Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die Vision der Stiftshütte und ihres Geräts hinsichtlich der Materialien und des Musters (2)

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Viele Christen kennen die frühen Kapitel von 2. Mose als Befreiungsgeschichte und bleiben gedanklich beim Auszug aus Ägypten hängen. Die Schrift aber führt weiter: Gottes Ziel ist nicht nur die Rettung, sondern das Errichten Seiner Wohnung unter den Menschen. Das Bild der Stiftshütte verschiebt den Blick von theologischen Begriffen hin zu einer lebenspraktischen Wirklichkeit – wo stehen wir in diesem Bild: im Vorhof, im Heiligen oder im Allerheiligsten? Diese Spannung zwischen Auszugserlebnis und dem Aufbau von Gottes Wohnung fordert uns zu einem tieferen Verständnis und zu persönlicher Erfahrung heraus.

Christus als das Baumaterial für Gottes Wohnung

Die Liste der Gaben in 2. Mose 25 wirkt auf den ersten Blick wie eine Inventur kostbarer Dinge; doch sie ist keine bloße Dekoration, sondern ein geordnetes Bild. In der Aufzählung treten Mineralien, Pflanzen und Tiere hervor — Gold, Silber und Bronze neben Purpur, Byssus und Ziegenhaar; ursprünglich gegebenes und bereitetes Material, erzeugendes Leben und das Leben, das erlöst und geopfert ist. In 2. Mose 25:3. heißt es: “Dies aber ist das Hebopfer, das ihr von ihnen nehmen sollt: Gold, Silber und Bronze,” — ein Hinweis darauf, dass Gottes Wahl des Materials Aussage über seinen Zweck macht und dass das Material selbst theologisch gedeutet werden will.

Die Mineralien in 25:1–9 symbolisieren Christus als das von Gott bestimmte und von Ihm bereitete Baumaterial. Obwohl Christus dieses Baumaterial ist, verwendet Gott es nicht direkt, um Seine Wohnstätte aufzubauen. Vielmehr gibt Gott uns Christus, damit wir Ihn gewinnen, genießen und erfahren. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft zweiundachtzig, S. 965)

Wenn diese Kategorien für Aspekte des Messias stehen, dann zeigt sich Christus nicht eindimensional, sondern als das vielfältige Substrat, aus dem Gottes Wohnung geformt wird: die feste, bleibende Wirklichkeit des Christus (Mineralien), das lebenerzeugende Wirken (Pflanzen) und das erlösende, stellvertretende Leben (Tiere). Paulus’ Sorge um den richtigen Baustoff auf dem Fundament Christi gewinnt in diesem Licht eine neue Dringlichkeit: wer Christus bloß als Begriff trägt, liefert Holz und Spreu; wer Ihn geistlich besitzt, bringt Gold, Silber und kostbare Steine dar. So wird die Stiftshütte zu einem Lehrhaus dafür, wie das auserwählte Material Gottes Wohnstatt auf Erden ermöglicht.

Die Folge ist nicht nur eine theologische Feststellung, sondern eine existentiale Richtung: Gottes Wohnung entsteht nicht aus abstrakten Ideen, sondern aus der realen Erfahrung und Darbringung des Christus in seinen vielfältigen Beziehungen. Dass Gott “ein Heiligtum” wünscht, in dem Er wohnen kann, verbindet die Materialfrage unmittelbar mit dem Ziel des Dienstes und der Gemeinde — nicht Schönheit um der Schönheit willen, sondern die sichtbare Gegenwart Gottes inmitten Seines Volkes.

Dies aber ist das Hebopfer, das ihr von ihnen nehmen sollt: Gold, Silber und Bronze, (2. Mose 25:3)

Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, damit ich in ihrer Mitte wohne. (2. Mose 25:8)

Möge die Einsicht in die dreifache Gestalt des Materials uns zu einem tieferen Staunen über Christus führen: Er ist nicht nur ein Objekt des Wissens, sondern das Substrat, das geformt, erlebt und dargebracht werden will, damit Gottes Wohnung unter den Menschen gebaut wird. Dieses Bewusstsein lädt zur stillen Bereitschaft ein, Christus nicht zu verflachen, sondern seine Vielgestalt vor Gott und den Menschen leuchten zu lassen.

Erfahrung vor Darbringung: Welle und Hebe

Die Terminologie in 2. Mose 25 weist auf eine innere Abfolge hin, die das Wesen geistlicher Darbringung klärt: Welle (Schwingopfer) und Hebe (Hebopfer) stehen einander voran und nach. Das Schwingopfer verweist auf Christus in der Auferstehung, jene bewegliche, lebensstiftende Kraft; das Hebopfer deutet auf den erhöhten, in Stellung gesetzten Christus. So heißt es in 2. Mose 25:2: “Rede zu den Söhnen Israel (und sage ihnen), sie sollen ein Hebopfer für mich nehmen! Von jedem, dessen Herz ihn antreibt, sollt ihr mein Hebopfer nehmen.” Die Worte lassen einen inneren Impuls erkennen, nicht bloß eine äußere Pflicht.

Wir haben gesehen, dass das Hebopfer Christus in der Himmelfahrt bezeichnet — den erhöhten Christus — und dass es stets von einem Schwingopfer begleitet wird, das Christus in der Auferstehung, den auferstandenen Christus, versinnbildlicht. Zuerst kommt das Schwingopfer, dann das Hebopfer. Das Schwingopfer ist ein Sinnbild für Christus in der Auferstehung; in der Auferstehung kann Christus Sich bewegen, kann „schwingen“. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft zweiundachtzig, S. 964)

Dieses Bild fügt sich zu dem, was Paulus als Streben bezeichnet, die Kraft der Auferstehung zu kennen. In Philipper 3:10 heißt es: “um Ihn zu erkennen und die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft Seiner Leiden, indem ich Seinem Tod gleichgestaltet werde,” — ein Streben, das nicht bei Information stehen bleibt, sondern auf die innere Aneignung von Christi Auferstehungskraft zielt. Erst aus dieser im Geist erlebten Auferstehung kann die erhöhte Stellung Christi als Gabe hervorgebracht werden, die im Aufbau der Gemeinde wirksam ist.

Die Konsequenz ist befreiend und ernst zugleich: geistliche Darbringung ist kein äußerlicher Akt, den man nach Formeln vollzieht, sondern das Ergebnis einer inneren Bewegung, in der die Auferstehungskraft Christus freiwerden lässt und die Erhöhung Christi sichtbar macht. So wird das, was dargebracht wird, zu einem tragfähigen Stoff für Gottes Wohnstätte und nicht zu besehnten Resten menschlicher Frömmigkeit.

Rede zu den Söhnen Israel (und sage ihnen), sie sollen ein Hebopfer für mich nehmen! Von jedem, dessen Herz ihn antreibt, sollt ihr mein Hebopfer nehmen. (2. Mose 25:2)

um Ihn zu erkennen und die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft Seiner Leiden, indem ich Seinem Tod gleichgestaltet werde, (Philipper 3:10)

Aus der Einsicht in die Reihenfolge von “Auferstehung vor Himmelfahrt” erwächst die Einladung, die innere Wirklichkeit Christi nicht zu übergehen. Möge die Sehnsucht, die Kraft seiner Auferstehung zu kennen, unser Verweilen vor dem Herrn formen, damit die Gaben, die wir bringen, nicht leer erscheinen, sondern zum Bauwerk seiner Gegenwart beitragen.

Gold und die göttliche Natur: Offenbarung durch Bekleidung

Gold als Material der Stiftshütte verweist auf die göttliche Natur des Christus, seine Dauer und seinen Glanz. In der Schrift wird die Klarheit der göttlichen Gegenwart mit dem Saphirboden vor Gottes Füßen verglichen; so heißt es in 2. Mose 24:10: “und sie sahen den Gott Israels. Und unter seinen Füßen war es wie Arbeit in Saphirplatten und wie der Himmel selbst an Klarheit.” Solche Bilder zeigen, dass das, was göttlich ist, nicht bloß Schmuck bleibt, sondern eine Art Wirklichkeit darstellt, die sichtbar und erfahrbar werden kann.

Wir haben darauf hingewiesen, dass der Hoherpriester bei seinem Eintritt in Gottes Gegenwart eine Brustplatte aus kostbaren Materialien trug. Wenn wir den Christus als Baumaterial erfahren und Ihn beim Betreten von Gottes Gegenwart als Brustplatte anlegen, empfangen wir Gottes Offenbarung. Diese Offenbarung kommt durch den Christus, den wir erfahren haben und der zum Baumaterial wird, das wir tragen. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft zweiundachtzig, S. 967)

Wenn der Christus, der als Material gegeben ist, zur Bekleidung wird — vergleichbar mit der Brustplatte des Hohenpriesters — dann tritt Offenbarung hervor. Die Brustplatte trug die Urteile und die Anmeldung vor Gott; sie war kein bloßes Ornament, sondern das Mittel, durch das Gottes Wort und Wesen dem Volk zugänglich wurden. Johannes berichtet, wie Menschen sich wunderten, weil Offenbarung unerwartet aus dem Leben eines scheinbar Ungelehrten hervorging: “Da wunderten sich die Juden und sagten: Wie besitzt dieser Gelehrsamkeit, da er doch nicht gelernt hat?” (Johannes 7:15). Offenbarung kommt durch die Bekleidung mit dem Gelebten, nicht durch bloße Rhetorik.

Auf Gemeindeebene bedeutet dies: Die göttliche Natur Christi, wenn sie in Menschen sich als Bekleidung bewährt, macht Gottes Wesen begreifbar. Die Brustplatte ist kein isoliertes Geheimnis, sondern eine lebendige Vermittlung, durch die die verhüllte Herrlichkeit sichtbar wird und andere in die Gegenwart Gottes geführt werden.

und sie sahen den Gott Israels. Und unter seinen Füßen war es wie Arbeit in Saphirplatten und wie der Himmel selbst an Klarheit. (2. Mose 24:10)

Da wunderten sich die Juden und sagten: Wie besitzt dieser Gelehrsamkeit, da er doch nicht gelernt hat? (Johannes 7:15)

Die Vorstellung, Christus als Gewand zu tragen, möge stille Hoffnung und Mut wecken: Gottes Offenbarung geschieht nicht durch äußerliche Theorien allein, sondern durch das, was an uns als Sein Kleid sichtbar wird. In dem Bewusstsein, dass die göttliche Natur nicht zur Zurschaustellung, sondern zur Mitteilung gegeben ist, möge das Leben die Form annehmen, durch die andere Gottes Gegenwart wahrnehmen können.


Herr Jesus, schenke uns die Erfahrung Deines auferstandenen und erhöhten Leibes; Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 82