Israels Erfahrung bei Elim
Nach dem Durchzug durch das Rote Meer folgten die Israeliten keinem erwarteten, logischen Weg, sondern einer Führung, die nach Marah (dem bitteren Wasser) und weiter nach Elim (den Quellen und Palmen) führte. Diese Wegführung wirft die Frage auf, weshalb Gottes Weg oft abwärts zu verlaufen scheint, wenn doch das Ziel immer Lebensfülle und Sieg ist. Die biblische Schilderung lädt dazu ein, das Verhältnis von Kreuz- und Auferstehungserfahrung, von eintretender göttlicher Gabe und wachsender menschlicher Antwort neu zu verstehen.
Gottes Weg weicht von menschlicher Logik ab
Auf den ersten Blick wirkt Gottes Führung auf seltsame Weise: statt die Menschen sofort in das Sichtbar Gute zu führen, lenkt Er sie hinab, durch Wasser und Bitterkeit, bis sie an einen Ort reichlicher Quellen gelangen. Dieses Hinabführen ist kein Irrtum der Vorsehung, sondern eine heilvolle Bewegung des Herrn, die das Innere formt. Es heißt in 2. Mose 15:27: “Dann kamen sie nach Elim, und dort waren zwölf Wasserquellen und siebzig Palmbäume; und sie lagerten sich dort am Wasser.” Dieses Bild zeigt, dass Elim nicht nur ein geografischer Rastplatz war, sondern eine Station geistlicher Vorbereitung nach dem Durchgang durch das Gericht des Meeres und die Bitterkeit von Marah.
Studiert man eine Karte, sieht man, dass sie nicht nach menschlichem Ermessen, sondern nach göttlichem Plan reisten. … Gott führte sie bewusst nach Süden, damit sie im Roten Meer getauft werden konnten — in der Taufstätte, die Er für sie in Seiner Schöpfung vorbereitet hatte. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einunddreißig, S. 357)
Wenn man den Zugweg noch etwas weiter betrachtet, wird deutlich, dass das Tief nicht das Ende, sondern die Bedingung einer kommenden Erneuerung ist. Der Gang durch das Wasser und die Begegnung mit bitterem Wasser schaffen eine Erfahrung, die wie eine Taufe wirkt: Reinigung, Abschied vom Alten und Hinwendung zu einer neuen Quelle des Lebens. Es heißt in 4. Mose 33:9: “Und sie brachen auf von Mara und kamen nach Elim; und in Elim waren zwölf Wasserquellen und siebzig Palmbäume; und sie lagerten dort.” Gottes Weg lehrt, dass äußere Umkehr oft der Vorraum zu innerer Heilung und Auferstehung ist; Er führt nicht um unserer Bequemlichkeit willen, sondern um unseres Lebens willen.
Dann kamen sie nach Elim, und dort waren zwölf Wasserquellen und siebzig Palmbäume; und sie lagerten sich dort am Wasser. (2. Mose 15:27)
Und sie brachen auf von Mara und kamen nach Elim; und in Elim waren zwölf Wasserquellen und siebzig Palmbäume; und sie lagerten dort. (4. Mose 33:9)
So fällt das tröstliche Wort: Gott geht mit in den Abstieg, weil Er das Ziel des Lebens kennt. Dort, wo Wege zunächst seltsam und schmerzhaft erscheinen, arbeitet Gottes Hand an der Umformung des Volkes, damit aus getaufter Bitterkeit Quellen lebendigen Lebens hervorgehen können. Möge die Erinnerung an Elim uns darin stärken, Gottes leitendes Wirken auch in unerwarteten Zubringern zu sehen und darin Ruhe und Hoffnung zu finden.
Elim als Bild der Auferstehung: Quellen und Palmen
Die beiden Elemente in der Beschreibung von Elim — die zwölf Quellen und die siebzig Palmen — sprechen in Zahlen und Bildsprache von dem, was Auferstehung in sich trägt: eine göttliche Strömung und ein wachsendes Aufblühen. Die Zahl zwölf verweist auf eine verwaltende, verbindende Ordnung, die unerlässlich ist, damit das Leben geordnet zuströmen kann; die siebzig ruft die breite, zeitrechnerische und internationale Ausbreitung des Wachstums in Erinnerung. Es heißt in 2. Mose 15:27: “Dann kamen sie nach Elim, und dort waren zwölf Wasserquellen und siebzig Palmbäume; und sie lagerten sich dort am Wasser.” Die Quelle ist das Geschenk, die Palme das sichtbar gewordene Wachstum.
In Elim entsprangen zwölf mächtige Quellen, und dort wuchsen siebzig Palmen. Welch ein Bild des Auferstehungslebens! Betrachte die zwölf fließenden Quellen und die siebzig wachsenden Palmen. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einunddreißig, S. 360)
Das fließende Leben, von Jesus verheißen, erfüllt die tiefe Dynamik dieses Bildes: Aus dem Innersten des Glaubenden werden Ströme lebendigen Wassers hervorgehen; dies bezeugt das Wirken des Geistes, der Auferstehung und Fruchtbarkeit schenkt. Es heißt in Johannes 7:38: “Wer in Mich hineinglaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Innerstem werden Ströme lebendigen Wassers fließen.” Und wenn Leben strömt, so hat es die Kraft, Bäume wachsen zu lassen—wie der Psalm sagt: “Der Gerechte wird sprossen wie die Palme” (Psalm 92:13). Das Bild verbindet Dreieiniges Schenken mit menschlichem Wachsen: der Dreieine Gott gibt, und der Mensch wächst in der Zeit hinein.
Dann kamen sie nach Elim, und dort waren zwölf Wasserquellen und siebzig Palmbäume; und sie lagerten sich dort am Wasser. (2. Mose 15:27)
Wer in Mich hineinglaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Innerstem werden Ströme lebendigen Wassers fließen. (Johannes 7:38)
Vor dieser Vision dürfen Herzen sich öffnen für die Größe dessen, was Gott schenkt: nicht nur eine einmalige Quelle, sondern eine beständige Strömung, die in beständigem Wachsen Früchte trägt. Elim erinnert daran, dass göttliches Leben zugleich gegeben und geformt wird — eine Einladung zur Staunenden Ergriffenheit über das, was schon da ist und noch hervorkommen wird.
Fließen, Wachsen und der Auftrag der Gemeinde
Die Erfahrung von Elim endet nicht bloß in innerer Erneuerung; sie hat einen Dienstcharakter. Quellen, die fließen, und Palmen, die wachsen, rüsten ein Volk, das lagern und streiten kann — nicht als Militärmacht, sondern als geistliche Streitmacht, die Gottes Reich voranbringt. Die biblische Vision zeigt die Fülle dessen, wozu eine Gemeinde berufen ist: eine ausströmende Mitte und eine wachsende Manifestation. Es heißt in Offenbarung 7:9: “Nach diesem sah ich: und siehe, eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation … stand vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern und Palmen in ihren Händen.” Das zeigt: die Frucht des Fließens ist eine versammelte, vielfältige Gemeinde, die Gott verherrlicht.
Gott hat einen Dienst, der durch das fließende Leben, symbolisiert durch die zwölf Quellen, und durch das wachsende Leben, symbolisiert durch die siebzig Palmen, ausgeführt werden muss. Nur Leben, das fließt und wächst, kann Gottes Dienst erfüllen. (Witness Lee, Life-Study of Exodus, Botschaft einunddreißig, S. 363)
Diese versammelte Gemeinde wird gesandt; das empfangene Leben führt zum ausgehenden Dienst. Als Jesus seine Jünger ausrüstete, gab Er ihnen Vollmacht, die Herrschaft des Lebens zu bezeugen. Es heißt in Lukas 9:1: “Als er aber die Zwölf zusammengerufen hatte, gab er ihnen Kraft und Vollmacht über alle Dämonen und zur Heilung von Krankheiten.” Die Verbindung von empfangenem Strom und sichtbar wachsendem Leben ergibt die befähigte Gemeinde: Empfangene Gnade verwandelt sich in gesegnetes Zeugnis und in siegreiches Wirken, dem die Welt eine Antwort geben wird.
Nach diesem sah ich: und siehe, eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, stand vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern und Palmen in ihren Händen. (Offenbarung 7:9)
Als er aber die Zwölf zusammengerufen hatte, gab er ihnen Kraft und Vollmacht über alle Dämonen und zur Heilung von Krankheiten. (Lukas 9:1)
Elim fordert die Gemeinde zu einem Leben heraus, das zugleich empfangen und sichtbar wird: Quellen, die nicht nur für sich fließen, und Palmen, die nicht allein für sich stehen. Aus dieser Spannung entsteht eine reife und wirksame Gemeinschaft. Möge die Erinnerung an Elim uns ermutigen, das empfangene Leben zu hüten und wachsen zu lassen, damit es zur Kraft für Gottes Weg in der Welt wird.
Herr, danke für Deinen unerwarteten Weg, der uns durch Leid und Heil zum Leben führt; schenke uns den Geist, damit Deine Quellen in uns fließen und wir in dem wachsenden Leben Deine Herrlichkeit ausdrücken. Amen.
Englische Quelle: Life-Study of Exodus, Chapter 31