Grundlegend in Fülle sein und wandeln gemäß dem allumfassenden Geist
Viele Christen wissen, dass Jesus rettet, aber nicht, wie reich diese Rettung wirklich ist und wie sie ihren Alltag aus der Fülle Christi leben können. Zwischen richtiger Lehre und gelebter Wirklichkeit klafft oft eine Lücke: Wir bekennen den Glauben, erleben aber wenig von der Kraft und Freude eines Lebens im Geist. Die Chronikbücher öffnen uns einen Blick dafür, wie genau Gott mit seinem Volk umgeht, damit es das gute Land genießt – und sie weisen prophetisch darauf hin, wie wir heute in Christus, dem wahren guten Land, in Fülle gegründet sein und im allumfassenden Geist gehen können.
In der vollen Grundwahrheit gegründet sein
Die Chronikbücher erzählen nüchtern, wie die Könige Israels und Judas im guten Land standen – oder ihren Platz darin verloren. Rehabeam bleibt in Jerusalem und baut Städte zu Festungen aus; so heißt es: „Und Rehabeam wohnte in Jerusalem. Und er baute Städte zu Festungen (aus) in Juda“ (2.Chr. 11:5). Hinter dieser scheinbar politischen Maßnahme steht etwas Tieferes: Der König richtet sich auf dem von Gott bestimmten Boden ein und stärkt diesen Boden. Er verlässt nicht Jerusalem, er sucht nicht nach einem anderen Zentrum, sondern er anerkennt, dass Gott den Ort und die Ordnung bestimmt hat. Dieses Bild macht deutlich: Gottes Führung ist nicht vage oder bloß gefühlsgesteuert. Sie ist gebunden an den Weg, den Er in Seinem Wort bereits gezeichnet hat. Wer im guten Land wohnen will, darf nicht ständig seinen Standort relativieren. Ein klarer, schriftgemäßer Grund ist keine Einschränkung, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Fülle des Landes überhaupt genossen werden kann.
Gottes Umgang mit Seinem Volk in den Einzelheiten ihres Lebens hat das Ziel, dass Sein Volk das gute Land, Christus, auf eine sehr angemessene Weise genießt. Damit die Könige das gute Land genießen konnten, mussten sie auf dem richtigen Boden stehen und grundlegend bleiben, indem sie den Glauben bewahrten, den Gott durch Mose gegeben hatte. So ist es auch bei uns heute. Der Boden der Gemeinde ist sehr wichtig, und ebenso wichtig ist es, alle Wahrheiten zu bewahren und grundlegend zu sein. (Witness Lee, Life-Study of Chronicles, Botschaft sieben, S. 45)
Übertragen auf unseren Glauben bedeutet das: Es ist ein Unterschied, ob man einige tröstende Verse kennt oder ob man in der vollen Grundwahrheit gegründet ist. Zur biblischen Fülle gehört, dass wir wissen, worauf unsere Errettung ruht, dass wir Christus als unser Leben verstehen, dass wir die Gemeinde nicht nur als Versammlungsform, sondern als Leib Christi sehen, und dass wir etwas vom Ziel Gottes im Neuen Jerusalem erahnen. Die Schrift spricht davon, dass Gott uns „die kostbaren und überaus großen Verheißungen geschenkt hat, damit ihr durch diese Teilhaber der göttlichen Natur werdet“ (2.Petr. 1:4). Teilhaber der göttlichen Natur zu sein, ist mehr als das sichere Gefühl, einmal im Himmel anzukommen. Es ist das Bewusstsein, dass der Dreieine Gott uns in Christus hineinzieht in Seinen Ratschluss, dass Er uns in Leben und Natur – nicht in der Gottheit – an sich selbst Anteil gibt. Wo diese Linie verschwimmt, wo wir nur punktuell glauben, aber den großen Bogen der Schrift nicht sehen, wird unser inneres Leben leicht schwankend. Wo wir hingegen Gottes Ratschluss ernst nehmen, uns der ganzen Wahrheit stellen, gewinnen Herz und Gewissen Halt. Man wird nicht über Nacht allwissend, aber man steht auf einem Boden, der trägt. Inmitten von Fragen, Versuchungen und eigenen Schwächen darf dann eine ruhige Zuversicht wachsen: Der Gott, der mich in Christus in Sein gutes Land gebracht hat, wird mich auch lehren, wie ich darin wohne. Diese Gewissheit macht offen für Korrektur, empfänglich für weitere Erkenntnis und frei, den heutigen Tag in der Fülle Christi anzunehmen.
Und Rehabeam wohnte in Jerusalem. Und er baute Städte zu Festungen (aus) in Juda. (2.Chr. 11:5)
durch welche Er uns die kostbaren und überaus großen Verheißungen geschenkt hat, damit ihr durch diese Teilhaber der göttlichen Natur werdet, die ihr dem Verderben entronnen seid, das durch die Begierde in der Welt ist. (2.Petr. 1:4)
Ein umfassendes Fundament in der Wahrheit ist kein intellektueller Luxus, sondern die Weise, wie Gott unser Herz befestigt, damit wir Seinen Sohn als unser gutes Land genießen können. Wer sich von der ganzen Linie der Schrift prägen lässt, steht nicht mehr bei jeder inneren oder äußeren Erschütterung vor der Frage, ob Gott ihn trägt – er kennt den Boden, auf den Gott ihn gestellt hat, und kann mitten im Alltag aus dieser Fülle leben.
Christus als Leben aus der Fülle genießen
Viele Christen können klar sagen, dass sie an Christus glauben und durch Sein Blut erlöst sind, und doch tragen sie innerlich eine schwere Last, sich als Christen selbst „funktionieren“ zu müssen. Zwischen der Lehre von der Errettung und dem tatsächlichen Erleben des täglichen Lebens klafft eine Lücke. Das Neue Testament beschreibt Glauben jedoch nicht nur als Annahme eines vollbrachten Werkes, sondern als Vereinigung mit einer lebendigen Person. Paulus fasst dies in wenigen Worten: „Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ (Galater 2:20). Damit verschiebt sich der Schwerpunkt des Christseins radikal. Es geht nicht mehr primär darum, dass ein geretteter Mensch sich nun redlich bemüht, sondern darum, dass Christus selbst als Leben in diesem Menschen Raum gewinnt und sich ausdrückt.
Wenn die Gläubigen einmal die Gewissheit ihrer Errettung haben, müssen sie erkennen, dass Christus als ihr Leben in ihnen ist und dass sie Christus als ihr Leben ergreifen und durch Christus leben sollen. (Witness Lee, Life-Study of Chronicles, Botschaft sieben, S. 46)
Wenn Christus unser Leben ist, dann ist Er nicht nur der Ursprung unseres Glaubens, sondern die gegenwärtige Quelle jeder geistlichen Regung. Israel sollte das gute Land nicht nur besitzen, sondern von seiner Frucht leben, von seiner Fülle ernährt, geschützt und erfreut werden. Ebenso ist Christus unser gutes Land heute: nicht nur eine Zusage für die Ewigkeit, sondern unser Ort der Versorgung im Gewöhnlichen, im Unscheinbaren, im Müden. Wo Ärger hochkommt, kann Er unsere Sanftmut sein; wo Entmutigung drückt, kann Er unsere Hoffnung sein; wo unsere Liebe endet, ist Seine Liebe in uns noch nicht erschöpft. Dieses Erleben setzt voraus, dass wir innerlich lernen, uns auf Ihn zu beziehen – nicht als fernen Helfer, sondern als den, der in uns lebt. So wird der Glaube von einem bloßen Bekenntnis zu einer stillen, tiefen Gemeinschaft mitten im Alltag. In solchen Momenten erfahren wir: Ich bin nicht allein gelassen, eine hohe Norm zu erfüllen; der, der mich erlöst hat, trägt auch jetzt das Gewicht meines Lebens. Das schenkt Freiheit von Selbstüberforderung und einen neuen Mut, das eigene Menschsein in der Gegenwart eines reich genügenden Christus zu leben.
“Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, dem an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat” (Galater 2:20).
Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, dem an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. (Gal. 2:20)
Christus als Leben zu kennen bedeutet, nicht länger aus dem Vorrat der eigenen Kräfte leben zu müssen, sondern in den Situationen des Tages innerlich auf den inwohnenden Herrn zu vertrauen. So wird der Weg des Glaubens von einer Last, die man zu tragen hat, zu einer Beziehung, in der Seine Fülle Schritt für Schritt konkret wird und unser Menschsein nicht auslöscht, sondern trägt und verwandelt.
Nach dem allumfassenden Geist wandeln
Die Geschichte Asas zeigt, wie Gott das Leben Seines Volkes in konkreten Situationen ernst nimmt. Asa beginnt als König, der den HERRN sucht, doch später, als Bascha gegen Juda heraufzieht und Rama ausbaut, greift er nicht mehr auf Gott zurück, sondern auf politische Bündnisse. Er nimmt Silber und Gold aus dem Haus des HERRN, um Ben-Hadad, den König von Aram, zu gewinnen (2.Chr. 16:2-3). Äußerlich erreicht er sein Ziel: Bascha zieht ab, der militärische Druck lässt nach (2.Chr. 16:5). Innerlich aber ist eine Grenze überschritten. Asa rechnet, verhandelt, sichert sich ab – jedoch nicht mehr im Hören auf Gott. Die Chronik erzählt weiter, wie Gott ihn durch einen Propheten zurechtweist und Asa verhärtet reagiert. Der sichtbare Erfolg kann nicht verdecken, dass der König am lebendigen Gott vorbeigehandelt hat.
Heute handelt Gott mit uns nicht mehr nach dem Gesetz, sondern nach dem zusammengesetzten, Leben gebenden, innewohnenden, vollendeten Geist. Im Alten Testament war das Volk Gottes verpflichtet, sich nach dem Gesetz zu verhalten. Heute fordert uns das Neue Testament auf, unser Leben nach dem zusammengesetzten, Leben gebenden, allumfassenden Geist auszurichten (Röm. 8:4). (Witness Lee, Life-Study of Chronicles, Botschaft sieben, S. 49)
Im Alten Bund war das Maß des Lebenswandels das gegebene Gesetz. Heute hat sich Gottes Weise, mit uns umzugehen, gewandelt. Er hat Seinen Geist als inneres Maß in unser Sein gelegt. „Damit die gerechte Forderung des Gesetzes in uns erfüllt würde, die wir nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist“ (Römer 8:4). Dieser Geist ist nicht eine anonyme Kraft, sondern der zusammengesetzte, Leben gebende, innewohnende, vollendete Geist, die letztendliche Vollendung des durch einen Prozess gegangenen Dreieinen Gottes. Er bewohnt unser Inneres, um unseres Lebens Quelle und Maßstab zu sein. Darum mahnt Paulus: „Ich sage aber: Wandelt durch den Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches auf keinen Fall erfüllen“ und: „Wenn wir durch den Geist leben, lasst uns auch durch den Geist wandeln“ (Galater 5:16.25).
Dieses Wandeln im Geist ereignet sich nicht zuerst in außergewöhnlichen geistlichen Momenten, sondern in den unspektakulären Verästelungen des Alltags: Wie ein Satz formuliert wird, welchen Ton eine Antwort trägt, welche Gedanken wir in uns nähren. Übergehen wir die leise innere Regung des Geistes, gewöhnen wir uns daran, aus eigener Klugheit, verletzter Ehre oder nackter Angst zu handeln, dann verliert unsere Seele nach und nach den zarten Genuss der Gegenwart Christi. Der Glaube bleibt dann zwar bestehen, aber der Geschmack des guten Landes wird stumpf. Wo wir hingegen innehalten, innerlich still werden und auf diesen Geist achten, erleben wir, wie Er unsere Motive lichtet, unser Herz weicher macht und uns Schritte zeigt, die wir selbst nicht gewählt hätten. So wird der allumfassende Geist nicht nur zu einer Lehre, sondern zu einem Weg: Gott führt uns durch Seinen Geist in eine Lebensweise hinein, die Ihn ehrt und uns zugleich in Seiner Fülle bewahrt. Daraus erwächst eine leise, aber tragende Ermutigung: Kein Bereich unseres Lebens ist zu klein, als dass der Geist nicht dort gegenwärtig wäre – und kein Versagen ist endgültig, wenn wir lernen, immer wieder auf diesen Geist zurückzukehren.
„Damit die gerechte Forderung des Gesetzes in uns erfüllt würde, die wir nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist“ (Römer 8:4). “Ich sage aber: Wandelt durch den Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches auf keinen Fall erfüllen” (Galater 5:16). “Wenn wir durch den Geist leben, lasst uns auch durch den Geist wandeln” (Galater 5:25).
damit die gerechte Forderung des Gesetzes in uns erfüllt würde, die wir nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. (Röm. 8:4)
Ich sage aber: Wandelt durch den Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches auf keinen Fall erfüllen. (Gal. 5:16)
Im allumfassenden Geist zu wandeln heißt, den inwohnenden Herrn in die feinen Bewegungen unseres Denkens, Redens und Entscheidens einzubeziehen. So wächst ein Leben, in dem die gerechte Forderung Gottes nicht durch eigenen Eifer, sondern durch Gottes eigenes Wirken in uns Gestalt annimmt – und in dem der Genuss Christi als unser gutes Land nicht Theorie bleibt, sondern zu einem stillen, tragfähigen Reichtum im Alltag wird.
Herr Jesus, führe uns im Licht Deines Wortes und schenke uns Gnade, die gezeigte Wahrheit nicht nur zu verstehen, sondern im Alltag aus Deinem Leben zu erfahren. Bewahre uns in Deiner Gegenwart, damit unser Denken, Reden und Dienen von Dir geprägt wird und Dein Name in der Gemeinde verherrlicht wird. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Chronicles, Chapter 7