Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Herstellung der Stiftshütte mit ihrem Gerät und den Gewändern für die Priester (1)

6 Min. Lesezeit

Als Mose das Volk auffordert, die Stiftshütte und die priesterlichen Gewänder herzustellen, beginnt der Bericht auffällig mit einer ernsten Mahnung zur Sabbatruhe. Warum steht eine Anweisung über Ruhe vor einem klaren Arbeitsauftrag? Die Reihenfolge macht deutlich: wahre Arbeit für Gott entspringt nicht aus Aktivismus, sondern aus gefestigter Gemeinschaft mit Ihm, aus Reinigung und aus der Erfahrung seiner Gegenwart.

Ruhe als Voraussetzungen für Gottes Werk

Die Anordnung, vor dem Bau der Stiftshütte den Sabbat zu halten, fällt nicht zufällig an den Anfang der Anleitung. In der Erwähnung bei Mose tritt hervor, dass Gott Sein Werk nicht aus geschäftiger Betriebsamkeit, sondern aus einem Zustand der Ruhe und des Seins mit Ihm heraus wirken will. Diese Ruhe ist nicht lediglich ein Unterbrechen von Tätigkeit, sondern eine geordnete Gegenwart bei dem Schöpfer, die dem weiteren Dienst die richtige Richtung und den rechten Ton gibt. So weist der Text darauf hin: ehe das Handwerk kommt, steht das Dasein in Beziehung zum Herrn.

Bevor Gott sein Volk beauftragte, die Stiftshütte samt ihrem Gerät zu errichten und die Priestergewänder anzufertigen, gebot Er ihnen zunächst, den Sabbat zu halten. Das bedeutete, dass sie ruhen sollten, ehe sie an ihrem Bau arbeiteten. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertzweiundachtzig, S. 1930)

Wenn die Schrift vom Sabbat spricht, hebt sie darum eine theologische Priorität hervor: das Aufgehörtsein des Menschen vor Gott als Grundlage jeder heiligen Tätigkeit. Heißt es, „Sechs Tage soll man (seine) Arbeit verrichten, aber den siebten Tag sollt ihr heilig halten“ (2. Mose 35:2). Dieses Gebot ruft nicht zur Flucht aus der Welt, sondern zum Vorbereitetsein des Herzens. Wie am Anfang von allem in 1. Mose 2:2. Ruhe dem Vollenden vorausging und die Schöpfung in ihrem Sein vollendet wurde, so muss auch das Werk des Volkes Gottes aus einer vorangegangenen Ruhe entspringen; nur so bleibt das Tun Ausdruck von Gnade und Gemeinschaft, nicht bloßes Gesetzesgehorsam.

Sechs Tage soll man (seine) Arbeit verrichten, aber den siebten Tag sollt ihr heilig halten, (er sei euch) ein ganz feierlicher Sabbat für den HERRN. Jeder, der an ihm eine Arbeit verrichtet, muß getötet werden. (2. Mose 35:2)

Und am siebten Tag vollendete Gott Sein Werk, das Er gemacht hatte, und Er ruhte am siebten Tag von Seinem ganzen Werk, das Er gemacht hatte. (1. Mose 2:2)

Ruhe ist des Werkes Mitte: sie ordnet das Herz und schenkt dem Tun Sinn. Wenn das Innehalten nicht als Verlust verstanden wird, sondern als Raum des Empfangens, öffnet sich die Kreativität des Geistes und die Arbeit am Heiligtum wird zur Antwort auf Gemeinschaft statt zur Ersatzhandlung.

Feste, Läuterung und die Teilhabe an Christus

Die Forderung nach Unvermischtheit – etwa das Nichtkochen eines Böckchens in der Milch seiner Mutter oder das Zurückhalten der Erstlinge – berührt die Grundfrage der Stellung des Gottesvolkes vor Gott. Solche Gebote sind nicht primär kultische Kleinigkeiten, sondern bildhafte Weisen, die innere Wirklichkeiten ausdrücken: das Loslassen alter Gewohnheiten, das Bewahren einer reinen Zuwendung und das Ergreifen dessen, was Gott schenkt. Das Bild der Hefe steht dabei als Sinnbild für alles, was das Leben aufbläht und verwandelt: die alte Natur, die heimliche Selbstsucht, die verwässernde Anpassung an fremde Sitten.

Die Erlösung eines Esels durch ein Lamm weist darauf hin, dass wir als gefallene, unreine Menschen durch Christus erlöst werden. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertzweiundachtzig, S. 1925)

Vor diesem Hintergrund wird die Teilhabe an Christus nicht nur als ein einmaliges Erlösungsereignis verstanden, sondern als tägliches Loslassen und Aneignen. Heißt es in der Schrift: „Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal. 2:20). Die Feier der Erstlinge und die Forderung der Unvermischtheit verweisen darauf, dass das, was Gott als Sein Eigentum annimmt, in der Reinheit der Hingabe genossen werden will. Dadurch wird Christus nicht abstrakt, sondern konkret in der Stellung und im Wandel des Gläubigen gegenwärtig.

Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; und das Leben, das ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben, in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und Sich Selbst für mich hingegeben hat. (Gal. 2:20)

Das Erste der Erstlinge deines Landes sollst du in das Haus des HERRN, deines Gottes, bringen. Du sollst ein Böckchen nicht in der Milch seiner Mutter kochen. (2. Mose 34:26)

Reinigung und Teilhabe gehen Hand in Hand: wer das Innerliche klärt, gewinnt Raum für Christus, der dann in ganzer Fülle wirken kann. Diese Einsicht lädt zu einem Leben, das in seiner Heiligung zugleich von tröstlicher Nähe zu Christus geprägt ist, weil in der Reinheit die Gemeinschaft lebendig bleibt.

Tägliches Feiern und kurze Ruhen im Lauf des Lebens

Das Bild von regelmäßigen Festzeiten und kurzen Pausen im Verlauf des Tages führt das Thema von Ruhe und Teilhabe in das Alltägliche. Nicht nur die großen Festtage, sondern auch wiederkehrende Momente des Innehaltens machen Christus gegenwärtig. Diese kurzen Unterbrechungen sind keine Flucht vor Verantwortung, sondern einfache Knotenpunkte, an denen das Herz wieder auf den Herrn ausgerichtet wird und die Lebendigkeit der Gemeinschaft erneuert wird.

Jeden Tag sollten wir drei Feste begehen. Außerdem sollten wir mehrmals täglich, vielleicht alle fünfzehn bis zwanzig Minuten, kurz innehalten, um bei Christus zu ruhen. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertzweiundachtzig, S. 1929)

Solche Rhythmen helfen, das Leben in der Praxis zu verwandeln: sie verhindern, dass Dienst zur Leistung wird, und sie verankern unsere Tätigkeit in einer fortgesetzten Gegenwart Christi. Heißt es darum, dass das neue Leben nicht mehr dem alten Menschen gehört, sondern Christus in uns lebt; dies gibt auch dem täglichen Feiern seinen Sinn. Wer in solchen kleinen Festen des Alltags lebt, erfährt, wie das Leben des Herrn fortwährend in die konkrete Zeit hineinstrahlt und sie formt.

Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; und das Leben, das ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben, in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und Sich Selbst für mich hingegeben hat. (Gal. 2:20)

Rhythmus und Gegenwart bilden zusammen eine Lebensweise, die stabil und aufnahmebereit ist: regelmäßiges Innehalten schenkt dem Tag eine geistliche Tiefe, aus der alle Tätigkeiten ihre Freude und ihre Echtheit beziehen. So wird das gewöhnliche Leben zur Bühne, auf der Christus beständig gegenwärtig ist.


Herr, lehre uns die Gnade, zuerst mit Dir zur Ruhe zu kommen, damit unser Tun aus Gemeinschaft und nicht aus Mühe geboren ist. Fülle uns mit dem Bewusstsein Deiner Erlösung und reinige unser Herz, dass wir nicht nur Teilstücke, sondern die heutige Fülle Deines Lebens genießen; möge Dein Friede unser Tun segnen und uns in Hoffnung erhalten. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 182