Gottes Umgang mit dem Fleisch Seines Volkes
Wenige Wochen nach dem Passah und dem Durchzug durch das Schilfmeer beginnen die Israeliten schon wieder zu klagen: trotz kürzlich erlebter Wunder sehnen sie sich nach den ‚Fleschpots‘ Ägyptens. Warum reicht die Rettung aus, aber die Verwandlung des Inneren bleibt aus? Die Erzählung von Manna und Wachteln zeigt, dass Gottes Ziel nicht nur äußere Befreiung ist, sondern die Umgestaltung der inneren Verfassung seines Volkes – und dass er dazu eine spezifische, oft überraschende Methode wählt.
Gottes Ziel: Er will sich selbst in sein Volk einarbeiten
Gott befreit sein Volk nicht allein, um äußere Bedrängnisse zu tilgen; sein Ziel ist weitreichender: Er möchte sein eigenes Wesen in die Zusammensetzung dieses Volkes einarbeiten, so dass die Gemeinschaft zu seiner Gegenwart und seinem Charakter hin geprägt wird. In der Wüste wird das Manna nicht bloß als Versorgung gegeben, sondern als Mittelding, durch das eine neue Konstitution geformt wird. Es heißt: “Da sprach der HERR zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen. Dann soll das Volk hinausgehen und den Tagesbedarf täglich sammeln, damit ich es prüfe, ob es nach meinem Gesetz leben will oder nicht.” (2.Mose 16:4). Dieses Wort verweist auf Absicht und Methode: tägliche, abhängige Aufnahme, verbunden mit einer Prüfung und einem Ziel in der Heiligung.
Erstens will Gott seinem auserwählten Volk alles sein. Er will sich in jene hineinwirken, die er zu sich selbst vorherbestimmt hat. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft dreiunddreißig, S. 385)
Wenn Gott sich selbst in sein Volk einarbeiten will, bedeutet das eine innere Umformung — nicht zuerst durch Gesetze, sondern durch Nahrung, die von oben kommt. Die Umgestaltung wirkt still und beständig; wer beständig vom Himmel isst, wird in seiner Neigung und seinem Geschmack anders. Die Erinnerung an Befreiung und Zeichen wie das Schilfmeer bleibt wichtig, doch das Manna offenbart Gottes Sehnsucht, in die Tiefe des Volkes vorzudringen und seine Mitglieder so zu bilden, dass sie mehr von ihm als von irdischen Sicherheiten leben.
Da sprach der HERR zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen. Dann soll das Volk hinausgehen und den Tagesbedarf täglich sammeln, damit ich es prüfe, ob es nach meinem Gesetz leben will oder nicht. (2.Mose 16:4)
Es ist tröstlich zu erkennen, dass Gottes Werk oft in uns hineinwächst, nicht durch spektakuläre Formeln, sondern durch beständige Zufuhr des Himmlischen. Die Einladung liegt darin, die tägliche Abhängigkeit als Schule der Formung zu sehen: ein Prozess, der schließlich die Gemeinschaft in Sein Wesen hineinführt und Hoffnung für das Wachstum schenkt.
Gottes Umgang: Züchtigung und Enthüllung des Fleisches
Gottes Umgang mit dem Fleischen des Volkes ist ambivalent: Er gibt, doch er deckt zugleich die verborgene Neigung auf. Die Wachteln, die am Abend kamen, erfüllen das Begehren nach Fleisch, doch ihr Eintreffen entlarvt, wie tief die Sehnsucht nach irdischer Befriedigung sitzt. Es heißt: “Und es geschah am Abend, da kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen war eine Schicht von Tau rings um das Lager.” (2.Mose 16:13). Diese Szene zeigt: Gottes Gewährung kann zugleich ein Spiegel sein, in dem das Volk seine Eigenart erkennt.
Bevor Gott Manna vom Himmel sandte, ließ Er zuerst Wachteln kommen (2.Mose 16:13). Diese Wachteln machten das Volk noch fleischlicher. Das Wesen und die Beschaffenheit der Wachteln entsprachen dem Wesen und der Beschaffenheit der Kinder Israels. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft dreiunddreißig, S. 388)
Wenn Gottes Züchtigung und Offenbarung zusammenwirken, geht es nicht einfach um Vergeltung, sondern um Lehrhaftigkeit. Die unmittelbare Erfüllung fleischlicher Wünsche kann die Verderbtheit verschärfen und so die Notwendigkeit einer anderen Speise deutlich machen. Indem Gott sowohl Befriedigung als auch Maßstab schenkt, führt er sein Volk an die Einsicht, dass wahre Formung nicht aus dem Übermaß des Irdischen kommt, sondern aus der fortwährenden Aufnahme des Himmlischen.
Und es geschah am Abend, da kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen war eine Schicht von Tau rings um das Lager. (2.Mose 16:13)
Das Fleisch war noch zwischen ihren Zähnen, es war noch nicht zerkaut, da entbrannte der Zorn des HERRN gegen das Volk, und der HERR schlug das Volk mit einer sehr großen Plage. (4.Mose 11:33)
In Momenten, in denen Verlangen gestillt wird, mag die Täuschung lauern, doch das ist auch Chance: Gottes Zucht kann uns unser Inneres zeigen und uns in die Suche nach echter, himmlischer Nahrung leiten. Daraus erwächst die Ermutigung, zu hoffen, dass Offenbarung und Disziplin handlungsfähige Gnade sind, die Heilung und Umkehr ermöglichen.
Konsequenz: Umgestaltung durch himmlische Nahrung
Die fortgesetzte Speisung mit Manna hat praktische Folgen: Sie formt Neigung und Leben. Täglich vom Himmel Gespeiste lernen eine andere Abhängigkeit und einen veränderten Geschmack; aus Gewohnheit wird Konstitution. Es heißt: “Dann soll das Volk hinausgehen und den Tagesbedarf täglich sammeln, damit ich es prüfe, ob es nach meinem Gesetz leben will oder nicht.” (2.Mose 16:4). Die tägliche Sammelordnung ist kein rein logistisches Gebot, sondern eine Disziplin, die das Herz und den Appetit in Richtung Gottes Fürsorge verlagert.
Vierzig Jahre lang aßen die Kinder Israels täglich Manna. Dadurch wurden sie so sehr vom Manna geprägt, dass man sogar sagen kann, sie seien selbst zu Manna geworden. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft dreiunddreißig, S. 387)
Diese Umgestaltung ist sowohl individuell als auch gemeinschaftlich: wer sich an die himmlische Speise gewöhnt, verliert nach und nach die Gier nach irdischen Ersatzbefriedigungen und findet Zufriedenheit in der Abhängigkeit von Gottes Versorgung. So entsteht ein Volk, das nicht primär durch Verbote geformt ist, sondern durch die gemeinschaftliche Erfahrung, in Gottes Gegenwart zu ruhen und von ihm genährt zu werden.
Da sprach der HERR zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen. Dann soll das Volk hinausgehen und den Tagesbedarf täglich sammeln, damit ich es prüfe, ob es nach meinem Gesetz leben will oder nicht. (2.Mose 16:4)
Die tägliche, unscheinbare Praxis des Empfangens kann langfristig die tiefsten Neigungen verwandeln. Daraus erwächst Zuversicht: Gottes Art zu formen ist nachhaltig und lebensbildend. Möge die Hoffnung wachsen, dass beharrliches Leben aus dem Himmlischen die Kraft hat, die Konstitution eines Volkes zum Guten zu verändern.
Herr, verwandle unser Inneres durch deine tägliche Gegenwart; lehre uns, das himmlische Brot zu schätzen, lass weltliche Lüste absterben und schenke uns Zufriedenheit in deiner genügenden Versorgung. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 33