Israels Sünde gegen Jehovah und Jehovahs Strafe über Israel (3) Jehovah, der Ehemann, mit weiterer Beschwerde über die Bosheiten Israels, der Ehefrau, und Sein Entschluss in ihrer Zurechtbringung
Wenn Gott sein Volk als Ehefrau anspricht, die sich von ihm abgewandt hat, wird deutlich, wie persönlich Sünde ihn verletzt. In den Kapiteln 5 und 6 bei Jeremia sehen wir nicht nur eine Liste von Verfehlungen, sondern das zerbrochene Herz Jehovas als Ehemann und seine feste Entschlossenheit, Israel durch Züchtigung wieder zu sich zurückzuführen. Diese Spannung zwischen Gericht und Liebe hilft uns zu verstehen, wie Gott auch heute mit seinem Volk umgeht.
Jehovahs Klage: zerbrochener Bund und verletzte Treue
In Jeremias Worten tritt Jehovah als verletzter Ehemann hervor, dessen Klage nicht nur einzelne Verfehlungen aufzählt, sondern das ganze zerbrochene Verhältnis sichtbar macht. Israel hat die erste Tafel des Gesetzes missachtet, indem es andere Götter an die Stelle des lebendigen Gottes gesetzt und seine Ruhe außerhalb von ihm gesucht hat. In den Geboten, mit denen 2. Mose 20 beginnt, ist die Grundmelodie der Beziehung angeschlagen: „Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus herausgeführt habe. Du sollst keine andern Götter haben neben mir“ (2. Mose 20:2–3). Hier spricht kein distanzierter Gesetzgeber, sondern der Gott, der seine Frau aus der Sklaverei geholt hat und nun an ihrer Liebe festhält. Wenn Jeremia später die Bosheiten Jerusalems entfaltet, steht hinter jeder einzelnen Verirrung diese erste Treulosigkeit: Das Herz hat aufgehört, in Gott allein seine Befriedigung und seine Ruhe zu finden, und hat sich anderen Quellen zugewandt.
Die Kapitel zwei bis vier im Buch Jeremia enthalten die Klage Jehovas, des Ehemannes, über den Abfall Israels, der Ehefrau, über ihre geistliche Hurerei – ihren Götzendienst und das Anfertigen von Götzenbildern. Dadurch übertrat Israel die ersten vier Gebote des Gesetzes (2.Mose 20:1–11), die ihre Beziehung zu Gott betreffen. Die ersten drei Gebote verlangen vom Menschen, keine Götzen zu haben, sondern allein Gott zu haben (V. 3–7); das vierte Gebot verlangt vom Menschen, seine Befriedigung und Ruhe einzig in Gott und in allem zu finden, was Gott für den Menschen vollbracht hat (V. 8–11). Kapitel fünf im Buch Jeremia ist die weitere Klage Jehovas, des Ehemannes, in der die Bosheiten Israels, der Ehefrau, im Einzelnen aufgezeigt werden. (Witness Lee, Life-Study of Jeremiah, Botschaft acht, S. 55)
Jeremia 5 lässt erkennen, dass der Schaden nicht an der Oberfläche bleibt. Was im Verborgenen zwischen Gott und seinem Volk zerbrochen ist, dringt in alle Zwischenräume des gemeinschaftlichen Lebens. Es heißt: „Durchstreift die Gassen Jerusalems, seht doch und erkundet und sucht auf ihren Plätzen, ob ihr jemanden findet, ob einer da ist, der Recht übt, der Treue sucht: so will ich ihr vergeben!“ (Jeremia 5:1). Der Ehemann sucht in den Straßen seiner Stadt nach einem einzigen, der noch in seinem Sinn handelt, der Recht liebt und Treue hochhält – und findet ihn nicht. Selbst dort, wo man ihn am ehesten erwartet, bei den Leitenden, stößt die Suche ins Leere: „Ich will doch zu den Großen gehen und mit ihnen reden; denn sie kennen den Weg des HERRN, das Recht ihres Gottes. Doch sie haben alle zusammen das Joch zerbrochen, die Stricke zerrissen“ (Jeremia 5:5). Das Bild ist erschütternd: Menschen, denen das Recht Gottes anvertraut ist, reißen genau die Bindungen los, die sie als sein Volk tragen sollten.
So entfaltet sich ein bedrückendes Panorama: Ehebruch und sexuelle Untreue, wie sie Jeremia schildert, sind nicht nur moralische Entgleisungen, sondern Ausdruck einer inneren Loslösung vom Ehemann. Betrug, wirtschaftliche Ausbeutung, das Unterdrücken der Armen und das Verdrehen des Rechts zeigen, dass die zweite Tafel des Gesetzes mit Füßen getreten ist. Doch der Kern liegt tiefer als im Verhalten. Gott benennt ihn selbst: „Aber dieses Volk hat ein störrisches und widerspenstiges Herz; sie sind abgewichen und weggegangen“ (Jeremia 5:23). Das Herz, das nicht mehr vor Jehovah zittert und seinen Namen leicht nimmt, kann das Recht des Nächsten nicht auf Dauer achten. Wo der Bund mit Gott geringgeschätzt wird, geraten auch die Beziehungen unter Menschen aus dem Gleichgewicht.
In dieser Klage steckt aber mehr als Anklage. Der suchende Blick Gottes durchstreift die Gassen nicht, weil er Lust hat, zu verwerfen, sondern weil er Vergebung anbieten möchte, wo auch nur ein Funken von Recht und Treue zu finden ist. Seine Frage an Jerusalem enthält darum auch eine leise Einladung: Wo immer ein Herz neu in die Ehrfurcht vor Gott hineinfindet, da beginnt auch die Wiederherstellung der zerrütteten Beziehungen. Die Schärfe der Worte soll nicht in Mutlosigkeit stürzen, sondern die Sinne schärfen für das, was auf dem Spiel steht. Wer sich dieser Klage aussetzt, kann darin die eifersüchtige Liebe eines Gottes erkennen, der nicht bereit ist, seine Frau einfach ziehen zu lassen. Gerade weil er die Sünde ernst nimmt, ist bei ihm Hoffnung für ein neues, geheiltes Miteinander mit ihm und untereinander.
Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus herausgeführt habe. Du sollst keine andern Götter haben neben mir. (2.Mose 20:2-3)
Durchstreift die Gassen Jerusalems, seht doch und erkundet und sucht auf ihren Plätzen, ob ihr jemanden findet, ob einer da ist, der Recht übt, der Treue sucht: so will ich ihr vergeben! (Jer. 5:1)
Wenn die Klage Gottes über Israel vor uns steht, beschreibt sie nicht nur eine ferne Vergangenheit, sondern hält auch unseren eigenen Herzen einen Spiegel vor. Der Weg in die Unordnung des Miteinanders beginnt fast unmerklich dort, wo Gott im Innersten nicht mehr der Eine ist, auf den sich unser Vertrauen und unsere Ruhe konzentrieren. Wo andere Sicherheiten, andere Quellen der Befriedigung wichtiger werden, verliert die Ehrfurcht vor seinem Wort an Gewicht, und das wirkt sich früher oder später auch auf unsere Beziehungen aus. Der Ernst, mit dem Jeremia die Bosheiten des Volkes beschreibt, will uns nicht zerdrücken, sondern an die Hand nehmen: zurück zu dem Gott, der als erster gesagt hat: „Ich bin der HERR, dein Gott.“ In dieser Stimme liegt bis heute die Zusage, dass er bereit ist, zu vergeben und neu Ordnung zu schaffen, wo ein Mensch, eine Gemeinschaft, eine Gemeinde anerkennt, wie tief die Treue verletzt wurde, und doch im Glauben festhält, dass er gerade hier neu anfangen will.
Jehovahs Züchtigung: gerechtes Gericht mit heilsamem Ziel
Jeremia 6 zeichnet den nächsten Schritt in der Beziehung zwischen Jehovah und seiner untreuen Ehefrau. Der Ehemann bleibt nicht bei der Klage stehen, sondern greift ein. Das geschieht nicht in sanften Bildern, sondern in der nüchternen Sprache des Krieges. „Flieht, ihr Söhne Benjamin, aus Jerusalem hinaus, in Tekoa stoßt ins Horn und richtet ein Signal auf über Bet-Kerem! Denn Unheil erhebt sich drohend von Norden: ein großer Zusammenbruch“ (Jeremia 6:1). Das Unheil hat eine Richtung: aus dem Norden, von Babylon her. Gott macht keinen Hehl daraus, dass er selbst diese Macht aufruft. Er übergibt sein Volk in die Hände eines Feindes, damit das Böse, das sie festhalten, nicht unendlich fortgeschrieben wird. Die Strafe ist nicht eine Laune des Schicksals, sondern die Konsequenz eines Bundes, in dem Gott heilig und eifersüchtig liebt.
Jehova sprach: „Unheil bricht vom Norden herein / und große Zerstörung. / Die Schöne und Verzärtelte, / die Tochter Zions, werde ich ausrotten“ (6:1b–2). Das Wort „Unheil“ bezieht sich hier auf Katastrophen, und „Norden“ bezieht sich auf Babylon. Gott war im Begriff, Katastrophen und Zerstörung aus dem Norden zu senden (V. 22–26). (Witness Lee, Life-Study of Jeremiah, Botschaft acht, S. 58)
In dieser Züchtigung zeigt sich die Konsequenz Gottes. Er sagt: „Laß dich zurechtweisen, Jerusalem, damit meine Seele sich nicht von dir losreißt, damit ich dich nicht zur Öde mache, zu einem unbewohnten Land!“ (Jeremia 6:8). In diesem Satz liegt die Spannung der göttlichen Liebe: Einerseits die Bereitschaft, Jerusalem tatsächlich zur Wüste werden zu lassen, andererseits das tiefe Ringen, seine Seele nicht von ihr loszureißen. Gottes Gericht ist deshalb zugleich ein Ruf, sich noch zurechtweisen zu lassen, solange sein Wort hörbar ist. Die angekündigten Katastrophen – das Bild von der abgeernteten Weinrebe, an der selbst die Nachlese noch alles aufliest – machen deutlich, dass er alles wegnehmen wird, worauf sein Volk sich fälschlich verlässt. Besitz, Sicherheit, Status, religiöse Fassade – nichts darf unberührt bleiben, wenn es zwischen ihm und seiner Frau steht.
Dass Jehovah die Katastrophe nicht scheut, entspringt seiner Treue. Ein Ehemann, dem die Untreue gleichgültig wäre, hätte innerlich längst gekündigt. Der Gott Israels hingegen handelt schmerzlich konsequent, gerade weil er die Beziehung nicht aufgibt. Seine Züchtigung hat darum einen doppelten Charakter: Sie ist gerechtes Gericht über hartnäckige Bosheit und zugleich heilsame Operation am Herzen seines Volkes. Jede Erschütterung, die er zulässt, zielt darauf, die falschen Stützen zu zerbrechen, damit er selbst wieder zur einzigen tragenden Wirklichkeit werden kann. So schwer seine Hand auch erscheint – sie ist die Hand dessen, der beim Namen ruft und nicht loslässt.
Wer diese Seite Gottes sieht, kann in Zeiten der Erschütterung anders fragen. Nicht zuerst: Wie entkomme ich dem Unheil?, sondern: Wo ruft mich der treue Ehemann in dieser Zucht zurück zu sich? Wenn Wege versperrt werden, Sicherheiten bröckeln und lange geduldete Muster ans Licht kommen, ist das nicht zwangsläufig ein Zeichen der Verwerfung. In Jeremia 6 ist die Tür zur Zurechtweisung noch nicht geschlossen, und darin liegt ein Trost: Solange Gott spricht, zielt er auf Wiederherstellung. Seine Strafe ist nie das letzte Wort, wo seine geliebte Frau sich von seinen Worten treffen lässt. Im Vertrauen auf diese Liebe lässt sich auch in harten Wegen ein leiser, aber tragfähiger Trost finden: Der, der züchtigt, tut es, um die Beziehung zu retten, nicht um sie zu zerstören.
FLIEHT, ihr Söhne Benjamin, aus Jerusalem hinaus, in Tekoa stoßt ins Horn und richtet ein Signal auf über Bet-Kerem! Denn Unheil erhebt sich drohend von Norden: ein großer Zusammenbruch. (Jer. 6:1)
Laß dich zurechtweisen, Jerusalem, damit meine Seele sich nicht von dir losreißt, damit ich dich nicht zur Öde mache, zu einem unbewohnten Land! (Jer. 6:8)
Die Bilder vom Unheil aus dem Norden und von der entvölkerten Stadt mögen weit von unserem Alltag entfernt scheinen, und doch tragen sie eine innere Nähe zu den Erfahrungen, in denen Gott uns die Konsequenzen unserer Wege spüren lässt. Nicht jede Not ist Zucht, und nicht jede Zucht lässt sich leicht entziffern. Aber da, wo im Licht seines Wortes deutlich wird, dass Erschütterungen mit eingefahrenen Wegen der Untreue zusammenhängen, darf im Herzen etwas aufatmen: Wir haben es mit einem Gott zu tun, der lieber schmerzhaft zurechtbringt, als innerlich Abschied zu nehmen. In dieser Perspektive bekommen auch schwere Zeiten eine andere Farbe. Sie werden zu Räumen, in denen die Frage wächst: Wo will Gott mich von falschen Sicherheiten lösen, um sich selbst neu zum Mittelpunkt zu machen? Die Antwort darauf braucht Zeit und Ehrlichkeit, aber sie steht unter einem guten Vorzeichen: Der Ehemann, der straft, ist derselbe, der sich davor scheut, seine Lust an seinem Volk aufzugeben.
Die Linie zur Gemeinde: ernst genommene Sünde und bewahrte Hoffnung
Die Geschichte Israels unter Jeremia ist nicht einfach abgeschlossenes Kapitel, sondern Spiegel und Vorausbild für das Handeln des Dreieinen Gottes mit seinem Volk in allen Zeiten. Wie Jehovah sich als Ehemann seinem untreuen Israel gegenüberstellt, so beschreibt das Neue Testament Christus als Bräutigam seiner Gemeinde. Paulus schreibt, Christus habe „die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben, damit er sie heilige, nachdem er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort, damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern daß sie heilig und tadellos sei“ (Epheser 5:25–27). Liebe und Heiligung sind hier nicht zu trennen. Gerade weil Christus die Gemeinde liebt, nimmt er ihre Sünde ernst, deckt sie nicht zu, sondern reinigt sie, damit sie ihm entspricht. Was bei Jeremia als Klage und Gericht sichtbar wird, findet im Licht des Evangeliums seine tiefere Erfüllung: Der Ehemann gibt seine Frau auch dann nicht preis, wenn es ihn selbst das Leben kostet.
Zum Abschluss dieser Botschaft möchte ich die Kapitel zwei bis sechs in einfacher Weise zusammenfassen. In den Kapiteln zwei bis vier finden wir Jehovahs große Beschwerde über den Abfall Seiner Frau, ihre geistliche Hurerei – den Götzendienst, durch den sie die ersten vier Gebote des Gesetzes in Bezug auf Gott übertrat. In den Kapiteln fünf und sechs finden wir Jehovahs kleine Beschwerde über das böse Verhalten Seiner Frau, durch das sie die letzten fünf Gebote des Gesetzes in Bezug auf die Menschen übertrat. Israel übertrat die ersten vier Gebote, indem es Götzen anbetete, und die letzten fünf Gebote, indem es kein Recht ausübte und keine Treue suchte. (Witness Lee, Life-Study of Jeremiah, Botschaft acht, S. 59)
Zwischen Jeremia und dem Neuen Testament liegt eine Linie der Geduld und der heilsamen Strenge Gottes. In den Kapiteln 2 bis 4 des Prophetenbuches steht die große Beschwerde über die Gottesbeziehung, in den Kapiteln 5 und 6 die kleine Beschwerde über das Miteinander der Menschen, doch in beiden Fällen ist der rote Faden derselbe: Gott lässt nicht zu, dass sein Volk sich in einem Zustand einrichtet, in dem Götzen regieren und Unrecht zur Gewohnheit wird. Jeremia klagt, dass niemand Recht übt und Treue sucht; das neue Bundesvolk ist davor nicht automatisch geschützt. Auch in der Gemeinde können sich Lauheit, Relativierung von Sünde, Missbrauch geistlicher Autorität und Gleichgültigkeit gegenüber den Schwachen breitmachen. Wenn Gott solche Dinge ans Licht bringt, geschieht das im selben Geist wie damals: nicht, um abzuschreiben, sondern um zur Umkehr zu gewinnen.
Gericht und Zucht behalten dabei ihr doppeltes Gesicht. Für den, der sich gegen Gott verhärtet, ist Gericht das ernste Vorzeichen eines möglichen endgültigen Verlorengehens. Für den, der sich vom Wort treffen lässt, wird dieselbe Zucht zum Werkzeug der Bewahrung. Das Neue Testament scheut sich nicht, in dieser Sprache zu reden: „Den der Herr liebt, den züchtigt er; er geißelt aber jeden Sohn, den er aufnimmt“ (Hebräer 12:6). Im Licht des Kreuzes bekommt diese Zucht jedoch eine andere Tiefe. Dort hat Christus das endgültige Gericht getragen, das uns von Gott trennen würde. Was an Zurechtbringung in unserem Leben bleibt, ist darum nicht mehr Verdammnis, sondern eine liebevolle, wenn auch ernste Pädagogik des Ehemannes, der seine Frau auf den Tag vorbereitet, an dem sie ohne Flecken und Runzeln vor ihm stehen soll.
Aus dieser Verbindung von Ernst und Hoffnung erwächst eine nüchterne, aber tröstliche Sicht auf die eigene Geschichte und die Geschichte der Gemeinde. Gottes hartes Reden in Jeremia 5 und 6 bewahrt davor, Sünde zu verharmlosen oder zum privaten Thema zu machen. Seine beharrliche Liebe im neuen Bund schützt davor, unter der Last der Anklage zu zerbrechen. Wo das Licht Gottes unser Herz erreicht, kann es schmerzen, doch zugleich liegt darin die Zusage, dass er uns nicht dem Spiel unserer eigenen Kräfte überlässt. Die Hoffnung besteht nicht darin, dass wir aus eigener Kraft treu blieben, sondern darin, dass der Ehemann, der klagend und richtend in die Geschichte Israels hineintrat, derselbe ist, der in Christus für seine Gemeinde einsteht. In dieser Spannung von Wahrheit und Gnade kann sich ein Leben entfalten, das Sünde ernst nimmt und trotzdem voller Zuversicht in die Zukunft schaut, weil es von einem Gott gehalten wird, der sein Werk an seinem Volk vollendet.
Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, damit er sie heilige, nachdem er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort, damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern daß sie heilig und tadellos sei. (Eph. 5:25-27)
denn wen der Herr lieb hat, den züchtigt er; er geißelt aber jeden Sohn, den er aufnimmt. (Hebr. 12:6)
Die Linie von Jeremia zur Gemeinde macht deutlich, dass wir weder in Resignation noch in Selbstsicherheit verharren können. Resignation würde die Klage Gottes über Sünde hören, aber seine beharrliche Liebe unterschätzen; Selbstsicherheit würde sich auf die Gnade berufen und den Ernst seiner Heiligkeit ausblenden. Zwischen beiden Haltungen steht der Weg derer, die wissen, dass ihr Herr sie als Ehemann liebt und deshalb ihr Leben nicht sich selbst überlässt. Diese Gewissheit darf Mut machen, auch schmerzliche Enthüllungen nicht zu scheuen, sondern sie als Teil eines göttlichen Weges zur Wiederherstellung zu verstehen. In der Gemeinschaft mit einem solchen Herrn bleibt Hoffnung lebendig – nicht als vages Gefühl, sondern als feste Erwartung, dass er seine Gemeinde reinigt, sie bewahrt und sie einmal in Herrlichkeit zu sich stellt. Wer sich in dieser Hoffnung bergen lernt, beginnt mitten im Prozess der Zurechtbringung schon etwas von der Freude zu kosten, die Gott über seinem erneuerten Volk haben will.
Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Jeremiah, Chapter 8