Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Feste (2)

6 Min. Lesezeit

Die jüdischen Festtage bilden kein bloßes Erinnerungsritual, sondern einen aufeinander aufbauenden Weg, auf dem das Werk Christi sichtbar wird: Sein Opfer, seine sündlose Lebensweise, seine Auferstehung und schließlich die Ausgießung des Geistes. Diese historischen Ereignisse sind in der Schrift zugleich geistliche Schritte, durch die das Einzelne in das Korporelle, aus dem Individuum in die Gemeinde übergeht. Wie aber vollendet Pfingsten dieses Geschehen, und welche Bedeutung hat das für unsere Erfahrung als gemeinschaftlicher Leib Christi?

Christus als Erfüllung von Pascha, ungesäuertem Brot und Erstlingsfrucht

Die Abfolge von Passah, dem ungesäuerten Brot und der Erstlingsfrucht öffnet einen klaren Blick auf das Doppelwerk Christi: Sein stellvertretendes Sterben, sein sündloses Leben und seine Auferstehung als erste Gabe des neuen Schaffens. Beim Blick auf das Passah wird das Opfer Christi als die rettende Wirklichkeit offenbar, die Sünde zu sühnen und den Weg in ein neues Verhältnis zu Gott zu bahnen. Zugleich führt uns das Fest des Erstlings zur Erfahrung, dass dieser Christus nicht im Grab verweilt, sondern als der Auferstandene in einer neuen Wirklichkeit erscheint; so heißt es in Apostelgeschichte 1:3: “denen Er Sich auch nach Seinem Leiden durch viele unwiderlegbare Beweise als lebendig dargestellt hatte, indem Er ihnen einen Zeitraum von vierzig Tagen hindurch erschien und die Dinge über das Königreich Gottes sprach.” Dieser historische Beleg verbindet das stellvertretende Sterben mit der lebenswirksamen Auferstehung.

Nachdem wir das Passah erlebt hatten, begannen wir, Christus als unser ungesäuertes Brot zu genießen und ungesäuert zu leben. Christus selbst ist ungesäuert und sündenlos. Wir erleben Christus auch als unser Fest der Erstlingsfrüchte; als der Auferstandene wohnt Er nun in uns. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft dreiundfünfzig, S. 476)

Das Bild des ungesäuerten Brotes legt die Reinheit und Unbeflecktheit Christi dar: Er ist ohne Sauerteig, ohne sündige Verderbnis, und daher fähig, wirkliche Nahrung für Gottes Volk zu sein. In der Erfahrung der Gemeinde wird aus diesem unbefleckten Leben inneres, auferstehliches Leben, das jetzt in den Gliedern wohnt; so heißt es in Johannes 20:22: “Und als Er dies gesagt hatte, hauchte Er in sie hinein und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist.” Die Reihenfolge — Stellvertretung, makelloses Leben, Erstling — zeigt, warum das Leben der Gemeinde zugleich gehorchend dem Kreuz und fruchtbar im neuen Leben stehen muss. Möge die Einsicht in diese drei Akte Christi Trost schenken und zugleich ermutigen, in der Tiefe dieser Wirklichkeit zu verweilen, damit das auferstandene Leben sichtbar wird.

denen Er Sich auch nach Seinem Leiden durch viele unwiderlegbare Beweise als lebendig dargestellt hatte, indem Er ihnen einen Zeitraum von vierzig Tagen hindurch erschien und die Dinge über das Königreich Gottes sprach. (Apg. 1:3)

Und als Er dies gesagt hatte, hauchte Er in sie hinein und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist. (Joh. 20:22)

Wer das Kreuz, das reine Leben und die Auferstehung Christi nicht als getrennte Stationen, sondern als eine zusammenwirkende Wirklichkeit begreift, erfährt, wie Gottes Rettung innerlich wird und sich in Gemeinschaft entfaltet.

Pfingsten: Ausgießung des Geistes und die Geburt des Leibes Christi

Pfingsten markiert die sichtbare Ausgießung des Geistes, durch die die personale Wirklichkeit Christi zur korporativen Wirklichkeit des Leibes Christi wird. In diesem Ereignis tritt die Vollendung der Göttlichen Dreieinigkeit als lebensspendender Geist hervor und wird nicht länger als einzelne Gabe verstanden, sondern als gemeinsames Interieur der Gemeinde. Jesu Gabe des Geistes an die Jünger verweist schon auf diesen Übergang; so heißt es in Johannes 20:22: “Und als Er dies gesagt hatte, hauchte Er in sie hinein und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist.” Die Ausgießung wird dadurch zum Beginn einer neuen, miteinander verbundenen Existenz, in der Christus als Person in viele hineingegossen wird.

Am fünfzigsten Tag geschah ein großes Ereignis: Der verarbeitete Dreieine Gott — der allumfassende, Leben gebende, zusammengesetzter Geist in seiner Gesamtheit — wurde auf die hundertzwanzig Jünger ausgegossen, die den Leib Christi repräsentierten. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft dreiundfünfzig, S. 477)

Aus dieser Gabe erwächst zugleich die Aufgabe der Gemeinde als wachsender Leib: verschiedene Glieder, die in Einmütigkeit und mit gemeinsamem Mund Christus ausstrahlen, bilden eine fortschreitende Ausdehnung seines Lebens. Das Bild der zwei als Erstlingsgabe dargebrachten Brote unterstreicht, dass Verschiedenheit nicht Gegensatz, sondern Formung zur einen Leiblichkeit ist. Diese Perspektive lädt zur Hoffnung, dass aus der persönlichen Begegnung mit dem auferstandenen Christus eine geteilte, lebensspendende Realität entsteht, die Gemeinschaft und Mission zugleich atmet.

Und als Er dies gesagt hatte, hauchte Er in sie hinein und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist. (Joh. 20:22)

In der Erfahrung des Geistes wird Christus zur gemeinsamen Wirklichkeit; daraus erwächst die ermutigende Tatsache, dass individuelles Erleben zugleich zur Teilnahme an einer wachsenden, korporativen Wirklichkeit führt.

Die Gnadenportion für die Ränder: Rücklass im Erntebild

Das Gebot, die Ecken des Feldes nicht vollständig zu abernten und die Nachlese für die Armen und Fremden zu lassen, öffnet einen Blick auf Gottes Absicht, Seine Fülle auch den Randgestalten der Gesellschaft zukommen zu lassen. Das Gesetz spricht nicht von einem zufälligen Versäumnis, sondern von einem bewusstem Überfluss, der stehenbleibt, damit die Bedürftigen teilhaben können; so heißt es in 3. Mose 23:22: “Und wenn ihr die Ernte eures Landes erntet, darfst du den Rand deines Feldes nicht vollständig abernten, und du sollst keine Nachlese deiner Ernte halten; für den Elenden und für den Fremden sollst du sie lassen. Ich bin der HERR, euer Gott.” Dieses Bild macht deutlich, dass Gottes Plan die Ausdehnung der Gnade über die privilegierten Grenzen hinaus vorsieht.

Wenn du die Ernte deines Feldes einbringst, sollst du die Ecken nicht vollständig abernten und auch nicht die Nachlese einsammeln; du sollst sie den Armen und den Fremden überlassen. Ich bin Jehovah, dein Gott. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft dreiundfünfzig, S. 482)

In der Auslegung dieses Symbols treten die Heiden als Empfangende der zurückbleibenden Gnade hervor: sie sind nicht zufällige Empfänger, sondern Teil der Ernte Gottes. So kann die Gemeinde als Leib Christi zur Stelle werden, an dem auch die unerwarteten Empfänger natürliche Teilhabe finden. Dieses Verständnis weckt Hoffnung, weil es zeigt, dass Gottes Fülle in die Ränder hineinreicht und dort neues Leben hervorbringt; es ermahnt zugleich zu einem offenen, großzügigen Blick für die Menschen am Rand, damit die Gnade sichtbar bleibt und wächst.

Und wenn ihr die Ernte eures Landes erntet, darfst du den Rand deines Feldes nicht vollständig abernten, und du sollst keine Nachlese deiner Ernte halten; für den Elenden und für den Fremden sollst du sie lassen. Ich bin der HERR, euer Gott. (3.Mose 23:22)

Dass Gottes Ernte auch für die Ränder bestimmt ist, eröffnet eine ermutigende Perspektive: seine Gnade sprengt Grenzen und führt zur lebendigen Gemeinschaft, in der Überraschungsempfänger die Fülle des Messias erfahren.


Herr Jesus, danke, dass Du durch Tod, Leben und Auferstehung den Weg bereitet hast und den Geist ausgegossen hast, damit Dein Leib wachsen kann. Erfülle Dein Volk mit dem Bewusstsein, dass wir Teil Deiner Ausdehnung sind und halte unsere Herzen offen für die Gnade, die auch den Schwachen und Fremden gilt; lass uns in dieser Wirklichkeit Trost und Hoffnung finden. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Leviticus, Chapter 53