Kämpfen (15)
Viele Christen sehnen sich danach, Christus reich zu genießen, und doch bleibt ihr inneres Leben oft eng begrenzt und voller Spannungen. Die Geschichte Israels auf dem Weg in das Land Kanaan macht sichtbar, warum das so ist: Gott hatte seinem Volk ein weites, fruchtbares Land zugesichert, aber sie sollten nicht nur hineingehen, sondern auch vertreiben, was nicht zu Gott gehörte, und seine Grenzen respektieren. Dahinter steht ein geistliches Prinzip, das bis in unseren Alltag hineinreicht: Wie groß Christus für uns erfahrbar wird, hängt eng damit zusammen, was in unserem Inneren Raum einnimmt und wessen Wahl in unserem Leben das letzte Wort hat.
Innere Götzen räumen – der Weg zum Genuss des guten Landes
Die Kinder Israels standen am Rand des Landes, das Gott ihnen schon längst zugesprochen hatte, und doch waren sie noch nicht im eigentlichen Genuss dieses Landes. Zwischen Verheißung und Erfahrung lag eine unsichtbare, aber sehr reale Schwelle: das Räumen der Bewohner und Götzen. In 4. Mose 33:52 heißt es: “dann sollt ihr alle Bewohner des Landes vor euch her vertreiben und all ihre Götzenbilder zugrunde richten; und alle ihre gegossenen Bilder sollt ihr zugrunde richten, und alle ihre Höhen sollt ihr austilgen.” Das Land war Gnade, Geschenk, reiner Zuspruch. Aber in diesem Geschenk lag die göttliche Weisung, alles zu entfernen, was Gott Konkurrenz machen würde. Dasselbe geschieht im Inneren eines Gläubigen: Christus ist uns als gutes Land bereits gegeben, doch der tatsächliche Geschmack, die Freude, die Tiefe dieses Christus werden abgedämpft, wenn unser Inneres von Dingen besetzt ist, die mehr Gewicht haben als Gott. Ein Götze muss nicht offensichtlich dunkel oder moralisch verwerflich sein; gerade das scheinbar Gute – Anerkennung, Sicherheit, Leistung, fromme Vorstellungen – kann sich im Verborgenen einen Altar bauen, an dem unser Herz hängt.
Christus wurde uns als Anteil zum Genuss gegeben. Allerdings ist daran eine Bedingung geknüpft: Wir müssen mit Gottes Anordnung zusammenarbeiten und alles aus uns austreiben, was anderes ist als Gott und Christus. Das heißt, wir müssen alle Götzen in uns vernichten. Ein Götze ist alles, was außer Gott steht und uns vereinnahmt. Ein Abschluss, ein guter Beruf, ein schönes Haus, eine Position oder ein Rang, ein guter Ruf – all das kann zum Götzen werden, der uns einnimmt. Wir müssen alle in uns vorhandenen Götzen auslöschen und in unserem Inneren keinen Raum lassen, in dem Götzen angebetet werden können. Wenn wir uns nicht mit den Götzen in uns auseinandersetzen, können wir Christus nicht wirklich genießen. Ob wir Christus wirklich genießen können, hängt davon ab, in welchem Maße unser Inneres von allem geräumt ist, was nicht Gott und Christus ist. (Witness Lee, Life-Study of Numbers, Botschaft sechsundvierzig, S. 324)
Darum knüpft Gott den Genuss des Landes an eine innere Klärung. In 4. Mose 33:55 wird eine ernste Konsequenz genannt: “Wenn ihr aber die Bewohner des Landes nicht vor euch her vertreibt, dann werden die, die ihr von ihnen übriglaßt, zu Dornen in euren Augen und zu Stacheln in euren Seiten werden.” Was damals physisch galt, zeigt heute eine geistliche Dynamik: Unberührte Bindungen, nicht bekannte Sünden, ungelöste Verletzungen, aber auch festgehaltene Eigeninteressen werden mit der Zeit zu Dornen im Blick und zu Stacheln im Herzen. Sie trüben unser geistliches Sehen, sie stechen uns in den entscheidenden Momenten, wenn wir Gott vertrauen oder ihm gehorchen wollen. Oft spüren wir diese Dornen als innere Unruhe, als ständige Rechtfertigungen, als heimliche Bitterkeit oder als Rastlosigkeit, die uns den Frieden raubt. Der Heilige Geist arbeitet nicht, um uns zu beschämen, sondern um Raum zu schaffen: Raum, in dem Christus nicht nur eine Lehre bleibt, sondern als tragende, tröstende und regierende Wirklichkeit erfahren wird.
Je mehr dieses innere Räumen geschieht, desto weiter wird unser innerer Horizont. Das gute Land liegt vor uns nicht in kleinen Parzellen, sondern als weite, fruchtbare Fläche; aber unser Genuss ist oft auf ein schmales Stück reduziert, weil so vieles die Sicht und den Zugang blockiert. Wenn Gott einen Götzen im Herzen sichtbar macht, ist das kein kaltes Gericht, sondern ein liebevolles Angebot, mehr von Christus zu gewinnen. Die Frage ist dann nicht zuerst, ob wir stark genug sind, loszulassen, sondern ob wir ihm zutrauen, dass das, was er an die Stelle des Götzen setzt, unendlich reicher ist. In 4. Mose 33:53 sagt Gott: “Und ihr sollt das Land in Besitz nehmen und darin wohnen, denn euch habe ich das Land gegeben, es zu besitzen.” Die Reihenfolge ist bemerkenswert: Er hat gegeben, darum können sie in Besitz nehmen. Wo unser Inneres sich der Räumung stellt, erweist sich diese Zusage neu – der Christus, den wir vielleicht lange nur mit den Lippen bekannt haben, wird zu einem Raum zum Wohnen: tragfähig in der Angst, kräftigend in der Müdigkeit, still machend in der Unruhe.
So wird die Auseinandersetzung mit inneren Götzen nicht zu einem moralistischen Selbstoptimierungsprogramm, sondern zu einem Weg in die Freiheit. Gott reißt nicht, um uns leer zurückzulassen, sondern um uns zu pflanzen in ein Land, das er schon bereitet hat. Manches Loslassen fühlt sich zunächst wie Verlust an, wie das Verlassen eines vertrauten, wenn auch engen Raumes. Doch nach und nach zeigt sich: dort, wo früher ein Götze regierte, beginnt Christus zu wohnen. Seine Gedanken lösen die alten Kreisläufe ab, seine Zuneigung ersetzt die alte Suche nach Bestätigung, seine Treue relativiert die Angst um Kontrolle. Wer diese Bewegung zulässt, entdeckt, dass der Genuss des guten Landes kein frommer Slogan ist, sondern eine leise, aber beständige Erfahrung: Der Boden unter den Füßen wird fester, der Himmel über dem Leben weiter. So wird das Räumen der inneren Götzen zur Tür in eine Freude, die nicht mehr an äußere Sicherheiten gebunden ist, weil sie ihren Grund in dem hat, der unser eigentliches Land geworden ist.
dann sollt ihr alle Bewohner des Landes vor euch her vertreiben und all ihre Götzenbilder zugrunde richten; und alle ihre gegossenen Bilder sollt ihr zugrunde richten, und alle ihre Höhen sollt ihr austilgen. (4.Mose 33:52)
Wenn ihr aber die Bewohner des Landes nicht vor euch her vertreibt, dann werden die, die ihr von ihnen übriglaßt, zu Dornen in euren Augen und zu Stacheln in euren Seiten werden, und sie werden euch bedrängen in dem Land, in dem ihr wohnt. (4.Mose 33:55)
Wo Gott in deinem Inneren etwas als Götzenbild sichtbar macht – sei es ein Bild von dir selbst, von Erfolg, von Sicherheit oder auch von „geistlicher“ Leistung –, ist dies ein Ruf in die Weite seines Landes. Sein Ziel ist nicht, dich zu verengen, sondern dich von Dornen zu befreien, damit du freier atmen, freier lieben und freier genießen kannst, was er dir in Christus längst gegeben hat.
Die Grenzen des guten Landes – im Bereich von Christi Tod und Auferstehung leben
Wenn Gott in 4. Mose 34 die Grenzen Kanaans beschreibt, wirkt der Text auf den ersten Blick nüchtern: Linien, Orte, Richtungen. Und doch zeichnen diese Linien ein geistliches Bild. “Und die Westgrenze: sie soll für euch das große Meer und das (Küsten)gebiet sein” (4. Mose 34:6). Im Osten begrenzt das Salzmeer und der Jordan das Land, im Westen das große Meer. Diese umlaufende Wasserlinie ist mehr als Geographie; sie verweist auf den Tod Christi, der alles umgibt, was zum eigentlichen guten Land gehört. Der Bereich, in dem Israel leben und genießen sollte, war ein Raum, der vom Wasser des Todes umschlossen war. Übertragen heißt das: Der Raum, in dem wir Christus reich erleben, ist immer der Bereich seines Kreuzes. Wo unser Leben sich diesem Kreuz entzieht, verlassen wir unmerklich den inneren Raum des Landes, auch wenn wir äußerlich noch zu Gottes Volk gehören.
Der beste Teil des guten Landes ist von zwei Meeren — dem Mittelmeer und dem Toten Meer — sowie von einem Fluss, dem Jordan, umschlossen. Diese beiden Meere und dieser Fluss stehen alle für den Tod des Christus. Das zeigt, dass der Genuss des Christus eng mit Seinem Tod verbunden ist. Unser Genuss des Christus muss daher in der Sphäre Seines Todes stattfinden. Die Grenzen des guten Landes weisen außerdem darauf hin, dass es sich um ein erhöhtes, emporgehobenes Land handelt — ein Hinweis auf den aufgefahrenen, himmlischen Christus. Der Christus, den wir in Seiner Fülle genießen, ist auferstanden und aufgefahren. Der Christus, der gekreuzigt und begraben wurde, ist durch die Auferstehung in uns hineingekommen; nun befinden wir uns in Seiner Auffahrt und genießen Ihn als das emporgehobene Land mit all seinen Reichtümern. (Witness Lee, Life-Study of Numbers, Botschaft sechsundvierzig, S. 326)
Der Jordan, den Israel einst unter Josuas Führung durchzog, markiert dabei die persönliche Grenze: Durch dieses Wasser hindurch ging das Volk aus der Wüste in das Land der Verheißung. Der Jordan ist damit ein Bild dafür, dass unser altes Leben, unsere Ansprüche und unser Eigenwille mit Christus in seinen Tod hinabgehen. Das Neue Testament sagt von diesem Geheimnis: “Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir” (Galater 2:20). Das gute Land, der allumfassende Christus, wird dort erfahrbar, wo unser Ich nicht mehr das Zentrum bildet. So wie die zweieinhalb Stämme sich für ein Gebiet diesseits des Jordan entschieden, das geographisch zwar reich, aber nicht im eigentlichen Bereich des Landes lag, suchen auch wir leicht eine „Erbportion“ außerhalb dieses Kreuzes – komfortablere Wege, christliche Formen ohne Selbstverleugnung, Zustimmung ohne Gehorsam. Solche Gebiete mögen religiös respektabel wirken, aber sie stehen nicht unter der vollen Wirkung von Christi Tod und darum auch nicht unter der ganzen Kraft seiner Auferstehung.
Gleichzeitig hebt Gott das Land selbst als erhöhtes Gebiet hervor. Es liegt über den Tiefen der Meere, aufragend aus dem von Tod umschlossenen Raum. Dies weist auf den auferstandenen und aufgefahrenen Christus hin, den wir nicht nur als den Gekreuzigten, sondern als den Lebendigen kennen. Wenn Paulus in Kolosser 3:1. schreibt: “Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes”, dann beschreibt er genau diesen Lebensbereich: ein Dasein, das aus der Auferstehung Christi lebt. Im Bild gesprochen: Wir wohnen nicht im Jordan, wir versinken nicht im Tod, sondern wir stehen auf einem Land, das aus dem Tod hervorgegangen ist. Die Grenzen erinnern uns: Der Weg hinein führt durch den Tod, aber das Ziel ist die Höhe. Wer im Alltag im Bereich des Kreuzes bleibt – indem er sein Recht, sein Urteil, seine Sicherungsstrategien unter Christus stellt – erfährt, dass dieses Kreuz nicht zerstört, sondern in die Wirklichkeit der Auferstehung hineinführt.
So wird “in den Grenzen des Landes bleiben” zu einer inneren Haltung. Es bedeutet, sich nicht aus dem Bereich seiner Erlösung und seiner Herrschaft hinauszubewegen: Konflikte vor ihm zu lassen, statt sie selbst zu entscheiden; Enttäuschungen im Licht seines Kreuzes zu sehen, statt sie zu verbittern; Erfolge ihm zu übergeben, statt sie zum eigenen Ruhm auszubauen. In diesem Raum entfaltet sich der auferstandene Christus mit seinen Reichtümern: Er gibt Mut, der nicht aus Temperament stammt, Trost, der nicht aus Umständen kommt, Freude, die nicht von äußeren Erfolgen abhängig ist. Wer so lernt, innerhalb der von Gott gezogenen Grenzen zu leben, entdeckt in sich eine leise, wachsende Freiheit: Die Notwendigkeit, sich selbst zu behaupten, verliert an Kraft, und an ihre Stelle tritt ein Vertrauen, das weiß – an den Rand meines Lebens grenzt nicht das Nichts, sondern das Wasser seines Todes, und über meinem Leben liegt die Erhöhung meines Herrn. Das macht das Land, das er uns gegeben hat, zu einem Ort der Sicherheit mitten in allen Veränderungen.
Und die Westgrenze: sie soll für euch das große Meer und das (Küsten)gebiet sein; das soll für euch die Westgrenze sein. (4.Mose 34:6)
und die Grenze soll an den Jordan hinabgehen, und ihr Ausläufer sei am Salzmeer. Das soll euer Land sein mit seinen Grenzen ringsum. (4.Mose 34:12)
Christus reich zu genießen bedeutet, den inneren Lebensraum nicht außerhalb seines Kreuzes und seiner Auferstehung zu suchen. Wo Urteile, Entscheidungen und Wünsche im Licht seines Todes stehen, wird aus Begrenzung eine geschützte Weite: Das Kreuz umschließt dein Leben, damit die Auferstehung Christi darin ihre ganze Kraft entfalten kann.
Gottes Zuteilung statt Selbstwahl – Christus erleben nach Leben und Souveränität
Die Zuteilung des Landes an Israel folgt einer bemerkenswerten Spannung zwischen göttlicher Ordnung und individueller Größe. In 4. Mose 33:54 heißt es: “Und ihr sollt das Land durchs Los als Erbteil empfangen nach euren Sippen: Dem, der groß ist (an Zahl), sollt ihr sein Erbteil groß bemessen, und dem, der klein ist (an Zahl), sollt ihr sein Erbteil klein bemessen; wohin das Los für einen fällt, das soll ihm gehören.” Auf der einen Seite steht die Größe des Stammes – ein Bild für Wachstum und Fruchtbarkeit im Leben. Auf der anderen Seite steht das Los – Symbol für Gottes Souveränität, die nicht berechnet und kontrolliert werden kann. Übertragen auf unser Erleben des allumfassenden Christus heißt das: Der Christus, der uns gegeben ist, ist unendlich reich, aber der Bereich, in dem wir ihn tatsächlich erfahren, wird sowohl von unserem inneren Wachstum im göttlichen Leben als auch von Gottes souveräner Führung geformt. Nicht jeder erlebt dieselben Aspekte Christi im gleichen Maß, und das ist kein Mangel an Wert, sondern Ausdruck unterschiedlicher Wege und Maße.
Hier sehen wir, dass die Kinder Israels das Land nach zwei Gesichtspunkten erben sollten: nach ihren Stämmen und nach dem Los. Die Größe der Stämme hing von der Zunahme im Leben ab, das Los dagegen war Ausdruck der Souveränität Gottes. Das zeigt, dass der heutige Genuss Christi vorwiegend von unserer Zunahme im Leben und von der Souveränität Gottes abhängt. (Witness Lee, Life-Study of Numbers, Botschaft sechsundvierzig, S. 324)
Das Wachstum im Leben erweitert gewissermaßen unseren inneren “Stamm”: Je mehr Christus in uns Gestalt gewinnt, desto mehr Raum empfangen wir in ihm. Wer in der Schule des Vertrauens geblieben ist, hält mehr Spannung aus, ohne zu verzweifeln; wer gelernt hat zu vergeben, trägt mehr Menschen im Herzen, ohne zu verhärten; wer in Schwachheit Gottes Kraft erfahren hat, fürchtet nicht mehr jede eigene Begrenzung. Gleichzeitig lässt Gott sich nicht auf unsere Planungen festlegen. Er wirft sein Los in unsere Lebenssituationen: Umstände, Orte, Beziehungen, Aufgaben, die wir uns so nicht ausgesucht hätten. Dieses Los begrenzt äußerlich oft unseren Spielraum, aber gerade darin öffnet sich innerlich ein neuer Raum in Christus. So wird klar, warum Paulus in 1. Korinther 4:4–5 so nüchtern mit menschlichen Bewertungen umgeht: “Denn ich bin mir selbst nichts bewußt, aber dadurch bin ich nicht gerechtfertigt. Der mich aber beurteilt, ist der Herr. So richtet nun nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der die verborgenen Dinge der Finsternis ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbar machen wird.” Was vor Menschen groß oder klein wirkt, ist nicht der Maßstab für den wahren Umfang unseres Erbteils in Christus.
Ein stilles, aber eindrückliches Bild dafür sind die Namen, die Gott in 4. Mose 34 nennt: “Das sind die Namen der Männer, die euch das Land als Erbe austeilen sollen: der Priester Eleasar und Josua, der Sohn des Nun” (4. Mose 34:17). Die Zuteilung des Landes steht in der Hand eines Priesters und eines Führers, die beide auf Christus hinweisen: Eleasar als Bild des priesterlichen Christus, der uns vor Gott vertritt, Josua als Bild des führenden Christus, der uns in das Land hineinbringt. Wer sich unter diese priesterliche Gnade und diese göttliche Leitung stellt, lässt sich nicht mehr vom spontanen Geschmack oder vom Vergleich mit anderen bestimmen. Die zweieinhalb Stämme, die sich für die Weiden diesseits des Jordan entschieden, treten im Text auffallend aus dieser Ordnung heraus – und gerade sie werden nicht zu denen gezählt, die das Land im eigentlichen Sinn austeilen. Ihre Selbstwahl engt ihre spätere Rolle ein. Es ist, als ob Gott sagen würde: Wo ihr auf eurer eigenen Zuteilung beharrt, entzieht ihr euch zugleich der Freude, andere am vollen Christus teilhaben zu lassen.
Wenn Gottes Souveränität und unser Wachstum im Leben zusammenkommen, entsteht eine leise, aber tiefe Gelassenheit. Wir müssen nicht mehr jeden Umstand rechtfertigen oder jede Differenz im Erleben erklären. Der Blick löst sich von der Frage, warum der Weg des anderen leichter oder sichtbarer gesegnet scheint. Stattdessen wächst ein Staunen darüber, dass der eine Christus sich in so vielen unterschiedlichen “Erbteilen” ausdrückt – in Krankheit und Gesundheit, in verborgener Treue und öffentlichem Dienst, in kurzen und langen Lebenswegen. Wer Gottes Los über den eigenen Wünschen höher achtet, entdeckt nach und nach: Gerade dort, wo ich mir mein Leben anders vorgestellt hätte, tritt Christus mir oft am persönlichsten entgegen. Und wer unter seinem priesterlichen und leitenden Dienst bleibt, wird selbst zu einem, der anderen etwas von diesem Christus zuteilt – nicht durch große Worte, sondern durch ein Leben, das in seinem eigenen Erbteil zur Ruhe gekommen ist.
Und ihr sollt das Land durchs Los als Erbteil empfangen nach euren Sippen: Dem, der groß ist (an Zahl), sollt ihr sein Erbteil groß bemessen, und dem, der klein ist (an Zahl), sollt ihr sein Erbteil klein bemessen; wohin das Los für einen fällt, das soll ihm gehören; nach den Stämmen eurer Väter sollt ihr (es) unter euch (als Erbteil) verteilen. (4.Mose 33:54)
Das sind die Namen der Männer, die euch das Land als Erbe austeilen sollen: der Priester Eleasar und Josua, der Sohn des Nun. (4.Mose 34:17)
Gottes souveräne Zuteilung und dein Wachstum im göttlichen Leben sind keine Gegensätze, sondern greifen ineinander. Dort, wo du sein Los über deine eigenen Entwürfe stellst und zugleich in der Beziehung zu Christus reifst, wird dein innerer Raum in ihm weiter – nicht unbedingt auffälliger, aber tragfähiger und fruchtbarer, als du es selbst je hättest planen können.
Herr Jesus Christus, du bist für uns das gute Land, reich, weit und unerschöpflich in deinen Schätzen. Du siehst, was in unserem Inneren deinen Platz einengt, welche sichtbaren und verborgenen Götzen uns binden und unseren Blick trüben. Wir bringen dir diese Dinge im Licht deines Kreuzes und danken dir, dass dein Tod stärker ist als jede Bindung und jede falsche Sicherheit. Lass uns in deinem Tod zur Ruhe kommen und in deiner Auferstehung neu leben, damit unser innerer Raum weit wird für dich allein. Stärke in uns das Vertrauen auf deine gute, souveräne Zuteilung und bewahre uns davor, an unserer eigenen Wahl festzuhalten, wo du uns in einen besseren Weg führen willst. Erweitere unser Leben in dir, damit wir dich nicht nur in einem schmalen Streifen, sondern in immer größerer Fülle genießen und anderen etwas von der Herrlichkeit deines Landes weitergeben können. Fülle unser Herz neu mit Hoffnung, dass deine Pläne mit uns größer sind als unsere Vorstellungen, und dass du uns bis ans Ziel trägst. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Numbers, Chapter 46