Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der Altar

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Wer einen Grundriss des Tempelgeländes bei Hesekiel betrachtet, entdeckt: Welche Tür man auch nimmt, früher oder später steht man vor dem Altar. Dem kann niemand ausweichen. So ist es auch im geistlichen Leben: Wir kommen durch Christus hinein, genießen vieles von Gott – und werden doch unausweichlich an einen Punkt geführt, an dem das Kreuz nicht mehr nur eine Lehre ist, sondern zur Mitte unserer Beziehung zu Gott wird. Die Frage ist nicht, ob wir dieser Mitte begegnen, sondern wie wir sie verstehen und was sie mit uns macht.

Der Altar als Mitte des Universums und Treffpunkt von Gott und Mensch

Wenn Hesekiel den neuen Tempel beschreibt, führt jeder Blick unweigerlich zum Altar. Er steht nicht an einer Seitenlinie, sondern in der Mitte des Vorhofs, und der Vorhof selbst ist wiederum die Mitte des ganzen Bereichs: „Und er maß den Vorhof: ein Viereck von hundert Ellen Länge und hundert Ellen Breite. Und der Altar (stand) vor dem Tempelhaus“ (Hesekiel 40:47). Von außen her kommen die Menschen durch die Tore, von innen her kommt Gott aus dem Tempelhaus – und beide bewegen sich auf denselben Punkt zu. So malt die Vision eine geistliche Geometrie: Gott und Mensch haben einen gemeinsamen Schnittpunkt, einen Ort, an dem ihre Wege sich wirklich kreuzen. Dieser Ort ist nicht eine Idee, nicht ein bloßes Gefühl, sondern eine konkrete Geschichte: das Kreuz Jesu Christi als der wahre Altar. Dort tritt Gott aus Seiner unsichtbaren Wohnung heraus in unsere Welt, und dort wird der Mensch aus seiner Gottferne heraus an Gottes Herz gebracht.

Der Altar steht im Zentrum des Vorhofs. Er ist nicht nur das Zentrum des inneren Vorhofs, sondern des gesamten Tempelgeländes. Dieser Altar, der das Kreuz bedeutet, ist in Wirklichkeit das Zentrum des Universums. In Bezug auf die Beziehung zwischen Mensch und Gott ist die Erde das Zentrum. Das Zentrum der bewohnten Erde ist das gute Land Kanaan, Palästina, denn es ist das verbindende Zentrum, das die Kontinente Europa, Asien und Afrika miteinander verbindet. Die Stadt Jerusalem ist das Zentrum des guten Landes, das Tempelgelände ist das Zentrum Jerusalems, und der Altar ist das Zentrum des Tempelgeländes. So ist letztlich der Altar das Zentrum des Universums. (Witness Lee, Life-Study of Ezekiel, Botschaft einundzwanzig, S. 236)

Die Bibel denkt in Räumen und Zentren. 1. Mose erzählt, wie Gott eine bewohnbare Erde bereitet; später erwählt Er ein Land, eine Stadt, ein Haus. In der Vision Hesekiels läuft diese Bewegung zusammen: Das Tempelgelände ist der Brennpunkt Jerusalems, und mitten darin steht der Altar als sichtbarer Ausdruck der Kreuzesmitte des Universums. Hier begegnen sich Gericht und Gnade. Im Opferfeuer zeigt sich Gottes Zorn über die Sünde, zugleich wird am selben Ort Versöhnung geschenkt. Am Kreuz, dem wahren Altar, wird der alte Mensch mit all seinem Aufstand und seiner Eigenwilligkeit verurteilt, und gleichzeitig wird der Weg in Gottes Gegenwart geöffnet: „Denn auch Christus hat einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führe“ (1. Petrus 3:18). Wer wirklich mit Gott zu tun bekommt, wird früher oder später an diese Mitte geführt, wo Stolz und Selbstrechtfertigung keinen Bestand haben, aber Schuld vergeben und Herzen erneuert werden.

So entsteht ein geistlicher Kompass: Was immer Gott mit uns vorhat – es führt nicht am Altar vorbei. Auch unsere höchsten geistlichen Erfahrungen, unsere tiefsten Einsichten, jede Form von Dienst werden hohl, wenn sie sich von dieser Mitte lösen. Umgekehrt beginnt echte Begegnung mit Gott dort, wo wir uns unter das Kreuz stellen und anerkennen: Hier hat Gott sich mir genähert, hier bin ich Ihm ausgeliefert und zugleich aufgehoben. Aus dieser Mitte heraus gewinnt alles andere seinen Platz. Wer das begreift, sieht sein Leben nicht mehr als zufälliges Nebeneinander von Ereignissen, sondern als eine von Gott geführte Bewegung hin zu dem einen Punkt, an dem Er uns in Christus begegnet. Gerade darin liegt Trost: Wir sind nicht dem Chaos ausgeliefert, sondern werden immer wieder zur Kreuzesmitte gezogen – zum Ort der Begegnung, der Reinigung und der Versöhnung, von dem aus unser Weg neu geordnet weitergeht.

Und er maß den Vorhof: ein Viereck von hundert Ellen Länge und hundert Ellen Breite. Und der Altar (stand) vor dem Tempelhaus. (Hes. 40:47)

Denn auch Christus hat einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führe, indem er zwar dem Fleisch nach getötet, aber dem Geist nach lebendig gemacht ist. (1. Pet. 3:18)

Das Kreuz als Mitte des Universums heißt: Die eigentliche Mitte unseres Lebens liegt nicht in unserer Leistung, unseren Gefühlen oder Krisen, sondern in der Begegnung mit Gott am Altar Christi. Wer sein Denken und Empfinden von dieser Mitte her ordnet, muss weder seine Schuld noch seine Brüche verdrängen – sie finden dort ihren Platz –, und er muss auch seine Sehnsucht nach Nähe und Sinn nicht zerstreuen. Alles darf zu diesem Mittelpunkt gebracht werden, in dem Gott sich nicht gegen uns, sondern für uns entscheidet. So wird das Kreuz von einer abstrakten Lehre zu einem ruhigen, tragfähigen Zentrum, von dem her Beziehung zu Gott, zu anderen und zu sich selbst neu Gestalt gewinnen kann.

Gottes Freisetzung und unsere Beendigung am Altar

Am Altar geschieht zweierlei zugleich: Gott wird freigesetzt, und der Mensch wird beendet. Als Jesus von sich als dem Weizenkorn spricht, öffnet Er ein Fenster in dieses Geheimnis: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“ (Johannes 12:24). In einem Korn steckt Leben, aber es bleibt eingeschlossen, solange das Korn hart und unversehrt ist. Erst wenn es in der Dunkelheit der Erde zerbricht, kann das verborgene Leben hervorbrechen. So geht Gott in Christus ans Kreuz. Der Tod ist für Ihn nicht Verlust, sondern Offenbarung. Seine Liebe, Seine Heiligkeit, Seine Barmherzigkeit, Seine Geduld – all das, was in Ihm ist, wird am Kreuz sichtbar und wirksam. Der Altar ist der Ort, an dem Gottes Leben nicht zerstört, sondern entfaltet wird.

Gott verließ Seine Wohnstätte, ging ans Kreuz und starb dort, um das freizusetzen, was in Ihm war. Zur Veranschaulichung können wir ein Weizenkorn nehmen. Wenn ein Weizenkorn in die Erde gesät wird, stirbt es. Ist dieser Tod schrecklich oder wunderbar? Wir sollten sagen, dass der Tod eines Weizenkorns wunderbar ist, denn ohne diesen Tod können all die Reichtümer und all das Schöne, das in dem Korn steckt, nicht freigesetzt werden. Deshalb ist der Tod eines Weizenkorns nicht schrecklich, sondern wunderbar. Nach demselben Prinzip ist der Tod für Gott wunderbar. (Witness Lee, Life-Study of Ezekiel, Botschaft einundzwanzig, S. 237)

Für uns bedeutet derselbe Ort jedoch zunächst ein Ende. In Christus nimmt Gott unsere gefallene Menschheit in Seinen Sohn hinein, und im Kreuzesgeschehen wird der alte Mensch mitgekreuzigt. Paulus fasst das mit nüchterner Klarheit: „Unser alter Mensch ist mitgekreuzigt worden, damit der Leib der Sünde abgetan sei, sodass wir der Sünde nicht mehr dienen“ (Römer 6:6). Das Kreuz sagt nein zu dem Menschen, der aus eigenen Kräften, mit eigenem Recht, aus eigener Weisheit leben will. Es verurteilt unsere subtile Selbstbezogenheit ebenso wie offene Rebellion. Das fühlt sich nicht „positiv“ an, weil es unsere Kontrolle, unsere Verteidigungsstrategien und unsere Selbstbilder unterbricht. Doch gerade darin liegt die gute Nachricht: Was Gott am Altar beendet, will Er nicht mehr von uns als Quelle unseres Lebens haben.

Denn dort, wo Gott dem alten Menschen ein Ende setzt, schenkt Er zugleich Anteil an einem neuen Leben. Der Ort, an dem wir unser vermeintliches Leben verlieren, wird zur Geburtsstätte eines Lebens aus Gott. Der Auferstandene, dessen Leben im Tod nicht zerstört, sondern freigesetzt wurde, teilt sich uns mit. So ist der Altar nicht nur Gerichtsstätte, sondern Geburtsort: Hier werden wir nicht zu polierten Versionen unseres alten Selbst, sondern zu Menschen, die aus einer anderen Quelle leben. Das entlastet – wir müssen uns nicht mehr selbst retten, rechtfertigen oder vervollkommnen. Wir dürfen aus der Wahrheit leben, dass Gott unser altes Ich bereits beurteilt und beiseitegesetzt hat, um uns Sein eigenes Leben zu geben.

Wer so auf den Altar schaut, beginnt anders über seine Wege nachzudenken. Schmerzhafte Unterbrechungen, zerbrochene Pläne und das Scheitern eigener Stärke sind nicht automatisch Zeichen von Gottes Distanz. Oft sind sie die Weise, in der Er uns tiefer zu dieser guten Beendigung am Kreuz führt, damit Sein Leben freier in uns Raum gewinnt. In der Rückschau können Zeiten, in denen unsere eigene Kraft sterben musste, zu den kostbarsten Wegstücken werden, weil gerade dort etwas von der Freiheit und Leichtigkeit des Auferstehungslebens aufleuchtet. Der Altar bleibt dann nicht Ort der Angst, sondern Ort der Hoffnung: Was hier mit uns geschieht, ist nicht das Ende der Geschichte, sondern die Öffnung zu einem Leben, das nicht mehr an unsere Begrenzungen gebunden ist.

Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. (Joh. 12:24)

Da wir dieses wissen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, sodass wir der Sünde nicht mehr dienen. (Röm. 6:6)

Am Altar Christi darf innerlich nachlassen, was sich bisher krampfhaft festhalten musste: der Zwang, alles im Griff zu behalten, die Angst, das eigene Gesicht zu verlieren, der Druck, sich vor Gott und Menschen ständig zu bewähren. Das Kreuz spricht ein klares Urteil über den alten Menschen – und gerade dadurch befreit es, weil dieser alte Mensch nicht mehr die Grundlage unseres Daseins vor Gott ist. Im Blick auf den Gekreuzigten wird erkennbar, dass Gott keine Verbesserung unseres alten Lebens erwartet, sondern uns Sein eigenes Leben schenkt. Wo dieses Vertrauen wächst, wird das Sterben alter Sicherheiten nicht mehr nur als Bedrohung erlebt, sondern als Durchgang zu einer neuen Qualität der Beziehung zu Gott: weniger aus uns, mehr aus Ihm.

Die Form des Altars: Kreuzeserfahrung, Kraft und Gemeinde

Hesekiels Beschreibung des Altars ist ungewöhnlich detailliert. Es geht nicht nur um die bloße Tatsache, dass es einen Opferplatz gibt, sondern um seinen Aufbau, seine Stufen, seine Maße. „Und das sind die Maße des Altars nach Ellen, die Elle zu einer Elle und einer Handbreite … Und der Opferherd: zwölf (Ellen) Länge auf zwölf (Ellen) Breite, quadratisch zu seinen vier Seiten hin“ (Hesekiel 43:13.16). Die Vision lenkt den Blick auf die Form, weil diese Form etwas über die Wirkweise des Kreuzes offenbart. Der Sockel ist eine Elle hoch – ein stiller Hinweis darauf, dass der einzige Gott die Grundlage des Altars ist; das Kreuz ist nicht menschliche Idee, sondern göttlicher Entschluss. Von dieser Basis aus steigt der Altar in abgestuften Ebenen auf, bis das Feuerfeld erreicht ist. Nach oben hin wird die Fläche kleiner, der Baukörper zugleich stabiler. Das Kreuz ist kein wackliger Notbehelf, sondern ein tragfähiges Werk, das Erschütterungen standhält.

Die klar beschriebenen Einzelheiten des Altars sind ein besonderes Kennzeichen der Vision Hesekiels. … Der Sockel des Altars ist eine Elle hoch. Die Zahl eins steht für den einzigartigen Gott; daher macht die Tatsache, dass der Sockel des Altars eine Elle hoch ist, deutlich, dass Gott die Grundlage des Altars ist. Das bedeutet, dass das Kreuz seinen Ursprung in Gott hat. (Witness Lee, Life-Study of Ezekiel, Botschaft einundzwanzig, S. 241)

Bemerkenswert ist die Zwölf auf der Feuerstelle. Zwölf erinnert in der Schrift an Gottes Beziehung zu Seinem Volk und an die Vollzahl Seiner Verwaltung – zwölf Stämme, zwölf Apostel, zwölf Tore des neuen Jerusalem. Dass die oberste Platte des Altars zwölf mal zwölf misst, verbindet den Opferort mit Gottes Gemeinderealität. Der Ort, an dem Christus sich hingibt, ist zugleich der Ort, an dem Gott sich ein Volk formt, das Seine Wohnung wird. Die Hörner an den vier Ecken weisen in alle Himmelsrichtungen und nach oben: Das Kreuz hat Kraft für die ganze Erde und öffnet nach oben hin zur Herrlichkeit Gottes. Dazu passt, dass „seine Stufen nach Osten wiesen“ (Hesekiel 43:17) – dorthin, wo die Herrlichkeit Gottes herkommt und wo die Sonne aufgeht. Jede echte Kreuzeserfahrung trägt in sich eine österliche Richtung: Sie führt nicht ins Grau, sondern zum Aufgehen der Herrlichkeit Gottes in unserer Mitte.

Für das Gemeindeleben ist diese Form des Altars von großer Bedeutung. In der Vision Hesekiels kann niemand in den Tempel hinein, ohne am Altar vorbeizukommen. Übertragen heißt das: Es gibt keine reale Erfahrung von Gemeinde als Leib Christi ohne die Berührung durch das Kreuz. Wo das Kreuz unser Fleisch, unser frommes Selbst und unsere natürlichen Vorlieben nicht anrührt, bleibt Gemeinschaft oberflächlich, von Sympathien und Antipathien bestimmt. Wo Gott uns aber gemeinsam an den Altar stellt, können alte Feindbilder, verletzte Eitelkeiten und versteckte Machtansprüche nicht ungestört fortbestehen. Dann wird die Zwölf des Altars – die Zahl der organisierten Gemeinschaft Gottes – erfahrbar als ein Miteinander, das nicht auf Gleichheit der Charaktere, sondern auf der geteilten Kreuzeserfahrung ruht.

Darum ist der Altar nicht nur Bild für den Anfang des Glaubens, sondern für einen Lebensstil. Immer wieder führt Gott Einzelne und ganze Gemeinden zu dieser Form des Kreuzes zurück: gegründet in Gottes Initiative, getragen von der Stabilität Seines Werkes, ausgerichtet auf die Herrlichkeit, die im Osten aufgeht, und offen für die ganze Weite Seines Volkes. Wer so auf den Altar schaut, wird nicht überrascht sein, wenn Gottes Weg manchmal schmaler wird, je höher Er uns führt – wie die Stufen des Altars nach oben hin enger werden. Es ist kein Rückschritt, sondern Vertiefung, wenn Verzicht und Selbstverleugnung zunehmen, während zugleich eine neue Weite der Gemeinschaft und eine intensivere Erfahrung der Gegenwart Gottes entsteht. In diesem Licht wird das Kreuz zur verborgenen Kraft, die Gemeinde trägt, formt und in die Wirklichkeit von Gottes Gegenwart hineinführt.

Und das sind die Maße des Altars nach Ellen, die Elle zu einer Elle und einer Handbreite: die ihn (umgebende) Ausbuchtung: eine Elle (tief) und eine Elle breit; und ihre Begrenzung an ihrem Rand ringsum: eine Spanne. Und das ist der Sockel des Altars: (Hes. 43:13)

Und der Opferherd: zwölf (Ellen) Länge auf zwölf (Ellen) Breite, quadratisch zu seinen vier Seiten hin. (Hes. 43:16)

Die Gestalt des Altars lädt ein, das Kreuz nicht nur als einmaliges Ereignis, sondern als prägende Form des eigenen Lebens und der Gemeinde zu verstehen. Wo Entscheidungen, Beziehungen und Dienste von dieser Form her gestaltet werden – gegründet in Gottes Initiative, bereit, den schmaleren Weg der Selbstverleugnung zu gehen, und zugleich offen für die Weite von Gottes Volk –, gewinnt das Gemeindeleben Tragfähigkeit und Dichte. Konflikte verlieren etwas von ihrer zerstörerischen Schärfe, weil sie am Kreuz ihren Ort haben; Einheit wird weniger ein Gefühl und mehr eine Frucht der gemeinsamen Kreuzeserfahrung. So wird der Altar inmitten des Volkes Gottes zu einem stillen, aber kraftvollen Zeichen: Gottes Weg in die Tiefe des Kreuzes ist zugleich Sein Weg in die Fülle von Gegenwart und Gemeinschaft.


Herr Jesus Christus, du bist der, der als das eine Weizenkorn in die Erde gefallen ist, damit das Leben Gottes freigesetzt und vielen geschenkt werden konnte. Danke, dass dein Kreuz nicht nur unsere Schuld getragen, sondern auch unser altes Leben, unser stolzes und ängstliches Selbst bereits ans Ende gebracht hat. Vater, wo wir das Kreuz bisher nur von außen betrachtet haben, öffne unsere Augen, damit wir erkennen, was du dort für dich selbst und für uns getan hast. Lass uns nicht an der Oberfläche stehen bleiben, sondern in dein Auferstehungsleben hineingezogen werden, das stärker ist als Tod, Scheitern und unsere Begrenzungen. Baue aus dieser Kreuzeswirklichkeit echte Gemeinschaft, in der deine Gegenwart spürbar wird, Wunden heilen und Versöhnung wächst. Stärke alle, die sich gerade unter der Last von Prüfungen wie unter einer verborgenen Kreuzeserfahrung fühlen, und zeige ihnen, dass dein Weg durch die Tiefe in deine Herrlichkeit führt. Fülle uns neu mit Hoffnung, dass nichts, was mit dir durch den Tod geht, verloren ist, sondern in deiner Auferstehung Frucht bringen wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Ezekiel, Chapter 21