Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Fortsetzung des Dienstes des Königs (5) und die Ausweitung des Dienstes des Königs (1)

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Manche Evangelienberichte können wie eine Aneinanderreihung von Wundergeschichten wirken – Heilungen, Befreiungen, Predigten, Reisen von Stadt zu Stadt. Doch hinter diesen Ereignissen steht ein durchdachter Weg Gottes: Durch alles, was Jesus tut, entsteht eine geistliche Atmosphäre, in der immer neue Seiten seiner Person sichtbar werden. So entfaltet sich Schritt für Schritt, wer dieser König wirklich ist, wie Gott mit Israel und den Nationen umgeht und welchen Platz wir in seinem fortgehenden Dienst haben.

Der Dienst des Königs schafft die Umgebung für seine Offenbarung

Wenn Matthäus den weiteren Weg Jesu beschreibt, hält er nicht zuerst eine dogmatische Vorlesung über die Person des Messias. Er zeichnet vielmehr, wie der himmlische König durch sein Handeln eine geistliche Atmosphäre schafft, in der sichtbar wird, wer er ist. Er ruft Matthäus vom Zoll heraus, er nimmt die Einladung zum Mahl an, er sitzt mit Zöllnern und Sündern zu Tisch. In diesem Raum, den er selbst eröffnet, wird er nicht als abstrakte Idee, sondern als erfahrbare Gegenwart wahrgenommen: als Arzt, der sich gerade den Kranken zuwendet; als Bräutigam, der mit seinen Freunden feiert; als neues Kleid, das nicht geflickt, sondern angezogen wird; als neuer Wein, der alles Alte sprengt. Die Bilder sind zart und zugleich kräftig. Wenn er sagt, dass nicht die Gesunden den Arzt brauchen, sondern die Kranken, wird deutlich: Der Dienst des Königs zielt nicht auf moralische Optimierung, sondern auf Heilung eines von Grund auf verletzten Lebens. In Jesaja 35:5–6 heißt es: „Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet. Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und jauchzen wird die Zunge des Stummen.“ Was dort verheißen wird, beginnt im Dienst Jesu aufzuleuchten – mitten im Alltag, am Tisch, auf der Straße.

Dass Christus uns geoffenbart wird, ist keine Frage der Lehre. Damit Christus geoffenbart werden kann, braucht es immer ein bestimmtes Umfeld. In Kapitel neun wird Christus in so vielen süßen, lieblichen, angenehmen Aspekten geoffenbart. Das Umfeld, das für diese Offenbarung Christi in Kapitel neun nötig war, wurde durch seinen Dienst hervorgebracht. (Witness Lee, Life-Study of Matthew, Botschaft neunundzwanzig, S. 349)

Diese durch seinen Dienst geschaffene Umgebung ist auch der Raum, in dem Gottes Heilsplan mit Israel und den Nationen sichtbar durchscheint. Während die zwölfjährige Tochter des Synagogenvorstehers im Haus im Sterben liegt und schließlich stirbt, drängt sich draußen eine Volksmenge, und eine Frau mit zwölfjährigem Blutfluss tastet sich im Glauben an Jesus heran. Der eine Zwölfjahres-Zeitraum erzählt die Geschichte eines verheißenen, aber sterbenden Volkes; der andere die Geschichte einer un-„reinen“, ausgeschlossenen Frau, die dennoch glaubt und berührt wird. In Römer 11:25–26 heißt es: „Verstockung ist Israel zum Teil widerfahren, bis die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird; und so wird ganz Israel errettet werden.“ Im Bild gesprochen: Während Israel im Unglauben „einschläft“, streckt die blutflüssige Frau – ein Abbild der Nationen – ihre Hand aus, und Kraft geht von ihm aus. Doch die Geschichte endet nicht mit ihrer Heilung; das Mädchen wird aufgeweckt. So stellt der Dienst des Königs eine geistliche Bühne bereit, auf der schon jetzt sichtbar wird, wie er die Nationen berührt, ohne Israel endgültig fallen zu lassen. Wenn er dann Blinde sehend und Stumme redend macht, schimmert bereits die kommende Weltzeit durch, in der die Gottferne überwunden sein wird. Auch heute führt sein weitergehender Dienst durch Wort und Geist in unserem Leben Situationen herbei, in denen wir ihn nicht nur erklären, sondern neu erfahren: als Arzt für unsere verdeckten Wunden, als Bräutigam, der unsere Einsamkeit durchbricht, als König, der unser chaotisches Inneres ordnet. In solch geschaffenen Momenten wird die Frage nicht mehr sein, ob wir genug über ihn wissen, sondern ob wir seine Gegenwart in der von ihm bereiteten Umgebung erkennen und uns von seiner heilenden Herrschaft berühren lassen.

Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet. Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und jauchzen wird die Zunge des Stummen. Denn in der Wüste brechen Wasser hervor und Bäche in der Steppe. (Jes. 35:5-6)

Denn ich will nicht, Brüder, daß euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr nicht euch selbst für klug haltet: Verstockung ist Israel zum Teil widerfahren, bis die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird; und so wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: «Es wird aus Zion der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden; (Röm. 11:25-26)

Wer den Dienst Jesu im Matthäusevangelium aufmerksam liest, entdeckt: Der König drängt sich nicht als Theorie auf, er baut behutsam eine Realität um uns herum, in der seine Nähe überraschend konkret wird. Begegnungen, in denen unser eigenes Versagen sichtbar wird; Zeiten, in denen „alles blutet“ und kein Halt mehr bleibt; Phasen, in denen etwas Vertrautes wie „gestorben“ wirkt – all das sind nicht nur dunkle Kapitel, sondern Räume, in die sein fortgesetzter Dienst hineinreicht. Er ist derselbe Arzt, der sich nicht abwendet; derselbe Bräutigam, der mitten in der Trockenheit neuen Wein schenkt; derselbe König, der eine Geschichte mit Israel, mit den Nationen und mit jedem Einzelnen schreibt. In dieser Sicht verlieren unsere Umstände das letzte Wort. Sie werden zum Rahmen, in dem er sich tiefer offenbart. Diese Hoffnung macht nüchtern und zugleich mutig: Kein Raum ist zu unrein, kein Haus zu still, kein Herz zu müde, als dass der König nicht gerade dort seine heilende Gegenwart aufgehen lassen könnte.

Der König als Hirte der Schafe und Herr der Ernte

Wenn Matthäus berichtet, wie Jesus nach vielen Heilungen die Volksmenge betrachtet, verändert sich die Perspektive. Die Wunder stehen nicht mehr im Vordergrund; stattdessen sehen wir, was in seinem Herzen vorgeht. Er schaut nicht auf anonyme Massen, sondern erkennt verirrte Leben: Schafe ohne Hirten, erschöpft, hingestreut, ohne Schutz und Richtung. Die äußeren Krankheiten, die er soeben berührt hat, sind die sichtbare Spitze einer tieferen Not – einer inneren Orientierungslosigkeit, einer religiösen Überforderung, einer seelischen Verlassenheit. Der König tritt an dieser Stelle nicht als Richter auf Distanz, sondern als Hirte, den es innerlich bewegt. Er erfüllt, was Gott schon im Alten Bund zugesagt hat, wenn er in Hesekiel 34 den untreuen Hirten Israels gegenüber ankündigt, dass er selbst seine Schafe suchen und weiden wird. Die Heilung der Blinden und des Stummen passt genau in dieses Bild: Ein Hirte, der seine Schafe sammelt, öffnet ihnen die Augen und löst ihre Zunge, damit sie den Weg erkennen und die Stimme ihres Herrn wiederfinden. In 2. Korinther 4:4 heißt es über die Menschen ohne Evangelium: „in denen der Gott dieses Zeitalters die Gedanken der Ungläubigen verblendet hat, damit das Erleuchten durch das Evangelium der Herrlichkeit Christi, der das Bild Gottes ist, nicht auf sie scheine.“ Wenn Jesus Blinde sehend macht, handelt er gegen diese Verblendung; wenn Stumme sprechen, setzt er Lob und Zeugnis frei, wo zuvor nur Schweigen war.

Nach der Heilung der Frau mit Blutfluss, der Auferweckung des jungen Mädchens und der Heilung der beiden Blinden und des Stummen wird der Herr als Hirte und als Herr der Ernte offenbar. (Witness Lee, Life-Study of Matthew, Botschaft neunundzwanzig, S. 357)

Doch der Blick Jesu bleibt nicht beim Bild der Herde stehen. Dieselbe Menge, die er eben als Schafe ohne Hirten gesehen hat, beschreibt er im nächsten Zug als reife Ernte. In beiden Bildern wird dieselbe Wirklichkeit aus einer anderen Richtung beleuchtet: Menschen sind hilfsbedürftig wie Schafe und zugleich bereit wie ein Feld, das kurz vor der Ernte steht. Mit dieser Spannung konfrontiert Jesus seine Jünger. Er ist der wahre Hirte, der innerlich bewegt ist, und zugleich der Herr der Ernte, dem das Feld gehört. Darum weist er sie nicht zuerst auf die Dringlichkeit menschlicher Organisation, sondern auf die Notwendigkeit, sich an den Herrn dieses Feldes zu wenden. Apg. 13:47 nimmt dieses Motiv auf, wenn es über den apostolischen Dienst heißt: „Denn so hat uns der Herr geboten: «Ich habe dich zum Licht der Nationen gesetzt, daß du zum Heil seiest bis an das Ende der Erde.»“ Licht für die Nationen, Hirte für die Schafe, Herr der Ernte – diese Linien treffen sich in der Person Jesu. Wo Menschen anfangen, so auf ihn zu blicken, löst sich die Enge der eigenen Möglichkeiten. Das Gebet zum Herrn der Ernte wird dann nicht zur Flucht vor Verantwortung, sondern zum Einlassen auf seine Herrschaft. Oft erwächst gerade daraus eine stille Bereitschaft, selbst zur Antwort auf dieses Gebet zu werden: Augen, die er geöffnet hat, werden zu Augen für andere; ein Mund, den er gelöst hat, wird zum Mund, der seinen Namen bekennt. In solchen Bewegungen wird sein Hirtenherz in dieser Welt sichtbar, und die Ernte dieses Zeitalters bekommt ein Gesicht.

In dieser Spannung zu leben – getragen vom Hirten und angerührt vom Herrn der Ernte – nimmt Druck und schenkt dennoch Ernst. Wer sich von Jesus als Schaf gefunden weiß, sieht die Not anderer Schafe mit anderen Augen. Wer erkennt, wie blind und stumm das eigene Herz einmal war, bevor der König Augen und Mund geöffnet hat, verliert die härte Urteile über die „Massen“ und beginnt, Menschen als kostbare Halme in Gottes Feld zu sehen. Das macht nicht laut, aber innerlich wach: Wie viel seiner Hirtensorge möchte er noch durch unser Leben weitergeben? Wie viel seines Erntewillens spiegelt sich in unseren Gebeten wider? Dort, wo diese Fragen in Ruhe vor ihm bewegt werden, wächst eine stille Hoffnung: Der Herr der Ernte ist nicht müde geworden. Seine Barmherzigkeit über erschöpfte Schafe und sein Wille zur Ernte gehören untrennbar zusammen – damals in Galiläa und heute mitten in unserer Welt.

in denen der Gott dieses Zeitalters die Gedanken der Ungläubigen verblendet hat, damit das Erleuchten durch das Evangelium der Herrlichkeit Christi, der das Bild Gottes ist, nicht auf sie scheine. (2.Kor 4:4)

Denn so hat uns der Herr geboten: «Ich habe dich zum Licht der Nationen gesetzt, daß du zum Heil seiest bis an das Ende der Erde.» (Apg. 13:47)

Jesu Blick auf die Menschen ist zugleich zart und ernst. Er sieht unsere Zerstreuung, unsere Müdigkeit, unsere innere Sprachlosigkeit – und er bleibt nicht distanziert. Sein Herz als Hirte ist bewegt, und gerade darin erweist er sich als Herr der Ernte. Wer sich von ihm so angeschaut weiß, darf sich nicht mehr als Randfigur einer übervollen Welt verstehen, sondern als geliebtes Schaf und zugleich als kostbaren Teil eines großen Feldes. In dieser Doppelrolle steckt Trost und Wo beides Raum gewinnt, findet das eigene Leben eine tiefere Ausrichtung. Es erhält Gewicht vor Gott, ohne schwer auf den Schultern zu liegen. Denn der, der uns sammelt, ist derselbe, der die Ernte verantwortet – und gerade das macht die Schritte im Alltag leichter und zugleich bedeutsamer.

Ausweitung des Dienstes: Der König sendet seine Apostel

Mit dem Übergang zu Matthäus 10 tritt eine neue Phase im Dienst des Königs ein. Bis dahin ist es vor allem Jesus selbst, der lehrt, heilt, Dämonen austreibt. Nun ruft er die Zwölf zu sich, gibt ihnen Vollmacht und sendet sie aus. Die Ausweitung seines Dienstes beginnt nicht mit einem Organisationsplan, sondern mit der Übertragung seiner eigenen Autorität. Damit macht er klar: Was die Jünger tun, ist nicht eine Parallelveranstaltung zu seinem Wirken, sondern die Verlängerung seiner eigenen Hände und seines eigenen Mundes. Zunächst richtet sich diese Sendung ausdrücklich „zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“; die Botschaft lautet: Das Königreich der Himmel ist nahe. Worte und Taten gehören untrennbar zusammen: Kranke werden geheilt, Dämonen fahren aus, Tote werden auferweckt – ein Vorgeschmack der Kräfte des kommenden Zeitalters, wie es in Hebräer 6:5 heißt: „und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben“. In den Händen gewöhnlicher Menschen leuchtet etwas auf von der Welt, die kommen wird. Doch die Mitte bleibt nicht das Außergewöhnliche der Wunder, sondern die Nähe des Königs und seines Reiches.

Vor Kapitel zehn übte der Herr Sein königliches Amt allein aus. Mit diesem Kapitel jedoch wurden die zwölf Apostel hinzugefügt, um diesen Dienst auszuweiten und zu verbreiten. (Witness Lee, Life-Study of Matthew, Botschaft neunundzwanzig, S. 361)

In der Liste der Berufenen spiegelt sich die Freiheit und Gnade des Königs. Matthäus nennt sich selbst nüchtern als Zöllner, einer, der aus Sicht seines Volkes moralisch diskreditiert war. Neben ihm steht Simon der Kananäer, vermutlich ein ehemaliger Eiferer, der politisch-rigorose Wege bevorzugt hatte. Zwischen einem Mann, der mit der Besatzungsmacht kooperierte, und einem, der sie bekämpfte, spannt sich eine menschlich unüberbrückbare Kluft. Doch Jesus setzt beide in dieselbe apostolische Reihe. Damit zeigt er, dass seine Sendung nicht auf charakterlich gleichgeschliffene Idealfiguren setzt, sondern auf Menschen, die durch seine Nähe geheiligt werden. In Apostelgeschichte 8:14–15 heißt es über einen späteren Schritt dieser Ausweitung: „Als die Apostel in Jerusalem gehört hatten, daß Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen. Als diese hinabgekommen waren, beteten sie für sie, damit sie den Heiligen Geist empfangen möchten.“ Was mit zwölf in Israel begann, greift nach Samarien aus und später, wie Paulus bezeugt, bis an das Ende der Erde. Aber es bleibt in seinem inneren Wesen derselbe Dienst: Der König selbst handelt durch die, die er sendet, in der Kraft des Heiligen Geistes.

Gerade in dieser Verbindung von König und Gesandten öffnet sich ein weiter Horizont für unser Verständnis von Berufung. Die Jünger werden nicht als unabhängige Akteure freigesetzt, sondern als Mitträger der königlichen Gegenwart. Wo sie aufgenommen werden, kommt sein Friede in ein Haus; wo sie abgewiesen werden, wird letztlich er selbst abgewiesen. Das macht den Dienst schwerwiegend und entlastend zugleich: schwerwiegend, weil es um mehr als private Initiativen geht; entlastend, weil der Erfolg nicht auf der Überlegenheit der Boten beruht, sondern auf der Treue des Königs. Wer seine eigene Geschichte im Licht dieser Wahrheit betrachtet, entdeckt, wie überraschend der König Menschen in seine Sendung hineinzieht – oft gerade jene, die sich wie Matthäus eher am Rand stehen sehen. In diesem Licht kann die eigene Schwachheit zu einem Raum werden, in dem seine Vollmacht sichtbar wird. Und der Weg, den er mit uns geht, erhält einen neuen Klang: Es ist nicht nur der Weg eines Lernenden, sondern auch der Pfad eines Gesandten, in dessen unscheinbaren Schritten der Dienst des Königs weitergetragen wird.

Dieser Blick auf die Ausweitung seines Dienstes schenkt eine stille Freiheit. Es muss nicht jeder ein „großer Apostel“ sein, aber niemand ist ohne Bedeutung im Plan des Königs. Wo sein Wort gehört und sein Geist empfangen wird, wächst ein Netz von Menschen, durch die seine königliche Liebe in Familien, Nachbarschaften und Völker ausstrahlt. Das nimmt die Angst vor der eigenen Begrenztheit und öffnet zugleich die Frage, wo seine Sendung uns konkret hineinstellt. Denn der König, der die Zwölf rief, sucht auch heute Herzen, durch die er sprechen, Hände, durch die er berühren, und Schritte, durch die er verlorene Wege aufsucht. Wer sich von dieser Perspektive treffen lässt, muss nicht krampfhaft etwas „leisten“, sondern darf mit ruhigem Mut damit rechnen, dass der König seine Geschichte mit uns und durch uns weiterschreibt – bis der Tag kommt, an dem sein Reich, das jetzt im Verborgenen wächst, in Herrlichkeit offenbar werden wird.

und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben (Heb. 6:5)

Als die Apostel in Jerusalem gehört hatten, daß Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen. Als diese hinabgekommen waren, beteten sie für sie, damit sie den Heiligen Geist empfangen möchten; (Apg. 8:14-15)

Die Ausweitung des Dienstes des Königs beginnt unscheinbar – nicht mit einer Machtgeste, sondern mit Menschen, die er beim Namen ruft und denen er seine Vollmacht anvertraut. Diese Spur führt bis in unsere Zeit. Dort, wo sein Wort unser Herz erreicht und sein Geist uns innerlich bewegt, stehen wir in derselben Linie wie die ersten Gesandten. Das relativiert sowohl Minderwertigkeitsgefühle als auch Überheblichkeit: Niemand ist zu gering, um in seine Sendung einbezogen zu werden, und niemand so bedeutend, dass er mehr wäre als ein Diener des Königs. In dieser Haltung liegt eine tiefe Entlastung. Sie lässt uns nüchtern sehen, wie begrenzt unsere Möglichkeiten sind, und zugleich froh bekennen, dass sein Dienst durch alle Grenzen hindurchgeht. So entsteht ein Alltag, in dem kleine Schritte Gewicht bekommen – nicht weil wir groß wären, sondern weil er treu ist, der uns ruft.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Matthew, Chapter 29