Das Wort des Lebens
lebensstudium

Gott in den Menschen als Leben hineinwirken

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Die kurzen Kapitel am Anfang der Bibel sind dichter gefüllt mit Samen geistlicher Wahrheiten, als man auf den ersten Blick annimmt. 1. Mose 2 ist nicht nur eine Schöpfungs- oder Heiratsgeschichte, sondern ein Bild, das sich durch das ganze Schriftbild entfaltet: Gott will in den Menschen als Leben wohnen und so sein Ziel erreichen. Vor der Frage, wie diese innere Verwandlung konkret geschieht, stehen Bild und Wirklichkeit nebeneinander — das Typusvolle des Gartens verweist auf das historische Geschehen in Christus und auf die praktische Gestalt der Gemeinde hier und heute.

Adam und Eva als Typen: Christus und die Gemeinde

Die Erzählung von Adam und seiner Ergänzung führt zunächst in eine einfache, aber tiefe Beobachtung: Gott erkennt die Einsamkeit des Menschen und schafft eine Hilfe, die von der Substanz des Menschen ausgeht. Es heißt: „Und Jehovah Gott sprach: Es ist nicht gut für den Menschen, dass er allein sei; Ich will ihm eine Hilfe als sein Gegenüber machen.“ (1. Mose 2:18). In der historischen Ebene sehen wir hier die Fürsorge des Schöpfers; im geistlichen Blick eröffnet sich die Typologie, daß die Gemeinde nicht zufällig neben Christus steht, sondern aus demselben Leben hervorgeht.

(1.Kor. 10:4). Als der Fels geschlagen wurde, spaltete er sich und lebendiges Wasser quoll hervor. Jesus wurde am Kreuz durch den Stab des Mose geschlagen, das heißt durch das Gesetz Gottes. (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft siebzehn, S. 220)

Wenn Adam als Typus des Menschen demgegenüber die göttliche Absicht andeutet, so weist die Bildsprache zugleich auf Christus als den wahren Adam und auf die Gemeinde als seine Frau hin. Es heißt in der Schrift über die Beziehung von Bräutigam und Braut: „Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; … Darum ist diese meine Freude zur Fülle gelangt.“ (Joh. 3:29). Die Freude und die innige Verbindung, die hier beschrieben werden, deuten darauf hin, daß die Gemeinde ihre Identität nicht aus Institution oder Leistung gewinnt, sondern aus dem lebendigen Verhältnis zum Bräutigam, aus dem herzenserfüllenden Fluss Seines Lebens.

Aus dieser Deutung folgt eine praktische Einsicht: Die Gemeinde ist kein bloßes Gefäß, das Christus aufnimmt, sondern die konkrete Entfaltung Seines Lebens in vielen Personen. Wenn die Frau aus der Rippe des Mannes genommen wird, bedeutet das Bild, daß die Ergänzung nicht fremd ist, sondern aus der inneren Substanz des Mannes gebildet wird. So wird die Gemeinde in ihrer Wurzel und Gestalt dadurch bestimmt, wie lebendig Christus in den Gliedern wirkt und wie dieses Leben untereinander geteilt wird.

Zum Ausklang: Die Typologie von Adam und Eva lädt zu einem Staunen über die Zärtlichkeit Gottes ein — Er formt keine ferne Institution, sondern eine lebendige Gemeinschaft aus Seinem eigenen Sein. Dies weckt die Hoffnung, daß das, was äußerlich oft brüchig erscheint, innerlich vom Bräutigam genährt und in Freude verwandelt werden kann.

Und Jehovah Gott sprach: Es ist nicht gut für den Menschen, dass er allein sei; Ich will ihm eine Hilfe als sein Gegenüber machen. (1. Mose 2:18)

Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, freut sich mit Freuden über die Stimme des Bräutigams. Darum ist diese meine Freude zur Fülle gelangt. (Johannes 3:29)

Auf der Ebene des Glaubens ergibt sich die Einsicht, dass kirchliche Identität nicht primär durch Programme oder Strukturen zustande kommt, sondern durch das aus Christus hervorsprudelnde Leben. Solche Perspektive führt zu einem Wertwechsel: Formelles Tun bleibt wertvoll, doch sein eigentlicher Sinn offenbart sich, wenn daraus Gemeinschaften hervorgehen, die aus derselben Lebensquelle genährt sind. So entsteht eine Gemeinde, die mehr ist als Zusammenkunft — sie ist entfaltetetes Leben des Bräutigams.

Die göttliche Weise: Verkörperung, Tod und Auferstehung als Lebensquelle

Die Schilderung in 1. Mose 2 bietet ein überraschendes Bild für das Wirken Gottes: Adam wird in einen tiefen Schlaf versetzt, aus dem eine neue Gestalt hervorgeht. Es heißt: „Und Jehovah Gott ließ einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, und er schlief ein; und Er nahm eine von seinen Rippen und verschloss das Fleisch an ihrer Stelle.“ (1. Mose 2:21). Beobachtet man dieses Bild mit dem Neuen Testament im Blick, deutet sich an, dass Gottes Weg, in Menschen Leben zu bringen, nicht über äußere Maßnahmen, sondern über eine tiefe, innere Operation geht.

Der wahre Adam wird der letzte Adam genannt (1.Kor. 15:45). Als der Letzte ist Er zugleich der wahre Adam. 2) Durch den Tod hindurchgehen — Adam im Schlaf Der wahre Adam wurde am Kreuz in Schlaf versetzt; dort ruhte Er sechs Stunden, von neun Uhr morgens bis drei Uhr nachmittags (Mk. 15:25, 33). Dies wird in 1.Mose 2 angedeutet, wo es heißt: „Und Jehovah Gott ließ einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, und er schlief ein; und Er nahm eine von seinen Rippen und verschloss das Fleisch an ihrer Stelle.“ (1.Mose 2:21) (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft siebzehn, S. 219)

Diese Operation findet ihre geschichtliche Erfüllung in Christus: das Wort wurde Fleisch, und aus diesem Fleisch floss Leben; „Und das Wort wurde Fleisch und stiftshüttete unter uns … voller Gnade und Wirklichkeit.“ (Joh. 1:14). Am Kreuz öffnete sich die Seite des Herrn, und es heißt: „sondern einer der Soldaten durchbohrte Seine Seite mit einer Lanze, und sogleich kamen Blut und Wasser heraus.“ (Joh. 19:34). Das Bild des durchbohrten Herzens zeigt, wie Leben und Gnade aus dem Leib des Menschengewordenen hervorkommen und zur Quelle werden, aus der die Gemeinde gespeist wird.

In der Deutung heißt das: Gott arbeitet nicht primär durch Vorschriften oder Programme, sondern durch den Leib Christi, durch seinen Tod und die freigesetzte Lebenskraft der Auferstehung. Wie das Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, um Frucht zu bringen, so ist die göttliche Methode ein Durchgang durch Tod zum Ausgang lebendigen Wachsens. Diese Erkenntnis verschiebt unser Denken von äußerer Wirksamkeit auf innere Lebensversorgung und macht den Tod Christi zur eigentlichen Quelle jeder bleibenden Erneuerung.

Zum Abschluss: Wer dieses Bild in sich vernimmt, kann Trost finden in der Einfachheit von Gottes Plan — nicht spektakulär, aber tief wirksam. Die Hoffnung bleibt, dass das, was im Verborgenen geschieht, einmal sichtbar Frucht bringt, weil der Herr sein Leben hineingibt und es nicht bei Worten belässt.

Und Jehovah Gott ließ einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, und er schlief ein; und Er nahm eine von seinen Rippen und verschloss das Fleisch an ihrer Stelle. (1. Mose 2:21)

Und das Wort wurde Fleisch und stiftshüttete unter uns (und wir haben Seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als des Einziggeborenen vom Vater), voller Gnade und Wirklichkeit. (Johannes 1:14)

Die göttliche Weise, Leben in Menschen hineinzubringen, bleibt eine Einladung zur inneren Empfänglichkeit für das, was Christus durch sein Sterben und Auferstehen freigesetzt hat. Dies bedeutet, die Realität des Leib- und Seitenwunders nicht nur zu erinnern, sondern als die Quelle zu sehen, aus der Gemeinschaften und Einzelne gespeist werden. In solcher Sicht gewinnt Leiden seine Bedeutung: nicht als Selbstzweck, sondern als Zugang zur tieferen Vermehrung des Lebens, das aus dem auferstandenen Herrn strömt.

Konsequenzen für das konkrete Glaubensleben

Wenn Christus als der letzte Adam Leben hineingearbeitet hat, gestaltet sich daraus eine konkrete Veränderung für das persönliche und gemeinschaftliche Leben. Paulus formuliert die neue Identität so: „Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir …“ (Gal. 2:20). Die Beobachtung ist, dass das Zentrum sich vom Selbst zur Person Christi verlagert; das ist weniger eine ethische Reparatur als ein Austausch der Lebensquelle.

Wir müssen von allem natürlichen Leben abgeschnitten sein, bis der lebendige Christus aus unserem Geist zum Ausdruck kommen kann. Dann werden wir in Wirklichkeit die Gemeinde sein. In der Gemeinde, dem neuen Menschen, heißt es: „wo es nicht geben kann Grieche und Jude, Beschneidung und Unbeschnittenheit, Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern Christus ist alles und in allen.“ (Kol. 3:11) (Witness Lee, Life-Study of Genesis, Botschaft siebzehn, S. 222)

Auf der gemeinschaftlichen Ebene zeigt sich die Konsequenz in der Zusammenfügung vieler Glieder zu einem Bau, in dem die Unterschiede nicht mehr trennen, weil Christus alles und in allen ist. Es heißt deshalb: „wo es nicht geben kann Grieche und Jude, Beschneidung und Unbeschnittenheit … sondern Christus ist alles und in allen.“ (Kol. 3:11). Diese biblische Bestimmung führt dazu, dass echtes Gemeindeleben als Ausdruck des einen Lebenstroms verstanden wird: persönliche Frömmigkeit, Lehre und Form sind wertvoll, doch ihr Aufbauwert bemißt sich daran, wie sehr sie aus dem auferstandenen Leben kommend miteinander verbunden werden.

Für den Einzelnen bedeutet das ein fortwährendes Loslassen naturhaft begründeter Wirksamkeit zugunsten einer Lebensführung, die aus Christus gespeist ist; für die Gemeinde bedeutet es, nicht primär Programme zu vervielfältigen, sondern Kanäle des Lebens zu sein, durch die das auferstandene Christus-Leben in den Leib hineinfließt. Die Perspektive wandelt Leistung in Teilhabe und Form in Beziehungen, bis die Gemeinschaft als lebendige Ergänzung Christi sichtbar wird.

Zum Ermutigenden: Diese Perspektive hält die Erwartung wach, dass Veränderung nicht allein eine Frage besserer Methoden ist, sondern ein wiederholtes Erleben des überströmenden Lebens Christi. Wer sich auf dieses Geheimnis einlässt, findet inmitten von Beschränkungen eine nachhaltige Quelle, die Hoffnung und Ausrichtung gibt.

Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; und das Leben, das ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben, in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und Sich Selbst für mich hingegeben hat. (Galater 2:20)

wo es nicht geben kann Grieche und Jude, Beschneidung und Unbeschnittenheit, Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern Christus ist alles und in allen. (Kolosser 3:11)

Die Folge des hineingewirkten Lebens Christi lässt sich als Einladung verstehen, das Gewohnte mit einer neuen Sehweise zu sehen: nicht mehr zuerst um Tun kreisen, sondern um Empfang und Weitergabe des lebendigen Leibes. Auf diese Weise werden Gemeinschaften zu Orten, an denen das Leben Christi sichtbar ausgesprochen und geteilt wird. Das eröffnet eine beharrliche Zuversicht, dass wahre Umgestaltung aus dem inneren Strom dieses Lebens entsteht und nicht bloß aus äußerer Anstrengung.


Herr Jesus, danke, dass Du durch Offenbarung, Kreuz und Auferstehung Dein Leben in uns legst; möge Dein auferstehendes Sein in unseren Herzen wohnen, uns verwandeln und als lebendiges Licht und Liebe durch uns in anderen sichtbar werden. Amen.

Englische Quelle: Life-Study of Genesis, Chapter 17