Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Regierungen Abijams und Asas über Juda und Nadabs, Baschas, Elas, Simris und Omris über Israel und die Regierung Ahabs über Israel (1)

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Beim Lesen der Königsbücher fällt auf, wie schnell sich Machtkämpfe, Intrigen und Götzendienst abwechseln – und doch führt Gott seine Geschichte weiter. Hinter den Namen und Jahreszahlen dieser Könige steht eine tiefere Linie: Gott gibt sein Ziel mit seinem Volk nicht auf, auch wenn ihre Wege sich weit von ihm entfernen. Gerade in den Spannungen zwischen Treue und Abfall, zwischen Juda und Israel, wird sichtbar, wie Gott seine Economy vorantreibt, in deren Mittelpunkt Christus und seine Gemeinde stehen.

Verwirrung durch Teilung – Gottes Ziel bleibt dennoch Zion

Die Geschichte der Könige nach Salomo liest sich wie ein fortgesetztes Auseinanderbrechen: das Reich ist geteilt, Juda und Israel stehen sich gegenüber, Höfe werden von Verschwörungen erschüttert, Könige kommen und gehen. 1. Könige 14 berichtet nüchtern: „Und die Tage, die Jerobeam regierte, (betrugen) 22 Jahre; und er legte sich zu seinen Vätern. Und sein Sohn Nadab wurde an seiner Stelle König.“ (1. Kön. 14:20). Ein Name folgt auf den anderen, fast austauschbar; das Geschehen scheint von menschlichen Ambitionen, Intrigen und Gewalt getrieben zu sein. Gerade diese Wiederholung macht deutlich, wie sehr das Volk Gottes auseinandergerissen ist – äußerlich in zwei Reiche, innerlich von Götzen, Eigenwillen und Angst beherrscht. Die Atmosphäre ist nicht die einer geeinten Pilgerschaft nach Zion, sondern die eines Flickwerks aus Machtzentren, das keinen festen Mittelpunkt mehr kennt.

Das Ziel unserer Predigt ist jedoch nicht, „Seelen zu gewinnen“ oder Menschen in den Himmel zu bringen, sondern Glieder Christi hervorzubringen für den Aufbau Seines organischen Leibes, der im Neuen Jerusalem seine Vollendung finden wird. Dabei ist es unser Ziel, Zion zu erreichen, heute Zion zu haben, zur Erfüllung von Gottes ewiger Ökonomie. Andernfalls hat Gott keinen Weg, Seine Ökonomie zu erfüllen, die im Neuen Jerusalem ihre Vollendung findet. (Witness Lee, Life-Study of Kings, Botschaft neun, S. 57)

Doch in diese zerrissene Geschichte hinein hält Gott unbeirrt an einem anderen Ziel fest. Er arbeitet nicht in erster Linie an politischen Grenzen, sondern an einem Ort, an dem Er wohnen und sich ausdrücken kann – zuerst in Zion, schließlich im Neuen Jerusalem. Darum bleibt die Schrift nicht bei der politischen Chronik stehen, sondern schlägt die Brücke bis zur Offenbarung. Dort heißt es: „Und ich sah, und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion und mit Ihm hundertvierundvierzigtausend, die Seinen Namen und den Namen Seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben hatten.“ (Offb. 14:1). Was in den Königsbüchern als verworrene Geschichte erscheint, ist in Gottes Economy der Weg zu einem Überwinder-Volk, das mit dem Lamm auf Zion steht. Die vielen Brüche der Königsgeschichte relativieren daher nicht Gottes Plan, sie machen ihn sichtbar: Mitten in Verwirrung sucht Er Menschen, die sich nicht vom Geteilten bestimmen lassen, sondern innerlich zu Seinem Zentrum finden. Wer diese Spur erkennt, liest die Geschichte der Könige nicht mehr als deprimierende Bilanz des Scheiterns, sondern als leise, aber hartnäckige Einladung, sich von Gottes Herzensewunsch – Christus und die Gemeinde – bestimmen zu lassen und in der Gegenwart schon Anteil an dem Zion zu gewinnen, das im Neuen Jerusalem vollendet wird.

Und die Tage, die Jerobeam regierte, (betrugen) 22 Jahre; und er legte sich zu seinen Vätern. Und sein Sohn Nadab wurde an seiner Stelle König. (1.Kön. 14:20)

Und ich sah, und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion und mit Ihm hundertvierundvierzigtausend, die Seinen Namen und den Namen Seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben hatten. (Offb. 14:1)

Die zerrissene Königsgeschichte spiegelt manches an Spaltung, Unruhe und Enttäuschung wider, das auch im heutigen Christen­tum und im persönlichen Glaubensweg spürbar ist. Sie bleibt jedoch nicht beim Befund stehen, sondern öffnet den Blick für Gottes unverrückbares Zentrum: Er geht Seinen Weg zu Zion weiter, und Er ruft sich ein Überwinder-Volk, das Ihn inmitten von Verwirrung als sein eigentliches Maß nimmt. Wer sich innerlich an Christus und an den Aufbau Seines Leibes bindet, wird nicht von der Geschichte verschlungen, sondern in Gottes Geschichte hineingezogen – in die Geschichte, die auf das Neue Jerusalem zuläuft.

Zwei Wege: oberflächliche Frömmigkeit oder echtes Herz für Gott

Wenn man die einzelnen Könige betrachtet, die über Juda und Israel regierten, tritt eine feine, aber entscheidende Unterscheidung hervor: nicht alle, die äußerlich in der „richtigen Linie“ stehen, tragen ein Herz, das Gott entspricht. Von Abija heißt es: Er „wandelte in allen Sünden seines Vaters Rehabeam, und sein Herz war nicht ungeteilt auf Jehovah ausgerichtet wie das Herz Davids, seines Vorvaters“. Er sitzt auf dem Thron Davids, aber er teilt nicht dessen inneren Geist. Asa dagegen wird als einer beschrieben, dessen Herz „vollkommen mit Jehova“ ist; er entfernt Götzenbilder, bricht heilige Pfähle und ist bereit, selbst familiäre Bindungen hintanzustellen, wo sie Götzendienst schützen. Der Unterschied liegt nicht zuerst in der äußeren religiösen Form, sondern in der inneren Ausrichtung: Ein geteiltes Herz kann äußerlich viel Richtiges tun und dennoch innerlich an falschen Sicherheiten und verborgenen Götzen hängen.

Abijam wandelte in allen Sünden seines Vaters Rehabeam, und sein Herz war nicht ungeteilt auf Jehovah ausgerichtet wie das Herz Davids, seines Vorvaters (V. 3). (Witness Lee, Life-Study of Kings, Botschaft neun, S. 58)

Die Geschichte verschweigt jedoch auch Asas Schattenseiten nicht. Am Ende seines Lebens verlässt er sich in seiner Krankheit nur auf Ärzte, nicht auf den HERRN. Hier wird sichtbar, wie selbst ein grundsätzlich aufrichtiger König in der Gefahr steht, sich im Laufe der Jahre wieder auf menschliche Mittel zu stützen. Dem gegenüber stehen Könige wie Nadab, Baescha, Omri und besonders Ahab, die den Weg Jerobeams nicht nur fortsetzen, sondern radikal vertiefen und Götzendienst fördern. Die Schrift zeichnet keinen romantischen Kontrast zwischen „ganz gut“ und „ganz böse“, sondern legt frei, wie sehr Gott das Herz prüft. In den Sendschreiben der Offenbarung zeigt sich dieselbe Linie: „Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt. Dem, der überwindet, dem werde Ich von dem verborgenen Manna geben, und Ich werde ihm einen weißen Stein geben, und auf dem Stein steht ein neuer Name geschrieben, den niemand kennt außer dem, der ihn empfängt.“ (Offb. 2:17). Der weiße Stein mit neuem Namen steht für eine innige, verborgene Beziehung, für ein Herz, das Gott durch und durch gehört. Zwischen äußerlich glänzender Frömmigkeit und einem solchen inneren Sein besteht ein tiefer Unterschied. Die Königsgeschichte lädt dazu ein, die feinen Linien im eigenen Inneren ernst zu nehmen: Wo das Herz von Götzen, von religiösem Ehrgeiz oder von Menschenabhängigkeit besetzt ist, verliert die Beziehung zu Gott ihren klaren Klang. Wo es sich reinigen lässt und neu auf Ihn hin ausgerichtet wird, wächst eine Qualität von Treue, die in Gottes Augen mehr wiegt als jede äußere Regierungszeit.

Darum erhalten die Überwinderverheißungen der Offenbarung ein besonderes Gewicht: „Wer überwindet, wird so, mit weißen Gewändern, bekleidet werden, und Ich werde seinen Namen auf keinen Fall aus dem Buch des Lebens auslöschen, und Ich werde seinen Namen vor Meinem Vater bekennen und vor Seinen Engeln.“ (Offb. 3:5). Gott sucht auch heute nicht zuerst beeindruckende Leistungen, sondern Menschen, deren Inneres Ihm gehört und die bereit sind, verborgene Mischungen aufzudecken, auch wenn das schmerzhaft ist. Aus solchen Herzen wächst eine stille, aber kraftvolle Treue, die selbst in Schwäche und Anfechtung nicht einfach aufgibt. Die Geschichte Asas zeigt, dass selbst ein gutes Beginnen keinen automatischen guten Ausgang garantiert – aber sie zeigt ebenso, dass Gott jede Phase ernst nimmt und das Herz nie aus dem Blick verliert. Das macht Mut: Der Weg der Überwinder beginnt nicht bei heroischer Stärke, sondern bei einem ehrlichen, neu auf Gott gerichteten Herzen.

Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt. Dem, der überwindet, dem werde Ich von dem verborgenen Manna geben, und Ich werde ihm einen weißen Stein geben, und auf dem Stein steht ein neuer Name geschrieben, den niemand kennt außer dem, der ihn empfängt. (Offb. 2:17)

Wer überwindet, wird so, mit weißen Gewändern, bekleidet werden, und Ich werde seinen Namen auf keinen Fall aus dem Buch des Lebens auslöschen, und Ich werde seinen Namen vor Meinem Vater bekennen und vor Seinen Engeln. (Offb. 3:5)

Die Gegenüberstellung von Abija, Asa, Nadab, Baescha, Omri und Ahab führt mitten hinein in die Frage nach der inneren Ausrichtung. Sie macht deutlich, dass Gott sich nicht von frommer Oberfläche beeindrucken lässt, aber jede noch so leise Bewegung des Herzens auf Ihn hin wahrnimmt. So wird die Geschichte zur Einladung, den eigenen Weg nicht nach äußerer Religiosität zu beurteilen, sondern nach der wachsenden Einfachheit vor Gott. Wo Sein Licht versteckte Bindungen und Götzen freilegt, entsteht nicht Verdammnis, sondern die Chance, freier zu werden. Und gerade dort beginnt ein Leben, das in Gottes Augen Überwinderqualität hat – unscheinbar nach außen, aber kostbar vor Ihm, der unser Herz besser kennt als wir selbst.

Gottes Treue inmitten von Versagen – die Linie zu Christus und dem Neuen Jerusalem

Beim Blick auf die lange Reihe untreuer oder schwacher Könige könnte der Eindruck entstehen, Gottes Plan sei ständig in Gefahr, zu scheitern. Doch gerade hier legt die Schrift einen anderen Akzent. Über Juda heißt es: „Und Rehabeam legte sich zu seinen Vätern, und er wurde begraben bei seinen Vätern in der Stadt Davids. Und der Name seiner Mutter war Naama, die Ammoniterin. Und sein Sohn Abija wurde an seiner Stelle König.“ (1. Kön. 14:31). Menschlich gesehen ist es lediglich eine weitere Thronfolge; geistlich gesehen ist es Ausdruck der Treue Gottes, der die Linie Davids fortführt, obwohl die Träger dieser Linie oft weit hinter David zurückbleiben. Gottes Handeln gründet nicht auf der Stabilität menschlicher Gestalten, sondern auf der Verlässlichkeit Seiner eigenen Verheißung. Er hat David zugesagt, ihm „eine Lampe in Jerusalem“ zu geben, und Er zieht diese Zusage trotz der dunklen Kapitel der Geschichte nicht zurück.

Um Davids willen gab Jehovah David eine Leuchte in Jerusalem, indem er seinen Sohn nach ihm aufstehen ließ und Jerusalem befestigte. Jehovah tat dies, weil David in den Augen Jehovas tat, was recht war, und sich alle Tage seines Lebens von nichts abwandte, was Jehovah ihm geboten hatte – außer in der Sache des Hethiters Urija (V. 4–5). (Witness Lee, Life-Study of Kings, Botschaft neun, S. 58)

Diese „Lampe“ verweist über alle Zwischenstufen hinweg auf Christus, den wahren Sohn Davids und König, der nicht nur über Juda, sondern über alle Völker regiert. In Ihm findet die Davidsverheißung ihre Erfüllung, und in Ihm wird Gottes Plan mit Seinem Volk zu Ende gedacht: der Aufbau des Leibes Christi, der im Neuen Jerusalem vollendet wird. Was in den Königsbüchern als brüchige, oft ernüchternde Geschichte erscheint, ist im Licht der Offenbarung Teil einer größeren Linie. Dort wird sichtbar, wohin Gott mit Seiner Treue zielt: „Den, der überwindet, werde Ich zu einer Säule im Tempel Meines Gottes machen, und er wird auf keinen Fall mehr hinausgehen, und Ich werde auf ihn den Namen Meines Gottes schreiben und den Namen der Stadt Meines Gottes, des Neuen Jerusalem, das aus dem Himmel von Meinem Gott herabkommt, und Meinen neuen Namen.“ (Offb. 3:12). Die Brüche der alten Königsgeschichte können den Aufbau dieser Stadt nicht verhindern; sie machen im Gegenteil deutlich, wie sehr Gott der tragende Grund ist. Für den Glaubenden heute bedeutet das: weder die sichtbare Verwirrung in der Christenheit noch die eigene Schwachheit hat das letzte Wort. Gottes Treue zu Seinem Sohn und zu Seinem Ziel, eine Überwinder-Gemeinde als Zion und schließlich das Neue Jerusalem zu gewinnen, bleibt unerschütterlich. An dieser Treue darf sich der Glaube festmachen – auch dann, wenn die eigene Geschichte mehr Fragen als Antworten zu bieten scheint.

So wird die Linie von Juda zu Christus und dem Neuen Jerusalem zu einer Quelle leiser, aber tragfähiger Hoffnung. Die Könige kommen und gehen, Systeme steigen auf und stürzen, persönliche Pläne gelingen oder zerbrechen – doch Gottes Zusage, sich ein Haus und eine Stadt zu bauen, bleibt. Wer sich an dieser Zusage festhält, lernt, die eigene Geschichte und die Geschichte der Gemeinde nicht nur im Horizont des Sichtbaren zu deuten, sondern im Licht des Lammes, das auf Zion steht. Daraus wächst eine Gelassenheit, die nicht resigniert, sondern wach bleibt: Gott führt weiter, auch wenn viele Umwege sichtbar sind. Seine Treue ist größer als das Versagen der Könige – und größer auch als die Bruchstellen eines einzelnen Lebens.

Und Rehabeam legte sich zu seinen Vätern, und er wurde begraben bei seinen Vätern in der Stadt Davids. Und der Name seiner Mutter war Naama, die Ammoniterin. Und sein Sohn Abija wurde an seiner Stelle König. (1.Kön. 14:31)

Den, der überwindet, werde Ich zu einer Säule im Tempel Meines Gottes machen, und er wird auf keinen Fall mehr hinausgehen, und Ich werde auf ihn den Namen Meines Gottes schreiben und den Namen der Stadt Meines Gottes, des Neuen Jerusalem, das aus dem Himmel von Meinem Gott herabkommt, und Meinen neuen Namen. (Offb. 3:12)

Die Fortführung der Linie Davids durch alle Wirren der Königsgeschichte hindurch ist ein starkes Zeugnis für die Treue Gottes. Sie zeigt, dass Er Seinen Weg mit Christus und mit dem Aufbau Seines Leibes nicht an die Bruchlosigkeit menschlicher Biographien knüpft. Diese Perspektive befreit von lähmender Selbstbetrachtung und von Entmutigung angesichts der Lage der Christenheit. Sie lädt ein, die eigene Geschichte in ein größeres Ganzes hineinzustellen: Das Ziel Gottes – ein Überwinder-Volk für Zion und das Neue Jerusalem – bleibt bestehen. Wer sich darauf ausrichtet, steht nicht auf dem Boden seiner eigenen Konstanz, sondern auf dem festen Grund der Zusage Gottes, die auch durch Zeiten des Versagens hindurch trägt.


Herr Jesus Christus, danke, dass du inmitten von Verwirrung, Versagen und Spaltungen deine Gedanken mit deinem Volk nicht aufgibst und deine Treue wie ein Licht in der Finsternis leuchten lässt. Richte unser Herz neu auf dich aus, damit wir nicht im Weg Jerobeams verharren, sondern aus deiner Gnade leben und durch dein Wort korrigiert und gestärkt werden. Lass uns als Teil deines Volkes zu einem Vorgeschmack von Zion werden, indem du in uns dein Leben, deine Heiligkeit und deine Liebe mehr Raum gewinnen kannst. Stärke in uns die Hoffnung auf das Neue Jerusalem, wo du alles Zerbrochene vollenden und jede Untreue durch deine Herrlichkeit überstrahlen wirst. Fülle uns mit deiner Freude und deinem Frieden, wenn wir auf dich als den wahren König vertrauen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Kings, Chapter 9