Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die himmlische Nahrung — Manna (1)

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Beim Lesen von 2. Mose offenbart sich: viele Bilder der Schrift bleiben blind, wenn uns himmlliches Licht fehlt. Das Manna begegnet uns nicht nur als historische Rettung im Wüstenlager, sondern als Fortsetzung der ersten Erwähnung des Essens in der Heiligen Schrift (1. Mose) — Essen betrifft das Innere des Menschen und entscheidet, wie er lebt. Die Frage, die hier Spannung erzeugt, lautet: Lassen wir Christus als unsere einzige Nahrung unser Leben wirklich prägen, oder streuen wir weiter von weltlichen Quellen mit ein?

Manna als Christus — Essen und Leben werden eins

Das biblische Bild des Mannas verbindet das alltägliche Essen untrennbar mit dem geistlichen Leben: Nahrung ist hier kein bloßes Verhalten, sondern der Weg, auf dem Gott in uns wird. In Johannes 6 heißt es: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu Mir kommt, den wird auf keinen Fall hungern; und wer in Mich hineinglaubt, der wird gewiss niemals Durst leiden.“ Dieses Wort setzt das Manna in die Linie des Baum-des-Lebens-Motivs aus 1. Mose, wo Leben und Essen zusammenfallen; was wir zu uns nehmen, organisiert innerlich unser Sein und unsere Reaktionen.

In Joh. 6:57 sagt der Herr Jesus: „Wie Mich der lebendige Vater gesandt hat und Ich um des Vaters willen lebe, so wird auch der, der Mich isst, um Meinetwillen leben.“ Das heißt: Ohne zu essen können wir nicht leben. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft fünfunddreißig, S. 416)

Wenn der Herr fordert, daß jemand ‚Christus isst‘, geht es nicht um symbolische Rituale allein, sondern um eine reale, organische Aufnahme: das Leben Christi wird in unserem Innigsten aufgenommen und wirkt von dort heraus. So meint das Bild mehr als Gewohnheit — es beschreibt eine lebendige Verwandlung, durch die unser Denken, Fühlen und Handeln aus dem hineinverwandten Leben gespeist werden; wer aus diesem Brot lebt, findet sein Sein neu geformt in der Gemeinschaft mit dem Christus.

Jesus sagte zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu Mir kommt, den wird auf keinen Fall hungern; und wer in Mich hineinglaubt, der wird gewiss niemals Durst leiden. (Johannes 6:35)

Und aus dem Erdboden ließ Jehovah Gott allerlei Bäume emporwachsen, die angenehm anzusehen und gut zur Speise waren, und auch den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. (1. Mose 2:9)

Die Vorstellung, daß Nahrung innerlich formt, lädt nicht zu äußerlichem Fleiß, sondern zu vertrauender Hingabe: es bleibt die Gewißheit, daß das in uns aufgenommene Leben nicht vergeblich ist. Wo dieses Brot Raum gewinnt, wächst stille Kraft; wo wir ihm trauen, wird alltägliches Leben von innen her verwandelt und erhält seine wahre Nahrung.

Vom ägyptischen zum himmlischen Diätprinzip

Die Geschichte des Auszugs zeigt, wie Gott durch eine Beschränkung der Nahrung eine tiefe Formung herbeiführen wollte: „Da sprach der HERR zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen. Dann soll das Volk hinausgehen und den Tagesbedarf täglich sammeln…“ (2. Mose 16:4). Diese Anweisung ist mehr als eine pragmatische Ordnung; sie ist ein göttlicher Erziehungsschritt, der Menschen aus einer fremden Ernährungsweise — einem ägyptischen Lebensstil — in die Sphäre des himmlischen Lebens überführen soll.

Gottes Absicht war, ihr Leben von einem ägyptischen in ein himmlisches Leben zu verwandeln. Er wollte die Menschen nicht nur äußerlich anpassen, verändern oder regulieren, sondern sie organisch umgestalten, indem er ihre Ernährung umstellte. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft fünfunddreißig, S. 416)

Die praktische Bedeutung liegt nicht in asketischer Enthaltsamkeit, sondern in einer organischen Neuorientierung: wenn das Volk lernt, allein von dem himmlischen Brot zu leben, verändert sich seine ganze innere Dynamik. Der Wechsel der ‚Diät‘ führt zu neuem Geschmack, anderen Sehnsüchten und schließlich zu einer anderen Form von Kraftquelle — so wirkt Gottes Sorge für das tägliche Manna als Mittel zur inneren Umgestaltung des Volkes.

Da sprach der HERR zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen. Dann soll das Volk hinausgehen und den Tagesbedarf täglich sammeln, damit ich es prüfe, ob es nach meinem Gesetz leben will oder nicht. (2. Mose 16:4)

Die Umstellung auf eine himmlische Ernährung bleibt ein langwieriger, aber tröstlicher Prozeß: er macht uns empfänglich für das Leben, das aus Gott kommt, und entzieht schrittweise die Macht fremder Befriedigungen. Daraus erwächst die leise Hoffnung, daß unsere innere Ausrichtung sich erneuern und das alltägliche Tun von Gottes Nahrung durchdrungen werden kann.

Einziges Brot — ein einheitlicher Dienst

Weil Gott nur eine himmlische Speise gibt, hat das Manna eine verbindende Kraft für den Dienst: es ist nicht denkbar, daß dieselbe Nahrung unterschiedliche Zielrichtungen erzeugt. In Offenbarung 2 heißt es: „Dem, der überwindet, dem werde Ich von dem verborgenen Manna geben…“ (Offenbarung 2:17). Diese Gabe weist auf ein einzigartiges, gemeinsames Prinzip hin, das den Leib bewahrt und die Diener auf dieselbe Quelle ausrichtet.

Die Bibel lehrt, dass Gott einen einzigen Dienst hat: den Dienst Christi, den Dienst des Lebens. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft fünfunddreißig, S. 423)

Aus diesem Grund ist die Einzigkeit der Speise auch ein theologisches Argument für Einheit im Dienst: wenn alle aus demselben Brot leben, entsteht ein gemeinsamer Takt, eine geteilte Empfindung und letztlich eine gemeinsame Aufgabe. Das Manna verhindert die Zersplitterung, nicht durch äußere Zwänge, sondern durch das, was es in den Herzen bewirkt — eine innere Übereinstimmung, die den einen Leib formt.

Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt. Dem, der überwindet, dem werde Ich von dem verborgenen Manna geben, und Ich werde ihm einen weißen Stein geben, und auf dem Stein steht ein neuer Name geschrieben, den niemand kennt außer dem, der ihn empfängt. (Offenbarung 2:17)

Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; wenn jemand von diesem Brot isst, wird er in Ewigkeit leben; und das Brot, das Ich geben werde, ist Mein Fleisch, das Ich geben werde für das Leben der Welt. (Johannes 6:51)

Die Gewißheit eines einen Brotes schenkt Ermutigung: sie zeigt, daß die Gemeinde nicht aufgetrennt bleiben muß, weil ihre gemeinsame Nahrung sie von innen her eint. In der Stille dieser Wahrheit findet sich Mut zur Treue zur Quelle und die Hoffnung, daß Einheit nicht erzwungen, sondern durch gemeinsames Leben aus dem einen Brot gewirkt wird.


Herr, lehre uns stets, von Dir allein zu leben; nähre unser Inneres mit Deinem Leben, bewahre uns in Einheit und Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 35