Das Wort des Lebens
lebensstudium

Das Blut des Bundes (1)

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Als Moses auf dem Berg Blut nahm und es über das Volk sprengte, sprach er von etwas, das vielen Bibellesern kaum bewusst ist: dem Blut des Bundes. Diese Wendung verbindet die Verordnungen des Gesetzes mit Opfer, Sühnung und einer Tür zur Gegenwart Gottes. Warum gerade Blut und was bedeutet das für die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk?

Das Blut als Vollzug des Bundes

Mose spricht nicht nur vom Opfer als äußerlichem Geschehen, sondern benennt das Blut ausdrücklich als den Vollzug des geschlossenen Bundes. Wenn er sagt: „Darauf nahm Mose das Blut, besprengte damit das Volk und sagte: Siehe, das Blut des Bundes, den der HERR auf all diese Worte mit euch geschlossen hat!“, dann richtet sich der Blick weg vom Altar als bloßem Ort hin auf das Blut als die wirksame Realität, die das Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk herstellt. Das Gesetz tritt nicht autonom in Kraft; seine Durchsetzung ist in der Schrift in der engen Verbindung mit dem Opfersystem und insbesondere mit dem vergossenen Blut verankert.

Es war das Blut – nicht der Altar und nicht die Säulen –, das den Vollzug des Gesetzes wirksam machte. Der Bund wurde durch das Blut begründet, das aus den auf dem Altar dargebrachten Opfern stammte. Damit lieferte der Altar in Verbindung mit den Opfern das Blut, das den Vollzug des Gesetzes ermöglichte. Im Vollzug des Gesetzes steht das Blut im Mittelpunkt. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft achtundsiebzig, S. 916)

Diese Beobachtung verändert das Verständnis des Gesetzes grundlegend: Das Gesetz offenbart Gottes Maßstab und macht die Sünde sichtbar, aber es ist das Blut, das den Bund begründet und damit die Möglichkeit schafft, daß ein heiliger Gott Nähe zu gefallenen Menschen erlaubt. Das geronnene Opferblut ist damit kein nebensächlicher Ritus, sondern das Mittel, durch das die Gerechtigkeit Gottes mit seiner Barmherzigkeit zusammentritt und Menschen vor Gott gesetzt werden können, nicht wegen ihrer Vollkommenheit, sondern aufgrund der durch Blut gewährten Ordnung.

Darauf nahm Mose das Blut, besprengte damit das Volk und sagte: Siehe, das Blut des Bundes, den der HERR auf all diese Worte mit euch geschlossen hat! (2. Mose 24:8)

Zu wissen, dass der Bund durch Blut vollzogen wurde, kann die Herzen beruhigen und zugleich in die Tiefe führen: Es zeigt, dass Gottes Zugang zu uns nicht von unserer Leistung abhängt, sondern von dem, was er in der Stiftshütte und schließlich in Christus vollzogen hat. Diese Gewißheit lädt dazu ein, das Gesetz als Spiegel und nicht als Rettungsweg zu sehen — ein Spiegel, der uns zur Quelle des Lebens verweist.

Zugang zur Gegenwart Gottes durch das Blut

Die Struktur der Stiftshütte zeigt, wie nah und doch wie verschlossen Gottes Mitte für den Menschen ist: Vorhof, Heiliges, Allerheiligstes. Nur wer mit dem erlösten Blut in das Innere gelangt, erreicht Gottes unmittelbare Gegenwart. Die Verknüpfung von Altar und Deckplatte im Allerheiligsten illustriert, daß das am Altar vergossene Blut nicht am Hof haltmacht, sondern hineingetragen wird, damit Sühnung und Gemeinschaft möglich werden. Hebräer schreibt es deutlich: „Darum, Brüder, weil wir in dem Blut Jesu Freimut haben zum Eintritt in das Allerheiligste, … einen Eintritt, den Er uns eröffnet hat als einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang hindurch, das heißt durch Sein Fleisch.“

Einzig derjenige war dazu befugt, der das erlösende Blut vom Altar im äußeren Vorhof in das Allerheiligste hineinbrachte. Zuerst wurde das Blut des Sündopfers auf dem Altar vergossen; anschließend brachte man es in das Allerheiligste und besprengte den Gnadenstuhl damit. Dieses Blut, das Blut des Bundes, brachte Gottes Volk in Seine Gegenwart. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft achtundsiebzig, S. 919)

Das Neue Testament zeigt, daß dieses rituelle Bild in Christus seine Erfüllung findet: Jesus hat nicht nur am Kreuz Blut vergossen, sondern Er ist mit diesem Blut in das himmlische Allerheiligste hineingegangen und hat eine ewige Erlösung erwirkt. Damit ist der Zutritt in Gottes Heiligkeit nicht mehr an irdische Riten gebunden, sondern an die konkrete Tat Christi, durch die der Vorhang — Sein Fleisch — geöffnet wurde. So wird das Heilige nicht nur erreichbar, sondern als lebendige Wirklichkeit zur Lebensversorgung für das Volk Gottes.

Darum, Brüder, weil wir in dem Blut Jesu Freimut haben zum Eintritt in das Allerheiligste, einen Eintritt, den Er uns eröffnet hat als einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang hindurch, das heißt durch Sein Fleisch, (Hebräer 10:19-20)

Die Gewißheit, daß das Blut Jesu den Weg in Gottes Gegenwart geöffnet hat, schenkt Ruhe für müde Herzen und neues Vertrauen für Suchende. Aus dieser Nähe erwächst nicht vordergründig Leistung, sondern die innere Freiheit, vor Gott zu stehen und in der Gemeinschaft mit Ihm zu leben — eine Einladung, die Mut macht und tröstet.

Vom Bundesblut zur Gemeinschaft und zum Zeugnis

Das Blut des Bundes wirkt über die rechtliche Dimension hinaus: Es reinigt, es setzt ein und es durchdringt das Leben derer, die damit verbunden sind. Die Schrift erinnert daran, daß die Erlösung nicht durch vergängliche Dinge kam, „sondern mit dem kostbaren Blut als eines Lammes ohne Makel und ohne Flecken, mit dem Blut Christi.“ Diese Reinheit des Blutes bedeckt die Schuld und legt zugleich den Grund für die innere Erneuerung, die notwendig ist, damit Menschen in Gottes Gegenwart bleiben und von dort Zeugnis geben können.

Nachdem sie Erlösung und Vergebung empfangen hatten, brachte das erlösende Blut sie in die Gegenwart Gottes, wo sie mit Ihm in Kontakt treten, Ihn in sich aufnehmen und zu Säulen werden konnten — als lebendiges Zeugnis Gottes und als Spiegel dessen, was Er ist. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft achtundsiebzig, S. 920)

Wenn Gottes Ziel die Herstellung von Gemeinschaft ist, dann reicht das äußere Geschehen nicht aus; es bedarf einer inneren Wandlung. Hesekiel spricht von einem neuen Herzen und einem neuen Geist, die Gott gibt, damit Menschen seine Ordnungen bewahren und in ihnen leben. So führt das Bundesblut nicht in eine passive Rechtfertigung, sondern in eine dynamische Gemeinschaft, in der das Leben Gottes aufgenommen wird und sichtbar wird – Menschen werden zu lebendigen Säulen, die das, was Gott ist, widerspiegeln.

weil ihr wisst, dass ihr nicht mit verderblichen Dingen, mit Silber oder Gold, von eurer nichtigen, von euren Vätern überlieferten Lebensweise erlöst worden seid, sondern mit dem kostbaren Blut als eines Lammes ohne Makel und ohne Flecken, mit dem Blut Christi, (1. Petrus 1:18-19)

Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, daß ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen bewahrt und tut. (Hesekiel 36:26-27)

Die Verbindung von Reinigung und Erneuerung macht Hoffnung: Wer in das Werk des Bundesblutes hineingestellt ist, empfängt nicht nur Vergebung, sondern Anteil an einem neuen inneren Sein. Aus dieser Lage erwächst ein Leben, das leuchtet und tröstet — eine stille, doch kraftvolle Einladung, in Gottes Gegenwart zu bleiben und dadurch Zeugnis zu werden.


Herr Jesus, danke für Dein vergossenes Blut, das den Bund bestätigt, uns in Deine Gegenwart bringt und uns mit Deinem Leben erfüllt; möge Dein Blut weiterhin Reinigung, Mut zur Umkehr und die tiefe Gemeinschaft mit Dir schenken. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 78