Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der Knecht Jehovas als ein Bund für das Volk und ein Licht für die Nationen

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Viele Christen verlassen sich im Blick auf ihre Errettung vor allem auf Gottes Liebe und Gnade – und bleiben doch innerlich unsicher, ob Gott sie wirklich festhält. Jesaja zeichnet ein anderes Bild: Der Knecht Jehovas, Christus selbst, wird als Bund für das Volk und als Licht für die Nationen vorgestellt. Gottes Zusagen sind nicht nur freundliche Worte, sondern rechtlich gültig, in Christus verankert, und dieses Licht dringt bis in die dunkelsten Gefängnisse eines Menschen. Wer versteht, wer dieser Knecht ist und welche Aufgabe er hat, entdeckt die solide Grundlage der Errettung und die Kraft eines neuen Lebens im Licht.

Christus – der lebendige Bund Gottes in der Kraft göttlicher Gerechtigkeit

Wenn Jesaja bezeugt: „Ich, der HERR, ich habe dich in Gerechtigkeit gerufen … Und ich behüte dich und mache dich zum Bund des Volkes“ (Jes. 42:6), öffnet sich ein weiter Horizont. Der Neue Bund ist nicht zuerst ein Stück Papier oder eine Sammlung frommer Versprechen, sondern eine Person. Gott sagt nicht nur: Ich schließe einen Bund für euch, sondern: Ich mache dich – meinen Knecht, meinen Geliebten – selbst zum Bund. In Christus konzentriert sich alles, was Gott zugesagt hat: Vergebung, Rechtfertigung, neues Leben, der Geist, das Erbe. Wie eine unterschriebene Besitzurkunde gibt dieser Bund rechtliche Sicherheit: Was in Christus zugesprochen wird, ist nicht mehr verhandelbar, sondern festgelegt vor Gottes Gesetz und Gericht.

Der Bund ist eine Angelegenheit der Gerechtigkeit nach dem Gesetz. Jeder Bund hat einen rechtlichen Charakter; er ist im Grunde eine Art Rechtsvereinbarung. Er erfüllt die Forderung des Gesetzes. Wird diese Forderung des Gesetzes nicht erfüllt, hat der Bund keine Bedeutung. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft sechsundvierzig, S. 327)

Diese rechtliche Seite des Bundes ist kein kühler Gegensatz zur Liebe Gottes, sondern ihre unerschütterliche Form. Am Kreuz hat der Sohn Gottes alle Forderungen des Gesetzes erfüllt. Darum heißt es über das Evangelium: „Denn die Gerechtigkeit Gottes wird darin offenbart aus Glauben zum Glauben“ (Röm. 1:17). Gottes Liebe bleibt, aber sein Handeln mit dem Glaubenden ist nun an seine eigene Gerechtigkeit gebunden. Er wäre ungerecht, wenn er den, für den Christus die volle Strafe getragen hat, noch einmal verurteilen würde. So entsteht eine erstaunliche Freiheit: Vor Gott wird nicht auf vages Erbarmen spekuliert, sondern auf einen vollbrachten Rechtsakt verwiesen – das Blut des Bundes.

Wenn der Herr beim Abendmahl sagt: „denn dies ist Mein Blut des Bundes, das für viele zur Vergebung der Sünden vergossen wird“ (Mt. 26:28), verbindet er Opfer, Bund und Testament miteinander. Sein vergossenes Blut ist die Siegel-Tinte unter dem neuen Bund. Zugleich ist dieser Bund Testament: In Christus sind unzählige geistliche Vermächtnisse niedergelegt – die Kindschaft, die Gabe des Geistes, der Zugang zu Gott, das kommende Erbe. Der, der dieses Testament eingesetzt hat, ist durch seinen Tod gestorben, damit es in Kraft tritt, und durch seine Auferstehung lebt er als Bürge und Vollstrecker desselben. So wird deutlich, wie reich und zugleich wie verbindlich Gottes Zuwendung geworden ist: Christus ist sowohl die Urkunde als auch der Garant.

Wer auf Christus vertraut, steht darum nicht auf dem schwankenden Boden eigener Leistung, sondern auf einem heiligen Rechtsgrund. „So wie es nun durch eine Verfehlung für alle Menschen zur Verurteilung kam,so kam es auch durch eine gerechte Tat für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens“ (Röm. 5:18). Rechtfertigung ist mehr als ein mildes Wegsehen über Schuld; sie ist Gottes öffentliches Urteil: Dieser Mensch gehört mir, er steht in meinem Bund, er hat Anteil an dem Leben meines Sohnes. In dieser Sicht verliert das Evangelium seinen zufälligen Charakter und wird zur Zusage einer unerschütterlichen Ordnung, die Gott selbst gestiftet hat.

Ich, der HERR, ich habe dich in Gerechtigkeit gerufen und ergreife dich bei der Hand. Und ich behüte dich und mache dich zum Bund des Volkes, zum Licht der Nationen, (Jes. 42:6)

denn dies ist Mein Blut des Bundes, das für viele zur Vergebung der Sünden vergossen wird. (Mt. 26:28)

Wenn Christus selbst unser Bund ist, wird Glaube zu einer beständigen Rückkehr zu seiner Person: weg von der Unruhe der eigenen Maßstäbe hin zu der Ruhe eines Werkes, das von Gottes Gerechtigkeit getragen ist; in dieser Ruhe wächst eine neue Freiheit, Gott mit kindlichem Mut zu begegnen und das geschenkte Erbe nicht ängstlich, sondern erwartungsvoll zu empfangen.

Der Knecht Jehovas – göttliche Herkunft und vollkommene Menschlichkeit

Der Knecht Jehovas tritt nicht aus dem Nichts hervor. Sein Ursprung liegt in der Ewigkeit Gottes. Jesaja lässt Gott selbst sprechen: „Ich, der HERR, ich habe dich in Gerechtigkeit gerufen … Und ich behüte dich und mache dich zum Bund des Volkes, zum Licht der Nationen“ (Jes. 42:6). Er ist nicht selbsternannt, nicht ein religiöser Genießer eigener Ideen, sondern von Gott her kommend, erwählt, geformt, gesandt. In ihm begegnen wir dem, der „vor allen Dingen“ ist und in dem „alle Dinge … zusammengehalten“ werden (Kol. 1:17). Seine Quelle ist die Gottheit selbst – er ist der, der war, der ist und der kommen wird –, und gerade aus dieser göttlichen Fülle heraus wird er Diener.

Christus, der Knecht Jehovahs, der als Bund für das Volk Israel und als Licht für die Nationen da ist, hat eine Quelle, einen Ursprung. Diese Quelle liegt in Seiner Göttlichkeit, in Seiner Gottheit, in Seinem Gottsein. Er war Gott in der vergangenen Ewigkeit, Er ist heute Gott, und Er wird in der Zukunft Gott sein; daher ist Er der, der war, der ist und der sein wird. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft sechsundvierzig, S. 330)

Gleichzeitig betont die Schrift mit großer Ernsthaftigkeit seine wirkliche Menschlichkeit. Jesaja sagt von ihm, der HERR habe ihn „von Mutterleib an für sich zum Knecht gebildet“ (Jes. 49:5). Damit wird der Weg gezeigt, den Gott schon in 1. Mose eröffnet: „da formte Jehovah Gott den Menschen vom Staub des Erdbodens und hauchte ihm den Lebensatem in die Nasenlöcher, und der Mensch wurde zu einer lebenden Seele“ (1.Mose 2:7). Der Sohn Gottes nimmt genau diese von Gott geschaffene Menschlichkeit an – nicht scheinbar, sondern tatsächlich. Er wächst, lernt, leidet, wird müde und hungrig. Seine menschlichen Gefühle, seine Regungen, sein Mitgefühl sind keine göttlichen Scheingesten, sondern wahrhaftige menschliche Tugenden, die von seiner Gottheit durchdrungen sind.

Wer in Jesaja auf diesen Knecht schaut, entdeckt, wie sehr er gerade in seiner Menschlichkeit die Qualifikation für seinen Dienst zeigt: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue bringt er das Recht hinaus“ (Jes. 42:3). Er schreit nicht auf den Straßen, er drängt sich nicht in den Vordergrund, er überfordert die Schwachen nicht. Seine Stärke ist nicht Härte, sondern eine durchtragende Sanftmut. Diese zurückhaltende Liebe ist keine Weichheit, sondern Ausdruck einer inneren Festigkeit: „Er wird nicht verzagen noch zusammenbrechen, bis er das Recht auf Erden aufgerichtet hat“ (Jes. 42:4). Göttliche Entschlossenheit und menschliche Zartheit sind bei ihm kein Widerspruch, sondern eine Einheit.

Gerade diese Einheit macht ihn zum einzig geeigneten Mittler und Erlöser. Als Mensch kann er tatsächlich an unserer Stelle stehen, sich unter das Gesetz stellen, unser Gericht tragen, unsere Schwachheit teilen. Als Gott gibt er diesem Opfer unendlichen Wert und ewige Wirksamkeit. Es ist nicht der Tod eines bloß edlen Menschen, sondern das Leiden dessen, in dem „die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ wohnt (Kol. 2:9). Darum kann sein Werk nicht verfallen, nicht veralten, nicht an Kraft verlieren. Der Bund, den Gott in ihm gründet, ruht auf einer Person, in der Gottheit und Menschheit unauflöslich vereint sind.

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue bringt er das Recht hinaus. (Jes. 42:3)

Er wird nicht verzagen noch zusammenbrechen, bis er das Recht auf Erden aufgerichtet hat. Und die Inseln warten auf seine Weisung. (Jes. 42:4)

Die Verbindung von völliger Gottheit und wahrer Menschlichkeit in Christus eröffnet eine glaubwürdige Nähe Gottes: im Blick auf ihn darf menschliche Schwachheit ehrlich benannt werden, ohne den Mut zu verlieren, weil derselbe, der unsere Zerbrechlichkeit kennt, als ewiger Sohn Gottes die Kraft und Würde besitzt, sie in Gottes gerechtmachende und erneuernde Geschichte hineinzunehmen.

Christus als Licht und Befreier – aus der Finsternis in das Reich des Sohnes

Die Berufung des Knechtes Jehovas reicht weiter, als jede nationale Erwartung fassen könnte. „So habe ich dich (auch) zum Licht der Nationen gemacht, (daß) mein Heil reiche bis an die Enden der Erde“ (Jes. 49:6). Der Bund, den Gott in ihm aufrichtet, ist kein innerjüdisches Arrangement, sondern eine Gnade mit weltweitem Horizont. Dieses Licht ist nicht bloß Erkenntnis, nicht nur eine neue Lehre. Johannes fasst es so: „In Ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen“ (Johannes 1:4). Licht und Leben gehören zusammen: Das Licht Christi ist die Ausstrahlung seines göttlich-menschlichen Lebens, das Menschen neu gebiert, aus dem Tod herausführt und ihnen die Wirklichkeit Gottes aufschließt.

Today we can proclaim that on the whole earth there is justice! This justice is the verdict of God’s judgment over the righteous One, Jesus. The declaration of this justice is the preaching of the gospel. Salvation in God’s gospel is very lawful and very just. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft sechsundvierzig, S. 336)

In den Bildern Jesajas erscheinen die Menschen als Blinde und Gefangene: „blinde Augen aufzutun, um Gefangene aus dem Kerker herauszuführen (und) aus dem Gefängnis, die in der Finsternis sitzen“ (Jes. 42:7). Es geht um eine Finsternis, die tiefer reicht als äußere Not: die Blindheit gegenüber Gott, die Macht der Sünde, die innere Gefangenschaft unter Schuld und zerstörerischen Bindungen. Wenn Christus als Licht auftritt, trifft er genau dort hinein. Er stellt nicht zuerst neue Forderungen, sondern öffnet die Augen, löst Ketten, führt hinaus aus engen, dunklen Räumen. Dieses Herausführen ist keine bloße innere Erleichterung, sondern eine wirkliche Versetzung in eine neue Herrschaftssphäre: „der uns aus der Gewalt der Finsternis befreit hat und uns in das Königreich des Sohnes Seiner Liebe versetzt hat“ (Kolosser 1:13).

In dieser Bewegung vom Dunkel ins Licht bleibt die Gerechtigkeit Gottes das tragende Fundament. Das Licht Christi ist nicht eine freundliche Überdeckung der Finsternis, sondern die Offenbarung dessen, was Gottes Gericht schon entschieden hat. In seinem Tod hat der Gerechte die ganze Last des Gerichtes getragen; in seiner Auferstehung spricht Gott das endgültige Ja zu seiner Person und seinem Werk. Wo dieses Evangelium verkündet wird, wird zugleich die Gerechtigkeit Gottes ausgerufen: Wer an den Sohn glaubt, steht rechtmäßig als Freigesprochener vor Gott. Darum heißt es über den Auftrag an Paulus: Menschen sollen „von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt Satans zu Gott“ gewendet werden, „damit sie Vergebung der Sünden empfangen und ein Erbteil unter denen, die durch den Glauben an Mich geheiligt worden sind“ (Apg. 26:18). Vergebung und Erbteil, Rechtfertigung und Teilnahme am Erbe des Sohnes gehören untrennbar zusammen.

Wenn Christus so als Bund und als Licht wirkt, trifft das den Alltag des Glaubens auf eine sehr konkrete Weise. Licht bedeutet, dass verborgene Dinge sichtbar werden: eigene Verstrickungen, falsche Sicherheiten, innerer Widerstand. Doch weil dieses Licht das Licht des Lebens ist, richtet es nicht zugrunde, sondern macht lebendig. Es klagt an, um zu befreien, es deckt auf, um zu heilen. Wer in dieses Licht gestellt wird, erfährt, dass die rechtliche Seite der Errettung – die Rechtfertigung – und die erfahrbare Seite – das neue Leben im Geist – sich gegenseitig stützen. Die Zusage Gottes, dass wir als Gerechte vor ihm stehen, gibt Mut, im Licht zu bleiben; und das Leben im Licht öffnet den Raum, in dem die Rechtfertigung als Freude, Frieden und neue Beweglichkeit des Herzens Gestalt gewinnt.

ja, er spricht: Es ist zu wenig, daß du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten Israels zurückzubringen. So habe ich dich (auch) zum Licht der Nationen gemacht, (daß) mein Heil reiche bis an die Enden der Erde. (Jes. 49:6)

In Ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. (Joh. 1:4)

Christus als Bund und Licht zu erkennen, bedeutet, die eigene Vergangenheit nicht mehr als geschlossene Dunkelheit zu betrachten, sondern als Schauplatz seines rettenden Eingreifens; dort, wo seine Gerechtigkeit zugesprochen ist und sein Licht hineinleuchtet, beginnt ein Weg, auf dem Gefangenschaft und Blindheit nicht mehr die letzte Definition des Lebens sind, sondern Ausgangspunkte einer Geschichte, in der Gottes Licht sich Schritt für Schritt durchsetzt.


Herr Jesus Christus, Knecht Jehovas, wir preisen Dich, dass Du selbst unser Bund und unser Licht bist. Du hast alle Forderungen der göttlichen Gerechtigkeit erfüllt und uns damit eine unerschütterliche Grundlage der Errettung geschenkt. Danke, dass Deine Gerechtigkeit stärker ist als unsere Schuld und dass Dein Licht tiefer reicht als jede Finsternis unserer Herzen. Stärke in uns das Vertrauen, dass Du als lebendiger Bund nie zerbrichst und als Licht nie verlöschst. Lass uns mehr erkennen, wie reich unser Erbe in Dir ist, und erfülle unseren Geist mit Deinem Leben, damit Deine Gnade, Deine Heiligkeit und Deine Liebe in uns sichtbar werden. Bewahre uns in der Gewissheit, dass wir aus der Herrschaft der Finsternis herausgenommen und in das Reich Deiner Herrlichkeit versetzt sind. Dein Name sei gepriesen über Deinem Volk und über allen Nationen – jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Isaiah, Chapter 46