Das Wort des Lebens
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Das Gesetz des Übertretungsopfers

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Das Alte Testament legt für das Leben mit Gott klare Ordnungen fest, die uns heute helfen, das innere, göttliche Leben zu bewahren und praktisch zu leben. Zwar ist das zweite, göttliche Leben in uns subjektiv; doch es hat eine eigene Gesetzmäßigkeit und ein inneres Empfinden, das uns zeigt, wie wir in Heiligkeit und Verantwortung reagieren sollen. Die Rede vom Übertretungsopfer in 3. Mose öffnet einen Blick dafür, wie Christus konkret mit unseren Verfehlungen umgeht und wie diese Realität unser Verhalten, unseren Dienst und unser geistliches Empfinden prägen sollte.

Heiligkeit des Übertretungsopfers: die Sünde in ihrem Umfang erkennen

Die Heiligkeit des Übertretungsopfers tritt gleich in der Eröffnung des Gesetzes deutlich hervor: so heißt es in 3. Mose 7:1, „Und dies ist das Gesetz des Schuldopfers; hochheilig ist es.“ Dieser nüchterne Satz hält inne vor einer Wahrheit, die das Gewissen in seiner Tiefe berührt. Nicht nur die Tat wird gesehen, sondern die ganze Realität der Übertretung – ihre Ursache, ihre Macht und ihr Einfluss auf das Herz. Dass das Opfer als »hochheilig« beschrieben wird, ist kein bloßer formalistischer Zusatz; es ist ein Hinweis darauf, dass mit der Sünde nicht lässig umgegangen wird, sondern in heiliger Ernsthaftigkeit.

Das bedeutet, dass Christus als unser Übertretungsopfer im Umgang mit den Sünden unseres Verhaltens höchst heilig ist. Wenn wir Christus als unser Übertretungsopfer anwenden, müssen wir dies auf heilige Weise tun. Wir dürfen dieses Opfer niemals leichtfertig oder nachlässig anwenden und schon gar nicht in sündhafter Weise. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft sechsundzwanzig, S. 234)

Wenn wir diese Heiligkeit bedenken, öffnet sich eine zweifache Einsicht: Christus begegnet der Sünde nicht harmlos, aber auch nicht verdammend in reiner Verurteilung; er nimmt sie in seiner Heiligkeit auf und trägt ihre Konsequenzen. Die Schrift erinnert zugleich an die zerstörerische Kraft hinter der Sünde: Wer die Lüge redet, redet aus seinem Eigenen (vgl. Johannes 8:44), und die ganze Welt liegt in dem, der böse ist (1. Johannes 5:19). Vor diesem Horizont wird deutlich, dass Vergebung nicht bloß ein juristischer Akt, sondern eine heilige, ernste Begegnung ist, die unser Gewissen zur ehrlichen Selbsterkenntnis führt. So reift in uns eine respektvolle, demütige Haltung gegenüber dem Geschenk der Reinigung.

Und dies ist das Gesetz des Schuldopfers; hochheilig ist es. (3.Mose 7:1)

Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben. (Joh. 8:44)

Die Tatsache, dass das Übertretungsopfer »hochheilig« ist, nimmt jede Verharmlosung der Sünde weg und eröffnet zugleich ein geschütztes Feld der Wahrhaftigkeit: wer die Tiefe des eigenen Versagens vor diesem heiligen Opfer bringt, trifft nicht auf Gleichgültigkeit, sondern auf eine Heiligkeit, die reinigt und heilend wirkt. Möge diese Einsicht unser Gewissen schärfen und uns in der Gewissheit ruhen lassen, dass Christus unsere Schuld in heiligem Ernst trägt.

Die Grundlage: das Brandopfer macht Christus qualifiziert

Die Stellenwahl ist nicht zufällig: das Übertretungsopfer wird »an dem Ort, wo man das Brandopfer schlachtet« dargebracht, und es heißt weiter: „Der Priester soll sein Blut ringsherum an den Altar sprengen“ (3. Mose 7:2). Diese Verbindung zeigt auf, dass dem Übertretungsopfer ein Fundament zugrunde liegt, das über bloße Sühne hinausweist. Das Brandopfer steht für die absolute Hingabe, für ein Leben, das vollständig Gott gewidmet ist; an diesem Ort begegnet Schuld nicht unabhängig von der absoluten Selbsthingabe Gottes in Christus.

Sowohl das Sündopfer als auch das Übertretungsopfer beruhen auf dem Brandopfer. Weil Christus selbst das Brandopfer ist, ist Er auch dazu befähigt, als Sündopfer und als Übertretungsopfer zu dienen. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft sechsundzwanzig, S. 235)

Wenn Christus als das Brandopfer in Erscheinung tritt, wird klar, warum gerade er befähigt ist, auch unsere Schuld zu tragen: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“ (Johannes 1:29). Seine Fähigkeit, Sünde zu tragen, gründet in seiner absoluten Hingabe an den Vater. Daraus folgt keine theologische Distanz zum Bußleben, sondern eine tiefe Verbindung: wahre Umkehr und ein Christusgenuss, der die Schuld überwindet, stehen in der Intimität mit der Hingabe, die das Brandopfer verkörpert. Diese Einsicht verändert das Verstehen von Versöhnung – sie ist Frucht der absoluten Hingabe des Erlösers und zugleich unserer Antwort in Ehrfurcht und Anhänglichkeit.

An dem Ort, wo man das Brandopfer schlachtet, soll man das Schuldopfer schlachten. Der Priester soll sein Blut ringsherum an den Altar sprengen. (3.Mose 7:2)

Am folgenden Tag sah er Jesus zu sich kommen und sagte: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt! (Joh. 1:29)

Dass das Übertretungsopfer dort steht, wo das Brandopfer geschlachtet wird, schenkt Sicherheit: unsere Schuld ruht nicht auf einer zufälligen Gnade, sondern auf dem Fundament der absoluten Hingabe Christi. Dieses Bild lädt zu einer inneren Ruhe ein, in der Buße und Hingabe zusammenfallen und in der die Vergebung sowohl ernst genommen als auch genossen werden kann.

Dienst und Genuss in geweihtem Raum: starke Dienende und das gemeinsame Essen

Die für die Priesterschaft geltende Vorschrift, dass »alles Männliche unter den Priestern« vom Übertretungsopfer essen soll und dass dies »an heiliger Stätte« geschehe (3. Mose 7:6), führt in die Praxis hinein: nicht jede Nähe zum Opfer ist gleich, und nicht jeder Umgang mit der Schuld ist beliebig. Das gemeinsame Essen im Heiligen deutet an, dass der Genuss Christi und das Teilen seiner Sühne eine geistliche Gemeinschaftshandlung sind, die in einem geheiligten Rahmen stattfindet. Wer den Brüdern Christus als Übertretungsopfer reicht, tut dies nicht im öffentlichen Marktplatz, sondern in einer Ebene der Heiligung.

Jeder männliche Priester, der im Heiligen vom Übertretungsopfer isst, verkörpert, dass die Stärkeren Christus als Übertretungsopfer genießen können, wenn sie ihn anderen darbringen, um mit den Sünden in deren Verhalten umzugehen. Christus einem Bruder als Übertretungsopfer darzubringen, der Sünden begangen hat, erfordert, dass man stärker ist. Dieses Genießen Christi muss im Heiligen stattfinden, in einem abgesonderten, geheiligten Bereich. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft sechsundzwanzig, S. 235)

Die Ordnung spricht weiter davon, dass das, was der Priester erwirbt, ihm gehört (3. Mose 7:7–10): Dienst und Genuss gehören zusammen. Die Stärkeren innerhalb der Gemeinde sind berufen, in der Heiligkeit Christus so zu reichen, dass Zerbrochenheit Heil erfährt und dass der Umgang mit Schuld nicht isolierend, sondern nährend wird. Wenn das Dienen in einem geheiligten Raum besteht, wird daraus kein bloßer Akt der Fürsorge, sondern eine Erfahrung des gemeinsamen Teilhabens an Christus, die die Gemeinschaft stärkt und zugleich innerlich nährt.

Alles Männliche unter den Priestern soll es essen; an heiliger Stätte soll es gegessen werden: hochheilig ist es. (3.Mose 7:6)

Und alles Speisopfer, das mit Öl gemengt oder trocken ist, soll allen Söhnen Aarons gehören, dem einen wie dem anderen. (3.Mose 7:10)

Die Verbindung von starkem Dienst und geheiligtem Genuss macht deutlich, dass Seelsorge und gemeinsamer Genuss des Erlösers nicht getrennt werden können. In der Heiligkeit des Zusammenkommens wird Dienst zum Raum echten Teilhabens an Christus; dort kann Schuld berührt, getragen und zugleich verwandelt werden. Möge dieses Bild ermutigen, Gemeinschaft so zu suchen, dass Dienst und Genuss in heiligem Einklang stehen.


Herr, danke, dass Du Christus als unser Übertretungsopfer gegeben hast, indem Du seine Heiligkeit und seine völlige Hingabe an Dich offenbart hast; lass diese Wahrheit unser inneres Empfinden formen und unser Leben klären. Schenke, dass Dein Geist uns befähigt, in einem geheiligten Raum zu dienen und zugleich von Dir zu leben, damit unser Dienst anderen zur Quelle deines Trostes und unserer Freude wird. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Leviticus, Chapter 26