Das Wort des Lebens
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Der Inhalt (2)

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Das kleine Buch Joel spannt einen erstaunlich weiten Bogen: Von der Verwüstung Israels durch die „Heuschreckenreiche“ bis hin zur herrlichen Wiederherstellung unter der Herrschaft des Messias. Dazwischen liegt ein verborgenes Zentrum: Gott gießt Sich selbst als Geist aus, ruft ein Volk zu sich und bereitet die Bühne für das sichtbare Kommen Christi. Wer diese Linie erkennt, sieht Weltgeschichte nicht mehr nur politisch, sondern als Gottes Weg, Christus zu offenbaren und Sein Volk zu segnen.

Gottes Wende zu Seinem Volk und der Segen Seines Landes

Wenn Joel vom Weinen der Priester zwischen Vorhalle und Altar spricht, öffnet sich ein tiefes Bild für Gottes Umgang mit Seinem Volk in Zeiten des Gerichts. Das Gericht ist real, schmerzhaft und gerecht; aber es zieht sich nie wie eine dunkle Decke über die Geschichte, ohne einen Spalt für Licht zu lassen. Mitten in der Beschreibung des kommenden Tages des HERRN ertönt plötzlich der Ruf: „Doch auch jetzt, spricht der HERR, kehrt um zu mir mit eurem ganzen Herzen und mit Fasten und mit Weinen und mit Klagen!“ (Joel 2:12). Dieses „Doch auch jetzt“ ist wie ein Einschnitt in den Lauf des Gerichts: Gott macht eine Wende möglich, nicht indem Er das Unrecht übergeht, sondern indem Er das Herz Seines Volkes ruft. Zwischen Vorhalle und Altar wird geweint, weil Segen verloren wurde; gleichzeitig ist eben dieser Altar der Hinweis, dass Gott den Weg zurück nicht verschlossen hat. Wo Opfer dargebracht werden können, ist Versöhnung möglich; wo Versöhnung möglich ist, kann Segen neu aufbrechen.

Vers 17 sagt: „Laßt die Priester, die Diener Jehovas, / weinen zwischen der Halle und dem Altar / und sagen: / Habe Mitleid, o Jehova, mit deinem Volk, / und gib dein Erbteil nicht der Schmähung preis, / daß die Nationen über sie herrschen. / Warum soll man unter den Nationen sagen: / Wo ist ihr Gott?“ Die Halle und der Altar lagen außerhalb des Tempels, und zwischen der Halle und dem Altar sollten die Priester darüber weinen, daß Israel den Segen verloren hatte. Dennoch hatten die Menschen, nachdem sie zu Gott zurückgebracht worden waren, die Grundlage, den Segen zu genießen. Sie hatten den von Gott verordneten Altar, an dem sie darbringen konnten, was Gott zu Seiner Befriedigung begehrte. (Witness Lee, Life-Study of Joel, Botschaft drei, S. 17)

Der Ort zwischen Vorhalle und Altar ist ein Bild für priesterliches Dazwischenstehen. Die Priester stehen nicht dort, um die Schuld der anderen zu kommentieren, sondern um sich mit der Not des ganzen Volkes vor Gott zu stellen: „Die Priester, die Diener des HERRN, sollen weinen zwischen Vorhalle und Altar und sagen: HERR, blicke mitleidig auf dein Volk und gib nicht dein Erbteil der Verhöhnung preis“ (Joel 2:17). Das Volk hat durch Gottes geordneten Altar wieder Boden, um den Segen zu genießen – nicht weil es seine Geschichte reingewaschen hätte, sondern weil Gott selbst den Platz der Begegnung bereitet. In dieser Atmosphäre wächst etwas Neues: Zerbrochenheit ohne Verzweiflung, Ernst ohne Bitterkeit, Hoffnung ohne Verdrängung.

Von hier aus entfaltet Joel die überraschende Weite von Gottes Absicht. Gott wendet sich nicht nur innerlich dem Volk zu; Er nimmt auch Sein Land wieder in Besitz. Das heilige Land gehört Ihm, und Er schämt sich nicht, es „Sein Land“ zu nennen. Darum heißt es: „Und der HERR eiferte für sein Land, und er hatte Mitleid mit seinem Volk“ (Joel 2:18). Zuerst erscheint es, als ginge alles nur um die Sünde Israels und um das drohende Verderben. Doch im Licht der Wende erkennt man, dass Gott schon die Wiederherstellung vor Augen hat: Er vertreibt die Heuschreckenheere, die Er zuvor als Werkzeug des Gerichts geschickt hat, Er schenkt Früh- und Spätregen, Er füllt Tennen und Kelterkufen, so dass „die Tennen … voll Getreide sein und die Kelterkufen überfließen von Most und Öl“ werden (Joel 2:24). Gericht ist hier kein Selbstzweck, sondern ein Durchgang, damit Gott Sein Eigentum – Volk und Land – neu mit Seiner Gegenwart und Seinem Segen erfüllt.

Diese Verbindung von Volk und Land findet sich bereits in 5. Mose angelegt: „Sondern ihr sollt die Stätte aufsuchen, die der HERR, euer Gott, aus all euren Stämmen erwählen wird, um seinen Namen dort niederzulegen, daß er (dort) wohne, und dahin sollst du kommen“ (5.Mose 12:5). Gott sucht sich einen Ort, um Seinen Namen niederzulegen, und Er sammelt Sein Volk dorthin, damit Opfer, Freude und Gemeinschaft möglich werden. In Joel sieht man, wie diese Absicht durch Gericht hindurch bewahrt bleibt. Die Heuschrecken dürfen das Land verwüsten, aber sie besitzen es nicht. Die Nationen dürfen Israel verschleppen und demütigen, aber sie bekommen am Ende nicht die letzte Deutungshoheit über dessen Geschichte. Gott beansprucht Sein Erbteil zurück – sowohl die Menschen, die zu Ihm umkehren, als auch den Boden, auf dem Er lebt und segnet.

Doch auch jetzt, spricht der HERR, kehrt um zu mir mit eurem ganzen Herzen und mit Fasten und mit Weinen und mit Klagen! (Joel 2:12)

Die Priester, die Diener des HERRN, sollen weinen zwischen Vorhalle und Altar und sagen: HERR, blicke mitleidig auf dein Volk und gib nicht dein Erbteil der Verhöhnung preis, so daß die Nationen über sie spotten! Wozu soll man unter den Völkern sagen: Wo ist ihr Gott? (Joel 2:17)

Wer in Joels Zeilen verweilt, spürt, dass Gottes heilige Strenge und Seine sanfte Barmherzigkeit sich nicht aufheben, sondern gegenseitig durchlichten. Die Einladung zur Umkehr, das Bild der Priester zwischen Vorhalle und Altar und die Verheißung der wieder gefüllten Tennen zeichnen einen Gott, der nicht lockerer mit Sünde umgeht, aber tiefer mit den Seinen verbunden ist, als jede Krise ahnen lässt. In Phasen persönlicher oder gemeinschaftlicher Erschütterung darf dieser Gott neu erkannt werden: als der, der Gericht als Pflug gebraucht, um verhärteten Boden aufzubrechen, und als der, der, sobald das Herz an Ihn zurückrückt, Regen, Fruchtbarkeit und Schutz schenkt. Die Hoffnung Joels, dass Gott in der Mitte Seines Volkes wohnt und es nicht mehr zuschanden werden lässt, kann so die innere Haltung prägen – weg von resignierter Scham hin zu einer stillen, aber entschlossenen Erwartung Seiner Wiederherstellung.

Die dreifache Ausgießung des Geistes und der korporative Christus

Die Verheißung Joels, dass Gott Seinen Geist ausgießen wird, öffnet einen Horizont, der weit über Israel hinausreicht und doch bei Israel beginnt. Nachdem der HERR von Wiederherstellung, Regen und reichem Ertrag gesprochen hat, kündigt Er etwas noch Größeres an: „Und danach wird es geschehen, daß ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch“ (Joel 3:1. nach hebräischer Kapitelzählung; in vielen deutschen Bibeln Joel 2:28). Es ist bemerkenswert, dass diese Zusage nicht in einer idealen Zeit steht, sondern im Anschluss an Gericht und Umkehr. Gott beschränkt sich nicht darauf, äußere Verhältnisse zu heilen; Er teilt sich selbst mit. Der Geist, den Er ausgießt, ist nicht eine unbestimmte Kraft, sondern die wirtschaftliche Auswirkung des inkarnieren, gekreuzigten, auferstandenen und erhöhten Christus. In der Ausgießung des Geistes kommt der Dreieine Gott selbst den Menschen nahe.

Jehovah ist willens, Israel zu erretten, indem Er Seinen Geist wie den Frühregen über sie ausgießt (V. 28–29). Diese Prophezeiung wurde am Tag des Pfingstfestes als Vorkost erfüllt (Apg. 2:1–4, 16–21), und sie wird vor der großen Trübsal als volle Kost erfüllt werden zur Errettung und Wiedergeburt vieler der zurückgekehrten Israeliten. (Witness Lee, Life-Study of Joel, Botschaft drei, S. 18)

Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war und die Jünger in Jerusalem zusammen waren, erkannte Petrus genau darin die Erfüllung dessen, was durch Joel angekündigt worden war. „Und als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war, waren sie alle an einem Ort beisammen“ (Apg. 2:1), und nachdem der Geist kam, erklärt Petrus: „sondern dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt ist“ (Apg. 2:16). Pfingsten ist damit eine Vorkost der in Joel verheißenen Ausgießung: Gott gießt den Geist nicht mehr nur punktuell auf einzelne Gesalbte aus, sondern breit, über Männer und Frauen, Alte und Junge. Durch diese Ausgießung entsteht etwas radikal Neues in der Geschichte Gottes mit den Menschen: Neben Juden und Nationen erscheint die Gemeinde als dritte Gruppe, so wie es heißt: „Seid unanstößig, sowohl für Juden als auch für Griechen als auch für die Gemeinde Gottes“ (1.Kor 10:32). Die Gemeinde ist kein Zusammenschluss Gleichgesinnter, sondern das Ergebnis der Selbstmitteilung des erhöhten Christus.

Paulus beschreibt dieses Ergebnis als „Haus Gottes, das ist die Gemeinde des lebendigen Gottes, die Säule und Grundfeste der Wahrheit“ und verbindet damit das Geheimnis Christi (1.Timotheus 3:15-16). Der Leib Christi ist der korporative Christus: Christus, der individuelle Menschensohn, vergrößert und ausgedehnt in allen, die durch den Geist mit Ihm verbunden sind. Was an Pfingsten geschah, ist daher mehr als ein einmaliger Anfang; es ist der Beginn einer Zeit, in der der ausgeteilte Geist fortwährend den Leib Christi aufbaut, Christus in Seinem Volk vergrößert und so einen sichtbaren Ausdruck des unsichtbaren Herrn hervorbringt. Die Ausgießung in Joel zielt auf diese Realität – eine Menschheit, in der Gott wohnt und sich ausdrückt, eine Gemeinde, in der Christus nicht nur geglaubt, sondern verkörpert wird.

Gleichzeitig blickt Joel über Pfingsten hinaus. Die Zeichen von Blut, Feuer, Rauchsäulen, verfinsterter Sonne und blutrotem Mond (Joel 3:3–4 nach hebräischer Kapitelzählung; Joel 2:30–31 in vielen deutschen Bibeln) verbinden die Ausgießung des Geistes mit endzeitlichen Erschütterungen. Joel lässt erkennen, dass es eine weitere, intensivere Ausgießung über das zurückgekehrte Israel geben wird, wenn Gott Sein Volk in der Endphase der Geschichte hinein rettet. „Aber über das Haus David und über die Bewohner Jerusalems werde ich den Geist der Gnade und des Flehens ausgießen“ (Sacharja 12:10) – so wird es später ausgesprochen. Dieser Geist bewirkt, dass Israel den durchbohrten Messias erkennt und in tiefe Buße und Rettung hineingezogen wird. Die Aufeinanderfolge der Ausgießungen – als Vorkost an Pfingsten, als bevorstehende Fülle vor der großen Trübsal und als rettende Kraft über dem bedrängten Überrest – zeigt, dass Gott durch den Geist die Geschichte auf Christus hin bündelt und durch Christus hindurch zum Ziel bringt.

Und danach wird es geschehen, daß ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Alten werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte sehen. (Joel 2:28)

Und als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war, waren sie alle an einem Ort beisammen. (Apg. 2:1)

Die Vision der dreifachen Ausgießung des Geistes lenkt den Blick weg von einem engen, nur auf das persönliche Erleben konzentrierten Glauben hin zu Gottes weiter Geschichte mit Israel, den Nationen und der Gemeinde. Sie macht bewusst, dass der Geist, der an Pfingsten kam, nicht versiegt ist, sondern weiterhin Christus in Seinem Leib bildet, bewahrt und ausdrucksfähig macht. Wer sich von dieser Sicht prägen lässt, muss sich nicht zwischen Liebe zu Israel, Verantwortung für die Völker und Zugehörigkeit zur Gemeinde entscheiden, sondern erkennt in allem die eine Bewegung des Dreieinen Gottes: Er rettet, erneuert und sammelt in Christus. Die Hoffnung, dass Gottes Geist auch in kommenden Erschütterungen rettend und offenbarend wirken wird, vertieft zugleich das Vertrauen für heute – dass auch gegenwärtige Grenzen, Kälte oder Müdigkeit nicht das letzte Wort haben, wo der Geist ausgegossen ist und Christus sich selbst als das eigentliche Leben der Gemeinde schenkt.

Gericht über die Nationen und die Herrschaft Christi in der Wiederherstellung

Die letzten Kapitel des Buches Joel führen von der inneren Wende Gottes zu Seinem Volk hin zur großen Bühne der Völker. Gott beschränkt sich nicht darauf, Israel zu richten und wiederherzustellen; Er nimmt die Nationen in den Blick und konfrontiert sie mit ihrem Umgang mit Seinem Erbteil. „Denn siehe, in jenen Tagen und zu jener Zeit, wenn ich das Geschick Judas und Jerusalems wenden werde, dann werde ich alle Nationen versammeln und sie ins Tal Joschafat hinabführen. Und ich werde dort mit ihnen ins Gericht gehen wegen meines Volkes und meines Erbteils Israel“ (Joel 4:1-2). Das Tal Joschafat, das „Tal der Entscheidung“, ist nicht der Schauplatz menschlicher Meinungsbildung, sondern der Ort göttlicher Rechtsprechung. Die Nationen haben Israel zerstreut, das Land geteilt, Menschen verkauft und verachtet; Gott nimmt diese Geschichte nicht als unvermeidliche Tragödie hin, sondern macht sie zum Gegenstand Seines gerechten Gerichts.

Joel 4:1–15 spricht vom Gericht Christi über die Nationen – vom Gericht über die Lebenden (Apg. 10:42; 17:31). (Witness Lee, Life-Study of Joel, Botschaft drei, S. 20)

Im Licht des Neuen Testaments wird deutlich, wer der Richter in diesem Tal sein wird. Von Christus heißt es, dass Gott Ihn „zum Richter der Lebenden und der Toten bestimmt hat“ (Apostelgeschichte 10:42) und dass Er „einen Tag gesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er (dazu) bestimmt hat“ (Apostelgeschichte 17:31). Joel, Apostelgeschichte und Offenbarung greifen ineinander: der gleiche Christus, der Sein Leben hingab, um Sünder zu retten, wird sichtbar als Richter auftreten, um die lebenden Nationen zu beurteilen – und zwar in Bezug auf ihre Haltung zu Gott und zu Seinem Volk Israel zur Zeit der Trübsal. Damit beantwortet Gott die jahrhundertelange Misshandlung Seines Volkes nicht durch blinde Vergeltung, sondern durch ein gerechtes Gericht, das den Maßstab Seiner Treue anlegt.

Die Bilder, die Joel für dieses Gericht verwendet, sind eindringlich: „Legt die Sichel an! Denn die Ernte ist reif. Kommt, stampft! Denn die Kelter ist voll, die Kelterkufen fließen über. Denn groß ist ihre Bosheit“ (Joel 4:13). Ernte und Kelter sind Bilder für das abschließende Sortieren und Zermalmen der Bosheit. Zugleich erscheinen „Scharen (über) Scharen im Tal der Entscheidung; denn nahe ist der Tag des HERRN im Tal der Entscheidung“ (Joel 4:14). Damit geraten die Völker nicht in ein anonymes Schicksal, sondern treten als verantwortliche Akteure vor Gott. Am Ende werden der Antichrist und der falsche Prophet in den Feuersee geworfen, und Christus siegt mit Seinen Überwindern über die versammelten Heere (so beschreibt es die Offenbarung). Die Auseinandersetzung mit den Nationen kulminiert im sichtbaren Sieg des Lammes.

Doch bei Joel bleibt das Bild nicht beim Gericht stehen. Unmittelbar danach wird beschrieben, wie der HERR aus Zion brüllt und aus Jerusalem Seine Stimme erschallen lässt, so dass „Himmel und Erde erbeben“ und Er „eine Zuflucht für sein Volk und eine Feste für die Söhne Israel“ ist (Joel 4:16). Hier wird Christus sichtbar als König, der auf dem Zion wohnt, mitten in Jerusalem, und Sein Volk schützt. „Und ihr werdet erkennen, daß ich, der HERR, euer Gott bin, der auf Zion wohnt, meinem heiligen Berg. Und Jerusalem wird heilig sein, und Fremde werden es nicht mehr durchziehen“ (Joel 4:17). Israel wird nicht mehr Objekt fremder Mächte sein, sondern unter der unmittelbaren Herrschaft seines Messias stehen; das Land wird nicht mehr Zankapfel, sondern Schauplatz göttlicher Ordnung.

Denn siehe, in jenen Tagen und zu jener Zeit, wenn ich das Geschick Judas und Jerusalems wenden werde, dann werde ich alle Nationen versammeln und sie ins Tal Joschafat hinabführen. Und ich werde dort mit ihnen ins Gericht gehen wegen meines Volkes und meines Erbteils Israel, das sie unter die Nationen zerstreut haben. Und mein Land haben sie geteilt (Joel 4:1-2)

Legt die Sichel an! Denn die Ernte ist reif. Kommt, stampft! Denn die Kelter ist voll, die Kelterkufen fließen über. Denn groß ist ihre Bosheit. Scharen (über) Scharen im Tal der Entscheidung; denn nahe ist der Tag des HERRN im Tal der Entscheidung. (Joel 4:13-14)

Die Schau von Gericht und Wiederherstellung bei Joel nimmt den Blick hinein in eine Zukunft, die größer ist als die eigene Lebensspanne, und gerade darin gewinnt das persönliche Glaubensleben Tiefe. Wer Christus als den kommenden Richter und König sieht, muss sich der Schwere von Unrecht und Gewalt nicht verschließen, weil er weiß, dass Gott selbst zur rechten Zeit Recht schaffen wird. Zugleich bleibt das Herz vor Bitterkeit bewahrt, weil das letzte Wort nicht Vergeltung, sondern eine von Christus durchherrschte neue Ordnung hat. In dieser Spannung kann Vertrauen wachsen: Vertrauen darauf, dass die Geschichte Israels nicht an den Feinden endet, dass die Völker nicht im Tal der Entscheidung ohne Richter bleiben und dass die Gemeinde nicht eine Randfigur ist, sondern der Leib dessen, der alles zum Ziel führt. Aus dieser Perspektive erwächst eine stille, tragfähige Zuversicht, die weder vor der Realität der Welt zurückschreckt noch ihre Hoffnung aufgibt, weil sie den Blick auf den behält, der aus Zion brüllt, in Jerusalem wohnt und am Ende Himmel und Erde in Sein Licht taucht.


Herr Jesus Christus, Du Herr der Geschichte, danke, dass Du durch Gericht hindurch auf Wiederherstellung zielst und Dein Volk nicht aufgibst. Danke für die Ausgießung Deines Geistes, durch die Du heute schon in Deiner Gemeinde gegenwärtig bist und uns zu einem lebendigen Ausdruck Deiner selbst machst. Stärke in uns die Gewissheit, dass keine Macht der Welt Deinen Plan aufhalten kann und dass Dein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens kommen wird. Lass uns in dieser Hoffnung leben, getröstet von Deiner Zusage, dass Du am Ende alles neu machen wirst. Fülle unsere Herzen mit dem Ausblick auf Deine Wiederkunft und die herrliche Zukunft in Deiner Gegenwart. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Joel, Chapter 3