Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die praktische Erfahrung und der praktische Genuss von Christus als den Opfern

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Das Buch 3. Mose wirkt auf viele Leser trocken und fern, dabei steckt in seinen Opfern eine tiefe Einladung: Christus selbst ist beides — die Schuld tilgende Gabe und die nährende Speise. Wie kann dieselbe Person gleichzeitig Gottes Gefallen gewinnen, unseren Bedarf decken und uns befähigen, anderen Christus zu bringen? Die Verbindung von Opferordnung und neutestamentlicher Offenbarung zeigt, dass die praktische Erfahrung Christi durch den Geist zur lebendigen Wirklichkeit wird.

Christus als das Opfer, das Sühnung schafft und Gott gefällt

Die alttestamentlichen Darbringungen zeigen eine doppelte Bewegung: sie nehmen Sünde ernst und bringen zugleich etwas, das Gott wohlgefällig ist. Beobachtet man die Opferordnung, so erkennt man, dass nicht nur die Schuld bedeckt werden soll, sondern dass das Darbringende auch etwas in den Bereich Gottes hineinträgt, das Ihn erfreut. In der Neuen Schrift verschiebt sich diese Typologie von einem wiederholbaren Ritual auf die einmalige Person Christi; sein Opfer ist nicht nur Sühnehandlung, sondern zugleich eine Gabe, durch die Gott mit einem inneren Wohlgefallen antwortet. Wie im Hebräerbrief heißt es: “Dann sagte Ich: Siehe, Ich bin gekommen (in der Buchrolle steht über Mich geschrieben), um Deinen Willen, o Gott, zu tun.“ (Hebr. 10:7).

Christus hat die Lage dadurch geregelt, dass er für uns Sühne geleistet hat. Darüber hinaus hat er dafür gesorgt, Gott Wohlgefallen zu bereiten. Daher hat Christus Sich nicht nur als Opfer für die Sünde dargebracht, sondern zugleich auch als Gabe, um Gott zu gefallen und ihm dadurch Freude zu bereiten. Als einmaliges Opfer hat Christus für uns Sühne geleistet und damit Gott Wohlgefallen verschafft. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft vierzehn, S. 124)

Wenn Christus als die vollendete Darbringung gesehen wird, verbindet sich in ihm Versöhnung und Gefallen Gottes auf eine Weise, die die typischen Opfer übersteigt. Seine Hingabe stellt die gebrochene Beziehung wieder her und bildet zugleich das Zentrum einer neuen, erfreulichen Gemeinschaft mit dem Vater; das ist kein bloßer rechtlicher Ausgleich, sondern eine innere Erneuerung des göttlichen Wohlgefallens. Diese Erkenntnis verändert das Verständnis unserer Anbetung: sie ist nicht zuerst das Vorbringen von Forderungen, sondern das ehrliche Innehaben und Erwidern dieser göttlichen Freude. So bleibt die Botschaft ermutigend — dass das vollkommene Opfer Jesu nicht nur Schuld tilgt, sondern eine Beziehung wieder lebendig macht und in ihrer Tiefe erfreut.

Dann sagte Ich: Siehe, Ich bin gekommen (in der Buchrolle steht über Mich geschrieben), um Deinen Willen, o Gott, zu tun.“ (Hebr. 10:7)

Die Tatsache, dass Christus zugleich Sühne und Gabe ist, lädt zu einem Betrachtungswechsel ein: Religiöse Pflichterfüllung verliert ihre zentrale Bedeutung zugunsten eines Bewusstseins für die wiederhergestellte Gemeinschaft mit Gott. Aus dieser Perspektive wird Anbetung zur Antwort auf ein von Gott geschenktes Wohlgefallen und die persönliche Beziehung wächst aus dem Bewusstsein, dass Sein Kommen unsere Schuld geregelt und Sein Opfer uns in sein Gefallen zurückgeführt hat.

Die Opfer als Speise: Christus für Gott und für seine Diener

Die Texte des dritten Buches Mose und der Gesetzesbestimmungen zeigen ein überraschendes Bild: Opfer werden als Speise bezeichnet, die dem Herrn und zugleich dem Priester dient. Diese Sprache kehrt die Perspektive um — nicht wir nähren Gott, sondern das Opfer ist Ausdruck seines Wohlgefallens und zugleich Mittel, durch das Gott sich mit dem Volk in Verbindung setzt. So heißt es eindringlich: “Befiehl den Söhnen Israel und sprich zu ihnen: Ihr sollt darauf acht haben, mir meine Opfergabe, meine Speise, in Form der mir (zukommenden) Feueropfer zu ihrer festgesetzten Zeit darzubringen, mir zum wohlgefälligen Geruch!” (4.Mose 28:2).

Christus ist die Speise Gottes und zugleich auch unsere; deshalb müssen wir Ihn essen. (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft vierzehn, S. 124)

Im Neuen Testament erhält dieses Bild seine Erfüllung in der Person Christi: Er ist nicht nur das Objekt göttlichen Wohlgefallens, sondern zugleich die Nahrung des Lebens. Jesus spricht von sich als dem Brot des Lebens und lädt in seinem Fleischgeben die Gemeinde ein, an seinem Leben teilzuhaben. “Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; wenn jemand von diesem Brot isst, wird er in Ewigkeit leben; und das Brot, das Ich geben werde, ist Mein Fleisch, das Ich geben werde für das Leben der Welt.” (Joh. 6:51). Die Realität, Christus zu essen, bedeutet, dass der Dienst und die Gabe, die vor Gott gebracht wurden, innerlich aufgenommen werden, sodass unser Dienen nicht aus eigener Kraft, sondern aus eingeborgtem Leben geschieht. So wird Dienst zur Frucht einer genuinen Einverleibung in das Leben Christi und bleibt nicht rein äußerliche Leistung.

Befiehl den Söhnen Israel und sprich zu ihnen: Ihr sollt darauf acht haben, mir meine Opfergabe, meine Speise, in Form der mir (zukommenden) Feueropfer zu ihrer festgesetzten Zeit darzubringen, mir zum wohlgefälligen Geruch! (4.Mose 28:2)

Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; wenn jemand von diesem Brot isst, wird er in Ewigkeit leben; und das Brot, das Ich geben werde, ist Mein Fleisch, das Ich geben werde für das Leben der Welt. (Joh. 6:51)

Wenn die Opfer als Speise verstanden werden, verändert sich die Grundlage des Dienstes: Das Praktizieren christlicher Hingabe entspringt nicht einer Leistungsethik, sondern aus der Erfahrung, von Christus genährt zu sein. In diesem Licht erscheint jeder Dienst als Fortführung dessen, was innerlich gegessen und genossen worden ist — eine stille, aber kraftvolle Verschiebung von Aktivität zu gedeihendem Sein.

Der Geist der Wirklichkeit: Christuserfahrung und Zeugnis in der Praxis

Die Wandlung von einer historischen Gestalt zu einer gegenwärtigen Wirklichkeit in uns geschieht durch den Geist der Wirklichkeit. Johannes benannt diesen Beistand als den Geist der Wirklichkeit, der bei den Gläubigen bleibt und in ihnen wirkt: “nämlich den Geist der Wirklichkeit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie Ihn nicht anschaut und Ihn nicht kennt; ihr aber kennt Ihn, weil Er bei euch bleibt und in euch sein wird.” (Joh. 14:17). Beobachtet man die neutestamentliche Offenbarung, so zeigt sich, dass Christus, nachdem er gekreuzigt und auferweckt wurde, als lebensspendender Geist gegenwärtig ist — eine innere Wirklichkeit, die unser Inneres nährt und verwandelt.

Damit Christus für uns Wirklichkeit wird, bedarf es des Geistes der Wirklichkeit. Nach der Offenbarung des Neuen Testaments ist der Geist der Wirklichkeit die Umgestaltung Christi. Nachdem Er aber gekreuzigt worden war, um eine allumfassende Erlösung zu vollbringen, und in die Auferstehung eingegangen war, wurde Er zu einem Leben gebenden Geist (1. Kor. 15:45b). (Witness Lee, Life-Study of Leviticus, Botschaft vierzehn, S. 127)

Diese innere Gegenwart hat konkrete Folgen für Zeugnis und Dienst: Wenn Christus im Geist zu einer lebendigen Wirklichkeit wird, wird das geübte Erleben nicht nur Quellen persönlicher Stärkung (“Alles vermag ich in Ihm, der mich stark macht”, Phil. 4:13), sondern auch Grundlage für liebevolle Weitergabe an andere. Paulus spricht von Christus als dem letzten Adam, der zu einem lebengebenden Geist geworden ist (1. Kor. 15:45), und damit ist eine dynamische Kraft beschrieben, die in uns wirkt, damit wir nicht bloß von einer historischen Erinnerung leben, sondern von einer lebendigen, mitteilbaren Gegenwart. Am Ende bleibt die ermutigende Erkenntnis: Der Geist macht Christus für uns erfahrbar und befähigt, dieses Leben in alle Lebensbereiche hineinzutragen.

nämlich den Geist der Wirklichkeit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie Ihn nicht anschaut und Ihn nicht kennt; ihr aber kennt Ihn, weil Er bei euch bleibt und in euch sein wird. (Joh. 14:17)

So steht auch geschrieben: „Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele“; der letzte Adam wurde zu einem Leben gebenden Geist. (1.Kor 15:45)

Die Gegenwart des Geistes der Wirklichkeit lädt dazu ein, das Glaubensleben als innere Erfahrung zu sehen, die aus dem Empfangenden hervorwächst. So wird der Dienst nicht mehr primär als äußere Aufgabe verstanden, sondern als natürliche Folge eines innerlich genährten Lebens, das in Kraft und Liebe geteilt werden kann — eine stille Gewissheit, die Hoffnung schenkt und zu beständigem Wachstum einlädt.


Herr Jesus, Du bist die lebendige Darbringung, durch deren Tod Versöhnung geschieht und deren Leben uns nährt. Lass uns nicht lediglich über diese Wahrheit nachdenken, sondern schenke uns die Erfahrung Deines Geistes, dass wir in Dir gestärkt werden und in Liebe anderen aus dieser Fülle dienen dürfen. Möge Dein Genuss in uns wachsen und Zuversicht in unsere Herzen legen, weil Du für uns bist und in uns wohnst. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Leviticus, Chapter 14