Die Abstammung und Stellung des Königs (6)
Viele Christen kennen den Namen Jesus von klein auf, doch nur wenige haben sich bewusst gefragt, was Gott selbst in diesen Namen hineingelegt hat. Matthäus berichtet nicht nur von der Geburt Christi, sondern stellt uns zwei Namen vor, die wie ein Schlüssel zum Verständnis seiner Person sind: Jesus und Emmanuel. Wer entdeckt, was diese Namen bedeuten, sieht plötzlich eine durchgehende Linie von 1. Mose bis zur Offenbarung – und findet inmitten des eigenen Alltags einen gegenwärtigen König, der rettet und wirklich „Gott mit uns“ ist.
Jesus – der Name über allen Namen
Wenn Gott Seinen Namen offenbart, legt Er Sein Herz offen. Als Er Mose aus dem brennenden Dornbusch anredete, hieß es: „Ich bin, der ich bin. … So sollst du zu den Söhnen Israel sagen: (Der) ‚Ich bin‘ hat mich zu euch gesandt“ (2.Mose 3:14). Dieser Name ist kein abstrakter Philosophiesatz, sondern die Zusage einer lebendigen Gegenwart: Gott bindet sich an Sein Volk als der, der einfach da ist – unerschöpflich, verlässlich, gegenwärtig. Als Jahrhunderte später Jesus vor den Juden steht und sagt: „Ehe Abraham war, bin ich“ (Johannes 8:58), nimmt Er genau diesen göttlichen Namen auf sich. Der Name Jesus („Jahweh rettet“) ist darum nicht nur ein schöner Klang, sondern die Verdichtung des ganzen göttlichen Selbstzeugnisses: Der „Ich bin“ ist in unsere Geschichte eingetreten als Retter.
Wir müssen erkennen, dass Jesus das große „Ich bin“ ist und an Ihn als das große „Ich bin“ glauben. Weil der Name des Herrn „Ich bin“ ist, können wir sagen: „Herr, Du hast mir gesagt, dass Dein Name ‚Ich bin‘ ist. Was bist Du dann?“ Seine Antwort wird sein: „Ich bin alles, was du brauchst.“ Der Herr ist alles, was wir brauchen. Wenn wir Errettung brauchen, wird Er Selbst unsere Errettung sein. (Witness Lee, Life-Study of Matthew, Botschaft sechs, S. 66)
Wenn der Engel zu Maria sagt: „Und siehe, du wirst in deinem Mutterleib empfangen und einen Sohn gebären, und du sollst Ihm den Namen Jesus geben“ (Lk. 1:31), legt Gott fest, wie wir Ihn künftig ansprechen: als Jesus – als den, in dem der ewige „Ich bin“ uns rettend nahe kommt. Dieser Name offenbart, dass der König nicht nur jemand ist, der etwas austeilt, sondern dass Er Selbst ist, was wir brauchen. Er gibt nicht nur Licht, Er ist unser Licht; Er vermittelt nicht nur Leben, Er ist unser Leben; Er erklärt nicht nur Weisheit, Er wird uns zur Weisheit, zur Heiligkeit, zur Gerechtigkeit. So wird erfahrbar, was Jesus sagte: „Wenn ihr nicht glauben werdet, daß ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben“ (Joh. 8:24). Rettung geschieht nicht durch eine fromme Idee, sondern dadurch, dass wir uns der Person anvertrauen, deren Name „Ich bin“ ist.
Weil Jesus der „Jahweh-Retter“ ist, reicht Seine Rettung tiefer als ein einmaliger Freispruch am Anfang unseres Glaubens. „Darum hat Gott Ihn auch hoch erhöht und Ihm den Namen geschenkt, der über jedem Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich jedes Knie beuge“ (Phil. 2:9-10). Dieser erhöhte Name umfasst die ganze Spannweite des göttlichen Handelns: Er rettet aus der Schuld der Sünde, aus dem kommenden Gericht, aus der Macht Satans und aus den zähen Fesseln, die sich im Lauf der Jahre um Herz und Gewohnheiten legen. Biblisch gesprochen ist Rettung dynamisch: „im Leben wachsen“ heißt, immer tiefer in das hineinzuwachsen, was Christus ist, und dabei zugleich aus allem herausgelöst zu werden, was unsere Beziehung zu Ihm verdunkelt oder zerstört.
In dieser Sicht erhält der alltägliche Kampf eine neue Deutung. Wenn alte Muster wieder aufbrechen, wenn Entmutigung, Bitterkeit oder heimliche Bindungen sich melden, steht über allem ein Name, der größer ist als jede Geschichte und jede Prägung. Der erhöhte Herr kommt als der lebendige „Ich bin“ in konkrete Situationen. Er begegnet der Angst, indem Er unser Friede wird; Er begegnet der Scham, indem Er unsere Gerechtigkeit wird; Er begegnet der inneren Erschöpfung, indem Er unser Leben wird. So wird Seine Erhöhung nicht zu einem fernen Dogma, sondern zur Quelle einer fortlaufenden Rettung. Wer so auf den Namen Jesus schaut, darf damit rechnen, dass dieser Name nicht nur über allen Namen steht, sondern sich gerade in den unscheinbaren, müden Stunden des Alltags als tragend erweist. Darin liegt eine stille Ermutigung: Kein Tag ist zu klein, als dass der große „Ich bin“ nicht in ihm gegenwärtig und rettend sein wollte.
Da sprach Gott zu Mose: Ich bin, der ich bin- . Dann sprach er: So sollst du zu den Söhnen Israel sagen: (Der) «Ich bin-»* hat mich zu euch gesandt. (2.Mose 3:14)
Daher sagte ich euch, daß ihr in euren Sünden sterben werdet; denn wenn ihr nicht glauben werdet, daß ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben. (Joh. 8:24)
Der Name Jesus lädt dazu ein, unsere Vorstellung von Rettung zu weiten: weg von einem einmaligen Ereignis hin zu einem lebendigen Weg mit dem König, der in jeder Phase unseres Lebens sagt: „Ich bin für dich da – als das, was dir jetzt fehlt.“ In dieser Zuversicht können auch lange bekannte Schwächen und alte Geschichten ihren Schrecken verlieren, weil über ihnen ein Name steht, der nicht vergeht.
Der Name Jesus im Glaubensalltag
Der erhöhte Name Jesus ist kein Ehrenzeichen, das wir aus respektvollem Abstand betrachten. Er ist Gott gegeben, damit er im wirklichen Leben „gebraucht“ wird. Johannes fasst dies schlicht und tief zusammen: „So viele Ihn aber aufnahmen, denen gab Er die Vollmacht, Kinder Gottes zu werden, denen, die in Seinen Namen hineinglauben“ (Joh. 1:12). In den Namen Jesu hineinglauben heißt, sich der ganzen Wirklichkeit Seiner Person zu öffnen, nicht nur einigen Seiner Gaben. Es ist, als würden wir in einen Raum eintreten, dessen Atmosphäre von Christus erfüllt ist: Sein Status, Sein Werk, Seine Beziehung zum Vater, all das wird uns zugesprochen. Glauben ist dann nicht in erster Linie eine Leistung, sondern das Annehmen dessen, was im Namen Jesu schon bereitliegt.
Erstens ist der Name Jesu dazu da, dass wir an Ihn glauben (Joh. 1:12). Wir alle müssen an den Namen Jesu glauben. Das ist keine unbedeutende Sache. Wir sollten nicht nur sagen, dass wir an den Herrn Jesus glauben, sondern auch bezeugen, dass wir an den Namen Jesu glauben. (Witness Lee, Life-Study of Matthew, Botschaft sechs, S. 68)
Die Taufe zeigt diese Wirklichkeit von außen: Die ersten Christen „wurden in den Namen des Herrn Jesus hineingetauft“ (Apg. 19:5). Damit wird ausgedrückt, dass unser altes Leben mit Christus gekreuzigt und unser neues Leben untrennbar mit Ihm verbunden ist. Im Namen Jesu geschieht aber weit mehr als nur die Anfangsgnade. Petrus sagt zu dem Gelähmten vor der Tempeltür: „Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers: Geh umher!“ (Apg. 3:6). Und wenig später bezeugt er: „Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt, den Gott auferweckt hat aus den Toten“ (Apg. 4:10). Der Name bündelt Kreuz und Auferstehung, Erniedrigung und Erhöhung, und genau deshalb ist er Ort der Errettung: „In keinem anderen ist die Errettung, denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel unter den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden müssen“ (Apg. 4:12).
Ein verborgener Schatz der ersten Gemeinden ist das schlichte Anrufen dieses Namens. Paulus beschreibt die Christen als solche, „die den Namen unseres Herrn Jesus Christus an jedem Ort anrufen“ (1.Kor 1:2), und fasst das Evangelium in die Zusage: „wer immer den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“ (Röm. 10:13). Hier geht es nicht nur um ein stilles, inneres Beten, sondern um ein leibhaftes Rufen, das Herz und Mund einschließt. Wo „Herr Jesus“ von Herzen gerufen wird, öffnet sich der Mensch dem Geist Gottes, der die lebendige Wirklichkeit hinter diesem Namen ist. So wird der erhöhte Christus nicht nur bekannt, sondern erfahren – tröstend, korrigierend, stärkend, manchmal auch entlarvend, aber immer rettend.
In dieser Perspektive werden auch Gebet und gemeinsames Leben neu. Jesus verbindet Seine Verheißung ausdrücklich mit Seinem Namen: „Und um was auch immer ihr in Meinem Namen bittet, das werde Ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht werde“ (Joh. 14:13). Im Namen Jesu beten bedeutet, sich innerlich unter Seine Herrschaft zu stellen, mit Seinem Herzen zu bitten und Seiner Weisheit zu vertrauen, auch wenn Wege anders verlaufen, als wir es vor Augen hatten. Wo Menschen so zusammenkommen, entsteht eine Atmosphäre, in der der Name Jesu mehr Gewicht hat als Stimmung, Sympathie oder menschliche Organisation. Darum ist es kein Zufall, dass gerade dieser Name angegriffen, verspottet oder totgeschwiegen wird und dass die ersten Christen litten, weil sie „nicht im Namen Jesu reden“ sollten (Apg. 5:40). Sie aber „gingen … weg, voll Freude, dass sie für würdig erachtet worden waren, um des Namens willen verächtlich behandelt zu werden“ (Apg. 5:41). Diese Freude, um des Namens willen zu leben, zu dienen und notfalls auch zu leiden, ist bis heute ein leiser, aber kraftvoller Trost: Wer diesen Namen trägt und ehrt, steht nicht allein; der Herr selbst stellt sich zu dem, der Seinen Namen nicht verleugnet.
So viele Ihn aber aufnahmen, denen gab Er die Vollmacht, Kinder Gottes zu werden, denen, die in Seinen Namen hineinglauben, (Joh. 1:12)
Und als sie dies hörten, wurden sie in den Namen des Herrn Jesus hineingetauft. (Apg. 19:5)
Wenn der Name Jesu für das alltägliche Glaubensleben geöffnet wird, verliert der Glaube etwas von seiner Schwere und gewinnt an Dichte: Es entsteht ein Leben, das sich immer wieder an diesen Namen anlehnt – nicht als fromme Floskel, sondern als gelebte Beziehung zu dem König, der im Verborgenen handelt, wo Sein Name im Vertrauen angerufen wird.
Emmanuel – der König als „Gott mit uns“
Mit Emmanuel berührt die Schrift eine andere Seite des Namens Jesu. Matthäus erzählt von der Geburt des Kindes aus Maria und fügt erklärend hinzu: „Siehe, die Jungfrau wird im Mutterleib empfangen und einen Sohn gebären, und man wird Seinen Namen Emmanuel nennen, was übersetzt ist: Gott mit uns“ (Matthäus 1:23). Jesus ist der Name, den Gott über Seinen Sohn ausspricht; Emmanuel ist der Name, den Menschen Ihm geben, wenn sie begreifen, wer in diesem Kind zu ihnen gekommen ist. Wo Jesus in das Leben eines Menschen tritt, bleibt dieses Wort nicht Theorie: Im Rückblick auf erfahrene Hilfe, überraschende Bewahrung oder stille Tröstung wird aus nüchterner Lehre ein persönliches Bekenntnis – „Gott war mit mir“. So wächst der Name Emmanuel aus der Begegnung mit Christus heraus.
Immer wenn du eine Erfahrung mit Jesus machst, kannst du sagen, dass Er Gott mit dir ist. Jesus ist nichts Geringeres als Gott mit uns. Das ist unsere Erfahrung. Gott hat uns gesagt, dass Sein Name Jesus ist. Wenn wir Ihn jedoch aufnehmen und erfahren, sagen wir: Jesus ist Gott mit uns. (Witness Lee, Life-Study of Matthew, Botschaft sechs, S. 76)
Der auferstandene Herr spannt diese Verheißung in die Weite der Geschichte: „Und siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“ (Matthäus 28:20). Er ist nicht nur der Gott, der uns von Ferne sieht, sondern der König, der mitten unter Seinen Jüngern bleibt, wenn sie in Seinem Namen zusammenkommen (Matthäus 18:20). Das Neue Testament beschreibt diese Nähe noch dichter: „Der Herr sei mit deinem Geist“ (2.Timotheus 4:22). Gottes Gegenwart ist nicht diffus über unser Leben verteilt, sondern Er verankert sie im tiefsten Zentrum des Menschen, im Geist. Jesus kündigt an: „Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, daß er bei euch sei in Ewigkeit … ihr aber kennt Ihn, weil Er bei euch bleibt und in euch sein wird“ (Joh. 14:16-17). In der Person des Heiligen Geistes wird Emmanuel zur erfahrbaren Gegenwart Jesu in uns.
Diese Gegenwart steht nicht außerhalb des geistlichen Kampfes, sondern mitten in ihm. Jesaja malt in starken Bildern, wie fremde Heere „über all seine Kanäle und über alle seine Ufer“ hinwegfluten und „bis an den Hals“ reichen – und doch bleibt der Ruf über dem Land: „Gott ist mit uns“ (vgl. Jesaja 8:7-10). Bildhaft gesprochen möchte der Feind auch unser inneres Land überfluten: Gedanken, Gefühle, Erinnerungen, Beziehungen. Er versucht, unser Herz mit Angst zu füllen, unseren Blick zu verengen, unser Vertrauen auszuhöhlen. Aber die Zusage Emmanuel bedeutet: Der König hat dieses Land für sich reklamiert. Unser Leben gehört nicht mehr der Finsternis; Christus wohnt in uns und verteidigt Sein Eigentum.
So gesehen wird jede leise Erfahrung von Bewahrung zu einem Hinweis auf die Wirklichkeit Emmanuels. Wenn mitten in innerer Unruhe ein unerklärlicher Frieden einzieht, wenn in einer Situation der Schuld der Mut wächst, ans Licht zu treten, wenn nach einer langen Trockenzeit die Freude am Herrn neu aufbricht – dann ist das nicht einfach psychologische Erholung. Es ist die Spur eines Königs, der bei uns bleibt und in uns wirkt. Wer im Glauben an Jesus wächst, lernt, diese feinen Spuren nicht zu übersehen: Das Unscheinbare gewinnt Gewicht, das Alltägliche wird zum Ort der Begegnung. So entsteht eine stille, aber robuste Hoffnung: Auch wenn das Wasser hochsteht und vieles uns „bis an den Hals“ zu gehen scheint, ist die letzte Wahrheit nicht die Stärke der Wellen, sondern die Nähe des Königs. Emmanuel bedeutet: Kein Weg ist gottverlassen, kein Kampf ist rein privat; der Herr selbst hat beschlossen, unsere Geschichte zu teilen und uns durchzutragen.
Siehe, die Jungfrau wird im Mutterleib empfangen und einen Sohn gebären, und man wird Seinen Namen Emmanuel nennen, was übersetzt ist: Gott mit uns. (Mt. 1:23)
und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe. Und siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters. (Mt. 28:20)
Emmanuel ist mehr als ein Weihnachtstitel; er beschreibt eine Lebenswirklichkeit: Der König, der uns rettet, bleibt bei uns und in uns. Wo diese Wahrheit das eigene Selbstbild und den Blick auf den Alltag prägt, wird der geistliche Kampf nicht kleiner, aber das Herz wird fester – getragen von der Gewissheit, dass in allen Höhen und Tiefen ein leiser, aber verlässlicher Name über unserem Leben steht: Gott mit uns.
Herr Jesus Christus, erhöhter König, danke für deinen wunderbaren Namen, der über jedem Namen steht, und für die Wahrheit, dass du Emmanuel, Gott mit uns, bist. Du bist der ewige „Ich bin“, der genau weiß, was wir brauchen, und der uns rettet, wo wir uns selbst nicht helfen können. Stärke in uns den Glauben an deinen Namen, vertiefe unsere Liebe zu dir und erfülle uns durch deinen Heiligen Geist mit der Gewissheit, dass du bei uns bist – an hellen Tagen wie in dunklen Stunden. Bewahre unser inneres „Land“ vor jeder Überflutung durch den Feind und lass deine Gegenwart in uns heller leuchten als alle Widerstände. Wir preisen dich als den, der war, der ist und der kommt, und ruhen in dir als unserem König, unserem Retter und unserem Emmanuel. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Matthew, Chapter 6