Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die priesterlichen Gewänder (7)

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Die Beschreibung des Ephods in 2. Mose fällt durch überraschende Details auf: zwei große Onyxsteine, kunstvoll gefasst und durch goldene Kordeln mit den Schulterstücken verbunden. Warum erscheint gerade dieses Bild so eindrücklich? Es offenbart nicht nur, wer Christus ist, sondern auch, wie er seine Gemeinde hält, formt und vor Gott darstellt. Aus der Typologie des Priestergewands lässt sich eine klare, lebensnahe Linie ableiten: die Identität der Gläubigen, die Art seiner Ergriffenheit durch Leiden und Herrlichkeit und die bleibende Stellung der Gemeinde in Gottes Gegenwart.

Die Onyx-Steine: Wir als kostbare, verwandelte Gemeinschaft

Die beiden Onyxsteine, oben auf den Schulterstücken des Ephods befestigt, fallen als erstes durch ihre Platzierung ins Auge: sie ruhen dort, wo Last getragen und Stand gehalten wird. In 2. Mose 28:9–12 heißt es hierzu in den Anweisungen an den Priester: “Und du sollst zwei Onyxsteine nehmen und die Namen der Söhne Israel darauf eingravieren… Dann setze die beiden Steine (oben) auf die Schulterstücke des Ephods, als Steine des Gedenkens für die Söhne Israel! Und Aaron soll ihre Namen auf seinen beiden Schultern tragen vor dem HERRN zum Gedenken.” Die Schrift betont damit nicht nur die individuelle Identität der Stämme, sondern die Art und Weise, wie diese Identität vor Gott getragen wird.

Was bedeuten die beiden Onyxsteine, die der Hoherpriester auf seinen Schultern trägt? Sie symbolisieren die Gläubigen, uns eingeschlossen. Solange du wiedergeboren bist, ist wenigstens ein wenig Onyx in dir; schließlich wird der ganze Ton in Onyx verwandelt werden. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertzweiundzwanzig, S. 1374)

Aus diesem Bild liest sich theologisch die Zusage einer sukzessiven Verwandlung: Was anfangs Ton, Zerbrechlichkeit und Unvollkommenheit sein mag, wird in Gottes Werk als tragender, beständiger Stein eingesetzt. Die Onyxsteine stehen nicht für uns als fertige Kunstwerke, sondern als Gott verordnete Hoffnung — die Anlage zum Edelstein ist schon da, auch wenn der Prozess der Läuterung, Formung und Verfestigung noch Zeit braucht. Daraus folgt eine doppelte Konsequenz für das Kirchenleben: Zum einen sind wir als Gemeinde getragen — unsere Namen sind vor dem Herrn verzeichnet und werden vor Ihm getragen; zum anderen bleibt Raum für Geduld und Wachstum, weil Gottes Werk an uns ein Prozess ist, der Vollendung sucht.

Und du sollst zwei Onyxsteine nehmen und die Namen der Söhne Israel darauf eingravieren: (2. Mose 28:9)

Dann setze die beiden Steine (oben) auf die Schulterstücke des Ephods, als Steine des Gedenkens für die Söhne Israel! Und Aaron soll ihre Namen auf seinen beiden Schultern tragen vor dem HERRN zum Gedenken. (2. Mose 28:12)

Es tröstet und erhebt zu wissen, dass unsere Namen vor dem Herrn stehen und dass die Verwandlung von Ton zu Onyx nicht an einem Augenblick, sondern in Gottes Treue vollzogen wird. Diese Erkenntnis nährt Standhalten und Zuversicht: vor Gott sind wir nicht anonym, und in Seiner Geduld werden die Spuren unserer Zerbrechlichkeit durch Seine Treue verwandelt.

Goldene Fassungen und Kordeln: Christus als das haltende Band

Die feinen goldenen Fassungen und die gezwirnten Kordeln, mit denen die Onyxsteine an den Schulterstücken befestigt sind, verraten eine andere Nuance des Bildes: hier wird Halten zur kunstvollen, veredelten Handlung. In 2. Mose 28:6 heißt es konkret zur Arbeit am Ephod: “So sollen sie nun das Ephod aus Gold, violettem und rotem Purpur, Karmesinstoff und gezwirntem Byssus, in Kunststickerarbeit machen.” Diese sprachliche Betonung der Kunstfertigkeit verweist auf etwas, das über rohe Kraft hinausgeht — das Festhalten ist selbst Ausdruck von Schönheit und Läuterung.

Diese filigranen Goldfassungen veranschaulichen, wie wir mit dem Herrn Jesus verbunden, befestigt und gehalten sind. Sie stellen die Gottheit des Herrn dar, wie sie geläutert und durch viele Leiden hindurchgegangen ist. Die Ketten aus goldenen Schnüren bestanden aus miteinander verdrillten Goldfäden. Mit diesen Schnüren waren die Onyxsteine in den goldenen Fassungen an den Schulterstücken befestigt. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertzweiundzwanzig, S. 1375)

Auf christlicher Deutungsebene wird aus der goldenen Fassung kein anonymes Band, sondern das Wirken Christi selbst, das uns befestigt. Seine Göttlichkeit, geläutert und durchzogen von menschlicher Erfahrung und Leiden, wirkt wie ein goldener Halt, der uns zusammenfügt und trägt. Dadurch gewinnt die Gemeinde Stabilität nicht durch eigenen Besitz, sondern durch die veredelte Gegenwart des Herrn, durch Sein Halten, das zugleich tröstet und formt. Dieses Bild lädt zu innerer Anbetung und zur Anerkennung, dass unser Festgehaltensein eine Gabe ist, keine menschliche Leistung.

So sollen sie nun das Ephod aus Gold, violettem und rotem Purpur, Karmesinstoff und gezwirntem Byssus, in Kunststickerarbeit machen. (2. Mose 28:6)

Und der Gurt, mit dem es angelegt wird, der (sich) oben (befindet), soll von gleicher Arbeit (und) aus (einem Stück) mit ihm sein: aus Gold, violettem und rotem Purpur, Karmesinstoff und gezwirntem Byssus. (2. Mose 28:8)

Es bleibt ermutigend, dass das Halten durch Christus nicht grob ist, sondern durch Seine Person veredelt: was uns trägt, ist zugleich schön gemacht. In dieser Gewissheit kann die Gemeinde Ruhe finden — nicht im Vertrauen auf sich selbst, sondern im Empfangen eines Haltens, das formt, schützt und in Weisheit zusammenhält.

Ein ewiges Denkmal und gegenseitige Verschönerung

Dass die Namen der Stämme in die Onyxsteine graviert sind, macht aus der Gemeinde kein flüchtiges Sammelsurium, sondern ein dauerndes Denkmal vor Gott. Die Schrift benennt diese Funktion klar: in 2. Mose 28:12 heißt es: “Aaron soll ihre Namen auf seinen beiden Schultern tragen vor dem HERRN zum Gedenken.” Dieses Gedächtnis ist nicht nur rituelle Form; es ist theologisch gesehen die Versicherung, dass Gott Sein Volk nicht vergisst, sondern es vor sich trägt — als Zeugnis und als bleibende Gegenwart.

Wenn von den Onyxsteinen die Rede ist, auf denen die Namen der Söhne Israels eingraviert sind, heißt es in 2. Mose 28:12: “Aaron shall bear their names before Jehovah upon his two shoulders for a memorial.” Das zeigt, dass diese Onyxsteine in den Augen Gottes zu einem Gedächtnis wurden. Dieses Gedächtnis wird ewig bestehen. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertzweiundzwanzig, S. 1379)

Mit der Vorstellung eines ewigen Denkmals geht die Erkenntnis einer wechselseitigen Verschönerung einher: die Steine schmücken das Ephod, und das Ephod macht die Steine zum sichtbaren Zeichen der Gemeinschaft vor Gott. Dies eröffnet eine eschatologische Sichtweise des Gemeindelebens: Die Kirche ist nicht nur gegenwärtige Versammlung, sondern hat eine dauerhafte Stellung vor dem Herrn, in der individuelle und kollektive Identität zueinanderfinden. Aus diesem Bewusstsein erwachsen Hoffnung, innerer Zusammenhalt und die Gewissheit, dass Gottes endgültiges Werk an uns dem gemeinschaftlichen Charakter des Heils entspricht.

Dann setze die beiden Steine (oben) auf die Schulterstücke des Ephods, als Steine des Gedenkens für die Söhne Israel! Und Aaron soll ihre Namen auf seinen beiden Schultern tragen vor dem HERRN zum Gedenken. (2. Mose 28:12)

Dann setzte man sie (oben) auf die Schulterstücke des Ephods, als Steine des Gedenkens für die Söhne Israel (2. Mose 39:7)

Die Gewissheit, vor Gottes Angesicht als bleibendes Denkmal zu stehen, schenkt Mut und Trost: Gemeinschaft hat Gewicht in der Ewigkeit, und die Wechselseitigkeit von Geben und Empfang in Christus macht uns zu einem besonderen, beständigen Zeugnis. Möge diese Perspektive ermutigen, die Gegenwart des Herrn in Gemeinschaft nicht kleinzureden, sondern als Vorgriff auf die Vollendung zu betrachten.


Herr Jesus, du wahrer Hoherpriester, forme uns durch dein Sein und deine Taten; mach das, was du in uns begonnen hast, vollendet und lass uns in deiner Gegenwart als geschmücktes, ewiges Zeugnis leuchten. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 122