Das Wort des Lebens
lebensstudium

Der Aufenthalt von Mose bei Gott (1)

7 Min. Lesezeit
  1. Mose 34 wirkt auf den ersten Blick wie ein dichtes Geflecht aus Wiederholungen, Warnungen und Gottesworten. Hinter der historischen Schilderung stehen zwei Schlüssel: die alttestamentlichen Typen, mit denen uns himmlische Wahrheiten zugänglich werden, und die dramatische Wiederherstellung eines zerbrochenen Bundes. Die Spannungsfrage lautet: Wie führt uns diese Szene von Mose auf dem Berg heute in eine tiefere Erfahrung von Gottes Gegenwart und in das Heil, das er uns verheißen hat?

Allein zur Morgenbegegnung mit Gott

Die Szene auf dem Sinai zeichnet sich durch eine schlichte, fast radikale Intimität aus: Mose soll allein kommen, am Morgen auf den Berg steigen und vor dem Herrn stehen. Es heißt es deutlich: „Es soll aber niemand mit dir hinaufsteigen, und es darf überhaupt niemand auf dem ganzen Berg gesehen werden; sogar Schafe und Rinder dürfen nicht in Richtung auf diesen Berg hin weiden.“ Diese Anweisung macht deutlich, dass manche Begegnungen mit Gott nicht im Nebeneinander, sondern im Alleinsein stattfinden; das Morgenlicht, wenn es aufgeht, bietet eine leere Stätte, auf der Gottes Reden ungetrübt erklingen kann.

In 2. Mose 34:3 sagte der Herr zu Mose: „Und niemand soll mit dir hinaufkommen, und kein Mensch soll auf dem ganzen Berg gesehen werden; und die Herden und das Vieh sollen nicht vor jenem Berg weiden.“ Damit verbot der Herr Mose, jemanden mit auf den Berg zu bringen. Mose durfte weder Josua noch Aaron noch sonst jemanden mitnehmen; er sollte allein zum Herrn kommen. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertachtundsiebzig, S. 1888)

Wenn das Aufgehen des Tages und das Alleinsein zusammenkommen, entsteht Raum für eine andere Art von Aufmerksamkeit: nicht das Gerede der Menge, sondern das Hören auf den eine Stimme. In diesem stillen Morgen begegnet Mose dem Redenden Gott, und diese Begegnung formt ihn — sein Antlitz wird verändert, weil das Wort Gottes ihn trifft. Die Morgenstunde wird so zu einer Metapher für den Anfang jeder Erneuerung: das Aufgehen des Lichts legt frei, was vorher verborgen war, und macht empfänglich für das, was Gott geben will.

Es soll aber niemand mit dir hinaufsteigen, und es darf überhaupt niemand auf dem ganzen Berg gesehen werden; sogar Schafe und Rinder dürfen nicht in Richtung auf diesen Berg hin weiden. (2.Mose 34:3)

Und halte dich für den Morgen bereit und steige am Morgen auf den Berg Sinai und stehe dort vor mir auf dem Gipfel des Berges! (2.Mose 34:2)

Möge der Gedanke an ein einfaches, unbelebtes Morgen unter dem Wort Gottes ermutigen: die Kraft der Begegnung liegt oft nicht in Aufsehen erregenden Übungen, sondern in der stillen Bereitschaft, vor dem Herrn zu stehen. Wer sich auf die Morgenstunde des Herzens einlässt, bietet Gott die leere Hand, in die Er schenken kann; das ist Trost und Ansporn zugleich.

Wiederherstellung des zerbrochenen Bundes

Mit dem Vorschlag, neue Tafeln zu fertigen, nimmt Gott selbst die Initiative zur Wiederherstellung des Bundes. Es heißt es: „DARAUF sprach der HERR zu Mose: Haue dir zwei steinerne Tafeln wie die ersten zurecht! Dann werde ich auf die Tafeln die Worte schreiben, die auf den ersten Tafeln standen, die du zerschmettert hast.“ Diese göttliche Bereitschaft, das Zerbrochene zu überschreiben und so neu zu bestätigen, offenbart, dass Gottes Bund nicht an menschliches Versagen gebunden bleibt; vielmehr bleibt seine Absicht, mit dem Volk in Gemeinschaft zu stehen, beständig und aktiv.

  1. Mose 34:1 lautet: „DARAUF sprach der HERR zu Mose: Haue dir zwei steinerne Tafeln wie die ersten zurecht! Dann werde ich auf die Tafeln die Worte schreiben, die auf den ersten Tafeln standen, die du zerschmettert hast.“ Dieser Vorschlag in 2. Mose 34:1 ging nicht von Mose aus, sondern vom Herrn. Die Sühne, die Mose für das Volk erwirkte, war für Gott von großer Bedeutung. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertachtundsiebzig, S. 1887)

In der Art, wie Mose vierzig Tage beim HERRN verweilt und die Worte des Bundes niederschreibt, liegt das Zusammenspiel von göttlicher Initiative und menschlicher Demut. „Und Mose blieb vierzig Tage und vierzig Nächte dort beim HERRN. Brot aß er nicht, und Wasser trank er nicht. Und er schrieb auf die Tafeln die Worte des Bundes, die zehn Worte.“ Hier tritt die Vermittlung des Menschen als Antwort auf Gottes Bereitschaft hervor: nicht um die Rettung zu verdienen, sondern um Raum zu geben, damit Gottes Wort neu in die Wirklichkeit des Volkes treten kann. Typologisch weist dieses Geschehen voraus auf das Eintreten in das gute Land, auf das innige Wohnen in dem alles umfassenden Christus, den Gott schenkt, wenn Er den Bund erneuert.

Die Wiederherstellung ist demnach keine Rückkehr zum Status quo ante, sondern eine Erneuerung, die tiefere Gemeinschaft ins Blickfeld rückt. Gottes Schreiben auf die Tafeln ist Zeichen seiner Treue; das menschliche Verharren und Schreiben ist Ausdruck der Bereitschaft, das Gegebene aufzunehmen und lebendig werden zu lassen. So wächst die Gemeinde in ihrer Existenz und im Genuss des Guten, das Gott bereitstellt.

DARAUF sprach der HERR zu Mose: Haue dir zwei steinerne Tafeln wie die ersten zurecht! Dann werde ich auf die Tafeln die Worte schreiben, die auf den ersten Tafeln standen, die du zerschmettert hast. (2.Mose 34:1)

Und Mose blieb vierzig Tage und vierzig Nächte dort beim HERRN. Brot aß er nicht, und Wasser trank er nicht. Und er schrieb auf die Tafeln die Worte des Bundes, die zehn Worte. (2.Mose 34:28)

Die Gewissheit, dass Gott bereit ist, neu zu schreiben, gibt Hoffnung: wo Zerbrochenes ist, wohnt Gottes Tat zur Erneuerung. Das lädt zu einer Haltung der demütigen Aufnahme ein — nicht als Selbstrechtfertigung, sondern als kindliches Vertrauen auf einen Gott, der immer wieder neu die Gemeinschaft herstellt und in sein gutes Land führt.

Die Gefahr der Idolatrie als Genussverhinderer

Die Befehle, die Altäre niederzureißen und keine Bundesschlüsse mit den Einwohnern des Landes einzugehen, sind keine nationalen Machtspiele, sondern Schutzmaßnahmen für die Lebensgemeinschaft mit Gott. Gerade die starke Formulierung — „Denn du darfst dich vor keinem andern Gott anbetend niederwerfen; denn der HERR, dessen Name «Eifersüchtig» ist, ist ein eifersüchtiger Gott.“ — zeigt, wie ausschlaggebend Gottes Exklusivität für den Genuss des Guten ist. Wo fremde Mächte den Raum unseres Herzens einnehmen, wird die Fähigkeit, Christus als allesumfassenden Besitz zu bewohnen und zu genießen, geschwächt.

„Hüte dich, dass du mit den Einwohnern des Landes, in das du kommst, keinen Bund schließt, damit er dir nicht zur Falle wird. Ihre Altäre sollst du niederreißen, ihre Pfeiler zerschlagen und ihre Ascheren abholzen; denn du sollst dich nicht vor einem anderen Gott niederwerfen; denn Jehovah — Eifersüchtig ist Sein Name — ist ein eifersüchtiger Gott.“ Auch heute gibt es unter dem Volk Gottes viele Götzen. Sie fesseln die Gläubigen und hindern sie daran, Christus zu genießen. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertachtundsiebzig, S. 1893)

Die Warnung, keine gegossenen Götter zu machen, geht tiefer als äußerliches Verbot: sie trifft die Versuchung, Dinge zur letzten Zuflucht zu erheben, die eigentlich nur Werkzeuge sind. „Gegossene Götter sollst du dir nicht machen.“ Insofern ist Idolatrie nicht nur ein weltliches Problem, sondern eine spirituelle Blockade des Genusses des guten Landes. Wenn etwas an die Stelle Gottes tritt — sei es Sicherheit, Einkommen, Beziehungen oder geistliche Vorstellungen —, verliert das Herz seinen Platz für das Leben, das allein Christus geben kann. Die Dringlichkeit, solche Herrschaften zu durchschauen, liegt im Erhalt der Freude, für die Gott sein Volk in das gute Land führt.

Denn du darfst dich vor keinem andern Gott anbetend niederwerfen; denn der HERR, dessen Name «Eifersüchtig» ist, ist ein eifersüchtiger Gott. (2.Mose 34:14)

Gegossene Götter sollst du dir nicht machen. (2.Mose 34:17)

Die Mahnung gegen Götzen ist zugleich eine Einladung zur Befreiung: wo Ballast abgelegt wird, kann der warmherzige Genuss Gottes wieder aufleben. Dies ist kein Aufruf zur Verzweiflung über das Versagen, sondern zur zuversichtlichen Rückkehr zu dem, der als einziges wirklich füllt — damit das gute Land nicht nur eine Verheißung bleibt, sondern zum erlebten Zuhause wird.


Vater im Himmel, schenke uns die Gnade, dich in echter Stille und Ehrfurcht zu begegnen, damit dein Wort uns erfüllt und erneuert. Möge deine wiederherstellende Liebe den Bund in unseren Herzen erneuern und uns bewahren vor allem, was uns von der vollen Freude an dir abhält; hilf uns, in deinem guten Land Anteil zu haben und darin zu wachsen. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 178