sind. Demut heißt: „Nicht mehr ich, sondern Christus.“ Hier lehrt der Herr die Jünger dieselbe Lektion wie in dem Fall, als der stumme Geist ausgetrieben wurde. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft siebenundzwanzig, S. 244)

Jesus reagiert nicht mit Spott, sondern mit einem Bild, das sich tief einprägt. Er setzt sich, ruft die Zwölf und sagt: „Wenn jemand der Erste sein will, soll er der Letzte von allen und aller Diener sein“ (Markus 9:35). Dann stellt er ein Kind in die Mitte, nimmt es in seine Arme und verbindet wahre Größe mit der Bereitschaft, das Kleinste in seinem Namen aufzunehmen (Markus 9:36-37). In dieser Geste steckt eine stille Revolution. Demut ist nicht einfach ein taktvoller Umgangston oder das Vermeiden großer Worte über sich selbst. Demut bedeutet, dass ich mich nicht mehr als Mittelpunkt der Geschichte verstehe, dass ich mich nicht ständig im inneren Vergleich mit anderen messe. Sie ist die Haltung eines Menschen, der innerlich weiß: Ich bin vor Gott nicht mehr und nicht weniger als jemand, der Gnade empfangen hat. In diesem Sinn wird Demut zu einer weiteren Weise, das „Nicht mehr ich, sondern Christus“ (Galater 2:20) gelebte Wirklichkeit werden zu lassen.

Die Verbindung zwischen der Ankündigung des Kreuzes und der Lektion über Demut ist nicht zufällig. Der Weg, den der Herr als Sohn des Menschen geht, ist der Weg nach unten. Paulus beschreibt ihn so: Er „erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz“ (Philipper 2:8). Indem Jesus seinen Jüngern sagt, dass der Erste der Letzte sein soll, lädt er sie in denselben Weg ein, den er selbst geht. Wer ihm folgt, lernt, dass Ehrgeiz und Vergleichsdenken nicht einfach durch neue Vorsätze gezähmt werden. Sie werden an das Kreuz gebunden. Die alte Freude, über anderen zu stehen, verliert ihre Kraft, wenn ein Mensch im Licht des gekreuzigten Herrn sich selbst erkennt. Zugleich schenkt seine Auferstehung ein neues Herz, das tatsächlich Freude daran findet, anderen zu dienen, ohne ständig an die eigene Sichtbarkeit zu denken.

Wenn Demut so verstanden wird, verliert sie ihren moralischen Beigeschmack und wird zu einer befreienden Wirklichkeit. Sie ist kein krampfhaftes Kleinmachen, sondern die Frucht eines neu geordneten Mittelpunktes. Wo Christus die Mitte ist, muss ich nicht mehr um meinen Platz kämpfen. Dann kann ich die „Kinder“, die Unscheinbaren, die Unreifen, gelassen aufnehmen, wie sie sind, denn ich vertraue darauf, dass der Herr selbst sich um seine Ehre kümmert. Die Worte Jesu „Wer eins von solchen Kindern aufnehmen wird in meinem Namen, nimmt mich auf“ (Markus 9:37) zeigen, wie ernst er diese Haltung nimmt: In unserem Umgang mit den Kleinen spiegelt sich, wie wir ihn selbst sehen. Gerade hier wird Demut konkret – nicht in besonderen Momenten, sondern im täglichen Miteinander, wo niemand zuschaut.

Denn er lehrte seine Jünger und sprach zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird überliefert in der Menschen Hände, und sie werden ihn töten; und nachdem er getötet worden ist, wird er nach drei Tagen auferstehen. (Mk. 9:31)

Und er setzte sich, rief die Zwölf, und er spricht zu ihnen: Wenn jemand der Erste sein will, soll er der Letzte von allen und aller Diener sein. (Mk. 9:35)

Demut im Licht des Sklaven‑Erlösers heißt, den inneren Maßstab für Bedeutung zu verändern. Wo das Kreuz den alten Ehrgeiz entmachtet und die Auferstehung Christi ein neues Herz schenkt, entsteht eine Freiheit, anderen zu dienen, ohne sich ständig an ihnen zu messen. Markus 9 lädt ein, diese Sichtweise in den gewöhnlichen Beziehungen und Diensten zu pflegen: nicht als moralische Anstrengung, sondern als Ausdruck eines Lebens, in dem Christus selbst die Mitte ist. Auf diesem Weg wächst ein stiller Mut, freiwillig den letzten Platz einzunehmen und darin zu entdecken, dass der Herr gerade dort seine Nähe und seinen Trost schenkt.

Weitherzige Toleranz als Schutz der Einheit

Kaum hat der Herr die Jünger in die Demut eingeführt, zeigt sich eine andere Seite ihres natürlichen Denkens. Johannes tritt hervor und berichtet mit einem gewissen Stolz: „Lehrer, wir sahen jemand, der uns nicht nachfolgt, Dämonen austreiben in deinem Namen; und wir wehrten ihm, weil er uns nicht nachfolgt“ (Markus 9:38). Hinter diesem Satz steht mehr als bloßer Übereifer. Es zeigt sich ein enger Geist, der die Wirksamkeit des Namens Jesu an die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe bindet. Die Jünger haben begonnen, ihren Kreis mit Christus zu identifizieren: Nur wer bei „uns“ ist, soll in seinem Namen handeln dürfen. So unmerklich kann aus echter Bindung an den Herrn eine Form geistlicher Besitzansprüche werden.

In 9:38 sagte Johannes, einer der Donnersöhne, plötzlich zum Herrn: „Lehrer, wir haben jemanden gesehen, der in deinem Namen Dämonen austreibt und uns nicht folgt, und wir haben es ihm verboten, weil er uns nicht folgte.“ Das war das ungestüme Handeln des Johannes als eines Donnersohnes. Dieses Handeln stand im Widerspruch zur Tugend des Sklaven‑Erlösers, den er begleitete. (Witness Lee, Life-Study of Mark, Botschaft siebenundzwanzig, S. 245)

Die Antwort Jesu ist überraschend klar und zugleich weitherzig: „Wehrt ihm nicht, denn es ist niemand, der ein Wunder in meinem Namen tun und bald darauf schlecht von mir reden kann. Denn wer nicht gegen uns ist, ist für uns“ (Markus 9:39-40). Er verschiebt den Maßstab weg von der Frage der Gruppenzugehörigkeit hin zur Beziehung zu seiner Person und seinem Namen. Entscheidend ist, ob in seinem Namen tatsächlich geholfen, befreit, geheilt wird – nicht, ob der Handelnde in das bekannte Muster passt. Gleichzeitig relativiert er die Hierarchie der Dienste, wenn er sagt: „Denn wer euch einen Becher Wasser zu trinken geben wird in (meinem) Namen, weil ihr Christus angehört, wahrlich, ich sage euch: er wird seinen Lohn nicht verlieren“ (Markus 9:41). Zwischen einem spektakulären Wunder und einem einfachen Becher Wasser spannt sich eine weite Skala. Beides kann im gleichen Namen geschehen, beides ist kostbar vor Gott.

Mit dieser Korrektur stellt sich Jesus in eine Linie, die wir bereits im Alten Testament sehen. Als in 4. Mose 11 der Geist Gottes auf Männer kommt, die nicht zur unmittelbaren Führungsgruppe gehören, ruft Josua: „Mein Herr, Mose, halte sie zurück!“ (4. Mose 11:28). Mose aber antwortet: „Möchte doch das ganze Volk des HERRN Propheten sein, daß der HERR seinen Geist auf sie legte!“ (4. Mose 11:29). Er freut sich, wenn Gott seine Gaben breiter austeilt, und fühlt sich dadurch nicht bedroht. Ähnlich spricht Paulus im Blick auf unterschiedliche Motive der Verkündigung: „Was macht es denn? Doch auf alle Weise, sei es zum Vorwand oder in Wahrheit, wird Christus verkündigt; und darüber freue ich mich“ (Philipper 1:18). Diese Stimmen zeugen von einem weitherzigen Herzen, das zuerst darauf achtet, dass Gott selbst geehrt und Menschen geholfen wird – selbst wenn die Formen und Motive unvollkommen sind.

Die tiefe Wurzel eines engen Geistes ist häufig nicht reine Lehrtreue, sondern ein verborgener Wunsch nach Bedeutung und Kontrolle. Wer seine Identität stark aus einer bestimmten Gruppe, Tradition oder Form des Dienstes bezieht, erlebt andere leicht als Bedrohung. Dann wird nicht mehr geprüft, ob der Name Jesu geehrt wird, sondern ob das eigene Profil klar bleibt. Jesus entlarvt diese Haltung, ohne die Jünger bloßzustellen. Er zeigt ihnen, dass seine Tugend als Sklaven‑Erlöser anders ist: Er dient bereitwillig, er freut sich, wenn andere in seinem Namen Gutes tun, und er nimmt es ernst, wenn die Kleinsten verletzt werden. Darum steht die Warnung direkt im Anschluss: „Und wer einem der Kleinen, die glauben, Anlaß zur Sünde gibt, für den wäre es besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde“ (Markus 9:42). Weitherzigkeit ist keine Gleichgültigkeit gegenüber Schaden, der den Kleinen zugefügt wird, sondern ein Schutzraum, in dem sie nicht durch unseren Ehrgeiz zerrieben werden.

JOHANNES sagte zu ihm: Lehrer, wir sahen jemand, der uns nicht nachfolgt, Dämonen austreiben in deinem Namen; und wir wehrten ihm, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus aber sprach: Wehrt ihm nicht, denn es ist niemand, der ein Wunder in meinem Namen tun und bald darauf schlecht von mir reden kann. Denn wer nicht gegen uns ist, ist für uns. (Mk. 9:38-40)

Denn wer euch einen Becher Wasser zu trinken geben wird in (meinem) Namen, weil ihr Christus angehört, wahrlich, ich sage euch: er wird seinen Lohn nicht verlieren. (Mk. 9:41)

Weitherzige Toleranz im Sinn von Markus 9 heißt, aufmerksam zu bleiben für das, was der Herr selbst durch andere tut – auch dann, wenn ihre Wege und Formen nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen. Sie lädt dazu ein, die eigene Identität weniger aus Zugehörigkeiten und Profilen zu beziehen und stärker aus der Beziehung zu Christus selbst. So wird das Herz freier, sich an seinem Wirken zu freuen, wo immer sein Name in Wahrheit angerufen wird, und zugleich wachsam zu bleiben, wo „Kleine“ gefährdet sind. In dieser Mischung aus Freude an der Gnade und Ernst für die Schwachen wächst eine Einheit, die nicht von Menschen konstruiert ist, sondern aus der Gegenwart des Sklaven‑Erlösers lebt.


Herr Jesus Christus, Sklaven-Erlöser, vor Dir bekennen wir, wie schnell wir in eigener Kraft handeln, um geistliche Probleme zu lösen, und wie oft unser Herz nach Größe und Anerkennung sucht. Danke, dass Dein Tod unser altes Leben ans Kreuz bringt und Deine Auferstehung uns ein neues, demütiges und weitherziges Herz schenkt. Lehre uns, im Verborgenen zu leben, was wir in Deinem Wort sehen: nicht mehr wir, sondern Du in uns. Wo wir an uns selbst verzweifeln, lass uns im schlichten Rufen Deines Namens Deine wirksame Gegenwart erfahren. Heile unsere Beziehungen, reinige unsere Motive im Dienst und bewahre uns vor Enge und Konkurrenz gegenüber anderen Gläubigen. Erfülle uns mit Deiner Demut, damit Dein Evangelium durch unsere Schwachheit hindurch leuchten kann und Dein Leib in Liebe aufgebaut wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Mark, Chapter 27