Die priesterlichen Gewänder (5)
Die alten Kleidungsstücke des Hohenpriesters sind mehr als dekorative Details: sie sind ein zusammenhängendes Bild dafür, wie Gott sein Volk formt und hält. Wenn wir die Onyxsteine, das Brustschild und das verwobene Gold mit Leinen betrachten, stellt sich die Frage, wie diese Typen unsere gegenwärtige Beziehung zu Christus erklären und uns innerlich sichern.
Vom Staub zur steinernen Gestalt
Die Onyxsteine, die auf den Schulterstücken des Ephods gesetzt werden, wirken wie ein sichtbares Zeichen für die Verwandlung, die im Leben des Glaubenden stattfindet. Wie es in 2. Mose 28:12 heißt: “Dann setze die beiden Steine (oben) auf die Schulterstücke des Ephods, als Steine des Gedenkens für die Söhne Israel! Und Aaron soll ihre Namen auf seinen beiden Schultern tragen vor dem HERRN zum Gedenken.” Dieses Bild zeigt nicht nur Erinnerung; es offenbart, dass die Einzelnen — einst vergänglicher “Staub” — nun Teil einer beständigen, tragfähigen Gestalt geworden sind, die vor Gott präsent ist.
Der Onyxstein steht für die Umwandlung. In unserem natürlichen Leben sind wir alle Staub; durch die Wiedergeburt sind wir jedoch zu einem Stein geworden. Nun befinden wir uns im Prozess der Umwandlung hin zum Ebenbild des Herrn, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertzwanzig, S. 1357)
Tiefer betrachtet spricht die Verwandlung vom Staub zur steinernen Gestalt von einem fortschreitenden Vorgang: Die Zerbrechlichkeit des alten Lebens fällt ab, und das bleibende Abbild Christi wird hervorgehoben. Die Schrift macht uns kein abstraktes Versprechen, sondern legt dar, wie Namen auf Steinen als fortwährendes Gedenken getragen werden — eine bleibende Identität, die durch die beständige Gegenwart Gottes gewahrt wird. Daraus erwächst praktische Hoffnung: In Zeiten innerer Schwankung besteht kein Grund zur Verzweiflung, denn die Verwandlung ist in Gang und hat eine göttliche Verankerung.
Dann setze die beiden Steine (oben) auf die Schulterstücke des Ephods, als Steine des Gedenkens für die Söhne Israel! Und Aaron soll ihre Namen auf seinen beiden Schultern tragen vor dem HERRN zum Gedenken. (2. Mose 28:12)
Und sie machten die Onyxsteine, umgeben mit goldenen Einfassungen, graviert in Siegelgravur, entsprechend den Namen der Söhne Israels. (2. Mose 39:6)
Möge die Vorstellung, auf Gottes Schultern als Name getragen zu sein, Zuversicht wecken; sie erinnert daran, dass unsere Verwandlung nicht souverän von uns abhängt, sondern in der Treue des Herrn seinen Weg geht und uns zu einer bleibenden Form gestaltet.
Das Ephod als Schnur zwischen Göttlichem und Menschlichem
Das Ephod als Kleidungsstück ist aus Goldfäden und feinem Byssus gewoben; diese beiden Materialien stehen in der Schrift als Zeichen für Göttliches und Menschliches. Wie es heißt in 2. Mose 28:6–8: “So sollen sie nun das Ephod aus Gold, violettem und rotem Purpur, Karmesinstoff und gezwirntem Byssus, in Kunststickerarbeit machen… Und der Gurt, mit dem es angelegt wird, der (sich) oben (befindet), soll von gleicher Arbeit (und) aus (einem Stück) mit ihm sein: aus Gold, violettem und rotem Purpur, Karmesinstoff und gezwirntem Byssus.” Dieses Gefüge erzählt von einer verbindenden Kraft: Christus als verherrlichte Menschheit durchzogen von göttlicher Herrlichkeit hält und befestigt.
Das Gold steht hier für die Göttlichkeit Christi, das Leinen für seine Menschheit. Das Ineinanderweben von Gold und Leinen zu einem einzigen Tuch symbolisiert die Vermengung von Göttlichkeit und Menschheit. Diese Vermengung wird zur befestigenden und bindenden Kraft, die uns an Christus festhält. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertzwanzig, S. 1360)
Die theologische Einsicht ist, dass hier keine Vermischung der Naturen geschieht, sondern eine Verhältnisbestimmung: Die göttliche Herrlichkeit durchdringt und erhebt die menschliche Gestalt Christi, wodurch diese Gestalt zu einer tragenden, bindenden Wirklichkeit für andere wird. Daraus folgt, dass Halt und Stabilität im Leben der Erlösten nicht primär aus eigener Leistung erwachsen, sondern aus dem, was Christus als verherrlichte Menschheit und zugleich als die göttliche Wirklichkeit ist; das Ephod macht diese feste Verbindung anschaulich.
So sollen sie nun das Ephod aus Gold, violettem und rotem Purpur, Karmesinstoff und gezwirntem Byssus, in Kunststickerarbeit machen. (2. Mose 28:6)
Und der Gurt, mit dem es angelegt wird, der (sich) oben (befindet), soll von gleicher Arbeit (und) aus (einem Stück) mit ihm sein: aus Gold, violettem und rotem Purpur, Karmesinstoff und gezwirntem Byssus. (2. Mose 28:8)
Die Vorstellung, von einer göttlich durchwirkten Menschheit gehalten zu sein, schenkt Ruhe: Der Halt, den wir erleben, hat seine Quelle in der Person Christi, die uns zusammenhält und uns vor Gott befestigt.
Gemeinsame Schönheit und ewige Erinnerung
Das Brustschild mit den zwölf Steinen versammelt die Erwählten als ein kunstvolles Mosaik vor Gottes Angesicht. Schon die Anweisung in 2. Mose 28:4 weist auf diese Zusammenfügung hin: “Dies aber sind die Kleider, die sie anfertigen sollen: eine Brusttasche und ein Ephod und ein Oberkleid, einen Leibrock aus gewirktem (Stoff), einen Kopfbund und einen Gürtel.” Die einzelnen Steine führen Namen und Herkunft zusammen; so wird die Gemeinde nicht zu einer anonymen Masse, sondern zu einer gemeinsamen Schönheit, die vor Gott zur Schau steht.
Ebenso sind die verwandelten Gläubigen, die zu Christus hinzugefügt wurden, Seine zusätzliche Schönheit. Die Onyxsteine waren in geflochtenem Gold, in goldener Filigranarbeit gefasst. Darum ist Christus unsere Schönheit, und wir werden Seine Schönheit. Diese gegenseitige Schönheit ist ein Denkmal vor Gott. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einhundertzwanzig, S. 1360)
Aus dieser Beobachtung folgt die Deutung, dass kirchliche Identität relational und gebaut ist: Jeder einzelne Stein behält seine Eigenart, und zugleich gewinnt er Wert in der Zusammenfügung zum Körper Christi. Die Schrift beschreibt diese Fassung oft als ein Denkmal vor dem Herrn — keine bloße Erinnerung an vergangenes Handeln, sondern eine gegenwärtige Freude über das sichtbare Kleid eines Volkes, das aus vielerlei Gründen die Herrlichkeit seines Hauptes widerspiegelt. Das hat Folgen für unser Selbstverständnis: Wir sind nicht isoliert bewertet, sondern als Anteil an einer gemeinsamen, heiligen Erscheinung.
Dies aber sind die Kleider, die sie anfertigen sollen: eine Brusttasche und ein Ephod und ein Oberkleid, einen Leibrock aus gewirktem (Stoff), einen Kopfbund und einen Gürtel. Diese heiligen Kleider sollen sie für deinen Bruder Aaron und für seine Söhne anfertigen, damit er mir den Priesterdienst ausübt. (2. Mose 28:4)
AUS dem violetten und dem roten Purpur aber und (aus) dem Karmesinstoff machten sie die gewirkten Kleider für den Dienst im Heiligtum, und sie machten die heiligen Kleider für Aaron, wie der HERR dem Mose geboten hatte. (2. Mose 39:1)
Wenn die Gemeinde als zusammengesetzte Schönheit vor Gott steht, entsteht Zuversicht: Unsere Würde entspringt der gemeinsamen Zugehörigkeit zu Christus, und das Bild, das wir bilden, bleibt ein beständiges Denkmal seiner Gnade.
Herr Jesus, danke, dass Du in Deiner göttlichen Herrlichkeit und menschlichen Schönheit an uns festhältst. Verwandle uns weiter, Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 120