Eine zusätzliche Botschaft – die göttliche Austeilung der göttlichen Ökonomie
Viele Christen wissen, dass Gott einen Plan hat – aber worin besteht dieser Plan ganz konkret für unseren Alltag? Zwischen biblischen Begriffen wie „Erlösung“, „Heil“ und „Leib Christi“ kann leicht der innere rote Faden verloren gehen: Gott selbst möchte sich uns schenken. Die Schrift zeichnet eine Linie vom Kreuz bis in unser heutiges Christenleben und zeigt, wie der Dreieine Gott sich in Christus und durch den Geist als Leben mitteilt, um sich ein Volk und einen Leib zu gewinnen, der ihn sichtbar macht.
Gottes ewige Ökonomie – Christus in uns für den Leib Christi
Wenn das Neue Testament von Gottes „Ökonomie“ spricht, öffnet es den Blick in das Herz Gottes. „Ökonomie“ meint hier nicht Berechnung, sondern einen Haushaltsplan: Gott hat sich selbst ein Ziel gesetzt und handelt konsequent darauf hin. In Epheser 1:10 heißt es, dass Gott „zur Ökonomie der Fülle der Zeiten … in Christus alle Dinge aufzuhaupten“ beabsichtigt. Das Zentrum dieser Ordnung ist eine Person: Christus. Doch Christus bleibt nicht außerhalb von uns; Gottes Plan ist, Christus in Menschen hineinzuteilen. Epheser 3:9 spricht von der „Ökonomie des Geheimnisses“, die lange verborgen war. Dieses Geheimnis ist kein System, sondern eine Person im Innern der Glaubenden. Wenn Gott Christus austeilt, teilt Er in Wirklichkeit sich selbst aus, denn Christus ist die Verkörperung des Dreieinen Gottes.
Die göttliche Ökonomie ist Gottes ewiger Plan, Christus in Sein auserwähltes Volk auszuteilen, um den organischen Leib Christi hervorzubringen, zu konstituieren und aufzubauen (Eph. 1:10; 3:8–10; 1.Tim. 1:4). Da Christus die Verkörperung des Dreieinen Gottes ist, bedeutet es in Wirklichkeit, dass Gott, wenn Er Christus in Sein auserwähltes Volk austeilt, Sich Selbst in Christus in Sein auserwähltes Volk austeilt. Kurz gesagt besteht Gottes Ökonomie darin, für Christus einen Leib zu gewinnen. Dieser Leib ist die Vergrößerung des Dreieinen Gottes zu Seinem Ausdruck, damit Er zufriedengestellt wird. (Witness Lee, Life-Study of Job, Botschaft achtunddreißig, S. 204)
So wird deutlich, dass Erlösung nicht Endpunkt, sondern Eingang ist. 1. Timotheus 1:4 stellt die „Ökonomie Gottes, die im Glauben ist“, den endlosen Fragen und Streitigkeiten gegenüber. Gottes Ökonomie ist schlicht und zugleich unergründlich tief: Gott will in Christus Wohnung in Menschen nehmen, sich in ihnen vermehren und so eine Gemeinschaft formen, die Sein Ausdruck ist. Dieser Ausdruck heißt im Neuen Testament der Leib Christi. Epheser 3:8 beschreibt den „unerforschlichen Reichtum Christi“, der verkündigt wird; im nächsten Vers folgt, dass alle sehen sollen, „was die Ökonomie des Geheimnisses ist“. Christus wird nicht nur verkündigt, sondern ausgeteilt – als Reichtum, als Leben, als innerer Inhalt.
Der Leib Christi ist darum keine religiöse Organisation, die man verwaltet, sondern eine organische Wirklichkeit, die aus Leben besteht. Wie ein menschlicher Leib aus vielen Gliedern besteht, die alle denselben inneren Lebensstrom teilen, so ist der Leib Christi die Erweiterung des Dreieinen Gottes in Menschen hinein. Gott ist nicht zufrieden, wenn Menschen nur gerettet sind und auf das Paradies hoffen; Er möchte im Heute dieser Menschen zur Geltung kommen, ihre Gedanken, ihre Beziehungen, ihre Entscheidungen durchdringen. Wenn Christus in uns lebt, gewinnt der Dreieine Gott Raum, sich auszudrücken.
Das verändert, wie wir unser Christenleben sehen. Wenn Gottes Ökonomie „Christus in euch“ ist, wird der Maßstab für geistliches Wachstum nicht zuerst an Leistungen gemessen, sondern daran, wie sehr Christus in uns Gestalt gewinnt. Es gibt Zeiten, in denen wir äußerlich wenig vorweisen können, innerlich aber reich von Christus genährt werden. Gerade dann ist Gottes Plan im Vollzug. Und es gibt Phasen hoher Aktivität, in denen viel geschieht, aber wenig von Christus ausgeteilt wird; dann kann vieles beeindruckend sein und doch am Ziel Gottes vorbeigehen.
zur Ökonomie der Fülle der Zeiten, um in Christus alle Dinge aufzuhaupten, die Dinge in den Himmeln und die Dinge auf der Erde, in Ihm, (Eph. 1:10)
Mir, dem Allergeringsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, den Heiden den unerforschlichen Reichtum Christi als das Evangelium zu verkünden (Eph. 3:8-10)
Zu wissen, dass Gottes Ökonomie darin besteht, Christus in uns für den Leib Christi auszuteilen, öffnet eine stille Freiheit: Es muss nicht spektakulär sein, damit es zählt; entscheidend ist, ob Christus Raum gewinnt. Wer sich so versteht, vergleicht sich weniger, klagt weniger über das eigene Maß und fragt stattdessen: Wo wächst Christus in mir – und wie kann das, was ich von Ihm empfange, anderen zum Leben werden? In dieser Haltung wird das gewöhnliche Christenleben zum Ort einer großen, verborgenen Geschichte, in der Gott selbst sich austeilt und einen Leib für Seinen Sohn gewinnt.
Die göttliche Austeilung – vom Kreuz bis zur Reife der Gläubigen
Die göttliche Austeilung hat einen klaren Anfangspunkt in der Geschichte: das Kreuz. Dort wurde nicht nur eine Schuld bezahlt, dort wurde das göttliche Leben freigesetzt. Jesus beschreibt sich selbst als Weizenkorn: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“ (Johannes 12:24). In Ihm war das göttliche Leben wie die verborgene Keimkraft im Korn, umhüllt von der menschlichen Schale Seines physischen Leibes. Sein Tod war nicht das Ende dieser Lebensfülle, sondern der Moment, in dem die Hülle zerbrach, damit das Leben sich ausbreiten konnte.
Der zentrale Punkt, das Ziel, von Gottes Erlösung besteht nicht nur darin, uns von unseren Sünden und von der Verurteilung der Sünde (ewige Verdammnis) zu erlösen, sondern darin, Gott Selbst als das göttliche Leben in Seine Erlösten hineinzuteilen, das heißt, Sich Selbst als Leben in sie auszuteilen. In Joh. 12:24 heißt es: „Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ So wie in einem Weizenkorn Leben ist, so war innerhalb der menschlichen Hülle von Christi physischem Leib das göttliche Leben. Er ging ans Kreuz und starb, und der Tod des Kreuzes zerbrach diese menschliche Hülle und setzte das göttliche Leben frei, um viele Körner hervorzubringen. (Witness Lee, Life-Study of Job, Botschaft achtunddreißig, S. 205)
Dieses Freisetzen des Lebens ist in Johannes 19:34 in einem dichten Bild verdichtet: „… einer der Soldaten durchbohrte Seine Seite mit einer Lanze, und sogleich kamen Blut und Wasser heraus.“ Das Blut spricht von der Erlösung, von der Versöhnung des Schuldigen mit Gott. Das Wasser weist auf das göttliche Leben hin, das aus dem durchbohrten Christus zu uns fließt. Gottes Erlösung hat darum einen doppelten Schwerpunkt: Sie nimmt die Schuld hinweg und öffnet zugleich den Weg für das göttliche Leben in uns. Römischer 5:10 fasst dies zusammen: „… werden wir viel mehr in Seinem Leben gerettet werden, nachdem wir versöhnt worden sind.“ Versöhnung ist der Anfang; Rettung im Leben ist der Weg.
Diese Rettung im Leben beginnt in der Wiedergeburt. Jesus sagt zu Nikodemus: „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Königreich Gottes nicht sehen“ (Johannes 3:3). Kurz darauf erklärt Er: „Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist“ (Johannes 3:6). In der Wiedergeburt teilt Gott nicht bloß eine neue religiöse Gesinnung aus, sondern Sein eigenes Leben. Titus 3:5 spricht von der „Waschung der Wiedergeburt und der Erneuerung des Heiligen Geistes“. Das ist der erste große Schritt der göttlichen Austeilung: der Dreieine Gott kommt in Christus durch den Geist in den Geist des Menschen hinein.
Doch ein Neugeborenes bleibt nicht bei der Geburt stehen. Es braucht Nahrung, Zuwendung, Zeit. 1. Petrus 2:2. wendet dieses Bild auf unser inneres Leben an: „… sehnt euch wie neugeborene Kinder nach der unarglistigen Milch des Wortes, damit ihr durch sie wachst zur Errettung.“ Gott teilt Christus weiter aus, indem Er uns Sein Wort als Milch und später als feste Speise gibt. Manche Worte sind tröstend, einfach, unmittelbar stärkend; andere konfrontieren, vertiefen, schärfen die geistlichen Sinne. Hebräer 5:14 spricht von der „festen Speise … für die Gereiften, die durch ständige Übung und Gewöhnung geübte Sinne haben“. In alledem ist es Christus selbst, der als Inhalt der Speise in uns hineinkommt.
Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. (Joh. 12:24)
sondern einer der Soldaten durchbohrte Seine Seite mit einer Lanze, und sogleich kamen Blut und Wasser heraus. (Joh. 19:34)
Die Linie vom Kreuz bis zur Reife macht deutlich, dass Gott in jedem Abschnitt des Glaubenswegs dasselbe Ziel verfolgt: mehr von Seinem Leben in dir. In Aufbrüchen und in Umwegen, in Freude und in Zerbruch ist Christus der, der sich neu austeilt. Wer das erkennt, muss sich weniger an äußeren Fortschrittsmarken orientieren und kann seine Geschichte im Licht des Kreuzes lesen: Was bricht Gott gerade auf, damit Sein Leben freier fließen kann? Gleichzeitig wächst die Erwartung, dass aus deinem heutigen inneren Weg einmal Frucht für andere hervorgeht – nicht aus eigener Anstrengung, sondern aus dem göttlichen Leben, das in dir reift.
Leben aus dem Geist – wie wir die göttliche Austeilung heute empfangen
Die göttliche Austeilung bleibt nicht bei der einmaligen Wiedergeburt stehen, sie begleitet den Glaubenden durch den ganzen Alltag. Ihr Träger ist der Geist des Lebens. Römer 8:2. sagt: „Denn das Gesetz des Geistes des Lebens hat mich in Christus Jesus frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.“ Der auferstandene Christus ist nach 1. Korinther 15:45 „zu einem Leben gebenden Geist“ geworden. Dieser Geist ist nicht bloß eine Kraft, sondern die persönliche Gegenwart des Dreieinen Gottes in uns. Er wohnt in unserem erneuerten Geist, und dort verbindet sich der göttliche Geist mit dem menschlichen Geist, sodass unser Christenleben im innersten Kern ein Leben im „gemischten Geist“ ist.
Die göttliche Austeilung geschieht durch den Geist des Lebens als den lebengebenden Geist mit Seiner überreichen Versorgung. (Witness Lee, Life-Study of Job, Botschaft achtunddreißig, S. 207)
Dieser innewohnende Geist trägt eine überreiche Versorgung in sich. Paulus spricht in Philipper 1:19 von der „überströmenden Versorgung mit dem Geist Jesu Christi“. Diese Versorgung ist nicht zuerst materiell oder emotional; sie ist die unaufhörliche Austeilung von Christus als Leben, Licht, Kraft, Liebe, Weisheit, Ausdauer. Sie fließt nicht automatisch an unserem Bewusstsein vorbei, sondern wird im Glauben ergriffen. Ein leichtes, aber tiefes Bild dafür gibt 1. Korinther 12:13: „… uns allen ist der eine Geist zu trinken gegeben worden.“ Trinken ist kein leistungsstarker Akt; es ist ein einfaches Empfangen, ein Öffnen des Mundes und ein Zulassen, dass etwas in uns hineinströmt.
Jesus selbst knüpft daran an, wenn Er ruft: „Wenn jemand durstig ist, der komme zu Mir und trinke. Wer in Mich hineinglaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Innerstem werden Ströme lebendigen Wassers fließen“ (Johannes 7:37–38). Johannes fügt hinzu: „Dies aber sagte Er über den Geist“ (Johannes 7:39). Im Kommen, Glauben und inneren Trinken – oft ganz schlicht im Anrufen des Namens des Herrn, im leisen Aussprechen eines Verses, im stillen Öffnen des Herzens – empfängt unser Geist neu die göttliche Lebensversorgung. Was wir so aufnehmen, bleibt nicht in uns eingeschlossen, sondern wird zur Quelle für andere: „Ströme lebendigen Wassers“ fließen aus dem Innersten.
Darum verbindet das Neue Testament Leben im Geist und Wandeln im Geist. Galater 5:16 ermutigt: „Wandelt durch den Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches auf keinen Fall erfüllen.“ Und Vers 25 ergänzt: „Wenn wir durch den Geist leben, lasst uns auch durch den Geist wandeln.“ Leben durch den Geist ist das, was Gott objektiv in uns gewirkt hat: Er hat Seinen Geist gegeben. Wandeln durch den Geist ist unser praktisches Hineinstimmen: Entscheidungen, Worte und Reaktionen aus dieser inneren Gemeinschaft heraus zu vollziehen. Das bleibt unspektakulär – oft ist es nur ein innerer Hauch, ein stilles Nein, ein unerwartetes Ja zu einem guten Werk –, aber gerade darin vollzieht sich die göttliche Austeilung im Alltag.
Denn das Gesetz des Geistes des Lebens hat mich in Christus Jesus frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. (Röm. 8:2)
denn ich weiß, dass mir dies zur Errettung dienen wird durch euer Flehen und die überströmende Versorgung mit dem Geist Jesu Christi, (Phil. 1:19)
Dass die göttliche Austeilung heute durch den Geist des Lebens geschieht, führt weg von einem schweren, selbstzentrierten Christenbild hin zu einem vertrauenden, innerlich geöffneten Leben. Nicht deine Anspannung, sondern dein inneres Trinken aus dem Geist macht dich fähig, dem Plan Gottes zu entsprechen. Im Bewusstsein, dass dir „der eine Geist zu trinken gegeben worden“ ist, darfst du dein normales Leben als Raum verstehen, in dem der Dreieine Gott sich in Christus in dich hinein austeilt. Aus dieser Quelle erwachsen nicht nur persönliche Stärkung und Befreiung, sondern auch eine stille, aber reale Mitwirkung am Aufbau des Leibes Christi.
Herr Jesus Christus, du Leben gebender Geist, danke, dass du dich selbst in Liebe in uns hineinteilst, um uns zu erneuern und uns in den Leib Christi einzubauen. Öffne unser Herz und unseren Geist für deine beständige Austeilung, damit dein Leben in uns wachsen und Gestalt gewinnen kann. Lass uns inmitten aller Schwachheit aus der überreichen Versorgung des Geistes leben und deinen Frieden, deine Freude und deine Kraft erfahren. Stärke in uns die Gewissheit, dass dein ewiger Plan gut ist und dass nichts, was du in uns wirkst, vergeblich ist. Fülle uns so mit dir, dass auch andere durch uns deine rettende und nährende Gegenwart berühren. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Job, Chapter 38