Das Wort des Lebens
lebensstudium

Die geistliche Bedeutung von Joseph und Benjamin (3)

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Die kurzen, poetischen Bilder in Jakobs Segensworten eröffnen einen weiten Horizont: Hinter der Erwähnung von Brüsten und Mutterleib verbirgt sich eine Aufforderung zum bezeugenden, erzeugenden Leben; hinter dem Bild des Nebenwohnsitzes Gottes steht der tiefere Wunsch nach einer bleibenden Wohnstätte unter den Menschen. Welche Konsequenzen haben diese Bilder für unser Gemeindeleben und unseren Alltag im Glauben?

Joseph: Zeichen des universalen Segens und des erzeugenden Lebens

Wenn Jakob von „Segnungen der Brüste und des Mutterleibes“ spricht, wird ein Bild geöffnet, das über biologisches Stillen und Gebären hinausweist und ein geistliches Prinzip offenbart: Gott will Leben hervorbringen und dieses Leben zugleich nähren. Das hervorgebrachte Leben ist nicht bloß Besitz oder Rang; es ist eine fortlaufende Quelle, die Frucht bringt, sich vermehrt und andere nährt. Die Vorstellung vom „Brust–und–Leib“-Verhältnis macht deutlich, dass wirklicher Segen produktiv und relational ist – er schafft Personen, verbindet sie in einem Leib und lässt das Leben weiterfließen.

In göttlicher Eingebung spricht Jakob in 1. Mose 49:25 von „Segnungen der Brüste und des Mutterleibes“. In diesem poetischen Bild steht der Mutterleib für das Hervorbringen beziehungsweise die Zeugung des Lebens, die Brüste hingegen für die Nahrung des Lebens. (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft einhundertsieben, S. 1376)

Diese Dynamik wird in der Heiligen Schrift zugleich mit Gottes Fürsorge und Fülle verknüpft. So heißt es in 5. Mose 33:16: „und vom Köstlichsten der Erde und ihrer Fülle und das Wohlgefallen dessen, der im Dornbusch wohnt, (all das) komme auf das Haupt Josephs und auf den Scheitel des Abgesonderten unter seinen Brüdern!“ Dieses Wort betont, dass der Segen, den Joseph symbolisiert, nicht isoliert bleibt, sondern aus der Nähe zu dem entspringt, der Wohnstätte hat und Wohlgefallen schenkt. Die Fruchtbarkeit des Lebens ist demnach verwoben mit der Gegenwart Gottes; wo Gott wohnt, entsteht Leben, das nährt und weitergibt.

und vom Köstlichsten der Erde und ihrer Fülle und das Wohlgefallen dessen, der im Dornbusch wohnt, (all das) komme auf das Haupt Josephs und auf den Scheitel des Abgesonderten unter seinen Brüdern! (5.Mose 33:16)

Die Erkenntnis, dass Segen Erzeugung und Nahrung bedeutet, lädt zu einer Hoffnung ein, die praktisches Gemeindeleben prägt: Segen will geteilt, Leben will gegeben werden. Möge die Gemeinde als ein Ort erscheinen, an dem dieses nährende Leben sichtbar wird – nicht als Leistung, sondern als Frucht der Gegenwart Gottes, die uns befähigt, zu gebären und zu nähren.

Benjamin: Bild für Gottes Wohnung und die sichere Nähe des Herrn

Benjamin tritt in der Schrift als der auf, der bei dem Herrn wohnt; dieses Bild führt unmittelbar in die Erfahrung der geborgenen Nähe Gottes. Als „Liebling des HERRN“ wohnt Benjamin in Sicherheit, und das Motiv des Wohnens zieht sich vom brennenden Dornbusch bis zum Zelt der Begegnung: Gott will nicht fern sein, sondern eine bleibende Nachbarschaft zum Menschen. Darin liegt ein doppelter Trost – Gottes Gegenwart schützt und macht zugleich den Ort menschlichen Lebens heilig.

  1. Mose 33:12 heißt es: „Für Benjamin sprach er: Der Liebling des HERRN! In Sicherheit wohnt er bei ihm. Er beschirmt ihn den ganzen Tag, und zwischen seinen Berghängen wohnt er.“ Benjamin ist ein Nachbar des HERRN; weil er neben dem HERRN wohnt, lebt er in Sicherheit. (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft einhundertsieben, S. 1380)

Die biblischen Bilder verbinden Wohnstätte und Nähe: „In Sicherheit wohnt er bei ihm. Er beschirmt ihn den ganzen Tag, und zwischen seinen Berghängen wohnt er“ (5. Mose 33:12). Ebenso ruft Gott aus dem Dornbusch und dem Zelt der Begegnung zu denen, die ihm nahen. Wer Benjamin betrachtet, sieht darum nicht nur ein individuelles Los, sondern eine Einladung, das Prinzip der Wohnstätte Gottes zu erkennen: Gott macht Wohnung unter den Seinen, und dadurch wird Gegenwart zur täglichen Wirklichkeit.

Für Benjamin sprach er: Der Liebling des HERRN! In Sicherheit wohnt er bei ihm. Er beschirmt ihn den ganzen Tag, und zwischen seinen Berghängen wohnt er. (5.Mose 33:12)

Als aber der HERR sah, daß er herzutrat, um zu sehen, da rief ihm Gott mitten aus dem Dornbusch zu und sprach: Mose! Mose! Er antwortete: Hier bin ich. (2.Mose 3:4)

Wenn Gottes Wohnung unter den Menschen gedacht wird, erwächst daraus eine frohe Gewissheit: Nähe bei Gott ist möglich und schützt. Diese Gewissheit ermutigt dazu, die Gemeinde als Ort zu betrachten, an dem Gottes Wohnstätte schon jetzt erfahrbar ist – ein Trost, der Mut macht und zur reflektierten Zuversicht führt.

Die Gemeinde als Vorgeschmack und Vollendung von Segen und Wohnung

Die Briefe des Neuen Testaments verknüpfen Segen und Wohnstätte nicht zufällig, sondern zeigen ein Zielbild: Gott segnet, damit Menschen seine Wohnung werden. Diese knappe, aber gewaltige Wahrheit wird klar, wenn Paulus die Gemeinde als Tempel Gottes bezeichnet – nicht als Gebäude, sondern als Leib, in dem der Geist wohnt. Das bedeutet: Der empfangene Segen hat die Absicht, in uns Raum für Gottes Gegenwart zu bereiten und so Gemeinschaft zu ermöglichen, die heiligt und erneuert.

Gott hat uns in den himmlischen Regionen mit allen geistlichen Segnungen gesegnet, damit wir zu Seiner Wohnstätte werden. (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft einhundertsieben, S. 1374)

Wortlaut und lebendige Erfahrung treffen zusammen; so heißt es in 1. Korinther 3:16: „Wisst ihr nicht, dass ihr der Tempel Gottes seid und dass der Geist Gottes in euch wohnt?“ Und Johannes ergänzt die Personalität dieser Wohnung: „Wenn jemand Mich liebt, wird er Mein Wort bewahren, und Mein Vater wird ihn lieben, und Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen“ (Johannes 14:23). Zusammengenommen führen diese Texte zur Konsequenz, dass Gemeinde kein abstraktes Ideal bleibt, sondern konkreter Ort, an dem der Segen sich erfüllt, indem Christus in den Herzen wohnt und Leben hervorbringt.

Die Verbindung von Segen und Wohnstätte fordert eine Gemeinde heraus, die empfänglich und zugleich lebendig ist: empfänglich für Gottes Gegenwart und konzentriert darauf, Leben weiterzugeben. So wird die Gemeinde zum Vorgeschmack der zukünftigen Vollendung, in der alle Segnungen und die bleibende Wohnung Gottes eins werden.

Wisst ihr nicht, dass ihr der Tempel Gottes seid und dass der Geist Gottes in euch wohnt? (1.Kor 3:16)

Jesus antwortete und sagte zu ihm: Wenn jemand Mich liebt, wird er Mein Wort bewahren, und Mein Vater wird ihn lieben, und Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. (Joh. 14:23)

Das Bild einer Gemeinde, die zugleich Segensträgerin und Wohnstätte Gottes ist, schenkt Ermutigung: Gegenwart und Fruchtbarkeit sind keine ferne Verheißung, sondern können hier und jetzt erkennbar werden. Möge diese Hoffnung die Gemeinde leiten, damit aus empfangener Gnade ein offenes, nährendes Miteinander wächst.


Herr, führe uns als Gemeinde, damit wir in Deinem Segen leben und Dich sichtbar wohnen lassen. Schenke uns ein offenes Herz füreinander und mache unser Miteinander zu einem Ort, an dem Deine Gegenwart tröstet, heilt und Leben hervorbringt. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Genesis, Chapter 107