Das Wort des Lebens
lebensstudium

Christus als der Knecht Jehovas (1), wie er durch Kyrus, den König von Persien, und Israel vorgebildet ist, und als ein Bund für das Volk und ein Licht für die Nationen

15 Min. Lesezeit

Die Kapitel im Buch Jesaja, in denen vom Knecht Jehovas die Rede ist, gehören zu den tiefsten Offenbarungen über Christus im Alten Testament. Gott benutzt dabei überraschende Werkzeuge: einen heidnischen König, ein versagendes Volk und einen leidenden Messias, um zu zeigen, wie Er Seine Rettung und Seinen Trost zu den Menschen bringt. Wer diese Linie erkennt, entdeckt, dass Christus nicht nur damals handelte, sondern auch heute als der wahre Knecht Gottes wirkt – indem Er Menschen erneuert, Gefangene freisetzt und Licht in alle Nationen bringt.

Christus, der wahre Knecht Jehovas – vorgebildet durch Kyrus und Israel

Im Spiegel von Kyrus und Israel lässt Jesaja den wahren Knecht Jehovas hervortreten. Kyrus, der persische König, erscheint überraschend als Werkzeug des HERRN: „Alle Königreiche der Erde hat der HERR, der Gott des Himmels, mir gegeben. Nun hat er selbst mir (den Auftrag) gegeben, ihm in Jerusalem, das in Juda ist, ein Haus zu bauen“ (Esra 1:2). Ein heidnischer Herrscher empfängt Vollmacht und Auftrag von Israels Gott – nicht, weil er den Messias ersetzen könnte, sondern weil Gott bereits im Voraus andeutet, wie Er durch einen von Ihm eingesetzten König Völker bewegen, Gefängnisse öffnen und Seinen Ratschluss voranbringen wird. In Jesaja 41 ist von einem „vom Norden her erweckten“ die Rede (Jes. 41:25), vor dem Könige verstummen und Völker erzittern. Hinter der geschichtlichen Figur des Kyrus schimmert die Gestalt dessen auf, den Gott später „zu Seiner Rechten als Führer und Retter erhöht“ (Apostelgeschichte 5:31) und zum „Fürsten über die Könige der Erde“ macht (Offenbarung 1:5). Der zeitliche Einsatz Kyrus’ weist über sich hinaus auf die bleibende, himmlische Königsherrschaft Christi.

In Kapitel vierzig des Jesajabuches ist Christus der Ersatz für alle. Weil wir durch Christus ersetzt worden sind, müssen wir erkennen, dass wir nichts sind – ein Tropfen am Eimer, Staubkörnchen auf der Waage (V. 15). Gott selbst ist der Einzige im Universum, der für immer bleibt. Heute ist Gott im Wort verkörpert. Als Menschen, die wie Gras verwelken und wie Blumen verblassen (V. 6–8), müssen wir lernen, zum Wort Gottes zu kommen, damit wir Gott berühren können. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft zweiundzwanzig, S. 146)

Parallel dazu stellt Gott Israel als Seinen Knecht vor: „Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, den ich erwählt habe, Nachkomme Abrahams, meines Freundes“ (Jesaja 41:8). Israel sollte als Erwählter Gottes Träger Seiner Zusagen, Zeuge Seiner Treue und Bote Seines Trostes sein. Doch gerade in den Spannungen und im Versagen des Volkes wird sichtbar, dass dieser Knechtsdienst im Volk allein keine Erfüllung findet. Israel wird ermutigt, aber zugleich „Wurm Jakob“ und „Häuflein Israel“ genannt (Jesaja 41:14) – ein drastisches Bild: erwählt, aber schwach; berufen, aber nicht imstande, die Berufung aus eigener Kraft zu tragen. Damit öffnet Jesaja den Blick für einen anderen Knecht, in dem Gottes Plan nicht mehr an der Begrenztheit des Menschen scheitert, sondern zur Ruhe kommt.

Christus tritt als der wahre Knecht Jehovas an die Stelle sowohl des heidnischen Werkzeugs Kyrus als auch des schwachen Knechts Israel. Was Kyrus vorbildlich in begrenzter, politischer Weise tat – Völker unterwerfen, Wege bahnen, den Wiederaufbau des Hauses Gottes einleiten –, erfüllt Christus in geistlicher Tiefe: Er besiegt die unsichtbaren Mächte, befreit Menschen aus der Herrschaft der Sünde und baut die Gemeinde als Haus Gottes. Was Israel hätte sein sollen – ein demütiger, gehorsamer Diener, der in Abhängigkeit von Gott lebt –, ist Christus in Vollkommenheit. Er ist der Knecht, der nicht seinen eigenen Ruhm sucht, sondern das Wohlgefallen des Vaters, der in allem „Ja“ zu Gottes Willen sagt, wo Israel immer wieder in das „Nein“ des Ungehorsams zurückfällt. So wird im Kontrast die Einzigartigkeit dieses Knechtes sichtbar, der die ganze Geschichte Israels in sich sammelt und heiligt.

Wer das erkennt, wird an Jesaja 41 neu berührt. Gott sagt zu Israel: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir! … Ich stärke dich, ja, ich helfe dir“ (Jesaja 41:10). Diese Zusage erreicht in Christus ihre höchste Dichte. Er ist nicht nur bei Seinem Volk, Er kommt in das Volk hinein, teilt seine Schwachheit, trägt seine Last und wird so der wahre Knecht inmitten der Knechte. In Apostelgeschichte 3:26 heißt es: „Zu euch zuerst hat Gott, nachdem Er Seinen Diener hat erstehen lassen, Ihn gesandt, um euch zu segnen, indem Er einen jeden unter euch von euren bösen Taten abwendet.“ Der auferstandene Knecht segnet, indem Er umkehrt, was Kyrus und Israel nicht vermochten: Er wendet Menschen von ihren bösen Wegen ab, nicht durch Zwang, sondern indem Er ihre Herzen gewinnt und erneuert.

So spricht Kyrus, der König von Persien: Alle Königreiche der Erde hat der HERR, der Gott des Himmels, mir gegeben. Nun hat er selbst mir (den Auftrag) gegeben, ihm in Jerusalem, das in Juda ist, ein Haus zu bauen. (Esra 1:2)

Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, den ich erwählt habe, Nachkomme Abrahams, meines Freundes, (Jes. 41:8)

Christus als der wahre Knecht Jehovas stellt die Frage, auf wen das Gewicht unseres Lebens wirklich liegt. Die Vorbilder Kyrus und Israel zeigen, wie Gott Menschen gebraucht und wie sie zugleich an ihre Grenzen stoßen. In Christus erfüllt Gott Seinen Plan ohne Bruch – und gerade darin liegt unsere Entlastung. Der Glaube lernt, die eigenen Möglichkeiten nicht zu überhöhen und die eigenen Begrenzungen nicht zu fürchten, weil der entscheidende Dienst bereits getan ist. Wo ein Mensch innerlich zustimmt: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“, wird der Knechtsdienst nicht zur moralischen Überforderung, sondern zur Frucht eines geteilten Lebens. In dieser Perspektive darf jeder Tag neu zur Gelegenheit werden, der Gegenwart dieses Knechtes zu trauen – im Vertrauen, dass Er es ist, der sowohl in den großen Weichenstellungen als auch in den unscheinbaren Schritten des Alltags Gottes Willen zur Geltung bringt.

Erneuert und getragen – leben aus der Kraft des Knechtes Jehovas

Jesaja stellt den Menschen in einer ernüchternden Klarheit dar: „Alles Fleisch ist Gras und all seine Anmut wie die Blume des Feldes. Das Gras ist verdorrt, die Blume ist verwelkt … aber das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit“ (Jesaja 40:6–8). Auf diese Diagnose folgt keine moralische Aufrüstung, sondern die Offenbarung eines Anderen, der an unsere Stelle tritt. Wenn der Mensch wie Gras ist, das unter der Hitze der Zeit vergeht, dann ist jede religiöse Selbstbehauptung zum Scheitern verurteilt. Darum wirkt Gott nicht daran, aus dem Gras einen Baum zu machen, sondern einen Knecht aufzurichten, der die Last trägt, die der Mensch nicht tragen kann. In dieser Perspektive bekommt „ersetzt werden“ eine tiefe, tröstliche Bedeutung: Nicht unsere Schwachheit ist das Problem, sondern der Versuch, aus ihr doch noch eine Stärke zu machen.

Wenn wir das lebendige und bleibende Wort Gottes empfangen, werden wir wiedergeboren und erkennen, dass wir Teil der neuen Schöpfung sind. In einer solchen Erfahrung können wir – wie Paulus – bezeugen, dass wir mit Christus gekreuzigt worden sind und dass nicht mehr wir leben, sondern Christus in uns lebt (Gal. 2:20). Das bedeutet, auf Christus zu warten (Jes. 40:31), das heißt, bei uns selbst, bei unserem Leben, unserem Ehrgeiz und allem, was uns ausmacht, innezuhalten und Christus als unser Leben, unsere Person und unseren Ersatz zu empfangen. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft zweiundzwanzig, S. 146)

Diese Verlagerung fasst Jesaja 40:31 in das Bild des Wartens: „Aber die auf den HERRN hoffen, gewinnen neue Kraft: sie heben die Schwingen empor wie die Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.“ Warten auf den HERRN ist hier nicht passives Ausharren, sondern ein inneres Anhalten. Der Mensch, der sich von Christus ersetzen lässt, unterbricht den ständigen Versuch, sich selbst zu rechtfertigen, sich selbst zu erklären, sich selbst durchzusetzen. Er bringt sein Drängen und seinen Ehrgeiz zur Ruhe und öffnet sich dem, der als Knecht Gottes bereits alles vollbracht hat. Dort, wo diese innere Bewegung geschieht, wird Warten zu einem Raum, in dem Christus als Leben und Person aufgenommen wird: nicht mehr wir stehen im Mittelpunkt, sondern der, der für uns lebt.

Mit der Neugeburt durch das lebendige Wort Gottes beginnt diese Verlagerung konkret zu werden. Wenn Petrus vom „wiedergeboren … durch das lebendige und bleibende Wort Gottes“ spricht (1. Petrus 1:23), knüpft er an die Einsicht Jesajas an. Durch dieses Wort werden Menschen zu einem Teil der neuen Schöpfung, in der Christus das Haupt und die Mitte ist. Paulus kann daher sagen: „Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ (Galater 2:20). Dieses Bekenntnis ist keine fromme Übertreibung, sondern die Beschreibung eines Weges: Das alte Leben, das im eigenen Können wurzelt, wird mit Christus gekreuzigt; an seine Stelle tritt ein Leben, das im Vertrauen auf Christus seinen Rhythmus findet. So entsteht ein leiser, aber wirksamer Austausch: unsere Zerbrechlichkeit gegen Seine Beständigkeit, unsere Rastlosigkeit gegen Sein ruhendes Vertrauen auf den Vater.

Wer in diesem Sinn auf Christus wartet, erfährt, dass die Kraft, die Jesaja verheißt, nicht spektakulär, aber tragfähig ist. Die „Schwingen wie die Adler“ sind nicht das Symbol eines triumphalen Überflugs über alle Probleme, sondern das Bild einer Kraft, die nicht aus uns stammt. Ein Adler nutzt die Aufwinde, die er nicht selbst erzeugt; er lässt sich von ihnen tragen. So ist die Kraft, von der Jesaja spricht, die Auftriebskraft des göttlichen Lebens, das uns in Christus geschenkt ist. Sie macht es möglich, dass ein Mensch in Prüfungen nicht zerbricht, dass er in der Erschöpfung nicht innerlich verbittert, dass er im Dienst nicht durchbrennt. In dieser Kraft werden wir Schritt für Schritt in die Gestalt des Knechtes hineingezogen – nicht als Kopie, sondern als Menschen, in denen Er selbst wirkt.

Eine Stimme spricht: Rufe! – Und er sprach: Was soll ich rufen? Alles Fleisch ist Gras und all seine Anmut wie die Blume des Feldes. Das Gras ist verdorrt, die Blume ist verwelkt, denn der Hauch des HERRN hat sie angeweht. Fürwahr, das Volk ist Gras. Das Gras ist verdorrt, die Blume ist verwelkt; aber das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit. (Jes. 40:6-8)

Aber die auf den HERRN hoffen, gewinnen neue Kraft: sie heben die Schwingen empor wie die Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht. (Jes. 40:31)

Leben aus der Kraft des Knechtes Jehovas heißt, sich der Realität der eigenen Begrenztheit zu stellen und sie nicht länger zu kaschieren. Jesajas Bild vom Gras und von der verwelkenden Blume nimmt den Druck, aus dem eigenen Leben ein perfektes Werk machen zu müssen. An die Stelle dieses Anspruchs tritt die Einladung, Christus Raum zu geben, damit Er unser Ersatz und unsere Kraft wird. Wo ein Mensch innerlich innehält, im Warten seine rastlose Selbstbehauptung loslässt und das Wort Gottes an sich heranlässt, beginnt ein unscheinbarer, aber tiefgreifender Wandel. Die Wege bleiben dieselben, doch sie werden in einer anderen Kraft gegangen. So kann auch ein von Mühen und Brüchen gezeichneter Alltag zum Ort werden, an dem die Treue Gottes sichtbar wird – in der Ausdauer, die Er schenkt, im stillen Trost Seiner Gegenwart und in der Hoffnung, dass Er das Werk, das Er als Knecht Gottes begonnen hat, auch vollenden wird.

Christus als Bund und Licht – Gnade für Israel und die Nationen

In den Liedern vom Knecht Jehovas weitet Jesaja den Blick von Israel auf alle Nationen. Gott spricht zu Seinem Knecht: „So spricht der HERR: Zur Zeit des Wohlgefallens habe ich dich erhört, und am Tag des Heils habe ich dir geholfen. Und ich werde dich behüten und dich zum Bund des Volkes machen, das Land aufzurichten, die verödeten Erbteile auszuteilen“ (Jesaja 49:8). Der Bund, von dem hier die Rede ist, ist mehr als ein schriftliches Abkommen; er nimmt Gestalt an in einer Person. Christus ist nicht nur der Mittler eines Bundes, Er ist selbst der Bund, in dem Gott sich mit den Menschen verbindet. In Ihm sagt Gott unwiderruflich Ja zu Seinem Volk und zu Seinen Verheißungen. Durch Seinen Tod wird dieser Bund zum Testament, durch Seine Auferstehung zum wirksamen Willen, den Er selbst vollstreckt: „so ist Jesus auch eines besseren Bundes Bürge geworden“ (Hebräer 7:22). Alles, was Gott verheißen hat – Vergebung, neues Leben, Zugang zu Ihm –, wird durch Christus als lebendigen Bund verlässlich und unantastbar.

Jesaja 42 offenbart Christus als einen Bund für das Volk und als ein Licht für die Nationen. Christus ist ein Bund, und dieser Bund ist ein Testament. Ein Bund ist eine Vereinbarung zwischen zwei Parteien, ein Vertrag, den beide Parteien unterschrieben haben. Ein Testament ist ein Bund, eine unterschriebene Vereinbarung, die zu einem letzten Willen geworden ist, in dem bestimmte Dinge an die Erben weitergegeben werden. Der Bund ist die Vereinbarung zwischen Gott und uns. Durch den Tod Christi wurde dieser Bund zu einem Testament, einem letzten Willen. Jetzt, in Seiner Auferstehung, führt Christus dieses Testament aus und setzt es durch. (Witness Lee, Life-Study of Isaiah, Botschaft zweiundzwanzig, S. 147)

Als Bund für das Volk steht Christus zunächst im Horizont Israels. Doch Gott sagt über Seinen Knecht: „Es ist zu wenig, daß du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten Israels zurückzubringen. So habe ich dich (auch) zum Licht der Nationen gemacht, (daß) mein Heil reiche bis an die Enden der Erde“ (Jesaja 49:6). Der Bund, der in Christus Person geworden ist, bleibt nicht im inneren Kreis Israels eingeschlossen. Er öffnet sich hin zu den Nationen, zu den Völkern ohne Geschichte mit dem Gott Abrahams. Als Jesus in Galiläa auftritt, greift Matthäus diese Linie auf: „Das Volk, das in Finsternis sitzt, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die im Land und Schatten des Todes sitzen: Ihnen ist Licht aufgegangen“ (Matthäus 4:16). Der Bund, den Gott in Christus geschlossen hat, beginnt zu leuchten – zunächst in einem verachteten Randgebiet, dann bis an die Enden der Erde.

Dieses Licht ist nicht abstrakt. Jesaja beschreibt den Knecht, dem Gott sagt: „Ich, der HERR, habe dich in Gerechtigkeit gerufen und ergreife dich bei der Hand; und ich werde dich behüten und dich zum Bund des Volkes machen, zum Licht der Nationen, um blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker herauszuführen und aus dem Gefängnis die, welche in Finsternis sitzen“ (Jesaja 42:6–7). Licht heißt hier: Augen gehen auf, Ketten lösen sich, Räume der Finsternis bekommen eine Tür. Als Jesus in der Synagoge von Nazareth die Worte aus Jesaja 61 liest und spricht: „Der Geist des Herrn ist auf Mir, weil Er Mich gesalbt hat, um den Armen das Evangelium zu verkünden; Er hat Mich gesandt, um den Gefangenen Befreiung zu verkündigen und den Blinden Wiedererlangung des Augenlichts, um die Unterdrückten in die Freiheit zu entlassen“ (Lukas 4:18), nimmt Er diesen Auftrag ausdrücklich für sich in Anspruch. Im Bund, den Gott in Christus geschlossen hat, ist Befreiung nicht nur Zusage, sondern Gegenwart.

Dazu gehört, dass dieser Knecht anders auftritt als die Herrscher dieser Welt. Über Ihn heißt es: „Siehe, mein Knecht, den ich erwählt habe, mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen gefunden hat; ich werde meinen Geist auf ihn legen, und er wird den Nationen Gericht ankündigen. Er wird nicht streiten noch schreien, noch wird jemand seine Stimme auf den Straßen hören; ein geknicktes Rohr wird er nicht zerbrechen, und einen glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Gericht hinausführe zum Sieg“ (Matthäus 12:18–20). Das Licht der Nationen ist kein gleißender Scheinwerfer, der alles erbarmungslos ausleuchtet, sondern ein Licht, das auch im Halbdunkel eines glimmenden Dochtes behutsam brennt. Christus als Bund und Licht verbindet die kompromisslose Maßstäblichkeit Gottes mit einer Sanftmut, die zerbrochene Menschen nicht wegstößt, sondern aufrichtet. Darin liegt eine Hoffnung, die sowohl den Überforderten als auch den Schuldigen trägt.

ja, er spricht: Es ist zu wenig, daß du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten Israels zurückzubringen. So habe ich dich (auch) zum Licht der Nationen gemacht, (daß) mein Heil reiche bis an die Enden der Erde. (Jes. 49:6)

So spricht der HERR: Zur Zeit des Wohlgefallens habe ich dich erhört, und am Tag des Heils habe ich dir geholfen. Und ich werde dich behüten und dich zum Bund des Volkes machen, das Land aufzurichten, die verödeten Erbteile auszuteilen, (Jes. 49:8)

Christus als Bund für das Volk und als Licht für die Nationen fasst das Evangelium in zwei einfachen, aber tiefen Bildern zusammen: Gott hat sich festgelegt, und Er hat das Dunkel nicht gemieden. Wer im Glauben an diesen Christus lebt, darf wissen, dass Gottes Ja nicht bei der ersten Schwäche in ein Vielleicht umschlägt. Der Bund ruht in Ihm, nicht in uns. Zugleich bleibt das Licht nicht an der Oberfläche: Es dringt in die Räume vor, die wir uns selbst kaum zu betreten trauen. In der Begegnung mit diesem Knecht Gottes werden Schuld, Scham und Angst nicht verharmlost, aber sie verlieren ihren Anspruch, das letzte Wort zu haben. So wird der Blick frei nach vorn: in eine Zukunft, in der derselbe Christus, der heute als stilles Licht unsere Schritte erhellt, einmal unverhüllt aufgehen wird und in der kein Volk, keine Lebensgeschichte, kein Herz mehr außerhalb der Helligkeit dieses Bundes stehen wird.


Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Isaiah, Chapter 22