Das Wort des Lebens
lebensstudium

Gerettet durch Wasser

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In einer Zeit, in der gesellschaftliche Einflüsse stark prägen und viele Christen die Macht der Welt kaum als geistliche Bedrohung wahrnehmen, stellt sich die Frage: Reicht das Wissen um Vergebung allein, um uns wirklich aus der Welt zu lösen? Das Leben Noahs, der Auszug Israels und die neutestamentliche Lehre über die Taufe führen zu einer überraschenden Einsicht: Gottes große Rettung hat zwei Seiten, und nur wer die zweite Seite erlebt, wird vom bösen Einfluss des Zeitalters befreit.

Zwei Aspekte der Rettung: Blut und Wasser

Gottes Rettung zeigt sich hier in einer doppelten Bewegung: Blut begegnet dem Zorn Gottes, Wasser begegnet der Verderbtheit der Welt. Beobachtend fällt auf, dass die biblischen Bilder oftmals beide Seiten gemeinsam vor Augen führen — wie bei Noah, dessen Arche durch das Gericht der Flut bewahrt wird und der zugleich aus dem verdorbenen Zeitalter herausgenommen wird. Es heißt in 1. Mose 6:13: “Und Gott sprach zu Noah: Das Ende alles Fleisches ist vor Mich gekommen, denn ihretwegen ist die Erde voller Gewalttat; und jetzt bin Ich im Begriff, sie mitsamt der Erde zu vertilgen.” Dieses Bild macht deutlich: Rettung ist nicht nur Bewahrung vor dem Zorn, sondern auch Trennung von dem, was Gott verwirft.

Der erste Aspekt ihrer Erlösung ist das erlösende Blut, der zweite das richtende Wasser. Halleluja für das erlösende Blut und das richtende Wasser! Wir wissen, was das erlösende Blut ist, doch ich bezweifle, dass viele wissen, was das richtende Wasser ist. Für uns ist das richtende Wasser das Kreuz Christi. (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft einunddreißig, S. 414)

Deutend erkennen wir darin die komplementäre Funktion von Blut und Wasser. Das Blut des Christus stellt uns vor Gottes Gerechtigkeit — es bezahlt die Schuld und nimmt uns aus dem Bereich des Gerichtes, wie es Paulus über die Rechtfertigung durch Blut formuliert (vgl. Röm. 5:9). Das Wasser hingegen steht als Gericht über die Macht der Welt; in der Taufe wird diese gerichtliche Seite praktisch erfahrbar. 1. Petrus verbindet beides, wenn er das Wasser der Sintflut und die Taufe gleichsam in Beziehung setzt: “die einst ungehorsam gewesen waren… und sicher durch das Wasser hindurchgebracht wurden,” und weiter: “das als das Gegenbild jetzt auch euch rettet” (1. Petr. 3:20-21). So werden Blut und Wasser nicht zu konkurrierenden Lösungen, sondern zu zwei Seiten derselben göttlichen Rettung.

Konsequenterweise verlangt eine biblisch geprägte Nachfolge beides: das Bewusstsein gerettet zu sein vor Gottes Zorn und die Wirklichkeit, aus dem Herrschaftsbereich der Welt herausgenommen zu sein. Diese Balance bewahrt vor einer Verflachung, die das Kreuz entweder nur als juristische Transaktion begreift oder nur als moralische Trennung von der Welt. In der Tiefe der Schrift bleibt das eine ohne das andere unvollständig; wer nur das Blut kennt, verkennt die Befreiung von der Weltmacht, wer nur das Wasser sieht, übersieht die Erlösung vor dem Zorn. Gerade das Zusammenspiel schenkt dem Leben in Christus eine befreiende Gewissheit und zugleich eine heilvolle Distanz zur verderbten Ordnung.

Anschluss: Wer diese Wahrheit in sein Denken aufnimmt, wird ermutigt, das Ganze der Rettung ernst zu nehmen: nicht nur als einmaliges Ereignis vor Gott, sondern als fortwährende Wirklichkeit, die uns im Alltag vor der Macht des Alten bewahrt und uns Schritt für Schritt in das Neue hineinführt.

Und Gott sprach zu Noah: Das Ende alles Fleisches ist vor Mich gekommen, denn ihretwegen ist die Erde voller Gewalttat; und jetzt bin Ich im Begriff, sie mitsamt der Erde zu vertilgen. (1. Mose 6:13)

die einst ungehorsam gewesen waren, als die Langmut Gottes in den Tagen Noahs wartete, während die Arche bereitet wurde, in die wenige, das heißt acht Seelen, hineingingen und sicher durch das Wasser hindurchgebracht wurden, das als das Gegenbild jetzt auch euch rettet, das heißt die Taufe, nicht ein Wegtun des Schmutzes des Fleisches, sondern die Bitte an Gott um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi. (1. Petr. 3:20-21)

Möge die Einsicht in Blut und Wasser als zwei Vollzüge göttlicher Rettung dein Vertrauen vertiefen: die Gewissheit, vor dem Richter geborgen zu sein, und die Einladung, aus der Welt herauszutreten, wirken zusammen befreiend. Bewahre beides im Blick, damit dein Leben sowohl gerettet als auch getrennt lebt — in stillem Glauben und lebendiger Hoffnung.

Wasser als richtendes und trennendes Element

Wasser als richtendes und trennendes Element erscheint zunächst paradox: Dieselbe Kraft, die zerstört, kann auch befreien. Beobachtend zeigt sich dies im Kreuzesgeschehen, wo die Welt gerichtet und zugleich vom Gläubigen getrennt wird. Es heißt in Johannes 12:31: “Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden.” Das Kreuz ist damit nicht allein ein Platz der Sühne, sondern auch der Entmachtung der Weltherrschaft — eine gerichtliche Geste, die uns erlaubt, anders zu leben.

Wenn du getauft wirst, wirst du begraben. Nichts nimmt einen Menschen so sehr aus der Welt heraus wie eine Beerdigung. Was könnte dich also wirksamer aus der Welt herausnehmen als die Taufe? (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft einunddreißig, S. 417)

Deutend liegt die praktische Entsprechung dieses Gerichtes in der Taufe: Sie bildet das Begräbnis mit Christus ab und setzt die gerichtliche Trennung um. Es heißt in Römer 6:3: “Oder wisst ihr nicht, dass alle von uns, die in Christus Jesus hineingetauft worden sind, in Seinen Tod hineingetauft worden sind?” Die Taufe macht sichtbar, dass das Leben, das unter der Herrschaft dieser Welt stand, mit Christus gestorben ist; was da begraben wird, bleibt nicht nur eine theologische Idee, sondern wird ein gelebtes Abgesondertsein von dem, was unserem Zugang zu Gottes Gegenwart im Wege steht.

Die Konsequenz dieses Verständnisses ist tiefgehend für das alltägliche Christsein: Wenn die Taufe die gerichtliche Trennung bestätigt, so fordert sie zugleich ein Leben, das die Folgen dieses Gerichts trägt — nicht aus Zwang, sondern aus neu gewonnenem Sein. Dadurch wird die Gemeinde zu einer versammelten Gegenwart Gottes, deren Lebensweise nicht mehr von den weltlichen Mächten bestimmt ist. In dieser Freiheit findet sich die Einladung, beständig in der Realität des Kreuzes zu verbleiben, so dass die Trennung von der Welt nicht nur formell, sondern existenziell wird.

Ausblick: Wer das Wasser als Gericht und als Trennung annimmt, erlebt die Taufe nicht als bloßes Ritual, sondern als Eingang in ein geändertes Dasein — getragen von der befreienden Autorität Christi und der sanften, aber klaren Distanz zur weltlichen Herrschaft.

Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden. (Johannes 12:31)

Oder wisst ihr nicht, dass alle von uns, die in Christus Jesus hineingetauft worden sind, in Seinen Tod hineingetauft worden sind? (Römer 6:3)

Es ist ermutigend zu wissen, dass das Gericht am Kreuz zugleich unsere Freiheit formt: nicht um uns zu entleeren, sondern um uns in die Tiefe des neuen Lebens zu führen. Möge das Bewusstsein der gerichtlichen Trennung dir Zuversicht geben, im Licht des Kreuzes zu bestehen und in der Taufe die Wirklichkeit dieses Übergangs zu ruhen.

Typen, Zeichen und Ziel: Vom Taufbild zur neuen Schöpfung

Die Schrift arbeitet mit Typen und Bildern, um das Gefüge von Gericht, Reinigung und Vollendung sichtbar zu machen: Sintflut, Durchzug durchs Meer, das Waschbecken im Vorhof, das bronzene Meer und schließlich das gläserne Meer vor dem Thron. Beobachtend fällt auf, wie diese Bilder aufeinander verweisen — sie zeigen eine Bewegung von Reinigung hin zur Gegenwart Gottes. Es heißt in 2. Mose 30:18: “Stelle ein bronzenes Becken und sein bronzenes Gestell her zum Waschen! Das stelle zwischen das Zelt der Begegnung und den Altar, tu Wasser hinein,” und so wird Wasser zum Mittel sowohl der äußeren Reinigung als auch der Vorbereitung für den inneren Dienst vor Gott.

Am Ende werden der neue Himmel und die neue Erde, die neue Schöpfung, in die Gegenwart Gottes gebracht, und das Neue Jerusalem wird herabkommen. Gottes Gegenwart wird dort sein; das Meer ist nicht mehr (Offb. 21:1). Der Feuersee wird die Vollendung aller Taufen in allen Zeitaltern sein. (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft einunddreißig, S. 421)

Deutend führen diese Typen zur Zielvorstellung der neuen Schöpfung, in der das Meer als Symbol der Trennung und des Chaos aufgehoben ist. Die Taufe ist in diesem Gefüge das praktische Abbild des Weges, der dorthin führt: begraben und zugleich auferweckt, gereinigt und in die wahrnehmbare Gegenwart Gottes gerückt. Es heißt in Kolosser 2:12: “da ihr zusammen mit Ihm begraben wurdet in der Taufe, in der ihr auch zusammen mit Ihm auferweckt wurdet durch den Glauben an die Wirkkraft Gottes, der Ihn von den Toten auferweckt hat.” So verbinden sich Typus und Erfüllung — die Handlungen in der Zeit spiegeln die Vollendung, zu der Gott uns bestimmt.

Konsequenterweise ist die Taufe nicht nur ein Blick zurück auf das Erlösungswerk, sondern ein Vorgriff auf das Ziel: ein Leben, in dem die Herrschaft der nicht-göttlichen Mächte nicht mehr bestimmend ist. Die Bilder erinnern uns daran, dass Gottes Heilsplan historisch handelt und esoterisch erfüllt: Was im Typus begonnen hat, wird in der neuen Schöpfung zur vollen Wirklichkeit. Die Gemeinde lebt somit zwischen Bild und Erfüllung, geformt durch die symbolischen Handlungen, die ihre Hoffnung sichtbar machen.

Ermutigung: Diese Reihe von Bildern lädt dazu ein, die Taufe als Teil einer größeren biblischen Aussage zu sehen — als einen Schritt in die gerichtliche Reinigung, die schließlich in der Gegenwart Gottes mündet. So kann die Praxis der Gemeinde zur lebendigen Teilnahme an Gottes Vorsehung werden, die uns auf das Kommende hin vorbereitet.

Stelle ein bronzenes Becken und sein bronzenes Gestell her zum Waschen! Das stelle zwischen das Zelt der Begegnung und den Altar, tu Wasser hinein, und Aaron und seine Söhne sollen ihre Hände und ihre Füße darin waschen! Wenn sie in das Zelt der Begegnung hineingehen, sollen sie sich mit Wasser waschen, damit sie nicht sterben. Oder wenn sie an den Altar herantreten zum Dienst, um für den HERRN ein Feueropfer als Rauch aufsteigen zu lassen, dann sollen sie ihre Hände und ihre Füße waschen, damit sie nicht sterben. Und das soll für sie eine ewige Ordnung sein, für ihn und seine Nachkommen, für (all) ihre Generationen. (2. Mose 30:18-21)

da ihr zusammen mit Ihm begraben wurdet in der Taufe, in der ihr auch zusammen mit Ihm auferweckt wurdet durch den Glauben an die Wirkkraft Gottes, der Ihn von den Toten auferweckt hat. (Kolosser 2:12)

Die Typen lehren, dass Gottes Wege sowohl historisch als auch zielgerichtet sind: Reinigung, Trennung und schließlich neu geschaffene Gemeinschaft mit Ihm. Möge die Betrachtung dieser Bilder dein Vertrauen stärken, dass das, was in Taufe und Kreuz begonnen wurde, in der Gegenwart Gottes seine Vollendung findet — zur Erbauung deiner Hoffnung und zur Ruhe deines Herzens.


Herr Jesus, danke für Dein vollendetes Werk am Kreuz und dafür, dass Du nicht nur unsere Schuld getragen, sondern auch die Macht der Welt gebrochen hast. Ich bitte um eine lebendige Erfahrung der Taufe als Begräbnis mit Dir: trenne mich vom Geist und den Gewohnheiten dieser Welt, reinige mein Herz von allem, was mich von Deiner Gegenwart hindert, und stärke mich, im Alltag als für die Welt gekreuzigte Person zu leben. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Genesis, Chapter 31