Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der Sieg des Königs

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Manchmal wirkt das Leben des Glaubens kompliziert und schwer zu fassen – bis wir neu vor den Gekreuzigten und Auferstandenen gestellt werden. Matthäus zeigt uns, wie gerade im scheinbaren Scheitern des Kreuzes der Sieg des Königs sichtbar wird: Gott selbst steht mit seiner Gerechtigkeit dahinter, bestätigt den Sohn durch die Auferstehung und setzt ihn als König seines Reiches ein. Von dort her bekommt unser Dienst, unser Blick auf die Gemeinde und sogar unser Blick auf die Zukunft eine klare Richtung.

Die Auferstehung des Königs und die Gerechtigkeit Gottes

Die Auferstehung Jesu ist nicht nur ein Triumph der Macht, sondern ein Entscheid in der himmlischen Gerichtshalle. Am Kreuz hat der Vater seinen eigenen Sohn als unseren Stellvertreter behandelt. Dort traf ihn nicht zuerst die Grausamkeit der Menschen, sondern die heilige Gerechtigkeit Gottes. Er nahm die Stellung des Schuldigen ein, ohne selbst Sünde zu haben, und ließ sich unter alle Forderungen der göttlichen Gerechtigkeit stellen. Darum heißt es über uns: „Oder wisst ihr nicht, dass alle von uns, die in Christus Jesus hineingetauft worden sind, in Seinen Tod hineingetauft worden sind?“ (Röm. 6:3). In diesem Tod wurde alles, was gegen uns sprach, vor Gott abgegolten. Wenn aber die ganze Forderung bezahlt ist, darf keine Schuld mehr festgehalten werden. So wurde die Auferstehung zu einem Rechtsakt: Der Vater bestätigt öffentlich, dass das Opfer des Sohnes genügt. Würde Christus im Tod bleiben, wäre Gott ungerecht gegenüber dem, der die Gerechtigkeit vollkommen erfüllt hat.

Die Auferstehung Christi war eine Frage der Gerechtigkeit Gottes. Hast du die Auferstehung Christi schon einmal unter diesem Gesichtspunkt betrachtet? Gott handelte gerecht, als Er kam, um Christus als unseren Stellvertreter am Kreuz zu richten. Dieses Gericht über Christus am Kreuz war recht und gerecht. Dadurch, dass Christus von Gott gerichtet wurde, erfüllte Er alle Anforderungen der Gerechtigkeit Gottes. Er trug unsere Sünden am Kreuz, um allen gerechten Forderungen Gottes vollkommen zu entsprechen. So ist durch den Tod Christi am Kreuz die Gerechtigkeit Gottes völlig zufriedengestellt worden. (Witness Lee, Life-Study of Matthew, Botschaft zweiundsiebzig, S. 821)

Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die dunkle Episode der bestochenen Soldaten ein scharfes Profil. Menschen versuchen, das Licht zu verdunkeln, indem sie eine Lüge zur offiziellen Version machen. Religion und Macht verbünden sich, um den auferstandenen König unsichtbar zu halten. Doch gerade diese Unwahrhaftigkeit hebt das Handeln des Vaters hervor, der nicht taktisch, sondern gerecht entscheidet. In der Sphäre der Auferstehung zählt nicht mehr, was Menschen behaupten, sondern was Gott über seinen Sohn sagt. „Wir sind darum zusammen mit Ihm begraben worden durch die Taufe in Seinen Tod hinein, damit, gleichwie Christus von den Toten auferweckt wurde durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in der Neuheit des Lebens wandeln können“ (Röm. 6:4). Wer an Christus gebunden ist, steht unter demselben Urteilsspruch: gerechtfertigt, auferweckt, hineingenommen in eine neue Ordnung.

Darin liegt eine stille, aber tragende Zuversicht. Unser Verhältnis zu Gott hängt nicht an wechselhaften Empfindungen, sondern an seiner verlässlichen Gerechtigkeit. Das Königreich der Himmel ruht auf diesem Fundament: Gott bleibt dem Werk seines Sohnes treu, selbst wenn unser Herz schwankt und Anklagen – von außen oder innen – laut werden. Die Auferstehung des Königs ist die Zusage, dass kein ehrliches Vertrauen auf ihn ins Leere fällt. Wo das tief ins Bewusstsein sinkt, entsteht eine andere Art von Gewissheit: keine laute Überheblichkeit, sondern eine ruhige Freiheit, vor Gott zu stehen, weil sein gerechtes Urteil über Christus auch unser Urteil geworden ist.

Oder wisst ihr nicht, dass alle von uns, die in Christus Jesus hineingetauft worden sind, in Seinen Tod hineingetauft worden sind? (Röm. 6:3)

Wir sind darum zusammen mit Ihm begraben worden durch die Taufe in Seinen Tod hinein, damit, gleichwie Christus von den Toten auferweckt wurde durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in der Neuheit des Lebens wandeln können. (Röm. 6:4)

Wer sich der Auferstehung als Werk der Gerechtigkeit Gottes aussetzt, findet einen Ort, an dem Schuld und Selbstanklage ihre letzte Deutung verlieren: nicht im Vergessen, sondern im vollzogenen Gericht am Kreuz. Aus dieser zugesprochenen Gerechtigkeit erwächst ein Leben, das nicht mehr ständig seinen Status vor Gott überprüfen muss, sondern in der „Neuheit des Lebens“ Schritte wagen kann. So wird der Alltag zu einem Raum, in dem die stille Kraft des gerechtfertigten Lebens sichtbar werden darf – getragen von dem Wissen, dass der auferstandene König für uns einsteht.

Der König mit aller Autorität und der Auftrag, die Nationen zu Jüngern zu machen

Auf dem Berg in Galiläa tritt der auferstandene Jesus nicht nur als tröstender Freund, sondern als König vor seine Jünger. Seine Worte sind schlicht und ungeheuer: „Darum geht hin und macht alle Nationen zu Jüngern, wobei ihr sie tauft hinein in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt. 28:19). Zuvor hat er gesagt, dass ihm alle Autorität im Himmel und auf Erden gegeben ist. Hier spricht der Sohn des Menschen, der den Weg durch Leiden und Tod gegangen ist, und empfängt als verherrlichter König die universale Vollmacht. Es ist die rechtmäßige Herrschaft dessen, der als Lamm geschlachtet wurde und eben darum würdig ist, zu regieren.

Vers 18 lautet: „Und Jesus trat zu ihnen und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.“ In Seiner Göttlichkeit als der einziggeborene Sohn Gottes hatte der Herr Vollmacht über alles. In Seiner Menschlichkeit jedoch, als der Sohn des Menschen, der König des himmlischen Königreichs zu sein, wurde Ihm nach Seiner Auferstehung alle Vollmacht im Himmel und auf Erden gegeben. (Witness Lee, Life-Study of Matthew, Botschaft zweiundsiebzig, S. 826)

Von dieser Autorität her gewinnt der Auftrag eine eigene Farbe. Es geht nicht nur darum, eine Lehre zu verbreiten, sondern Menschen aus einem Herrschaftsbereich in einen anderen zu versetzen. Wenn sie „hinein in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ getauft werden, treten sie sichtbar in eine neue Wirklichkeit ein: Der dreieine Gott nimmt sie in seine Lebensgemeinschaft auf, und ihre alte Geschichte wird an den Tod Christi gebunden. So beschreibt es Paulus: „Denn so viele von euch in Christus hineingetauft worden sind, haben Christus angezogen“ (Gal. 3:27). Die Taufe ist dabei nicht magische Handlung, sondern Zeichen dessen, was der König in seiner Autorität wirkt: Er sammelt sich ein Volk des Königreichs, das als Leib Christi durch die gemeinsame Teilhabe an seinem Leben geprägt wird.

Gerade weil der Auftrag auf der Autorität des Königs ruht, trägt er eine tiefe Gelassenheit in sich. Der Erfolg des Evangeliums hängt nicht an Überredungskunst oder kultureller Überlegenheit, sondern an der Wirksamkeit des erhobenen Herrn. Wo Menschen aus verschiedenen Nationen zu Jüngern werden, spiegelt sich seine Herrschaft wider, die Grenzen, Verletzungen und Feindschaften übersteigt. Das kann verborgen, unscheinbar und von vielen Rückschlägen begleitet sein, doch hinter allem steht der, dem alle Autorität übertragen ist. Diese Perspektive bewahrt vor Mutlosigkeit und vor Selbstüberschätzung: Die Sendung ist groß, aber sie steht unter einem bereits gesprochenen königlichen Wort.

Darum geht hin und macht alle Nationen zu Jüngern, wobei ihr sie tauft hinein in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, (Mt. 28:19)

Denn so viele von euch in Christus hineingetauft worden sind, haben Christus angezogen. (Gal. 3:27)

Wer den Auftrag, die Nationen zu Jüngern zu machen, aus der Autorität des Königs her versteht, wird weder in Aktivismus noch in Resignation verfallen. Das eigene Zeugnis wird zu einer Teilnahme an seinem königlichen Handeln, nicht zu einem Projekt der Selbstverwirklichung. So entsteht eine stille Bereitschaft, Menschen in die Lebensgemeinschaft mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist hineinzubegleiten und zugleich zu vertrauen, dass der Herr selbst sein Volk sammelt. In dieser Haltung kann der Weg mühsam sein und doch von einer verborgenen Freude getragen werden, weil der König seine Autorität zum Heil der Welt einsetzt.

Die Gegenwart des Königs bis zur Vollendung des Zeitalters

Am Ende des Matthäusevangeliums steht nicht nur ein Auftrag, sondern eine Zusage, die alles trägt: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“ (Mt. 28:20). Der, dem alle Autorität gegeben ist, entzieht sich nicht hinter den Horizont der Geschichte, sondern bindet sich an seine Jünger. Der Name Immanuel – Gott mit uns – erhält nach Kreuz und Auferstehung eine neue Tiefe: Der Herr ist nicht mehr nur in Galiläa oder Jerusalem, sondern in seiner Auferstehung gegenwärtig, überall dort, wo sein Name angerufen und sein Wort aufgenommen wird.

In Vers 20 sagte der Herr zu seinen Jüngern: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“ Der himmlische König ist Immanuel, Gott mit uns (1:23). Hier versprach er, in seiner Auferstehung mit aller Vollmacht alle Tage bei uns zu sein bis zur Vollendung des Zeitalters, das heißt bis zum Ende dieses Zeitalters. Daher ist er überall dort, wo wir in seinem Namen versammelt sind, in unserer Mitte (18:20). (Witness Lee, Life-Study of Matthew, Botschaft zweiundsiebzig, S. 831)

Diese Gegenwart ist unsichtbar und doch höchst wirksam. Die ersten Christen erfuhren das mitten in Anfeindung und falschen Anschuldigungen. Über Paulus heißt es: „Denn wir haben diesen Mann als eine Pest befunden und als einen, der unter allen Juden, die auf dem Erdkreis sind, Aufruhr erregt, und als einen Anführer der Sekte der Nazoräer“ (Apg. 24:5). Während Gerichte tagen und Verleumdungen ausgesprochen werden, bleibt der auferstandene König an der Seite seines Zeugen. Die Gemeinde lebt von Anfang an in einem Spannungsfeld aus Widerstand, Missverständnis und verborgener Treue Christi. Seine Zusage, bei uns zu sein, gilt nicht erst, wenn alles gelingt, sondern gerade in den Tagen der Unsicherheit und des Drucks.

Der Blick auf die „Vollendung des Zeitalters“ öffnet darüber hinaus eine lange Perspektive. Die Geschichte läuft nicht blind, sondern bewegt sich auf den Tag zu, an dem der König sichtbar wiederkommen und sein Königreich in seiner ganzen Herrlichkeit offenbaren wird. Bis dahin lebt die Gemeinde in einer Zwischenzeit: Das Königreich ist schon da und doch noch nicht voll offenbar; der König ist gegenwärtig und doch noch nicht für alle Augen zu sehen. Die Verheißung seiner Nähe hält diese Spannung aus. Sie bewahrt davor, im Heute zu verbittern oder im Morgen zu fliehen. Wer in dieser Zusage lebt, kann die Mühen der Gegenwart ernst nehmen und zugleich im Herzen mit der kommenden Vollendung rechnen.

So wird die Gegenwart des Königs zu einer stillen Quelle der Hoffnung. Sie nimmt der Zeit ihre letzte Bedrohlichkeit, ohne ihre Ernsthaftigkeit zu verharmlosen. Die Tage, die kommen, sind nicht zufällig, sondern werden von dem begleitet, der versprochen hat, nicht zu weichen. Darin liegt eine leise Ermutigung: Kein Schritt auf dem Weg des Glaubens geht außerhalb seines Blickes, und keine Aufgabe im Dienst seines Königreichs muss in eigener Kraft getragen werden. Die Wirklichkeit seines „Ich bin bei euch“ macht die Zeit bis zur Vollendung des Zeitalters zu einem Raum, in dem Vertrauen wachsen kann – auch mitten in Kampf, Fragen und Ungewissheiten.

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters. (Mt. 28:20)

Denn wir haben diesen Mann als eine Pest befunden und als einen, der unter allen Juden, die auf dem Erdkreis sind, Aufruhr erregt, und als einen Anführer der Sekte der Nazoräer; (Apg. 24:5)

Wer die Zusage des Königs, alle Tage nahe zu sein, im Herzen bewegt, findet eine andere Art, mit den Spannungen der Zeit umzugehen. Sorgen, Widerstand und das langsame Vorankommen des Evangeliums verlieren nicht ihre Schwere, aber sie stehen unter dem Licht seiner Gegenwart. Aus dieser Gewissheit entstehen kleine, unspektakuläre Akte der Treue, die nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus getragener Hoffnung leben. So wird das Warten auf die Vollendung des Zeitalters nicht zur Flucht vor der Wirklichkeit, sondern zu einem Weg, auf dem die Nähe des auferstandenen Herrn Schritt für Schritt erfahrbar wird.


Herr Jesus Christus, du auferstandener König, wir beten dich an, weil du durch dein Kreuz alle Forderungen der Gerechtigkeit Gottes erfüllt und durch deine Auferstehung den Weg in ein neues Leben geöffnet hast. Danke, dass du als gerechter König mit aller Autorität im Himmel und auf Erden regierst und uns in deine Gemeinschaft hineingenommen hast. Stärke in uns das Vertrauen, dass deine Gerechtigkeit größer ist als unsere Schuld und die Ungerechtigkeit dieser Welt, und dass deine unsichtbare Gegenwart uns auch in Dunkelheit und Widerspruch trägt. Lass dein Königreich in unserem Denken, in unseren Beziehungen und in deiner Gemeinde sichtbar werden, damit viele Menschen den Ruf des Königs hören und deine rettende Herrschaft kennenlernen. Halte unsere Hoffnung lebendig auf den Tag, an dem deine Herrschaft offenbart und deine Gerechtigkeit vor aller Welt sichtbar sein wird. Dir sei Ehre in deiner Gemeinde – heute und bis zur Vollendung des Zeitalters. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Matthew, Chapter 72