Das Wort des Lebens
lebensstudium

Das Ergebnis des priesterlichen Dienstes

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Als Bild für unser geistliches Leben zeigt der alttestamentliche Priesterdienst, wie Gottes Nähe praktisch erfahrbar wird: Wenn Christus in seinem Opfer und in seiner Menschlichkeit in unsere Hände gelegt wird, erscheint Gott und wirkt unter uns. Die Spannung liegt darin, dass dieselbe Gegenwart Gottes zugleich Trost, Ausdruck seiner Herrlichkeit und prüfendes Feuer sein kann—je nachdem, wie wir Christus als die verschiedenen Opfer anwenden und genießen.

Das Erscheinen Gottes als Frucht priesterlichen Dienstes

Priesterlicher Dienst zeigt sich nicht vor allem in besonderen Ritualen, sondern in der gelebten Erfahrung, dass Gott inmitten des Alltags zu uns kommt. Wenn Christus in seinem ganzen reichen Ausdruck zu den verschiedenen Opfern unseres Dienstes wird — als Brandopfer, als Speisopfer, als Sündopfer —, dann wird das Gewöhnliche vom Übernatürlichen durchdrungen. In der alttestamentlichen Szene, in der das Feuer des HERRN vom Altar ausgeht und das Brandopfer verzehrt, offenbart sich eine Realität: Gottes Erscheinen ist sowohl ein sichtbares Zeichen als auch eine innere Gewissheit; heißt es in 3. Mose 9:24: “Und Feuer ging vom HERRN aus und verzehrte auf dem Altar das Brandopfer und die Fettstücke. Als das ganze Volk es sah, da jauchzten sie und fielen auf ihr Gesicht.”

Wenn wir nicht verleugnen können, dass Gott uns erschienen ist, werden wir Ihn anbeten und verehren und Ihm unser Lob und unseren Dank darbringen wollen. Das Erscheinen Gottes an uns ist die Erfahrung, die aus unserem priesterlichen Dienst hervorgeht. Eine solche Erfahrung sollten wir nicht nur früh am Morgen, sondern auch im Tagesverlauf erleben. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft zweiunddreißig, S. 280)

Dieses Erscheinen wirkt leise und beständig; es fordert nicht spektakuläre Gefühle, sondern eine Haltung des Wachens und des Darreichens. Aus der Wahrnehmung, dass Gott erschienen ist, entsteht natürliche Anbetung und Dank: nicht als Pflicht, sondern als Antwort auf eine gegebene Wirklichkeit. So wird der priesterliche Alltag zu einem Kanal, durch den Lob und Danksagung immer wieder in die Gegenwart Gottes fließen — nicht nur beim Beginn eines Tages, sondern in seinen einzelnen Stunden.

Und Feuer ging vom HERRN aus und verzehrte auf dem Altar das Brandopfer und die Fettstücke. Als das ganze Volk es sah, da jauchzten sie und fielen auf ihr Gesicht. (3.Mose 9:24)

Denn wo zwei oder drei in Meinen Namen hineinversammelt sind, dort bin Ich in ihrer Mitte. (Mt. 18:20)

Die Gewissheit, dass das Erscheinen Gottes die Frucht unseres Dienstes ist, tröstet und fordert zugleich. Es schenkt Ruhe, weil Gottes Gegenwart zu einem bleibenden Grund geworden ist, und es ermutigt, im Kleinen treu zu bleiben. Möge die Erinnerung an das verzehrende Feuer auf dem Altar unser Herz mit ehrfürchtiger Freude erfüllen und uns innerlich zu einer beständigen Darbringung führen.

Die Offenbarung von Gottes Herrlichkeit in der Gemeinde

Die Herrlichkeit Gottes ist nicht ein zusätzliches Beiwerk, sondern die sichtbare Entfaltung seines inneren Wesens; sie tritt hervor, wenn einzelne Christen Christus gemäß der göttlichen Ord­nung empfangen und im Geist dienen. Beobachtet man Versammlungen, so wird die Qualität der Offenbarung maßgeblich durch die persönliche Erfahrung des Einzelnen bestimmt: wo Christen in ihrem Inneren mit Christus verkehren, entsteht eine Atmosphäre, in der Gott sich ausdrücken kann. So heißt es passend: “Denn wo zwei oder drei in Meinen Namen hineinversammelt sind, dort bin Ich in ihrer Mitte.” (Matthäus 18:20) Dieses Wort weist nicht nur auf Gegenwart, sondern auf eine gemeinsame Sichtbarkeit des Lebendigen hin.

Das zweite Anliegen des priesterlichen Dienstes besteht darin, dass uns die Herrlichkeit Gottes erscheint. Wenn wir im Geist Gott dienen und Christus gemäß Gottes Anordnungen genießen, erfahren wir Gottes Erscheinung; oft folgt darauf das Erscheinen seiner Herrlichkeit. Gottes Herrlichkeit ist Gott, der Sich ausdrückt; wenn Gott zum Ausdruck kommt, ist das seine Herrlichkeit. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft zweiunddreißig, S. 281)

Die Deutung liegt nahe: Gemeinsames Leuchten ist die Folge vieler einzelner Begegnungen. Wenn die persönliche Gemeinschaft mit Christus arm ist, bleibt auch die Versammlung äußerlich; wenn jedoch jeder für sich den Christus genießt, tritt Gottes Herrlichkeit als ein gemeinsames Erscheinen auf. Die Konsequenz ist keine Technik, sondern eine Innigkeit — eine stille Ausrichtung des Herzens, durch die der Leib zusammenkommt und Christus als Ausdruck gewinnt. So wird die Gemeinde zum Raum, in dem Gott durch sein Volk sichtbar wird.

Denn wo zwei oder drei in Meinen Namen hineinversammelt sind, dort bin Ich in ihrer Mitte. (Mt. 18:20)

Zu wissen, dass die Herrlichkeit Gottes in der Versammlung aus der Tiefe persönlicher Gemeinschaft erwächst, schenkt Hoffnung: Kleines, Treues und Innerliches ist wirkmächtig. Möge diese Einsicht ermutigen, das eigene Leben als Ort stiller Begegnung zu achten, sodass die Gemeinde nicht auf Äußerlichkeiten angewiesen ist, sondern durch die gelebte Erfahrung Christi zum Ausdruck seiner Herrlichkeit wird.

Segen des Hohenpriesters und das verzehrende Feuer

Der Segen des Hohenpriesters ist mehr als ein Wort; er ist die Gegenwart des auferstandenen Herrn, die mit annahmender Güte selbst das Schwere verwandelt. Die Schrift erinnert an das Geschenk des Sohnes als äußerste Offenbarung göttlicher Liebe: “Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen einziggeborenen Sohn hingab…” (Johannes 3:16). In dieser Hingabe liegt der Grund für den priesterlichen Segen: Christus hat durch Sein Opfer und Sein Hineinaufnehmen in die Auferstehung die Tür zu einer beständigen Gegenwart geöffnet, die den Leib segnet und erhält.

Das bedeutet: Christus als unser Hoherpriester hat uns nach seiner Kreuzigung in seiner Auferstehung gesegnet (Lk. 24:50). In seiner Auferstehung ist der Herr alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters bei uns (Mt. 28:20). Seine Gegenwart bei uns ist sein Segen. Solange sie anhält, stehen wir unter diesem Segen. Ist sein Segen bei uns, werden sogar unsere Fehler zu Segnungen. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft zweiunddreißig, S. 282)

Neben der annahmenden Gegenwart steht jedoch die Reinheit Gottes, die zugleich richtend wirkt; Gott ist ein verzehrendes Feuer. Dieses Bild ist nicht zuerst bedrohlich, sondern klärend: Feuer zeigt an, was von Gott angenommen wird und was nicht in Übereinstimmung mit seiner Heiligkeit besteht; heißt es deutlich in Hebräer 12:29: “denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.” So begegnen wir einem Gott, der zugleich willkommen heißt und läutert — Segen und Zurechtweisung gehören zur selben Wirklichkeit seines Regierens.

Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen einziggeborenen Sohn hingab, damit jeder, der in Ihn hineinglaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. (Joh. 3:16)

denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. (Hebr. 12:29)

Die doppelte Erfahrung von Segen und Reinigungsfeuer führt ins Vertrauen: Gottes Gegenwart nimmt an und formt zugleich. Inmitten dieser Spannung bleibt die Zuversicht, dass der Hohepriester in Seiner Liebe bei uns ist und dass Gottes verzehrendes Feuer am Ende nichts zerstört ohne Ziel — es reinigt, um Leben und Herrlichkeit hervorzubringen. Möge diese Gewissheit innere Ruhe schenken und Mut zur ehrlichen Begegnung mit Gottes Heiligkeit wecken.


Herr Jesus, danke, dass Du als unser Hoherpriester in die Höhe gegangen bist und uns durch Dein Opfer begegnen, segnen und annehmen kannst. Schenke uns die Gnade, Dich in deinem ganzen Wesen zu genießen, damit Dein Erscheinen uns tröstet, Deine Herrlichkeit uns prägt und Dein heiliges Feuer uns reinigt und bewahrt. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Leviticus, Chapter 32